Als Rentner von Kapital leben

  • Folgende Lage: Unternehmer setzt sich zur Ruhe und verkauft sein Unternehmen und hat dann eine Million Euro auf seinem Girokonto. Er hat so gut wie keine weiteren Einnahmen. Er möchte von diesem Kapital bis zum Lebensende leben und das Kapital darf dabei auch verzehrt werden. Er hat keine Erben. Der Ruheständler würde gerne monatliche Einnahmen haben.


    Welche Geldanlage empfiehlt sich für diesen Ruheständler?


    EFT oder Fonds mit monatlicher Ausschüttung? Oder ganz normal EFT MSCI World thesaurierend und er verkauft jeden Monat (oder am besten nur nach Bedarf) entsprechende Anteile?


    Ganz andere Ideen?

  • Guten Tag Kajjo und Herzlich Willkommen im FT-Forum,

    ich würde sagen, es kommt auf die individuelle Situation an.

    Ist diese Million das ausschließliche Kapital oder gibt es im Alter noch weitere Einkünfte (z.B. gesetzliche Rente (GRV), private Rentenversicherungen, Mieteinkünfte, usw.)

    Ist noch eine Immobilie(n) vorhanden?

    Wie ist das Thema Krankenversicherung gelöst (GKV, PKV).

    Wie hoch ist der monatl. Finanzbedarf des Ruheständlers?


    Grundsätzlich ist eine dauerhafte Vermögensentnahme aus einem Aktien/ETF-Depot möglich.

    Ein recht gute Seite ist der Blog von Georg, der such sehr intensiv mit unterschiedlichen Entnahmestrategien beschäftigt: Entnahmestrategien Archive - Finanzen? Erklärt! (finanzen-erklaert.de)

    Es kommt aber immer darauf an. Ich würde mich sehr damit tun, jemandem der noch nie mit Aktien/ETF zu tun hatte eine entsprechende Empfehlung zu geben!

    Was passiert, wenn derjenige nach einem Aktiencrash in Panik gerät und Seine ETF mit 30 oder gar 50% Verlust verkauft!? :/

  • Ohne Blick auf die Gesamtsituation ist es schwer was zu "empfehlen"

    Aber mal so ganz grob aus dem Bauch raus:

    Ich würde mindestens 5 Jahresentnahmen aufs Tagesgeld packen. Den Rest dann in ETFs investieren und dafür sorgen, dass mein 5 Jahres Puffer immer wieder aufgefüllt wird. JDS hat da sicher auch noch ein paar gute/bessere Ideen. Er kennt sich mit der ein oder anderen Million aus ;)

  • Ist diese Million das ausschließliche Kapital oder gibt es im Alter noch weitere Einkünfte

    Keine weiteren Einkünfte. Alleinstehend.


    Ist noch eine Immobilie(n) vorhanden?

    Selbstbewohntes Einfamilienhaus.


    Wie ist das Thema Krankenversicherung gelöst (GKV, PKV).

    Privat versichert.


    Wie hoch ist der monatl. Finanzbedarf des Ruheständlers?

    Ja, das ist schwierig zu sagen. Werde ich mal diskutieren. Lebenshaltung inkl. Freizeit, Urlaub, PKV sollten 3.000 reichen, aber natürlich kommen Ausgaben wie PKW-Neuanschaffungen, ab und zu neue Möbel und dergleichen noch dazu.


    Mir ging es bei der Frage eher allgemein darum, wie man Kapital anlegen und verzehren kann im letzten Lebensabschnitt.


    Ich würde mich sehr damit tun, jemandem der noch nie mit Aktien/ETF zu tun hatte eine entsprechende Empfehlung zu geben!

    Ja, das Problem sehe ich auch. Ich wollte nur mal andere Ideen hören.


    Was passiert, wenn derjenige nach einem Aktiencrash in Panik gerät und Seine ETF mit 30 oder gar 50% Verlust verkauft!?

    Das darf natürlich nicht passieren.


    Ich würde mindestens 5 Jahresentnahmen aufs Tagesgeld packen. Den Rest dann in ETFs investieren und dafür sorgen, dass mein 5 Jahres Puffer immer wieder aufgefüllt wird.

    Interessant. Fünf Jahresentnahmen halte ich für recht viel, aber natürlich bietet so ein Puffer dann auch viel Sicherheit. Gute Anregung.


    Vor allem kann man dann vielleicht auch nur halbjährlich oder jährlich Anteile verkaufen genau nach Bedarf zum Auffüllen -- oft verbraucht man ja doch weniger, als man sicherheitshalber vorsieht. Oder man hat mal unerwartet große Ausgaben wie PKW-Anschaffung, die ausgeglichen werden müssen.

