Zählt Gold zum risikoreichen oder risikoarmen Teil der Geldanlage?

  • Liebe Community,


    eine Frage an die Gemeinschaft.

    Wo würdet ihr eine Beimischung von Gold dazuzählen? Zum risikoreichen (Aktien) oder risikoarmen (Anleihen, cash) Teil der Geldanlage.


    Ein Beispiel zur asset allocation

    Aktien: 80%

    Tagesgeld und Co. (Anleihen..) 20%

    Wenn man nun eine Beimischung von Gold (in diesem Fall Xetra Gold) von 5% will - wird dieser Teil (nach rebalancing auf 80/20) zu den Aktien gezählt:

    Aktien + Gold (5%): 80%

    Tagesgeld und Co.:20%

    oder zum Sicherheitsbaustein (Tagesgeld und Co.):

    Aktien: 80%

    Tagesgeld und Co. (inkl. Gold): 20%


    Danke für Eure Meinung.

  • Wenn man von der 'reinen' Lehre ausgeht, dann gehört Gold definitiv zum risikoreichen Teil der Geldanlage.

    Als Risikofreiarm gilt Geld in Höhe der gesetzlichen Einlagensicherung, kurzlaufende Staatsanleihen in Eigenwährung und Versicherungsprodukte mit Garantiezins (z.B. Riester, alte KLV, usw.).

  • TinglTangl


    Vorab: Die simple Einteilung "risikoarm versus risikoreich" ist so eine Sache bei einem derart weit ins Negative verschobenen Realzins wie zur Zeit (ca. minus 7 bis 8% per annum). Deshalb spricht man wohl auch schon länger nicht mehr - wie früher mal - von "sicher" sondern eher von "risikoarm" ...


    Klar: Meine Tagesgeldkonten beispielsweise bei deutschen Banken sog. erster Adressen (Sparkassen, Genossenschaftsbanken wie Volksbanken und Sparda-Banken usw.) gelten als "risikoarm" (jedenfalls wenn man an die Einlagensicherung glaubt). Das gilt aber nur "nominal". "Sicher" bei dieser "risikoarmen" Anlage ist aber schon lange (und in letzter Zeit immer mehr) nur noch der tägliche "reale" Verlust (jedenfalls kaufkraftbereinigt). Ist das also wirklich eine "risikoarme" Anlage ?


    Sehe ich generell ähnlich wie monstermania sprich Gold gehört formal zum risikoreichen Teil (zumal Gold - über kürzere bis mittlere Zeiträume - auch sehr stark schwanken kann sprich hohe Volatilität aufweist). Obwohl ja für viele Laien häufig Gold automatisch mit Sicherheit assoziiert wird.


    Es gibt da diverse Meinungen zur Einstufung angefangen vom Subsumieren unter "Rohstoffe" über "ein Aktien ergänzendes und glättendes Instrument, da nicht selten mit negativer Korrelation zu Aktien" bis hin zur letzten sprich "ultimativen Währung" (danach ist Gold gleich Geld - da es auch die Notenbanken weltweit bunkern).


    So recht mag ich mich da vollumfänglich keiner Meinung anschließen. Für mich subsumiere ich Gold eher unter meine "Versicherungen" (u. a. eine gewisse "Versicherung" gegen die Verwässerung des Geldwertes unseres Papiergeldes).


    Da Geld (seit 1971 und dem Nixon-Schock) eine eher politische Veranstaltung geworden ist (der Euro beispielsweise ist gänzlich ein politisch motiviertes Projekt), besteht potenziell immer die Gefahr, daß im Zweifel, in Krisen, in Notfällen usw. die "Druckerpresse" (der Notenbank) angeworfen wird. Sozusagen als konzertierte Aktion von Politik und Zentralbank. Mit entsprechenden Folgen für den Geldwert.


    Die Finanzkrise (2008) und die Eurokrise (ab 2010) wären da typische Beispiele. Bitte nicht auf eine Milliarde festlegen und auch nur aus meiner Erinnerung: Bei Euroeinführung lag die ECB-Bilanz irgendwo um die schlanke 700-800 Mrd. rum - inzwischen sind es fast neun Billionen. Um die steigenden Geldmengen herum dürfte auch (schwankend sprich spiralierend) der Goldpreis mit steigen. Bei Euroeinführung lag der Unzenpreis bei ca. 260 Euro - aktuell um die 1.750 Euro ... (auch das nur aus der Erinnerung, genau nachgesehen habe ich die Kurse nicht).


