Kostenaufteilung in Beziehung

  • Wenn erstmal Kinder im Spiel sind, dann wird es eben richtig kompliziert, weil man ja dann vor allem auch an die Kinder denken muss, unabhängig von seinen eigenen Wünschen. Ich kenne auch einen Fall, wo es eine ungeplante Schwangerschaft gab, nachdem die beiden noch nicht mal ein halbes Jahr zusammen waren und sie waren noch nicht mal verheiratet und es gab trotzdem schon einen Rosenkrieg... so etwas ist echt schlimm.

  • Zitat

    Deswegen glaube ich auch, dass wenn zwei Menschen zu unterschiedlich sind, was sparen, Geld ausgeben etc. anbelangt, dann wird es sehr schwierig und dann geht maximal 50:50 für ausgewählte Posten. Aber dann kann ich mir auch nicht vorstellen, dass die Beziehung überhaupt eine Zukunft hat. (driverinb)

    Schwieriger wird es, aber ohne Ehe kann man sicherlich einfacher Lösungen finden. Das Korsett der Ehe ist einfach nicht mehr zeitgemäß und die Gesetzgebung aus heutiger Sicht eher unfair.


    Ich stimme dir zu, man muss sich dann einfach ausgewählte Posten wie Miete und Nebenkosten eilen, ggf. Lebensmittel und Alltagskonsum. Aber wer will sich dann auch mehr teilen? Dafür hatte ich bisher nie den Bedarf. Urlaub, Auto etc kann man sich doch selbst bezahlen und muss da nicht künstlich teilen.

  • also wenn jetzt eines deiner Beispiele auf meine Situation zutreffen würde oder es sehr wahrscheinlich wäre, dann würde ich ggf. auch über einen Ehevertrag nachdenken, dass man solchen extremen Fällen ein Stück weit vorbeugen kann.

    Ja, das wäre auf jeden Fall sinnvoll.


    Man sollte immer bedenken, dass die Zugewinngemeinschaft durch die Jahrzehnte der Rechtsprechung so etwas wie ein Vertrag mit hunderten Seiten ist, von denen man den Wortlaut nicht wirklich erfährt, sondern der Stempel "Zugewinngemeinschaft" reichen muss. Würde man auch die Zugewinngemeinschaft in der gültigen Form durch Ehevertrag ausdrücklich in vollem Wortlaut beschließen müssen, dann würde wohl niemand den zum Teil absurden Regelungen zustimmen. Die Leute machen das, weil es ihnen als Standard untergejubelt wird und auf den ersten Blick zu harmlos klingt.


    Ich rate ganz stark dazu, einen Ehevertrag nicht als "mehr Vertrag" zu sehen als die Zugewinngemeinschaft auch. Nur dass man bei einem Ehevertrag sich über die Klauseln mehr Gedanken macht.

  • An alle, aber ganz besonders an driverinb (da Du ja noch ganz offenbar am Anfang einer Beziehung bist) eine Weisheit, ich auch mal irgendwann von einem älteren Ehepaar gehört habe (und die fast gar nichts mit Finanzen zu tun hat): das Geheimnis lange dauernder Ehen ist es, sich jeden Morgen bewusst nach dem Aufstehen für den Partner zu entscheiden. <3


    Kürzlich habe ich mich mit meinem Chef (er ist Amerikaner) über das Thema Ehe und Beziehung unterhalten, dabei sagte er mir, dass in den USA die Scheidungsquote bei ca. 60 % liegt. Ich war schockiert und habe daraufhin mal die Scheidungsrate in Deutschland recherchiert, die derzeit bei ungefähr 40 % liegt - auch schlimm, aber noch nicht ganz auf dem US-Niveau.


    Es ist nicht einfach, mehrere Jahrzehnte mit einem Menschen mit all seinen Eigenarten und unterschiedlicher Herkunft zu leben. Das geht vermutlich nur bei den wenigsten aus rein romantischen Gefühlen heraus, da muss der Kopf bzw. der gute Wille eine gute Rolle spielen (bei uns sind's jetzt schon fast 23 Jahre, ich weiß, wovon ich spreche :saint:).