  • Zunächst mal sollte der jährliche Finanzbedarf geklärt sein.

    M.E. macht es durchaus Sinn einen 'Mindestbedarf' zu ermitteln und dann einen 'Wohlfühlbedarf'. Bei einem Einfamilienhaus sollten auf jedem Fall auch Reparaturen und ggf. Umbauten für das Alter berücksichtigt werden.

    Andererseits stellt so ein Eigenheim ja auch einen zusätzlichen finanziellen Puffer dar, falls man dann doch z.B. in eine Seniorenwohnanlage umziehen möchte.

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass so ein Haus im Alter zusehend zur Belastung wird (Instandhaltung, Reinigung, Gartenpflege).

    Da sollte man lieber Rechtzeitig die Entscheidung treffen und sich von dem Betonklotz am Bein trennen.

    Mein Vater wollte bis zuletzt unbedingt in seinem Haus wohnen bleiben, was er auch fast geschafft hat. Meine Mutter möchte jetzt aber gar nicht mehr allein im Haus wohnen. So auf die Schnelle jetzt eine Seniorenwohnanlage zu finden ist auch nicht so einfach, da teilweise lange Wartelisten vorhanden sind.


    Den Finanzbedarf von mehreren Jahren in Cash vorzuhalten ist durchaus sinnvoll, da man sich dann in gewisser Weise von den Marktschwankungen unabhängig macht.

    Wenn Du den Blog von Georg liest, wird Dir das SORR begegnen. Der SORR wirkt sich in den ersten Jahren der Entnahmephase extrem ungünstig aus. Da hilft dann der Cash-Puffer!


    BTW: Von welchem Alter sprechen wir? Macht einen riesigen Unterschied aus, ob Jemand 55 oder 65 ist!

  • Fünf Jahresentnahmen halte ich für recht viel, aber natürlich bietet so ein Puffer dann auch viel Sicherheit.

    So übertrieben viel Sicherheit ist das nicht.

    Wenn ich Dich richtig verstehe, ist die Million kein Spielgeld, sondern wird dringend für Deinen Lebensunterhalt gebraucht.

    Bei 3000€/ Monat reicht sie für 30 Jahre nicht. D. h. Du wärest zwingend auf Zinsen angewiesen oder auf eine kürzere Lebenserwartung.


    5 Jahrsentnahmen wären auf der anderen Seite 180.000€. Wenn Du jetzt mit 820.000€ in den Aktienmarkt einsteigst und nächstes Jahr wäre Dein Depot nur 500.000€ wert, bist Du um jeden Euro froh, den Du nicht entnehmen musst. Erst recht, wenn es länger dauert (mehrere Jahre) bis sich die Kurse wieder erholen.


    Je nach Alter und Lebenserwartung ist der Spielraum für schlechte Börsenjahre nicht so groß.

    Wenn man der FT Empfehlung folgt, sollte nur das Geld investiert werden, das in den nächsten 15-20 Jahren nicht benötigt wird.

  • Eigentlich neige ich nicht zu besonderer Vorsicht, sondern denke mir, über kurz oder lang wird sich schon wieder alles richten: Dementsprechend habe ich persönlich auch eine Aktienquote von mehr als 70 Prozent. In der geschilderten Situation wäre ich aber extrem vorsichtig. Denn, wenn ich es richtig verstehe, ist sonst nix da, wenn die Einnahmen aus der Million weg sind. Und eine Million ist zwar viel, aber für eine hoffentlich lange Zeit im Ruhestand auch bestimmt nicht zu viel.


    Ich würde mir auf jeden Fall auch die Gedanken machen, ob es (grds. oder in dem Fall, dass eine Depotentnahme notwendig wäre, dieses sich aber gerade nach einem kleinen/mittleren/großen Crash im Keller befindet) ein akzeptables Notfall-Szenario wäre, die Immobilie zu verkaufen und in eine Mietwohnung zu ziehen.


    Die Aktienquote würde ich in der Situation bei max. 50 Prozent sehen, und beim Rest mit Festgeld unterschiedlicher Laufzeit arbeiten. Beim Aktienanteil würde ich immer wieder, stetig Gewinne realisieren, um den Risikoanteil des Gesamtportfolios jedenfalls nicht signifikant steigen zu lassen.

  • Hallo.


    Gedanklich wäre ich dabei, den Bedarf für das nächste Jahr auf das Girokonto zu packen, für die nächsten 3 bis 5 Jahre auf das Tagesgeldkonto (ggf. auch Festgeld in Erwägung ziehen), den Rest in einen ETF packen und bei Bedarf Anteile verkaufen.

