bAV vs. ETF bei 50% Bezuschussung durch Arbeitgeber - zu einfach gedacht?

  • Hallo,


    mein Arbeitgeber bietet eine betriebliche Altersvorsorge an und ich überlege derzeit, ob es für mich Sinn macht, den Matchingbeitrag einzuzahlen, den mein Arbeitgeber dann nochmal verdoppeln würde. Unter der Annahme, dass ich noch 35 Jahre bis zur Rente habe, die bAV ziemlich schlecht verzinst ist (unter 1%), ein ETF eine konservativ geschätzte Rendite von 5% pro Jahr liefert und ich 1000 Euro jährlich einzahle, habe ich jetzt mal eine einfache Rechnung angestellt:


    1. bAV: 2000 Euro * 1,01 ** 35 = 2833 Euro Kapital nach 35 Jahren

    2. ETF-Sparplan: 1000 Euro * 1,05 ** 35 = 5516 Euro Kapital nach 35 Jahren


    Übersehe ich etwas, oder ist die bAV in meinem Fall mit der eher schlechten Verzinsung (kein Aktienanteil) wirklich keine gute Entscheidung?

  • Schau Dir den Beitrag an, den monstermania heute dazu eingestellt hat. Der Autor des dort anhängenden Berechnungsbeispiels kommt etwa auf das gleich Ergebnis wie Du, wenn auch mir Verrentung statt Kapitalauszahlung.


    Schau Dir das in Ruhe an, es lohnt sich. Für Dich, nicht für den bAV-Anbieter.

    Heinrich Zille: "Vorne zu eng, hinten jeht er ausenander - det is'n Schuh von Salamander!"

  • Moin,

    ich empfehle Dir zunächst mal den folgenden Beitrag von Prof. Walz durchzulesen:

    Betrübliche Altersversorgung – leider oft eine herbe Enttäuschung - Prof. Dr. Hartmut Walz

    Anschließend kannst du ja nochmal etwas genauer nachrechnen.


    Trotzdem kann eine bAV durchaus Sinn machen. Eben wenn die Förderung durch den AG nur hoch genug ist. Frag doch mal Deinen AG, ob es nicht einfach ausreicht, wenn nur der AG-Anteil in die bAV fließt und Du selbst gar nichts einzahlst!;)

    Hat meine Partnerin so gemacht. Über die Jahrzehnte fällt da auch eine nette Zusatzrente an, ohne dass Sie selbst etwas von Ihrem Nettolohn eingezahlt hat.

    Eine bAV ist z.B. auch vor Pfändung geschützt und wird auch bei einem evtl. Bezug von Sozialleistungen nicht auf das Schonvermögen angerechnet.

  • Übersehe ich etwas, oder ist die bAV in meinem Fall mit der eher schlechten Verzinsung (kein Aktienanteil) wirklich keine gute Entscheidung?

    Die Grundidee stimmt schon, aber Dir muss klar sein, dass Du Äpfel mit Birnen vergleichst! Die Produkte sind in zwei verschiedenen Schichten der Altersvorsorge und unterliegen unterschiedlichen Regeln.

    Die bAV zahlst Du vom Bruttoeinkommen. 1000 brutto sind aber vielleicht nur 600 netto, also hast Du zunächst nur 600 für den ETF-Sparplan. Auch die steuerliche Situation in der Auszahlungsphase ist komplett unterschiedlich. Als einzig sinnvolle Annahme kannst Du die heutige Besteuerung dafür annehmen, aber wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich das in den nächsten 35 Jahren nicht ändert? :/


    Auch jede Annahme für zukünftige Renditen sind natürlich fragwürdig. In der Vergangenheit waren aber Aktien klar der Gewinner unter den Assetklassen. Trotzdem würde ich mich nicht auf diese eine Assetklasse konzentrieren wollen. Ich bin großer Fan von Diversifikation.


    Das ändert alles nichts an der Tatsache, dass die 1% grottenschlecht sind. Wenn das wirklich realistisch sein sollte, dann wird es kaum möglich sein, ernsthaft für diese bAV zu argumentieren. Das sollte aber auch dein Arbeitgeber verstehen, warum bietet der so einen Schrott an?