  • madize Danke, da stimme ich dir absolut zu. So lange man mit sich im reinen ist und sich ehrlich Mühe gibt für die Beziehung, dann kann man ungeachtet aller Statistiken auch nicht mehr tun und die richtige Einstellung, Motivation und Commitment sind das A&O, gerade in dieser heutigen Generation-Tinder.

  • Wir sind seit 9 Jahren verheiratet und haben schon immer ein gemeinsames Konto. Jeder nimmt sich was er braucht, größere Ausgaben werden vorher besprochen, und gut ist.

    Ich fang doch nicht an, mit meiner Frau auszurechnen, wer wieviel zum Haushaltseinkommen beiträgt und wer daher soundso viel Prozent vom Lebensmitteleinkauf zu tragen hat, oder so.

    Es gibt kein mein oder dein, nur ein „unser“.

    Vielleicht funktioniert das aber auch nur, weil wir beide keine kostspieligen Hobbys haben, keine Ahnung.


    Jeder sollte es mit seinem Partner so handhaben, wie es für beide am Besten passt, und nicht schauen, wie es andere machen.

  • Seo das finde ich schön, dass es bei euch so gut klappt. Und du hast natürlich Recht, das ist immer eine individuelle Entscheidung. Aber interessant finde ich es trotzdem, zu wissen wie andere das regeln und auf die ein oder andere Sachen kommt man gerade als junger Mensch vielleicht auch nicht direkt und da kann es schon wertvoll sein, das mal so zu reflektieren.

  • Menschen sind verschieden, somit ergänzen sich Paarungen von Menschen auf unterschiedliche Art und Weise. Wie die dann jeweils die Partnerschaft organisieren, obliegt jeweils den Beteiligten. Das kann input-orientiert oder output-orientiert sein. Es kann monetär oder auch snders bemessen sein. Wichtig ist, dass man sich vorher ehrlich macht und zu einer für beide Seiten tragbaren Vereinbarung kommt ansonsten hat es keinen (beidseitigen) Sinn, eine Ehe zu stiften.


    Schwierig wird es dadurch, dass sich Menschen und Umstände ändern (können), eine einmal getroffene Vereinbarung über die Zeit als einseitig (ggf. auch beidseitig) unfair empfunden werden kann, eventuell ist sie es sogar objektiv (geworden).


    Alles nicht so einfach. ;)

  • ... und die richtige Einstellung, Motivation und Commitment sind das A&O ...

    Alles schön und gut... aber bedenke auch, dass Menschen sich unter Umständen unterschiedlich stark/schnell weiterentwickeln resp. in unterschiedlichen Richtungen entwickeln. Dann wird ggfs. auch das 'Commitment' stark strapaziert...


    Ich würde, unabhängig von ähnlichen oder unterschiedlich hohen Einkünften, ähnlichen oder unterschiedlichen Vermögenswerten, ähnlichem oder unterschiedlichem Umgang mit Geldangelegenheiten... die eventuell mögliche Trennung bedenken und eine Regelung (Ehevertrag... ) finden wollen, mit der beide von 'bis dass der Tod uns scheidet' bis zu 'jetzt reicht's' leben können, die beiden das Gefühl vermittelt auch im Falle einer Trennung nicht auf dem Zahnfleische gehen zu müssen. Das mag unromantisch sein, kann aber auch für beide Partner quasi eine Beruhigung sein.


    Was die Aufteilung der Lebenshaltungskosten und Gestaltung der Budgets angeht, so sind mMn alle Varianten von 50:50 bis hin zu Anteilen je nach Einkünften denkbar. Hauptsache ist doch, dass keiner der Partner mit dem permanenten Eindruck 'leben' muss, mehr als der Andere einzubringen oder den Anderen durchzufüttern. Das Wichtigste dabei ist in meinen Augen aber, dass überhaupt über dieses Thema geratscht wird und Budgets gemeinsam erstellt werden. Da spielt es keine Rolle, ob beide mit einem knappen oder aüßerst üppigen Budget auskommen (müssen). Wichtig ist, dass man gemeinsam den Situationen vorbeugt, die bei Liquiditätsengpässen entstehen, sei es durch zu hohe Ausgaben infolge von Konsumterror, oder bedingt durch die sprichwörtliche 'plötzlich kaputt gegangene Waschmaschine... 2 Tage vor Heiligabend'. Geldsorgen sind vermutlich die Nummer Eins der Ehekrisen ;-)

  • Hauptsache ist doch, dass keiner der Partner mit dem permanenten Eindruck 'leben' muss, mehr als der Andere einzubringen oder den Anderen durchzufüttern.