    Als zusätzliche Idee wären noch freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zu erwägen. Für 13.xxx Euro erkauft man sich einen Rentenanspruch von monatlich grob 75 Euro, zuzüglich (steuerfreier) Zuschuss zur pKV. Diese Einnahmen könnte man als Sicherheitsbaustein verbuchen. Zu den Details berät die DRV völlig kostenfrei.

  • Kajjo


    Einige wesentliche und gute Punkte wurden hier (z. B. von monstermania) schon angesprochen; angefangen von der ganz individuellen Situation (sonstige Einnahmen, PKV oder KVdR usw.) über das sog. "SoRR" bis hin zum konkreten Alter. Der tatsächliche Bedarf pro Monat sollte auch noch "getestet" und danach konkretisiert werden. Dabei dann auch Inflation und Steuern nicht vergessen (eventuell auch das Pflegerisiko/den Pflegefall mit bedenken).


    Daher nur einige allgemeine Gedanken: Ein "Milliönchen" Euro ist heutzutage (leider) nicht mehr allzuviel Geld. Insbesondere in dieser Konstellation.


    Zumal der Realzins (für sog. "sichere" Anlagen) auf Sicht weiter und zudem sehr weit im Negativen gehalten werden dürften (Finanzielle Repression). Eine reine Konzentration auf Aktien (100%) empfiehlt sich aber schon wegen "SoRR" nicht. Erst recht dann nicht, wenn man/derjenige (eventuell) noch nie in seinem Leben in Aktien investiert war !? (Volatilität, MDD, subjektive Risikotragfähigkeit usw.). Das könnte zu unüberlegten Handlungen führen (Ausstieg aus Aktien zu einem ungünstigen Zeitpunkt), die dann besonders in höherem Alter (z. B. 60 +) sehr negative Auswirkungen haben.


    Dies insbesondere, wenn man hier das "Gesamtpaket" betrachtet: Keinerlei monatliche Rente(n), keinerlei monatliche Mieteinnahme(n), eher kostspielige KV (PKV) jedenfalls i.V. zur KVdR, ein selbst bewohntes EFH, welches im Unterhalt (Betrieb, Reparaturen, Instandhaltung usw.) auch nicht ganz billig (und nicht unbedingt singlegerecht) sein dürfte.


    Wäre mit der Kombi einer oder mehrerer halbwegs soliden Rente(n), günstig versichert in der KVdR und wohnhaft in eher single- und altersgerechtem (kompaktem) Wohneigentum (Beispiel: Apartment) sicherlich anders zu beurteilen - sprich da wird aus dem "Milliönchen" schnell wieder eine Million ... bei der Ruhestandsplanung.


    Um mal einen vergleichbaren Fall aus meinem Umfeld zu nehmen (ein nicht sehr finanz-affiner älterer, alleinstehender Mensch (65), der es zudem einfach, bequem und noch wenigstens halbwegs sicher mag): Das Haus samt Garten wurde (gut) verkauft und gegen eine altersgerechte, pflegleichte 2,5 ZKB-Mietwohnung getauscht (mit Lift, TG-Platz, Balkon, Citylage aber relativ ruhig, mit bester ÖPNV-Anbindung). Der gute Verkaufserlös aus dem Haus wurde auf das Milliönchen draufgepackt. Daraus wurde dann eine Aufteilung in etwa wie folgt gemacht: 20% Liquidität (sichere Anlagen), 40% wanderten in eine Sofortrente (auch wenn die Konditionen da nicht toll sind, man könnte auch sagen eher lausig), die in etwa den monatlichen Grundbedarf (inkl. jetzt Miete) deckte. Der Rest (immerhin 40%) gingen in einen weltweiten (in dem Fall ausschüttenden) Aktien ETF.


    Alternativ wurde damals (statt dem Einkauf der Sofortrente bzw. einer reduzierten Sofortrente) auch der Ankauf einer entsprechenden ETW in Betracht gezogen (Gedanke u. a.: Mietfreies Wohnen ist ein nicht zu verachtender Vorteil und wird zudem nicht besteuert). Da war aber hier vor Ort nur sehr schwer was Nettes zu finden (jedenfalls zu einem noch halbwegs adäquaten Preis - von dem enorm hohen Preisniveau hatte der Senior aber schließlich bei seinem Hausverkauf auch profitiert).


    Keine Anlageempfehlung - nur eine mögliche Variante von vielen.


    Nur meine bescheidene ganz persönliche Meinung.

  • Das darf natürlich nicht passieren.

    Das kann aber passieren!

    Fünf Jahresentnahmen halte ich für recht viel, aber natürlich bietet so ein Puffer dann auch viel Sicherheit. Gute Anregung.

    5 Jahresentnahmen halte ich für viel zu wenig, wenn es um Sicherheit gehen soll.


    Ich würde höchstens 50% in Aktien-ETFs stecken, eher weniger. Den Rest in Tagesgeld und sichere Anleihen (Zinstreppe, ggf. Tilgungsanleihen).