  • Ja, der grundsätzliche Fehler, dass ich netto weniger als 1000 Euro habe und in einen ETF-Sparplan stecken kann, ist mir auch schon aufgefallen. Um meinen Arbeitgeber in Schutz zu nehmen: Er zahlt schon 2% meines Bruttoeinkommens in diese Altersvorsorge mit schlechter Rendite, bietet seinen Mitarbeitern aber die Möglichkeit, den Betrag noch einmal um ca. 0,5% selbst aufzustocken, wobei er in dem Fall auch noch einmal 0,5% drauflegen würde. Meine Entscheidungsfreiheit besteht eigentlich nur darin, ob ich diese Möglichkeit der Aufstockung wahrnehme, oder nicht. Die aktuelle Verzinsung, die dann auch für die nächsten 35 Jahre festgeschrieben wäre, orientiert sich eben an langlaufenden Bundesanleihen und hat keine Aktienkomponente, was zu einem schlechten Zinssatz führt.

  • Die aktuelle Verzinsung, die dann auch für die nächsten 35 Jahre festgeschrieben wäre, orientiert sich eben an langlaufenden Bundesanleihen und hat keine Aktienkomponente, was zu einem schlechten Zinssatz führt.

    Plus, dass sich noch eine Versicherung einen Teil der Einzahlungen abzwackt (Kosten).

    Ich würde das Geld lieber selbst anlegen und gut.

    Da habe ich zumindest die reelle Chance eine Rendite oberhalb der Inflation zu erzielen.

  • 1. bAV: 2000 Euro * 1,01 ** 35 = 2833 Euro Kapital nach 35 Jahren

    2. ETF-Sparplan: 1000 Euro * 1,05 ** 35 = 5516 Euro Kapital nach 35 Jahren

    Bist du sicher mit der Rechnung?
    Bei 1000 € pro Jahr über 35 Jahre sollte mal mind. 35k€ rauskommen.


    Ansonsten gibt es noch den steuerlichen Aspekt:
    Die bAV zahlst du aus dem Brutto. D.h. effektiv zahlst du jährlich keine 1000 € ein sondern weniger. Die Kehrseite ist, dass du weniger netto bekommst und damit weniger in die gesetzliche Rente einzahlst und folglich auch weniger ausgezahlt bekommst.
    Und nach heutiger Regelung musst du auf die bAV bei der Auszahlung Steuern und SV-Beiträge zahlen.


    In den ETF zahlst du 1000 € aus deinem netto ein, die Beiträge in die geseztliche Rentenversicherung bleiben unverändert und daher auch die Auszahlung. Und nach heutiger Regelung wird der Gewinn des ETF beim Verkauf mit max. 25 % versteuert (auf 70 % des Gewinns).


    Die Frage ist also, ob der Zuschuss des Arbeitgebers in die bAV hoch genug ist, um die Nachteile bei den SV-Beiträgen und den oft extrem hohen Gebühren aufzuwiegen.

  • Bist du sicher mit der Rechnung?
    Bei 1000 € pro Jahr über 35 Jahre sollte mal mind. 35k€ rauskommen.

    Hallo andiii_98 , er rechnet nicht mit Jahresbeiträgen über 35 Jahre, sondern mit Einmalbeträgen, jeweils über 35 Jahre verzinseszinst. Dann kommt es insoweit rechnerisch hin.

    Heinrich Zille: "Vorne zu eng, hinten jeht er ausenander - det is'n Schuh von Salamander!"

  • Bist du sicher mit der Rechnung?
    Bei 1000 € pro Jahr über 35 Jahre sollte mal mind. 35k€ rauskommen.

    Bei 2.000 Euro sollte man mit der 1%er BAV auf rund 83k kommen.


    Bei 1.000 € (auch p.a.) im ETF-Sparplan sollten durchschnittliche 5% Rendite zu einem Kapital von rund 92k führen, bei einer 7%igen Durchschnittsrendite sollten um die 145k erreichbar sein.