Miete oder Eigentum im Alter

  • Hallo zusammen,

    wir werden unser Haus an unseren Sohn verkaufen. Kaufpreis entweder voll direkt zahlbar (Hypothek) oder gegen verzinste Ratenzahlung grundbuchgesichert an uns.


    Nun die Frage: Macht es Sinn in eine Mietwohnung zu ziehen? Oder sollten wir eher eine ETW suchen? Wir könnten eine ETW komplett aus eigenen Mitteln bezahlen. Aber macht das Sinn?


    Ich weiß dass es nicht die eine richtige Antwort gibt. Wollte nur Meinungen hören. Ach ja, wir sind 60 Jahre und werden nur noch Teilzeit arbeiten.

  • Hallo.


    Wenn man eine Eigentümerversammlung geschmeidiger findet als einen Vermieter, dann kann die ETW etwas sein.


    Mein Bruder ist mit seiner ETW recht zufrieden, für mich wäre es eher nichts. Daher wäre ich eher bei der Miete dabei. (Wohne ländlich, im urbanen Bereich müsste man wohl anders bewerten.)

  • Hallo, sicherlich spielt der gesundheitliche Punkt in der Zukunft eine wesentliche Rolle. Aus einer Mietwohnung ist man schnell ausgezogen und kann die nötige Unterkunft, betreutes Wohnen oder gar Pflegeheim, nutzen. Da das nicht gerade günstig ist, sollte man das Finanzielle auch beachten. Bei Eigentumswohnungen kann ich nur von meiner Region sprechen, die sind mM. nach zur Zeit sehr überteuert, ich tippe auf nachgebende Preise, da viele durch die Energiepreise sicherlich in Bedrängnis geraten können/werden.

  • Und wie seht ihr die Aussage:

    Wer mietet macht den Vermieter reich.


    Schließlich werden wir vielleicht noch 20 Jahre vor uns haben. Macht bei 1000 Euro Kaltmiete ca. 240 k aus. Vor dem Hintergrund dass wir die ETW aus eigenen Mitteln kaufen. Fundiert die Entscheidung letztlich auf Emotion (Mietertyp oder Eigentum)? Oder gibts eine wirtschaftliche Komponente?

  • Hallo,

    wir haben uns entschlossen, eine sog. Servicewohnung zu kaufen. Heißt hier und da anders, ist eine behindertengerechte Wohnung in einer Wohnanlage, wo man komplett autark leben kann und wenn man möchte, diverse Services zubucht (vom Fensterputzer bis zur Pflegekraft). Wenn das Alter voranschreitet und die Zipperlein kommen, braucht man aus seiner gewohnten Umgebung nicht in eine Senioren- oder gar Pflegeeinrichtung umzuziehen.

    Wir haben das System bei meinem Vater kennengelernt, er ist super zufrieden damit. Übrigens wohne ich dann wieder mit meinem Vater "unter einem Dach", wir ziehen in die Wohnanlage, in der mein Vater bereits wohnt :).

    Kann mir vorstellen, dass der Kauf einer solchen Wohnung für euch ganz interessant sein könnte: erst selber nutzen und die Miete sparen und dem Junior die Wohnung später vererben. Er kann sie dann z. B. vermieten und so Einkommen generieren.

    Alles Gute bei der Entscheidung wünscht

    Alabama

  • Wer mietet macht den Vermieter reich.

    Na ja... das ist mMn ein Spruch aus alten Zeiten ;-)


    Die Mietrenditen bezogen auf den Kaufpreis (brutto inkl. Kaufnebenkosten) liegen derzeit überwiegend bei deutlich unter 3% nominal. Die realen, kaufkraftkorrigierten Mietrenditen sind negativ. Rechnet man - als potentioneller Vermieter - Mietrenditen auf den Eigenkapitaleinsatz bezogen, so fallen diese teils sogar negativ an... was mit der Art der Finanzierung und den realisierbaren Mieten zusammen hängt.

    'Junge' Vermieter mit noch vieeeeelen Jahren vor sich dürfen natürlich auf den Immobilienwert schielen, der mit den Mieteinnahmen geschaffen wird. Wirklich reich wird der geneigte Vermieter aber i.d.R. nicht.


    Einige Immobilienbesitzer (Besitzer/Eigentümer von Vermietimmos) rechnen zwar - ähnlich wie persönliche Dividenden - die steigenden Mieteinkünfte auf ihre 'persönliche Mietrendite' an, vergessen dabei aber all zu oft die Teuerungsraten ebenfalls zu berücksichtigen.