  • Eine Million klingt nach viel, ist aber nicht viel. Mit 4% jährlicher Entnahme kommst du auf 40 000€, also deine 3000€/Monat die du zum leben brauchst. Da aber deiner Aussage nach größere Anschaffungen für Haus oder Auto nicht drin sind, hast du definitiv eine Lücke

  • Interessant. Fünf Jahresentnahmen halte ich für recht viel, aber natürlich bietet so ein Puffer dann auch viel Sicherheit. Gute Anregung.


    Vor allem kann man dann vielleicht auch...

    BS.C hat mich gerufen. Da will ich mal meinen Senf dazugeben ;-)


    Erscht amoi mei Komblimend... a Million für an Firmenverkauf is scho a Hausnummer!

    Aaaaber... wie schon mehrfach angerissen, ist eine Million heute schon nicht sonderlich viel Geld, wenn man ausschließlich davon leben will.

    Gut, bei einem angenommenen Bedarf von 36.000 Öcken im Jahr kommt man mit einer Million gut 27 Jahre hin. Allerding gilt es zu bedenken, dass 3.000 Öcken, die zur Deckung des (heutigen) monatlichen Bedarfs vorgesehen sind, schon in 20 Jahren bei der Teuerungsrate, die uns in der letzten Dekade freundlich auf die Backe gemalt wurde, nur noch etwa so wenig kaufen, wie heute etwa 2.000 Öcken. Bei einem mMn realistischeren Szenario kaufst du in 20 Jahren gerade mal so wenig, wie heute mit etwa 1.000 Euro.

    Ich folgere daraus, dass dein Geld Geld (Rendite, Zinsen) verdienen muss, damit du deine Privatrente steigern kannst.

    Zinsen (Zinserträge) werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch in den kommenden Jahren als negative Realzinsen tituliert werden müssen. Folglich bleiben eigentlich nur Investitionen in Aktien, Aktienfonds und Aktien-ETF... dies jedoch möglichst nicht zu 100%. Zugegeben, man kann mit Immobilien auch Geld verdienen, muss sich aber damit auskennen und dafür auch Zeit (nicht unerheblich viel Zeit) aufwenden... und Immobilien als Handelsobjekte betrachten. Mehr dazu auf Wunsch... und wenn ich die Zeit finde, mich dazu 'auszukotzen' ;-)

    Die Themen Sicherheit und Kursschwankungen wurde ja bereits angerissen...

    Deshalb sollten die Überlegungen dahin tendieren, für 3 bis 5 Jahre ein Cash-Polster bereit zu halten und daraus die monatlichen Privatrenten zu bestreiten. Cash-Polster heißt, Bargeld und Guthaben auf Girokonten zu halten. Mit Tagesgeld und Festgeld würde ich derzeit mal sowas von garnix machen... da um die 10 Promille, die man derzeit im Schnitt für bis zu 3-jährige Fetzgelder bekommen kann (vor Steuern!), den Bock nicht fett machen. Abwarten, wie sich diese Geschichte entwickelt... und dennoch würde ich nicht auf positive Realzinsen spekulieren.


    Nimm dir bitte die Zeit, dich einmal näher mit sog. Entnahmeplänen zu beschäftigen... Hier mal ein grobes Beispiel....

    Aus einem Gesamtkapital von rund 1 Mio kannst du brutto etwa 4% pro Jahr entnehmen, also rund 40.000 Öcken. Netto darfst du mit etwa 3% rechnen, also rund 30.000 pro Jahr oder umd die 2.500 pro Monat. Angenommen, du willst 3 Jahres-Privatrenten Cash auf die Seite packen, dann rechne mit 30.000 fürs erste Jahr, 31.500 fürs zweite Jahr und 33.075 fürs dritte Jahr, also insgesamt mit knapp 95.000 Öcken. Dazu würde ich noch wenigstens um die 10.000 als 'Notgroschen' zurücklegen, und 15.000 für mögliche/geplante/wahrscheinliche Ausgaben, die über das Monatsbudget hinausgehen bzw. daraus nicht zu bestreiten wären.

    Cash-Polster also rund 120.000. Ggfs. und je nach Angsthasen-Faktor bzw. Sicherheitsbedarf packst du noch mal rund 70.000 drauf, um 5 Jahre lang deine steigenden Privatrenten zu deckeln.