    Gold scheint mir eine fast philosophische und (finanz)weltanschauliche Frage: Manche können bestens ohne jedes Gold im Depot auskommen und ruhig schlafen - andere aber nicht. Dazu muß sich wohl jeder eine eigene Meinung bilden und seine individuelle Vorgehensweise finden.


    Auch der ECB wird sich die Frage stellen, eher entschlossen (via adäquater Zinserhöhungen) die Inflation zu bekämpfen (und den Geldwert für die Sparer zu schützen sowie Preisniveaustabilität für Verbraucher anzustreben) oder eher den Blick auf die Wirtschaft, Konjunktur, Arbeitsplätze usw. sowie den Zusammenhalt der Eurozone (teilweise hoch verschuldete Eurostaaten !) zu richten. Meine Vermutung: Letzteres wird die Priorität haben. Also Systemstabilität vor Geldwertstabilität.


    Eventuell ja vielleicht sogar richtig (wobei m. E. schlechtes (schwaches bzw. weiches) Geld immer schlecht ist - eine Währung spiegelt für mich den Zustand eines Landes so wie der Aktienkurs den Zustand des betreffenden Unternehmens abbildet). Man sollte es (also diesen Zielkonflikt der ECB) als Sparer, Anleger, für das Alter Vorsorgender, den Ruhestand Planender zumindest auf dem Schirm haben ...


    PS: Soll Gold (s)eine Wirkung entfalten halte ich persönlich eine Untergrenze von ca. 10% am Gesamtdepot für erforderlich. Bei größeren Vermögen (ab achtstellig) könnten auch kleinere Beimischungen in Prozent ausreichend sein.


    Nur meine bescheidene persönliche Meinung.

  • Genau! So ca. 20 kg pro erwachsenem Familienmitglied scheint mir eine angemessene Menge; die kann man noch recht locker im Rücksack dabei haben ;-)

    Spaß beiseite: Man kann ein Goldengagement natürlich auch anders abbilden als nur rein physisch und das im Rucksack. Aber das wird ein Profi wie Du sicherlich auch bzw. noch besser wissen.


    Auch ergeben sich ab gewissen Größenordnungen jedenfalls (schon aus Gründen auch der geographischen Diversifikation) zusätzliche Möglichkeiten bzw. Anforderungen etwa über andere Verwahrstellen (auch bei Nichtbanken), im Ausland, in Zollfreilagern usw.


    Klassische Investmentbarren sind zwar auch entsprechend schwer aber dafür recht kompakt und gut transportierbar. Die typische Größe ist da m. W. nach wie vor der 12,5 kg pro Barren (so handeln das auch die Notenbanken untereinander, die typischen 400 Unzen Standardbarren (Gold Delivery Standard) entsprechen rechnerisch exakt 12,44 kg (400 mal 31,1 = 12,440); jemand hat aber mal behauptet es wären immer 12,441).


    Wie schon in Beitrag Nr. 3 beschrieben: Manche lachen über Gold, andere stehen drauf - für meinen Teil sehe ich es lediglich als "Versicherung". Insbesondere für unangenehme Entwicklungen - und die hat es ja in der Finanzgeschichte reichlich gegeben.


    Da kann und soll jeder nach seinem Gusto handeln und damit (hoffentlich) glücklich werden ...

  • PS: Soll Gold (s)eine Wirkung entfalten halte ich persönlich eine Untergrenze von ca. 10% am Gesamtdepot für erforderlich. Bei größeren Vermögen (ab achtstellig) könnten auch kleinere Beimischungen in Prozent ausreichend sein.

