fondsgebundene RV kündigen und stattdessen ETF Onlinedepot ?

  • Hi, nachdem ich die Videos zum Thema Geldanlage ETF vs fondsgebundene RV angeschaut habe, vermute ich das meine bestehende RV zu hohe Kosten verursacht. Würde daher gerne eure Meinung dazu hören ...


    Hier die Eckdaten:

    Ich bin 40 und möchte das Geld langfristig >25 Jahre in weltweiten Aktienmarkt anlegen. Sichere Geldanlagen in Form einer Immobilie ist bereits vorhanden. Geld als Reserve für unvorhergesehenes ist auch vorhanden. ETF Sparplan wurde letzte Woche angelegt und wird nun monatlich bespart.


    Die fondsgebundenen RV hab ich mit einer Einzahlung von 100k abgeschlossen.
    Abschluss- und Vertriebskosten lagen bei 1,25%. Jährliche Verwaltungskosten für den Fonds Uniglobal-net liegt bei 1,7%.
    Jährliche Verwaltungskosten der Versicherung 0,5%. D.h. jährl. 2,2% laufende Kosten.


    In der Vergangenheit war der Fond nach Abzug der 1,7% Kosten ungefähr gleich stark wie der MSCI World.
    Durch den Trend Richtung ETFs frage ich mich ob ich nicht besser meine RV kündige und stattdessen in den MSCI World per ETF investieren soll? Die Kündigung wäre ohne Kosten möglich, da der aktuelle Depotwert ausgezahlt werden würde. Mein Ziel ist es dieses Geld langfristig, wenn nicht sogar lebenslang anzulegen und erst in der Rentenzeit >67 zu nutzen. Parallel habe ich bereits ein Depot zum ETF-Sparplan angelegt. Die Idee ist auch dort monatlich Geld als langfristige Geldanlage einzuzahlen.
    Vielen Dank für euer Feedback!:)

  • Hallo Bernd,

    Willkommen im Forum!


    Dein Fonds hat sich gut gehalten. Ich würde ihn als klassischen Indexschmuser bezeichnen. Er verhält sich vom Kursverlauf genauso wie ein Indexverlauf mit Abschlägen wegen der Kosten. Über 10 Jahre lag der Fonds pro Jahr 1,1% unter dem Index. Das summiert sich natürlich über 25 Jahre und man kann sich fragen, wozu man einen schlechter performenden Indeximitator braucht.


    Hier der Vergleich: https://www.fondsweb.com/de/ve…DE0009750273,LU0392494562


    Andererseits kann man argumentieren, dass eine Rentenversicherung Sicherheit bietet. Was hast du denn alles als Altersvorsorgebausteine? Gesetzliche Rente? Immobilie..... ich habe eine Betriebsrente, die mal 1000 Euro abwerfen soll und andere Bausteine. Deswegen verzichte ich auf eine Rentenversicherung. Für Sicherheitsfans mag es genau das richtige sein.


    Würdest du die Rentenversicherung ohnehin auszahlen lassen wollen oder verrenten lassen? Wie lautet der Rentenfaktor?

  • Das summiert sich natürlich über 25 Jahre und man kann sich fragen, wozu man einen schlechter performenden Indeximitator braucht.

    Bei einem 7%er werden in 25 Jahren aus 100.000 deren ca. 542.700. Ein 8%er bringt es auf 684.800. Der Unterschied bei einem Prozentpunkt (bei 7 oder 8% konstanter Rendite) und 25 Jahren liegt ergo bei 142.100.

  • Für mich ist der einzige Nachteil bei einem ETF wenn man in eine soziale Notsituation gerät, da wird er als Guthaben angerechnet , die Rentenversicherung ist da außen vor.

    Durch die eigene Immobilie entfällt dieses Argument hier wahrscheinlich.


    Die Zeit bis Rentenbeginn spricht für den ETF, in Abhängigkeit vom eigenen Sicherheitsbedürfnis.

  • Danke für euer Feedback. Meine Altersvorsorgebausteine sind die gesetzliche Rente, eine Riesterrente (Einzahlung über 42 Jahre in Aktienfonds), die oben beschriebene fondsgebundene RV, eine Eigentumswohnung und mein zukünftiger ETF Sparplan.


    Das sollte sicherlich ausreichen, auch wenn es mir schwerfällt abzuschätzen wieviel man später tatsächlich braucht.

  • ... auch wenn es mir schwerfällt abzuschätzen wieviel man später tatsächlich braucht.

    Der Vorteil von 'Geld' ist, dass es sich in Zahlen ausdrücken lässt... und mit Zahlen kann man rechnen.

    Was hältst du davon, einmal deine aktuelle Situation (Einkünfte, Ausgaben, Vermögenswerte) bis zum Rentenbeginn hochzurechnen, und zwar nominal und inflationsbereinigt. Natürlich bleibt es dennoch bei Annahmen, da wir künftige Werte und Faktoren nicht kennen. Von diesen Annahmen kannst du aber eine Lücke ableiten, die es zu schließen gilt.