    Den Rest, also 790.000 bis 880.000 würde ich ganz brutal in einen weltweit streuenden ETF (thesaurierenden MSCI world... o.ä.) packen. Bei günstigen Kursen kannst du dann dein Cash-Polster auffüllen, bei eher ungünstigen Kursen kannst du bis 5 Jahren mit dem Auffüllen warten. Auf Sicherheit bedachte Leute würden wohl eher nur 60% oder gar nur um die 50% in Aktien-ETF investieren; dies wurde bereits geschrieben. Ich wäre aber angesichts des Kaufkraftverlusts (rund 20 Mille bei 300k p.a.) viel zu geizig, zu viel Cash-Reserven zu halten ;-) Auch Anleihen reizen mich derzeit noch nicht wirklich, da diese auch keine wirkliche 'Zinssicherheit' bieten können...


    Auf die Sofortrenten, die Sovereign, dessen Meinung ich sehr schätze, angerissen hat, würde ich dankend verzichten. Diese Konstrukte sind mMn zu teuer und obendrein sind diese vermeintlich sicheren Geldanlagen nicht wirklich sicher. Du musst steinalt und älter werden, um das eingezahlte Kapital überhaupt 1:1 wieder ausgezahlt zu bekommen. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren... was bislang aber nicht passiert ist ;-)


    Hier wurde auch die mögliche Situation angeschnitten, dass ein Depot mal von jetzt auf gleich um 50% einbrechen könnte. Klar, das könnte passieren.

    Bislang waren allerdings alle (Börsen-) Krisen, mit Ausnahme des Crashs in Japan nach dem Reaktorunfall, halbwegs rechtzeitig indiziert. Wohl dem, der die einschlägigen Medien verfolgt. Es wird zwar immer wieder gesagt und geschrieben, dass das Timing nicht funct. Aber... es reicht, wenn es halbwegs funct. Ich sage das nicht, weil ich es vielleicht von irgendjemandem gehört habe. Nein, ich habe es selbst in über 30 Jahren 'an der Börse' erlebt bzw. praktiziert. Was? Na ja, ich habe 'mit begrenzter Gier' bei relativen Hochs verkauft und bei relativen Tiefs wieder gekauft, wenn sich abzeichnete, dass die Kurse im absehbaren Zeitrahmen wirder steigen würden. Die optimalen Zeitpunkte habe ich niemals getroffen, aber mir haben die Annäherungen völlig gereicht.

    In diesem Zusammenhang darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich die 'Verhaltenweisen' und Resultate aus dem Handeln für Sparer-Investoren deutlich von denen unterscheiden, die mit mehr oder weniger einmaligen Investitionen eingestiegen sind.

    Meine Überlegungen dazu... Wenn ich z.B. mit ner Dreiviertelmillion in den Markt einsteige und zum Bleistift rund 50.000 an Dividenden und Kurssteigerungen realissieren kann (bei durchschnittlichen 7% Plus), dann kann ich mich auch auf den Allerwertesten setzen und den Markt beobachten und ggfs. auf Änderungen reagieren. Für 50 Mille arbeiten manche Leute fast 2 Jahre... oder gar länger;-)


    So... das soll erst mal für heute Abend reichen...

  • Den Finanzbedarf von mehreren Jahren in Cash vorzuhalten ist durchaus sinnvoll, da man sich dann in gewisser Weise von den Marktschwankungen unabhängig macht.

    Ja, verstanden. Absolut sinnvoll.


    Die Aktienquote würde ich in der Situation bei max. 50 Prozent sehen, und beim Rest mit Festgeld unterschiedlicher Laufzeit arbeiten

    OK, ja, ein sehr konservativer Ansatz, aber nachvollziehbar. Derzeit sind aber mit Festgeld natürlich keine Renditen zu erzielen, schon gar nicht im Bereich der Inflation. Verliert man da nicht in 20 Jahren viel zu viel an Kaufkraft?


    Als zusätzliche Idee wären noch freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zu erwägen. Für 13.xxx Euro erkauft man sich einen Rentenanspruch von monatlich grob 75 Euro,

    Danke, habe ich nachgelesen und hätte ich sonst nicht in Betracht gezogen. Aktuell einmalig 15.735 für zusätzliche 892,00 Jahresrente. Nicht völlig absurd als kleiner Zusatzbaustein.


    in eine Sofortrente (auch wenn die Konditionen da nicht toll

    Habe ich auch noch mal aktuell recherchiert, aber die Konditionen sind so krass schlecht, dass das eigentlich nicht in Frage kommt. Reines Verlustgeschäft und die garantierten Renten sind zudem noch viel mieser.


    Der tatsächliche Bedarf pro Monat sollte auch noch "getestet" und danach konkretisiert werden. Dabei dann auch Inflation und Steuern nicht vergessen

    Richtig. Danke für die Hinweise und deinen ausführlichen Beitrag!


    Nimm dir bitte die Zeit, dich einmal näher mit sog. Entnahmeplänen zu beschäftigen... Hier mal ein grobes Beispiel....