    Welche Art von Wirkung schwebt Dir da vor? Manche sagen ja auch, dass sich die Wirkung am besten entfaltet, wenn man die Münzen in einer Kiste aufbewahrt und abends vor dem Einschlafen ausgiebig und hemmungslos mit den Fingern darin herumwühlt. Soll für einen viel tieferen und ruhigeren Schlaf sorgen :P

  • Welche Art von Wirkung schwebt Dir da vor? Manche sagen ja auch, dass sich die Wirkung am besten entfaltet, wenn man die Münzen in einer Kiste aufbewahrt und abends vor dem Einschlafen ausgiebig und hemmungslos mit den Fingern darin herumwühlt. Soll für einen viel tieferen und ruhigeren Schlaf sorgen :P

    By the way: So oder zumindest ganz ähnlich scheinen tatsächlich die Notenbanken weltweit zu denken, denn diese bunkern (letzter Stand aus dem Jahr 2020) ja > 33,500 Tonnen Gold ... :P. Warum nur ? Wenn die Notenbanken ihrem eigenen Produkt Papiergeld vollumfänglich vertrauen, wäre doch diese Goldhaltung komplett überflüssig ... ?


    Nur ein Beispiel zu Deiner konkreten Frage: Den Fall hatte ich hier m. E. nach schon mal kurz erwähnt. Ein Bekannter (Finanz-Freak und recht findig und kundig in Gelddingen - mit Nix gestartet und es immerhin zum Multi-Millionär gebracht) hatte beispielsweise mal - ziemlich wissenschaftlich - die optimale Beimischung von Gold in einem ansonsten reinen und weltweiten Aktienportfolio ab dem Zeitraum 1970 untersucht. Dabei kam er zu dem (für ihn und mich) überraschenden Ergebnis, daß das optimale Mischungsverhältnis "Aktien weltweit" mit "Gold" bei 79% zu 21% zugunsten der Aktien lag. Das übliche jährliches Rebalancing vorausgesetzt. Bei der Mischung war - immerhin über das letzte halbe Jahrhundert - sowohl die Rendite insgesamt etwas höher als auch das Depot etwas risikoärmer (geringere Vola) als mit 100% Aktien. Hat mich selbst überrascht. Ich halte Gold rein aus dem "Versicherungsgedanken". Und auch deutlich weniger als die besagten 21%.


    Mir sind daneben natürlich noch weitere positive Wirkungen von Gold vorstellbar, wie etwa der Schutz vor der ständigen Verwässerung des Geldwertes - um nur ein weiteres Beispiel zu nennen.

  • Ich bin kein Gegner von Goldbeimischung zur Diversifikation. Aber den Effekt „Schutz vor Verwässerung des Geldwertes“ habe ich doch mit allen Sachwerten, einschließlich Aktien?

    So wie man innerhalb einzelnen Assetklassen natürlich diversifizieren kann und sollte - kann man ebenso Sachwerte untereinander auch diversifizieren.


    Zudem hat Gold unter den Sachwerten zusätzliche Besonderheiten (steuerliche Aspekte, kein Gegenpart-Risiko (von staatliche Verboten und Konfiskation mal abgesehen), ist äußerst beweglich und sehr fungibel (Gegenbeispiel: Immobilien), hat häufig eine negative Korrelation zu anderen Assetklassen etc.


    Jede Medaille hat natürlich ihre Rückseite. Gold generiert keine Zinsen (allerdings auch keine Negativzinsen ...), keine Dividenden, keine Mieterträge, kostet eine Spread zwischen An-und Verkauf und sollte sicher (auch rechtssicher) verwahrt werden. Das ist aber Alles eine Binse und in einem Finanzforum wohl nicht der Erwähnung wert.


    Die "Eierlegende Wollmilchsau" in Sachen Finanzen habe ich noch nicht entdeckt ...


    Neulich bei einem Treff und privaten Finanzgesprächen: "Jeder hier weiß, daß Aktien auf lange Sicht die renditestärkste Anlageklasse ist. Wer von euch ist also mit 100% in Aktien ?" Es hat kein einziger/keine einzige die Hand gehoben. Zugegebenermaßen alle schon etwas älter (50+) und alle nicht ganz unvermögend. Es scheint daher - insbesondere mit zunehmendem Alter und Vermögen - zu gelten: Wer Risiken scheut, der streut ...


    Wobei es m. E. einen (signifikanten) Unterschied geben dürfte bei dem Ziel "wohlhabend/reich werden" und "wohlhabend/reich bleiben" ... und den entsprechenden Vorgehensweisen.


    Nur meine bescheidene persönliche Meinung.