Preiserhöhung Fernwärme

  • Ich bin fassungslos darüber das überall in den Medien und Politik und auch im Netz nur die Gas und Öl Kunden betroffen zu sein scheinen ,was machen eigentlich wir Fernwärmenutzer die die alternative nutzen und trotzdem bestraft werden weil unsere Kosten an die Gaspreise gekoppelt sind und auch keine Möglichkeit haben einfach so mal zu wechseln.

    Dieses Problem sollte der Staat auch mal mit in ihren Entscheidungen einbeziehen.

    Jetzt frage ich euch was passiert mit den Fernwärme Kunden werden sie wie ich vermute genauso hart rangenommen wie die anderen Kunden die Gas oder Öl als Energiequelle beziehen?

    Danke.

  • Jetzt frage ich euch was passiert mit den Fernwärme Kunden werden sie wie ich vermute genauso hart rangenommen wie die anderen Kunden die Gas oder Öl als Energiequelle beziehen?

    Danke.

    Moin ronni , Willkommen hier im Forum!


    Wir haben uns 2020 (wegen einer veralteten und defekten Anlage) vom Gas verabschiedet und an den lokalen Fernwärmeerzeuger anschliessen lassen. Die letzte Preisanpassung zum 1. Januar 2022 betrug 4,77 % und liess mir nicht gerade die Schweissperlen auf die Stirn treiben. Ich bin da relativ entspannt, leide aber solidarisch mit den Gaskunden mit. ;)


    Da auch Holzhackschnitzel preislich an fossile Energieträger gebunden sind, kann und wird dieser Kelch in Zukunft kaum an uns vorübergehen. Zu sagen, wie exorbitant sich die Fernwärmepreise generell entwickeln werden, halte ich allerdings für Glaskugel lesen.


    Noch bin ich ganz norddeutsch entspannt und weit entfernt, panisch zu werden...8)

  • Hallo

    Ich finde es halt nur sehr schade das wir Fernwärmenutzer immer und überall außen vor gelassen werden aber zahlen dürfen wie die Gaskunden.

    Erst einmal Danke für die Info, mehr als abwarten bleibt uns wohl nicht übrig

  • Hallo

    Ich finde es halt nur sehr schade das wir Fernwärmenutzer immer und überall außen vor gelassen werden aber zahlen dürfen wie die Gaskunden.

    Erst einmal Danke für die Info, mehr als abwarten bleibt uns wohl nicht übrig

    Ich habe nichts dagegen, bei Preisanhebungen aussen vor gelassen zu werden ;) Aber im Ernst: so ist das nun mal mit Minderheiten.


    Eine generelle Aussage für Fernwärmekunden dürfte schwer sein weil es darauf ankommt, wie die Fernwärme erzeugt wird. Da gibt es ja diverse Optionen.

  • Hallo ronni,

    Ich weiß nur das Strom und Abwärme gleichzeitig produziert wird.

    Hmm; die üblichste Technik, Strom und Wärme gleichzeitig zu produzieren, nennt sich heute Blockheizkraftwerk. Falls richtig, habe ich eine schlechte Nachricht für Sie; Sie sind (indirekter) Gaskunde.


    Wenn Sie es genau wissen wollen, schauen Sie auf die Homepage Ihres Fernwärmeversorgers. Da erläutert er bestimmt seine Anlagen.


    Gruß Pumphut

  • Das kommt zu 100 % da bin ich mir sicher, die Frage ist welche Zahl vor den %.

    Ich bin gespannt wie viele Menschen / Familien sich eine Nachzahlung zwischen 1000 und 5000€ für eine vierköpfige leisten werden können. Aus diesem Grund habe ich auf einen ausgiebigen Urlaub verzichtet.

  • Mittelfristig wird sich das auch auf die Fernwärme durchschlagen, teilweise tut es das schon. Kürzlich zum Beispiel Wolfsburg mit 70% Aufschlag.

    https://www.wolfsburger-nachri…teigen-um-70-Prozent.html

    Dreist auch der Verweis vom Versorger, dass sich die Kunden doch rechtzeitig an die Schuldnerberatung wenden sollen wenn ihnen das zu teuer wird..