    Ja, Erträge und Entnahmen muss man berücksichtigen. Danke, ich habe dazu hier schon einiges nachgelesen heute. Prinzipiell ist mir das aber auch mathematisch völlig klar.

  • OK, ja, ein sehr konservativer Ansatz, aber nachvollziehbar. Derzeit sind aber mit Festgeld natürlich keine Renditen zu erzielen, schon gar nicht im Bereich der Inflation. Verliert man da nicht in 20 Jahren viel zu viel an Kaufkraft?

    Ja, natürlich. Man verliert viel Kaufkraft. Allerdings scheint mir dieser (sicher eintretende) Verlust nicht so potentiell existenzbedrohend wie ein (möglicherweise eintretende) Verlust bei einem Aktieneinbruch von 30 oder 50 Prozent, wenn bsp. drei Viertel des Vermögens in Aktien investiert sind.


    Nach dem, was hier geschrieben wurde, könnte ich mir auch gut das Folgende vorstellen:


    - Umzug in eine Mietwohnung

    - Einzahlung in die GKV, um eine Monatsrente in Höhe der ungefähren Mietkosten (kalt) zu generieren

    - Mit dem Rest des Vermögens risikoreicher umgehen, bspw, mit einem Aktienanteil von 60, 70 Prozent.


    Im Zshg. mit einem risikoreicheren, also höheren Aktienanteil muss man sich aber klar sein: Wenn man so ungefähres Markttiming betreiben will, wie es geschildert wurde, muss man sich mit der Materie befassen. Das muss man nicht nur können, sondern vor allem auch wollen.

  • Ja, man erleidet möglicherweise einen Buchverlust von 50%. Und!?

    Wer nicht panisch reagiert und sich etwas mit den Zyklen der Märkte beschäftigt hat, kann ziemlich sicher annehmen, dass es nach einem solchen Crash überproportionale Renditechancen gibt.

    Wer z.b. über ein Depot von 600.000€ verfügt hat dann halt 'nur' noch 300.000€ im Depot. Aber er hat eben auch noch seinen Finanzbedarf von mehren Jahren in Cash verfügbar.

    Man muss halt dann besonnen reagieren! Und das dürfte bei vielen von uns Anlegern das größte Problem sein. :/

    Nur mal so als Denkanstoß:

    Glidepath - die Entnahmestrategie für die Niedrigzinsphase - Finanzen? Erklärt! (finanzen-erklaert.de)


    Klar, wer davon ausgeht, dass wir demnächst eine noch schlimmere Krise als 1929 incl. 2. Weltkrieg erleben, für den ist das mit der Börse ohnehin nichts.

    Nur, wer dann glaubt, dass er in aller Ruhe auf seinem Cashpolster hockt, während um ihn herum die Gesellschaft in Trümmern fällt ist m.E. ein ziemlicher Träumer.


    BTW: Ich würde es mit der 4%-Regel und einer für mich passenden Strategie einfach mal drauf ankommen lassen! Was ist denn das Schlimmste, was passieren kann? Das Einem vor dem Tod das Geld ausgeht. Na und!? Dann ist man möglicherweise mit 85+ auf Sozialleistungen des Staates angewiesen. Um dann auf den Tod zu warten sollte das auch noch reichen.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass man später sogar mit einem höheren Vermögen aus dem Leben scheidet ist ohnehin ungleich höher als die Pleitewahrscheinlichkeit.

    Das Leben ist nur bis zu einem gewissen Punkt planbar. Der Rest ist Schicksal.

  • einfach mal drauf ankommen lassen! Was ist denn das Schlimmste, was passieren kann? Das Einem vor dem Tod das Geld ausgeht. Na und!? Dann ist man möglicherweise mit 85+ auf Sozialleistungen des Staates angewiesen.

    Das kann man natürlich so machen und so eine "Strategie" fahren. Kann ja auch hinhauen. Finde Deine optimistische Herangehensweise generell erfrischend. Einerseits.


    Andererseits: Für meinen Teil (meine ganz persönliche Sicht !) wäre mir der Sprung vom (wenn auch nur "1-fachen) "Millionär mit Einfamilienhaus" zum dann "Sozialhilfeempfänger" zu groß. Ein derartiges Risiko - wenn auch bei zugegebenermaßen überschaubarer Eintrittswahrscheinlichkeit - würde ich (persönlich !) jedenfalls nicht eingehen.


