Rückzahlung russischer Staatsanleihen

  • Guten Tag liebe Community,


    ich habe mir vor einigen Jahren russische Staatsanleihen ins Depot geholt, der Kupon war einfach zu attraktiv:thumbsup:. Die in Rubel gelistete Staatsanleihe war am 20.07.22 fällig. Seit diesem Datum wurde der Betrag noch nicht ausgezahlt. Die Depotbank (comdirect) konnte mir auch keine konkreten Hinweise geben. Nun weiß ich auch, dass die meisten russischen Banken aus dem SWIFT-System ausgeschlossen worden sind, mich interessiert trotzdem, ob jemand von euch Erfahrungen gemacht oder Tipps hat wie man an sein Geld kommt! Könnt ihr mir weiterhelfen?


    Gruß

    Henning

  • Ohne Dir da zu nahe treten zu wollen, aber mit Blick aud die politische Landschaft und die auf den russischen Angriffskrieg gefolgten Sanktionen halte ich es für so gut wie ausgeschlossen, dass Du in naher bis mittlerer Zukunft irgendetwas siehst. Das Geld würde ich gedanklich abschreiben, denn auch die Inflation wird nicht viel übrig lassen sollte.

  • Du wirst Geduld brauchen. Keineswegs ist es so, dass Russland tatsächlich pleite ist. Einem Devisenvermögen von über 500 Mrd. USD stehen etwa 40 Mrd. USD Schulden gegenüber. Fällige Zinsen sind auch durch die Russen angewiesen, sie werden nur nicht vom Westen angenommen. Wie der Fall Deiner Anleihe konkret liegt, ist natürlich schwer zu beantworten. Fakt ist, dass Du aktuell über den Rubelkurs mit hoher Wahrscheinlichkeit einen dicken Währungsgewinn haben dürftest. Die Staatsanleihen werden in Moskau überwiegend in der Nähe von 100 gehandelt. Nicht den Mut verlieren!

  • Die Lagerstelle ist irrelevant bei Anleihen. Das angesprochene Aktienthema betrifft die verbriefenden Zertifikate auf russische Aktien. Es sind also keine wirklichen Aktien, sondern nur Rechte auf diese. Dort ist das Problem durch die Sanktionen und Gegensanktionen ungleich größer als bei den Anleihen

  • Ja, aber dort wird das Problem mit den Banken angesprochen, die sich weigern den Kunden zu helfen.

    Für die russischen Anleihen gibt es m.W. nach keinen Default. Die Bank wird aber wegen den Sanktionen wohl kaum Geld von Russland annehmen und an die Kunden weiterleiten.

  • Die Banken werden gar nichts machen. Die Politik will den Stillstand und damit bleibt Anlegern nichts weiter, als zu warten. So bitter es ist. Wenn der Westen seine Sanktionen irgendwann lockert, dann werden die Russen ihre Schulden bezahlen. Nachfolgend aus dem englischen Wiki übersetzt:

    Das Finanzministerium der Vereinigten Staaten bewegte sich im Februar 2022 dazu, Russland nach der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 von der Weltwirtschaft abzuschneiden , und kündigte an, dass es die in den Vereinigten Staaten gehaltenen Vermögenswerte der russischen Zentralbank immobilisieren und Sanktionen gegen den russischen Direktinvestitionsfonds verhängen würde . [4] Die eingefrorenen Vermögenswerte in Höhe von 284 Milliarden US-Dollar oder mehr sind fast die Hälfte der 585 Milliarden US-Dollar, die Russland bis Juni 2021 angehäuft hatte. [5]

    Die Biden-Administration erlaubte Russland zunächst, die beträchtlichen Gelder, die es in US-Finanzinstituten gehalten hat, weiterhin für die erforderlichen Zahlungen auf seine Staatsschulden zu verwenden. Aber am 4. April verbot das Finanzministerium Russland, Gelder von US-Banken abzuheben, um seine Schulden zu begleichen. [6]

    Am 4. April 2022 geriet Russland technisch mit seinen Auslandsschulden in Verzug, indem es seine Verpflichtungen in US-Dollar nicht begleichte (und nach der Nachfrist tatsächlich in Verzug geriet, weil es die 30-tägigen Nachfristzinsen in Höhe von rund 1,9 Millionen USD nicht zahlte). Am 8. April prognostizierte die Kreditagentur S&P Global , dass Russland unweigerlich in einen „selektiven Zahlungsausfall bei Fremdwährungsverpflichtungen“ geraten werde [7] (NR-Rating nach CC-Rating [8]), weil sie versuchte, Verbindlichkeiten aus auf Dollar lautenden Schulden in Rubel zu begleichen, die nicht in "Dollar entsprechend den ursprünglich fälligen Beträgen" umgerechnet werden konnten.