    Wie zuvor schon gesagt: es hängt sehr davon ab, wie die Fernwärme „produziert“ wird: man kann Öl, Kohle, Müll oder Holz verbrennen. Im Fall Wolfsburg scheint das ja Kohle zu sein und wenn die Nachfrage nach Kohle steigt… Mein FW-Versorger verbrennt Holzhackschnitzel aus lokaler Erzeugung und wenn die Nachfrage nach Holzhackschnitzeln steigt, siehe oben. Im Moment lehne ich mich immer noch entspannt zurück.


    ronni : Robert Habeck lebt ja in Flensburg, wo er absolut keine andere Möglichkeit hat, als Fernwärme von den Flensburger Stadtwerken zu beziehen. Von daher hat er das Thema Fernwärme ganz sicher auf dem Schirm. 😃

  • Ich glaube aktuell macht das wirklich keinen so großen Unterschied. Beim Gas spürt man es am ärgsten weil da die Preise so stark gestiegen sind und Altverträge diesen Winter vermutlich nichts mehr wert sein werden. Aber aktuell ziehen alle Energieträger extrem an. Und gerade beim Thema Hackschnitzel und Pellets dürfte so mancher feststellen dass die Geschichte vom Abfallholz nicht stimmt und da doch einiges importiert wurde, auch aus Russland.


    Bei der Fernwärme kommt dann noch dazu, dass die Anbieter eine Monopolstellung in ihrem Gebiet haben. Einfach wechseln geht da nicht.

  • Als Fernwärmekunde (aus Steinkohle lt. Webseite des Versorgers), erwarte ich das wirklich dicke Ende eh noch nicht dieses Jahr (bei uns läuft der Abrechnungszeitraum vom 1.10 - 30.09.).

    Der eigentliche Preisschock wird wohl erst in der nächsten Abrechnung '23 auftauchen.


    PS: Bei uns wir die Fernwärme nur fürs Heizen genutzt. Warmwasser kommt per Durchlauferhitzer/Boiler = Stromrechnung

  • Wie zuvor schon gesagt: es hängt sehr davon ab, wie die Fernwärme „produziert“ wird:

    Eher nicht. Auch bei meinem Fernwärmeanbieter steht, dass sich der Verbrauchspreis anhand eines Index berechnet:


    "Durch die Indexwerte des statistischen Bundesamtes verändern sich der Grundpreis und der Arbeitspreis der Wärme jeweils zum 01. Januar eines jeden Jahres. Man spricht hierbei von sogenannten Preisgleitklauseln.


    Die Werte orientieren sich dabei an dem festgelegten Index für Erdgas, pflanzliche Erzeugung, Pellets, dem aktuell gültigen Stundenlohn für die Tarifvergütung und dem gesetzlichen CO2-Preis laut des Brennstoffemissionshandelsgesetz."


    Selbst wenn mein Fernwärmeanbieter seine Wärme beispielsweise 100% durch Geothermie "erzeugen" würde, so könnte den Verbrauchspreis entsprechend nach oben drehen, nur weil alle Kosten aller anderen Energieträger explodieren.


    Andererseits scheint der Index bisher nicht so stark gestiegen zu sein, wie man annehmen könnte:

    https://www.destatis.de/DE/The…len/Waermepreisindex.html

    (Für Juni 24% mehr im Vergleich zum Vorjahresmonat)

  • Die Frage ist ob ich als indirekter Kunde genauso zur Kasse gebeten werde wie der reine Gas Kunde.

    Grüße.

    Hallo ronni,

    leider richten sich die Energieerzeuger nach dem "Marktpreis", ganz egal wie die Energie erzeugt wird. Bedeutet: die Preise für die in kWh umgerechnete Energie (egal ob Gas, Holz, Pellets, Hackschnitzel, Heizöl, Fernwärme...) gleichen sich über kurz oder lang an, bzw. steigen und fallen koordiniert.


    Das Phänomen lässt sich schön für z.B. Holz beobachten: wenn ich den Brennwert von einem Ster (Raummeter) Holz, ca. 1800 - 2000 kWh (Buche, abh. von Trocknungsgrad) , mit einem momentanen Gaspreis von 0,08 EUR/kWh multipliziere, lande ich bei 144 - 160 EUR/Ster Holz. Das sind hier im Umland die Preise, die die Landwirte momentan für den Ster haben wollen (zum Vergleich: in den letzten Jahren lag der Preis zwischen 70 EUR bis 90 EUR). Nebenbei: das Holz ist nicht knapp!