    Zumal nach meiner Erfahrung Sparsamkeit und Verzicht in jungen Jahren (beispielsweise als Student - erinnere mich da an billige Reisen mit Übernachtungen im VW-Bus) durchaus einen gewissen Charme entfalten können - ich wage zu bezweifeln, ob sich dieser Charme auch entfaltet, wenn man als ehemaliger ausgerechnet "Unternehmer, Millionär, Eigenheimbesitzer" mit "85+ auf Sozialleistungen angewiesen ist" und es damit zwangsläufig (noch dazu wohl erstmalig im Leben und dann auch noch als alter Mann) mit den diesbezüglichen Ämtern, Behörden und deren Bürokratie zu tun bekommt.


    Aber da sind die Menschen wohl im Empfinden unterschiedlich gepolt - was ja nix Schlimmes ist bzw. vielleicht ja sogar gut ist. Das hier nur am Rande.


    Der Fall von Kajjo zeigt aber - nach meinem Dafürhalten - recht anschaulich, daß so manche der modernen (eher modischen) Finanz-Trends oder -Thesen dann doch nicht ganz so einfach umzusetzen sind (finanziell frei, finanziell unabhängig, FIRE-Bewegung, Frugalisten, Privatier mit 50, passives Einkommen statt Arbeit, von Dividenden leben, Dividenden sind die neuen Zinsen usw.).


    Insbesondere dann eben nicht, wenn die Volumina (sprich das Vermögen) schlicht zu gering sind und/oder die "Nebengeräusche" (sprich Rahmenbedingungen) nicht passen (keine lebenslange(n)Rente(n), keine sonstigen regelmäßigen Einkünfte (Beispiel: Mieteinnahme(n)), teure Krankenversicherung (Beispiel: PKV) usw.).


    Dazu kommt dann noch, daß nicht wenige die "Dauer der Aufgabe" und damit die "Herausforderung" unterschätzen. In meinem Umfeld finden sich immer mehr Menschen, deren Eltern inzwischen über 90 Jahre alt sind (übrigens so manche davon noch durchaus erstaunlich aktiv; von wegen dem Tenor: "für das auf den Tod warten reichen auch Sozialleistungen" ...) und die damals noch mit um die 60 Jahre in den Ruhestand eingetreten sind. Im Klartext: Das sind nun bereits deutlich über 30 Jahre Ruhestand. Um nur ein Beispiel zu nennen: Man mag über solche Zeiträume nur mal mit etwas höheren Inflationszahlen "spielen" wie drei, vier, oder fünf Prozent ...

  • Sovereign

    Wobei es schon etwas merkwürdig ist, dass fast ALLE immer nur vom 'Worst-Case' des Pleiterisikos ausgehen.

    Also von der 3%igen Wahrscheinlichkeit, dass die 4%-Regel versagt.

    Vorsicht vor der 4% Regel - Finanzen? Erklärt! (finanzen-erklaert.de)


    Das die Wahrscheinlichkeit ungleich höher ist die 30 Jahre Jahre lange Entnahmephase gar nicht zu überleben will man lieber nicht sehen.:/

    Persönlich wäre mein 'Worst-Case' ein Tod direkt vor oder nach Beginn der Entnahmephase. Aber da tickt ja Jeder Mensch anders.


    Und ja, der von mir geschilderte Weg ist auch nur eine der zig sich ergebenden Möglichkeiten.

    Letztlich kann man noch so viel planen und rechnen, dem persönlichen Schicksal kann niemand entgehen.

  • Nach dem, was hier geschrieben wurde, könnte ich mir auch gut das Folgende vorstellen:


    - Umzug in eine Mietwohnung

    - Einzahlung in die GKV, um eine Monatsrente in Höhe der ungefähren Mietkosten (kalt) zu generieren

    - Mit dem Rest des Vermögens risikoreicher umgehen, bspw, mit einem Aktienanteil von 60, 70 Prozent.

    Das ginge auch in die meinige Richtung (jedenfalls, wenn ich in der Lage von Kajjo wäre). Deshalb hatte ich ja auch diesen Vergleichsfall (s. Beitrag 9) erwähnt.


    Generell: Einfamilienhäuser (insbesondere größere und/oder solche mit Treppen, mit Garten usw.) sind nach meiner Erfahrung im Alter nicht selten eine gewisse Belastung (Beispiel: Gartenpflege) und zudem "totes Kapital" (welches nicht selten auch noch regelmäßige Instandhaltungen erfordert). Jedenfalls, wenn Menschen genauer "rechnen" müssen. Ist Geld kein Thema, sieht das natürlich anders aus.


    Thema Miete: Ist das eine teure Gegend (Beispiel: Ballungsgebiet) kann ein entsprechender Preis/Erlös für das Haus beim Verkauf erzielt werden (vermutlich zudem steuerfrei) - was die wahrscheinlich dort auch hohen Mieten in der Gegend kompensiert bzw. mehr als erträglich macht. Zudem, wenn man beim Wohnen dann (statt EFH) auf etwas kleineres sprich eher singlegerechtes als nunmehr Mieter umsteigt.