    … ich kenne alle möglichen Varianten aus eigener Anschauung: der Geringer-, der Gleich-, der Mehr-, der Alleinverdiener zu sein. Das, was ich am allermeisten verhindern und nie zulassen wollte, war: das Gefühl zu haben, durchgefüttert zu werden. Also auch als der (z. T. deutlich) geringer verdienende Partner war es mir wichtig, bei den gemeinsamen Ausgaben 50:50 zu machen. (Ich war aber auch nicht wegen eines gemeinsamen Projekts derjenige, der weniger hatte, also nicht wegen Kindern, sondern weil ich studierte und meine damalige Partnerin bereits voll im Berufsleben stand.)

  • JDS das mit der unterschiedlichen Weiterentwicklung ist ein wichtiger Punkt. Beziehungen und Menschen sind nicht statisch und ohne Kommunikation, auch über solche herausfordernden Themen kann es auch meiner Meinung nach nicht funktionieren. Und finanzielle Ziele ändern sich ja auch, z. B. wenn die Kinder kommen.

    Aber wenn die Basis, die für mich eben aus Einstellung, Commitment, Motivation und Liebe besteht, nicht da ist, dann wird es auch mit der Kommunikation schwer. Deswegen ist die Basis für mich am wichtigsten.

  • TamInvest "...das Gefühl zu haben, durchgefüttert zu werden." wurde in unserer Runde auch mehrfach angesprochen. Da muss man schon für sich eine starke Persönlichkeit sein, oder eben die Möglichkeit, das Gefühl haben, in anderen Bereichen entsprechend zurückzugeben.


    Ich persönlich halte aber nichts davon, wenn man innerlich gegenrechnet. Für mich zählt die Einstellung in erster Linie, wenn ich weiß, mein Partner versucht sein möglichstes, aber durch äußere Umstände ist es nun mal nicht möglich, dann ist das okay. Ich konnte früher allerdings auch nicht gut etwas von anderen annehmen, wenn ich das Gefühl hatte, mich nicht entsprechend revanchieren zu können. Aber da habe ich für mich schon gut dazugelernt, auch wenn es ein langer Weg ist.

  • Ich persönlich halte aber nichts davon, wenn man innerlich gegenrechnet. Für mich zählt die Einstellung in erster Linie, wenn ich weiß, mein Partner versucht sein möglichstes, (...)

    Ich denke dies ist sehr wichtig. Als meine Frau und ich mal relativ ähnlich verdient hatten, hatte ich auch per Haushaltsbuch-App versucht zu tracken, wer wie viel für Gemeinschaftsausgaben (also vor allem Essen) ausgibt.
    Das war mühsam und kam letztendlich auch nicht wirklich gut an, zumal teilweise dann auch die Abgrenzung schwierig war, was eine Gemeinschaftsausgabe ist oder nicht.


    Mittlerweile verdiene ich deutlich mehr und übernehme auch deutlich mehr Ausgaben - vor allem die Wohnung betreffend. Aber das war vorher so abgesprochen, dass dieser Schritt ins Wohneigentum, welcher eine höhere finanzielle Belastung bedeutet, vor allem durch mich getragen werden muss. Und dass es auch bedeutet, dass weniger Geld übrig ist für Dinge, die ich sonst auch bezahlt oder an denen ich mich beteiligt hätte (Urlaub, teure Anschaffungen).

  • lieberjott genau, das ist auch so ein Punkt. Bestimmte Ausgaben kann man einfach sehr schwer runterrechnen. Wo soll es sonst enden, wenn man stoppt wie lange jemand warmes Wasser für die Dusche verbraucht?^^ Aber mal ernsthaft, wie schon geschrieben, wenn die Vorstellungen zu weit auseinander liegen, dann funktioniert es (für mich zumindest) nicht. Dann geht es mir nicht nur darum, dass eine Person zu viel oder zu wenig finanziell beisteuert, dann geht es auch darum, dass meine Ziele und Werte nicht geteilt und getragen werden. Also das hängt für mich schon stark zusammen.