    Anderes Beispiel: Ökostrom-Kunden hatten dieses Jahr scharenweise ihre böses erwachen. Obwohl der Strom aus lokalen Quellen stammt und die Versorger eigentlich unabhängig vom Weltgeschehen sein sollten, werden trotzdem steigende Marktpreise aufgerufen. Dass der Strom von der klappernden Turbine am rauschenden Bach kommt, spielt keine Rolle. Interessant ist die Begründung von Naturstromanbietern, die Preise zu erhöhen:


    https://blog.naturstrom.de/ene…n-strommaerkten-zusammen/


    Fazit: solange Du deine Energie nicht selbst generierst (PV, Solarthermie, Holz aus dem eigenen Wald, etc.), kannst Du den Marktpreisen kaum entrinnen, egal welchen Rohstoff und egal aus welcher Quelle sich Dein Energieerzeuger speist. :(

  • Und selbst bei selbst generierter Energie wirst du dem nicht entkommen. Zum einen steigen die Materialpreise (z.B. Photovoltaik) mit den Strompreisen an, zum anderen musst du auch Opportunitätskosten ehrlich einrechnen (Holz aus dem eigenen Wald ist nicht umsonst sondern hätte verkauft werden können).

  • Ich weiß nicht, ob ich jetzt Eulen nach Athen trage, aber sicher ist sicher:



    Das Thema hier geht zwar um Preiserhöhungen bei einem existierenden Fernwärmevertrag, aber vielleicht lesen ja Leute mit, die sich gerade überlegen, ob man zu einem solchen wechselt. Deshalb meine Erfahrung aus zweieinhalb Jahren (einiges, was jetzt folgt, haben andere weiter oben auch schon teilweise erwähnt).



    Meine Frau und ich sind eine Wohnung gezogen, für die die Baugesellschaft einen Fernwärmevertrag abgeschlossen hat. Wir hatten also keine Wahl. Da das Haus sehr neu und entsprechend energieeffizient gebaut ist, haben die Abrechnungen der ersten beiden Jahre erst mal auch recht gut ausgeschaut. Als ich dieser Tage aber mal nachsehen wollte, wie sich der Preis pro Kilowattstunde denn genau errechnet, musste ich feststellen, dass das total intransparent ist (abgesehen davon, dass es schwer war, die Dokumentation dazu überhaupt aufzutreiben).



    Hier mal, was ich dabei gelernt habe:

    • Wer einen Fernwärmevertrag abschließt, landet bei einem Monopolisten! Darauf weisen auch die Verbraucherzentralen in ihren Beiträgen hin.
    • Wer einen Fernwärmevertrag abschließt, bekommt dann etwas, das einem Indexmietvertrag sehr ähnlich ist. Bei uns ist das jedenfalls so. Folge davon (zumindest bei uns): Der Versorger braucht offenbar die jährliche Preiserhöhung vorab gar nicht offiziell mitzuteilen. Wir erfuhren jedenfalls den gültigen Kilowattstundenpreis erst über die Jahresabrechnung.
    • Anders als bei Indexmietverträgen, bei dem nur ein bestimmter Index den Mietpreis beeinflusst, haben wir bei unserem Fernwärmevertrag deren 5 (!), die nach unterschiedlichen Gewichtungen in die jährliche Berechnung einfließen. Und natürlich spielt der Erdgaspreis hier eine nicht geringe Rolle. Und das unabhängig davon, wie hoch der Anteil von Erdgas bei Deinem Versorger tatsächlich ist!
    • Keiner der 5 Indexwerte lässt sich leicht berechnen. Die Quellen sind zwar beim Statistischen Bundesamt bzw. der EEX-Börse einsehbar, aber eine jährliche Berechnung nachzuvollziehen kostet wirklich Zeit und Nerven. Am Ende bleibt einem meist nur, darauf zu vertrauen, dass der Versorger es bei der Berechnung ehrlich meint.


    Wie gesagt – wenn einem eine Mietwohnung sehr gefällt und man sie unbedingt haben will, hat man halt keine andere Wahl. Wer aber ein Einfamilienhaus hat und sich gerade fragt, ob Fernwärme einen vor Preisexplosionen schützt, sollte besser erstmal einen Beratungstermin bei seinem lokalen Energieversorger buchen und sich das genau vorrechnen lassen.