    Thema Rente: Auf ein sicheres regelmäßiges (kleineres) Basis- oder Sockeleinkommen würde ich auch nach dem Hausverkauf nicht verzichten wollen (ob nun als eingekaufte private Sofortrente (Problem: Die lausigen Konditionen hatte ich schon selbst erwähnt, ist dafür halt einfach, bequem und ziemlich sicher) oder als gesetzliche Rente; Stichwort: Freiwillige Einzahlungen - so weit überhaupt noch möglich (Problem: GRV ist politische Verteilungsmasse - aus meiner Sicht jedenfalls).


    Anlage: Mit dem "Paket" hätte man dann a) ein ganz anderes Volumen (da zuzüglich Erlös aus dem Hausverkauf) und damit b) die Möglichkeit deutlich riskanter und damit aber auch renditeträchtiger umzugehen bzw. anzulegen. Dann hätte ich auch keine Probleme (iGz meinem Vergleichsfall mit nur 40%) die von Dir erwähnten 60% oder 70% ins Risiko zu schieben (= Aktienquote). Eventuell auch noch etwas mehr - abhängig vom Gesamtvolumen (da können bei deutlich höherem Gesamtvermögen, bedingt durch den Hausverkauf, beispielsweise auch 20% oder vielleicht sogar nur 10% Rücklage reichen, einfach, weil dies dann immer noch "genug" wäre; insbesondere vor dem Hintergrund eines gewissen "Sockeleinkommens" neben dem Depot).


    Das Ganze müßte Kajjo dann en detail mit konkreten Zahlen (Beispiel: Vermutlicher Wert des Hause) mal durchrechnen bzw. kalkulieren. Für meinen Teil (!) würde ich mit einer Entnahme von maximal 3% des Depotwertes rechnen. Das sollte ein Modell sein, was im Prinzip endlos funktioniert (da aber ein Verzehr akzeptiert wird, könnte die Rate auch etwas höher liegen). In sehr oder gar extrem schlechten Börsenjahren würde es auch reichen, wenn die Bereitschaft bestünde die Entnahmen (variabel) leicht nach unten anzupassen.


    Wünsche gutes Gelingen !

  • Wobei es schon etwas merkwürdig ist, dass fast ALLE immer nur vom 'Worst-Case' des Pleiterisikos ausgehen.

    Also von der 3%igen Wahrscheinlichkeit, dass die 4%-Regel versagt.

    Verstehe Deinen Ansatz (samt Kritik) sehr gut. Zumal Du von den Zahlen her recht hast. Die "asymmetrische" Risikobetrachtung dürfte vermutlich damit zusammenhängen, daß die Gefahr zwar sehr gering ist, wenn diese sich aber realisiert, daß die (meisten) Menschen jedenfalls als äußerst oder sogar extrem unangenehm empfänden. Zumal diese ja vorher ein gewisses Vermögen hatten und gewohnt waren. Stichwort: Vom Millionär zum Pleitier. Und das im höheren Alter.

    Das die Wahrscheinlichkeit ungleich höher ist die 30 Jahre Jahre lange Entnahmephase gar nicht zu überleben will man lieber nicht sehen

    Denke schon, daß einige/viele das sehen. Und zwar sogar ganz deutlich. Fakt ist nur: Wenn dieser Fall eintritt, kann man sich darüber nicht lange ärgern, da man nicht mehr lebt. Ist aber "am Ende des Geldes noch Leben übrig", kann (und wird auch vermutlich) das noch eine lange Zeit des Grämens bedeuten. Jedenfalls auch wieder für die meisten Menschen.

    Persönlich wäre mein 'Worst-Case' ein Tod direkt vor oder nach Beginn der Entnahmephase.

    Stimmt, ist der worst-case. Sehe ich ebenso. Nur: Kannst Du Dich (als Toter; s. o.) dann noch selbst darüber ärgern ?


    Das beste Motto steckt wohl in dem alten Sprichwort: "Der letzte Scheck muß platzen !". Das wäre sozusagen der absolute Idealfall und die optimale Gewichtung (aus Verzehr und Anlage) mit bzw. wegen dem allerbesten "Timing". Jedenfalls, wenn man nix vererben will oder muß. Da dieser Zeitpunkt aber (in der Regel - Suizide, Todkranke usw. mal ausgenommen) eine Unbekannte bleibt, empfiehlt sich (aus meiner Sicht) eine vorsichtige und damit eher defensive Vorgehensweise.


    Wie auch dieser Fall zeigt, dürften "zwar nicht alle aber mehrere Wege nach Rom führen" - abhängig auch von der Person des Fragestellers und seinen Einstellungen samt Prioritäten.