Auswirkungen von Währungskursen auf ETF Kauf

  • Hallo zusammen,

    ich bin schon seit einiger Zeit, hauptsächlich wegen eines von mir weiterhin befürchteten Abwärtstrends an der Börse, zögerlich, weitere ETF Anteile (z.B.MSCI World) zu kaufen. Dazu kommt nun noch der schwache Eurokurs. Ich muss momentan doch mehr Euro ausgeben, um Anteile eines ETF zu kaufen, oder? Hat der Euro in, sagen wir 6 Monaten, wieder 10% an Wert gegenüber dem Dollar gewonnen, kann ich entsprechend ca 10% mehr Anteile an dem ETF mit meinen Euro kaufen, da sich der Wert der ETF Anteile ja in Dollar berechnet, oder etwa nicht?

  • Die Fondswährung ist egal.


    Stelle Dir vor, Du kaufst einen DAX-ETF, der in USD notiert. Deine Euros würden kurz in USD getauscht, um danach wieder in EUR investiert zu werden. Beim Verkauf würde das gleiche umgekehrt passieren. Der EUR-USD-Kurs hat in beiden Fällen keine Auswirkung.


    Relevant ist also eher die Währung der Bestandteile. Das sind beim MSCI World grob zu 60% US-Aktien und nur ca. 23% EUR. Das kann man also so sehen, dass du 60% in USD tauschst.


    Andererseits verkauft Microsoft und andere US-Unternehmen seine Produkte nicht nur im USD-Währungsraum, sondern auch in EUR. Die profitieren also, wenn der EUR wieder aufwertet und damit auch Du.


    Abgesehen davon, dass viele Aktien an unterschiedlichen Börsen in unterschiedlichen Währungen gehandelt werden und man auch fragen kann, was der "richtige" Kurs ist.


    Zu guter Letzt kannst Du Dich über den aktuell schwachen Euro freuen, denn der Kursverlust Deiner Heimatwährung hat dafür gesorgt, dass Deine diesjährigen ETF-Verluste deutlich geringer sind, als aus Sicht eines USD-Anlegers.

  • ... Ich muss momentan doch mehr Euro ausgeben, um Anteile eines ETF zu kaufen, oder? ...

    Richtig.

    ... Hat der Euro in, sagen wir 6 Monaten, wieder 10% an Wert gegenüber dem Dollar gewonnen, kann ich entsprechend ca 10% mehr Anteile an dem ETF mit meinen Euro kaufen, da sich der Wert der ETF Anteile ja in Dollar berechnet, ...

    Auch richtig. Die Frage ist nur, warum der Euro gegenüber dem Dollar oder anderen wichtigen Währungen steigen soll. Die US-Leitzinsen werden am Jahresende ungefähr doppelt so hoch wie die im Euro-Raum sein, die Leitzinsen in allen anderen wichtigen Währungen sind auch höher oder steigen dynamischer als im Euro-Raum. Also lässt die Nachfrage nach risikoarmen Anlagen Gelder eher aus dem Euro heraus als in den Euro fliessen. Dazu kommt, dass die Schuldentragfähigkeit der meisten EU-Staaaten bei steigenden Zinsen zweifelhaft ist. Und die wirtschaftliche Entwicklung in der EU wird wohl auch schlechter sein als in allen anden Regionen der Welt (außer vielleicht in Russland). Die professionellen Währungsspekulanten gehen zur Zeit davon aus, dass der Euro in den nächsten ein/zwei Jahren gegenüber dem US-Dollar und den anderen wichtigen Währungen weiter verlieren wird. Und die leben gut davon, dass sie mit ihrer Einschätzung selten daneben liegen.

  • Besten Dank für eure Antworten! Allerdings muss ich gestehen, dass ich nicht ganz folgen kann. Die Materie scheint mir sehr komplex zu sein und mein Basiswissen wahrscheinlich nicht ausreichend. Habt ihr evtl Literaturtips zur Materie, oder könntet ihr nochmal versuchen, es mir verständlicher zu machen?

  • Es ist sogar relativ einfach.


    Bei einer langfristigen Geldanlage ist das Währungsrisiko vernachlässigbar. Die Kursentwicklung eines Anteils aufgrund positiver Geschäftszahlen der enthaltenen Titel ist der entscheidende Faktor beim Erfolg eines langfristigen Investments.

  • Auch wenn ich die Frage- oder Problemstellung nicht ganz durchschaue, also wo Du gedanklich stolperst, lieber christianD, vielleicht kann das hier etwas helfen: https://www.fondsweb.com/de/ve…LU1681043599,IE00B441G979


    Ich habe drei ETFs auf den MSCI World verglichen.

    • einen, der in EUR geführt wird
    • einen, der in USD geführt wird
    • einen, der EUR hedged ist, also das Währungsrisiko absichert

    Die beiden ersten, rot und blau, laufen absolut identisch. Der grüne ganz anders.


    Es kommt also - siehe rot und blau - nicht darauf an, in welcher Währung der Fonds geführt ist. Da unterscheiden sich die beiden Varianten nur in den Fragen, (1) zu welchem Zeitpunkt quasi die in Dollar notierten Aktien in Euro umgerechnet werden, und (2) ob in Fremdwährungen wie Pfund oder Yen oder CHF geführte Aktien zuerst in Dollar umgerechnet werden.

  • Sorry, jetzt hatte ich versehentlich und zu früh gepostet.


    Noch zur Erläuterung: Wenn ein ETF „EUR hedged“ ist, sichert er das Währungsrisiko ab. Erstens ist es teuerer, das zu tun, als es nicht zu tun - deshalb ist die TER bei solchen Fonds höher. Zweitens schießt man sich ins eigene Knie, wenn die Währung, in der gehedged ist, schwächelt.

  • Die professionellen Währungsspekulanten gehen zur Zeit davon aus, dass der Euro in den nächsten ein/zwei Jahren gegenüber dem US-Dollar und den anderen wichtigen Währungen weiter verlieren wird. Und die leben gut davon, dass sie mit ihrer Einschätzung selten daneben liegen.

    Diese Aussage ist meiner Meinung nach in dieser Form nicht korrekt. Beziehungsweise wird dadurch zumindest eine Beziehung zwischen wirtschaftlichen Gewinn und der Fähigkeit der richtigen Prognose des Händlers hergestellt.


    Den FX-Profis ist es aber letztendlich völlig egal ob ihre Prognose stimmt. Ihr Gewinn ist nicht von dieser Einschätzung abhängig.

    Die Profis handeln täglich auf der vierten Nachkommastelle eines Währungspaares. Das Volumen ist mind. neunstellig und daher ist eine Veränderung an dieser Stelle mal eben eine fünfstellige Zahl. Da Währungspaare ständig schwanken spielt es keine Rolle ob dies bei 1 zu 1 oder 1 zu 1,2 passiert. Die Volatilität und damit die Chance ist immer gegeben.


    Da Währungen wesentlich schwieriger prognostizierbar sind, ist auch die Wahrscheinlichkeit richtig zu liegen deutlich geringer als bei Analysten, welche "nur" die Erfolgschance von Einzeltiteln darstellen.

  • RNowotny:

    Die FX-Zocker habe ich nicht gemeint. Die spielen Lotterie mit einem zeitlichen Horizont von meistens Sekunden oder Minuten, maximal Stunden.


    Gemeint waren diejenigen, die in Unternehmen und Banken Ein- und Verkaufspreise in Fremdwährungen mit einem Horizont von 3 bis 24 Monaten hedgen bzw. die dafür nötigen Instrumente auflegen.