    Aber ihr scheint da ja eine gute Kommunikation zu haben und gemeinsame Entscheidungen sind dann auch tragfähig. :-)

  • Das Einkommensverhältnis ist bei uns ca. 60:40. Wir haben ein Gemeinschaftskonto, auf das im Verhältnis ca. 55:45 eingezahlt wird. (Wobei wir diesen Wert gar nicht explizit festgelegt haben, ich musste ihn erst für diese Antwort ausrechnen :) Da haben wir scheinbar intuitiv das richtige Verhältnis gefunden.) Für uns passt das sehr gut, ist eine gute Mischung aus Solidaritätsprinzip und dem Fakt, dass die Ausgaben theoretisch im Verhältnis 50:50 stehen.


    Die Gesamthöhe der Einzahlungen hat sich so eingependelt, dass die Fixkosten plus die regelmäßigen Einkäufe abgedeckt sind. Normalerweise sammelt sich trotzdem immer etwas Guthaben an, von dem dann kleinere Reisen/Ausflüge oder Sachen für die Wohnung bezahlt werden können. Für größere Anschaffungen oder Urlaube zahlen wir dann extra auf das Gemeinschaftskonto ein, dann meist im Verhältnis 50:50.


    "Private" Anschaffungen und Altersvorsorge bestreitet jeder von seinem eigenen Konto. Sehe auch keinen Sinn darin, erst auf ein Gemeinschaftskonto einzuzahlen und dann das Geld da wieder rauszuziehen.

  • Hallo zusammen,

    es hat auch erhebliche, besonders rechtliche, Konsequenzen sich gegen eine Ehe zu entscheiden.

    -Umgangsrecht usw. mit den Kindern

    -Erbfolge

    -Erbkosten

    -Unterhalt

    -Renten- und Versorgungsansprüche

    -Mietvertrag

    -Steuernachteile

    -keine Auskunft beim Arzt in Notfällen

    -…..


    LG

  • Bei mir gibt es in der Ehe kein Mein und Dein, sondern nur noch ein Unser!

    Nach dieser Prämisse sind die Finanzen ausgerichtet. Es gibt nicht das Einkommen meiner Frau und mein Einkommen, sondern einfach unser gemeinsames Einkommen. Es gibt ausschließlich gemeinsame Konten auf denen unsere Gehälter eingehen und wo dann alles abgeht. Wo möglich haben wir bei Versicherungen Familientarife gewählt.

    Diese Aufteilung nach Einkommen halte ich für kompletten Unsinn, besonders wenn die Frau wie bei uns Teilzeit arbeitet gibt es ja noch die nicht monetäre Komponente, die bei "Aufteilern" eigentlich immer zu kurz kommt!

  • mocky wir haben uns deswegen auch zunächst dagegen entschieden, dass jeder auf ein Gemeinschaftskonto einzahlt, und davon das Geld wieder rauszuziehen.


    adrianberg das sind auf jeden Fall wichtige Punkte, gerade die Auskunftsrechte bei Ärzten finde ich sehr relevant. Wobei da ja jetzt auch neue juristische Konstrukte geplant sind. Was die Ehe und Steuervorteile anbelangt, da kommt es aber sehr auf den Einzelfall an. Wenn beide in etwa gleich verdienen, macht es steuerrechtlich keinen Unterschied ob verheiratet oder nicht.


    Muenchner vom Ideal her ist das auch mein Anspruch, nur noch ein "unser" ist dann auch am entspanntesten, wenn man sich wirklich sicher ist, auf jeden Fall für mich auch der Weg der Wahl. Gerade auch der Punkt den du angesprochen hast, dass man nicht monetären Komponenten nur schwer einen monetären Ausgleichsgegenwert gegenrechnen kann. Wobei es da ja auch einige Verfechter*innen von genau so einem Anspruch gibt.

  • Also einen Ehevertrag würde ich auch nur machen, wenn wirklich sehr große Gehaltsunterschiede existieren.

    Gehalt? Nö. Vermögensunterschiede ist das Zauberwort.


    Habe einen Ehevertrag und meine Frau kann sich so viel Geld nehmen wie sie möchte.

    Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sich so wenig Leute damit beschäftigen. Henry Ford