  • Wie wäre es denn mit einer altersgerechten Wohnung in einer Seniorenwohnanlage?

    Ja, das mag sich mit 60 schon krass anhören, aber nach dem Tod meines Vaters hat sich meine Mutter jetzt entschieden das Haus aufzugeben.

    Wir suchen aktuell eine Wohnung in einer Seniorenwohnanlage in unserer Nähe. Wartezeit 3-5 Jahre!

    Und da gibt es inzwischen wirklich tolle Anlagen, die richtig viel bieten (Veranstaltungen, usw.). Einfach mal informieren. Das schöne ist eben, dass man dort quasi bis zum Ende wohnen kann und sich später dann nicht mehr an eine neue Umgebung gewöhnen muss.

    Und wie seht ihr die Aussage:

    Wer mietet macht den Vermieter reich.

    Schon mal darüber nachgedacht, das das letzte Hemd keine Taschen hat? Wenn Ihr jetzt eine ETW für 240.000€ kauft ist das Geld gebunden. So könnte man das Geld teilweise anlegen und sich in den nächsten Jahren in denen es Euch hoffentlich noch Gesundheitlich gut geht noch etwas dafür gönnen (z.B. Reisen).

    Ist zumindest meine Ansicht.

  • Nun die Frage: Macht es Sinn in eine Mietwohnung zu ziehen? Oder sollten wir eher eine ETW suchen? Wir könnten eine ETW komplett aus eigenen Mitteln bezahlen. Aber macht das Sinn?

    1. Vorab: Wie JDS schon schrieb, ohne Kenntnis der Gesamtsituation (insbesondere der finanziellen - aber auch der persönlichen Einstellung; siehe Punkt 3.) sind da keine fundierten Ratschläge möglich.


    2. BTW: Den Hinweis von Alabama finde ich zumindest eine Überlegung wert, das ("Service-Wohnung", Einkauf in Senioren-Residenz usw.) haben - nach dem Verkauf des eigenen Hauses - in meinem Umfeld nämlich einige gemacht. Die meisten (eher fast alle) sind mit ihrer Entscheidung zufrieden.


    3. Ganz generell aus meiner Sicht: Auch mit zunehmenden Alter (60+) bleibt die Frage "Mieten oder Kaufen" - also Mieter oder Eigentümer - sehr häufig eine Frage, die nicht nur eine rein finanzielle Entscheidung (Investment) ist sondern eher eine Frage der Einstellung (Lifestyle).


    4. Auch m. E. zu bedenken ist die Region in der man lebt (oder in die man ziehen will). In den sehr großen aber auch größeren Städten (und Ballungsgebieten allgemein) sind ETWs generell "sportlich" eingepreist, erst recht das, was alle/viele suchen (seniorengerecht, barrierefrei, mit Lift, Balkon/Terrasse, TG-Platz, zentrale aber ruhige Lage usw.). In ländlichen Regionen werden dagegen eher Häuser (mit Grundstück bzw. Garten) angeboten als ETWs, da ist das Angebot oft deutlich günstiger aber eben auch meist deutlich spärlicher.


    5. Keine Ahnung, wie die Immobilienpreise sich entwickeln (einiges sprich für eine gewisse Korrektur nach unten). Das sehe ich bei den Mietpreisen eher nicht so ausgeprägt - jedenfalls dann nicht, wenn man in einer prosperierenden Gegend mit weiterem Zuzug von Einwohnern lebt (mit 60 Jahren kann man ja durchaus noch 30 Jahre (oder mehr) als Mieter vor sich haben und müßte dann über die Dauer mit gewissen vermutlich nicht ganz unerheblichen Mietsteigerungen rechnen).


    6. Mieten ist flexibler. Klar. Einerseits. Andererseits können aber auch regelmäßige Mieterhöhungen (s. Punkt 5.) nerven (gerade im Alter und bei eher nur normaler Rente), ebenso ein erzwungener Wohnungswechsel (Eigenbedarfskündigung des Eigentümers beispielsweise) usw. Sollte man zumindest auch mal abwägen.


    7. Last but not least. Den größten Steuervorteil haben nach meinem Dafürhalten die meisten bei selbst genutztem (lastenfreiem) Wohneigentum so bewußt gar nicht auf dem Schirm: Der regelmäßige Ertrag daraus (in dem Fall also die jeden Monat eingesparte Miete) ist (noch jedenfalls) in Deutschland komplett steuerfrei. Das sieht bei Wertpapieren und deren Erträgen (Zinsen, Dividenden, Ausschüttungen usw.) anders aus (von den minimalen und damit zu vernachlässigenden Freibeträgen mal abgesehen). Sollte man m. E. auch auf dem Schirm haben bei der Abwägung.