    Der aufgeschlossene Sparer/Investor wird dann wohl von Jahr zu Jahr einen Soll-Ist-Vergleich machen und ggfs. zuvor getroffene Entscheidungen den Gegebenheiten anpassen...

  • Welche Betrachtung mir hier noch fehlt ist der Steuervorteil der fondsgebundenen Rentenversicherung.


    Es ist am Ende leider immer schwer zu vergleichen, die Kosten im Bereich Versicherungen sind leider nicht wirklich transparent.

    Neulich hat bei Youtube habe ich ein Video gefunden, wo ein 'Berater' den Steuervorteil mal durchgerechnet hat. Logischerweise hat in dieser Berechnung die Nettopolice einen ETF-Sparplan renditetechnisch geschlagen. ;)

    Kleiner Schönheitsfehler: Der 'Berater' ist davon ausgegangen, dass die Nettopolice und der ETF Sparplan nach Kosten die gleiche Rendite erwirtschaften. Sprich die höheren Kosten der Nettopolice wurden nicht in die Berechnung einbezogen.

    Es macht halt auf 20-30 Jahre ein großen Unterschied, ob ich Kosten von 0,25% p.a. (ETF-Sparplan) oder 0,75% p.a. (Nettopolice) habe.

    Klar, ich habe auch Vorteile bei einer Nettopolice. So könnte man zumeist einmal im Jahr kostenfrei umschichten. Aber, wer braucht das, wenn man einem marktbreiten ETF langfristig bespart? Der andere Vorteil ist natürlich die garantierte lebenslange Rentenzahlung.

    Das kann aber auch wieder ein Nachteil sein. Spätestens zur Rente wird die Nettopolice in Zinsarmen sicheren Papieren angelegt (z.B. Staatsanleihen) und hat dann keine große Chance mehr langfristig weiter Rendite zu erwirtschaften. Mit vererben ist dann auch nix.

    Beim eigenen ETF-Depot kann ich nach eigenem Ermessen umschichten bzw. mein Risiko steuern. Ich sehe es aber so: Wer 20-30 Jahre konsequent ein ETF-Depot bespart hat, sollte es auch hinbekommen, einen verantwortungsvollen Entsparplan aufzustellen.


    BTW: Zumeist werden Kunden von den 'Beratern' eben keine Nettopolicen angeboten, sondern teure provisionsbasierte Fondspolicen! Da zahlen die Kunden dann jahrelang ein und wundern sich, dass Sie nicht von der Stelle kommen!

    Hier mal ein schönes Beispiel:<X

    Lohnt sich die Volkswohl Bund Fondsgebundene Rentenversicherung FR? - YouTube

  • Kannst du das mal bitte konkreter machen?

    Man muss während der Ansparphase keine Steuern zahlen, auch wenn der FSA bereits ausgeschöpft ist.

    Wenn nach Abschluss 12 Jahre vergangen sind und das 62. Lebensjahr vollendet ist, sind bei Kapitalauszahlung nur die Hälfte der Erträge zu versteuern.

  • Ja, nur die Hälfte, aber zum persönlichen Steuersatz. Wenn beispielsweise Dein persönlicher Höchststeuersatz 37% ist, zahlst Du effektiv 18,5%.


    Bei thesaurierenden Aktien-ETFs zahlst Du 25% Kapitalertragssteuer zzgl. Soli, ergibt 26,375% auf 70% der Erträge, ergibt effektiv knapp 18,5%.


    Nach derzeitigen Steuergesetzen!

  • Ja, nur die Hälfte, aber zum persönlichen Steuersatz. Wenn beispielsweise Dein persönlicher Höchststeuersatz 37% ist, zahlst Du effektiv 18,5%.


    Bei thesaurierenden Aktien-ETFs zahlst Du 25% Kapitalertragssteuer zzgl. Soli, ergibt 26,375% auf 70% der Erträge, ergibt effektiv knapp 18,5%.


    Nach derzeitigen Steuergesetzen!

    Wobei du den Freibetrag von momentan 801€ noch nicht einmal berücksichtigt hast, damit sinkt der Steuersatz je nach höhe der Auszahlung nochmals.

  • Wenn nach Abschluss 12 Jahre vergangen sind und das 62. Lebensjahr vollendet ist, sind bei Kapitalauszahlung nur die Hälfte der Erträge zu versteuern.

    Oben in dem Beispiel erzielt der TE bei einem Prozentpunkt Renditeunterschied (zwischen RV und ETF) voraussichtich einen um rund 140.000 Öcken höheren Gewinn und somit vermutlich einen Vorteil gegenüber der RV und - trotz der ach so tollen Steuervorteile der RV - ein Plus von rund 110.000 Öcken. Also... man gebe einen Sch... auf das Versicherer-Geschwafel... und rechne 8)