    8. Klar ist aber auch und eine Binse: Wohnen kostet immer Geld und ist niemals (völlig) kostenfrei möglich. Weder als Eigentümer noch als Mieter.


    Nur einige Gedanken zu dem Thema.


    Und nur meine bescheidene persönliche Meinung.


    Gute Entscheidungen wünsche ich !

  • Eine Immobilie bindet viel Kapital, egal ob Haus oder Wohnung. Wenn ihr jetzt nochmal etwas kauft, sollte ausreichend anderes Geld vorhanden sein damit ihr davon leben könnt. Ansonsten würde ich tendenziell zur Miete raten und das Geld anderweitig anlegen

  • Wichtig ist auch noch, wenn man jahre/jahrzehntelang im Eigentum gewohnt hat: Kann man "mental" dann zur Miete wohnen? Kann man damit leben, dass der Vermieter halt gewisse Dinge entscheidet und man hierauf keinen Einfluss mehr hat?


    Meine Mutter hat z.B. nach langer Eigentumsphase kurzzeitig zur Miete gewohnt, dann jedoch entnervt schnell wieder Eigentum zur Selbstnutzung erworben.

  • Danke für die vielen Anregungen!

    Es ist eine nicht einfache Entscheidung. Wahrscheinlich ereilt einen beim Kauf einer ETW später mal die Kaufreue. Vor allem weil die Kaufpreise schon etwas abgehoben sind (Raum Düsseldorf/Viersen). Klar haben wir noch Geld zum Leben übrig aber mir wird übel wenn ich den VKPreis unseres Hauses 1:1 in einer ETW anlege. Das Haus ist definitiv zu groß für uns und wir möchten das auf jeden Fall Kindern und Enkel verkaufen.

  • War da nicht noch etwas mit der Grundsteuer, was das Wörtchen 'komplett' nach einer vorangestellten Ergänzung von 'fast' rufen läßt?

    Logisch fällt für den Eigentümer (z. B. einer selbst genutzten ETW) Grundsteuer an. Meines Wissens fällt die aber doch auch für den Mieter einer Wohnung an ?!


    Bei allen meinem vermieteten Wohnungen jedenfalls ist die Grundsteuer (wird bei mir behördenseitig von meinen Konten meist jährlich oder vierteljährlich abgebucht) ausnahmslos Bestandteil der jährlichen Nebenkosten- bzw. Betriebskostenabrechnung - bei der diese Grundsteuer dann an den Mieter durchgereicht bzw. via der sog. "umlagefähigen Nebenkosten" weitergeleitet wird.


    Für eine kurze Klarstellung wäre ich daher dankbar.

  • Danke für die vielen Anregungen!

    Es ist eine nicht einfache Entscheidung. Wahrscheinlich ereilt einen beim Kauf einer ETW später mal die Kaufreue. Vor allem weil die Kaufpreise schon etwas abgehoben sind (Raum Düsseldorf/Viersen). Klar haben wir noch Geld zum Leben übrig aber mir wird übel wenn ich den VKPreis unseres Hauses 1:1 in einer ETW anlege. Das Haus ist definitiv zu groß für uns und wir möchten das auf jeden Fall Kindern und Enkel verkaufen.

    Das ist in den Metropolregionen die traurige Realität. Wäre die Vermietung an die Kinder/Enkel eine Option; und mit den Mieteinnahmen bezahlt man (wenistens einen Teil) der dann neuen Miete oder aber ETW? Das Haus bliebe so auch in der Familie und im Erbfall wäre es für die Kinder günstiger als das Haus Euch abzukaufen.

  • Wichtig ist auch noch, wenn man jahre/jahrzehntelang im Eigentum gewohnt hat: Kann man "mental" dann zur Miete wohnen? Kann man damit leben, dass der Vermieter halt gewisse Dinge entscheidet und man hierauf keinen Einfluss mehr hat?


    Meine Mutter hat z.B. nach langer Eigentumsphase kurzzeitig zur Miete gewohnt, dann jedoch entnervt schnell wieder Eigentum zur Selbstnutzung erworben.

    Wobei auch einen Eigentümer das Schicksal eines 'problematischen' Nachbarn ereignen kann. Wir hatten bei uns im Block auch gerade so einen Fall. Die gesamte Hausgemeinschaft wurde durch eine Mieterfamilie 'terrorisiert'.

    Zum Glück hat sich der Vermieter (Genossenschaft) darum gekümmert.

    Schon Schiller wußte: "Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt."