Steuern optimieren - Große Einmalzahlung -> ETF ausschüttend oder thesaurierend.

  • Hallo,

    zunächst zu meiner aktuellen Situation. Ich habe das Glück durch den Verkauf meiner Firma 2 Mio Euro im Aktienmarkt investieren zu können. Mein aktueller Plan ist vorerst zu reisen und von den Kapitalerträgen zu leben. Ich möchte sowohl in den MSCi World als auch in den Emerging Market investieren, wobei sich die Frage stellt ob thesaurierend oder ausschüttend am sinnvollsten ist.


    Mein erster Gedanke war, da ich davon vorerst leben möchte direkt auf ausschüttend zu gehen, da ich mir ja eh mindestens jährlich Geld auszahlen werden. Allerdings werden Dividenden ja immer direkt mit 26,5% versteuert.


    Gehe ich recht in der Annahme, dass es steuerlich sinnvoll wäre auch in meinem Fall thesaurierend zu agieren? Wenn ich mir jährlich Geld auszahle müsste die Steuer darauf deutlich geringer sein, da ich ja nur auf Gewinne Steuern zahle und ein Großteil der verkauften Anteile ja aus dem bereits versteuerten Grundstock (den 2 Mio) besteht (ich zahle ja dann nur auf den Kursgewinn pro Aktie steuern). Bei Dividenden, zahle ich ja immer die vollen 26,5%, im thesaurierenden Fall müsste es entsprechend um einiges günstiger sein oder übersehe ich etwas?

    Für den Thesaurierer muss ja ggf Vorsteuer bezahlt werden, das wird aber ja bei den Verkäufen eh wiederum verrechnet und sollte keine Rolle spielen wenn ich jährlich eh Anteile verkaufe. Der Sparerpauschbetrag spielt entsprechend bei jährlichen Verkäufen auch keine Rolle, da der dann ja auch ausgeschöpft wird.


    Habe ich etwas übersehen oder ist die thesaurierende Variante in meinem Fall deutlich besser?

  • Bei den thesaurierenden ETF erhöht sich der Kurs um den Wert der Dividenden, so dass du dort einen höheren Kursgewinn beim Verkauf realisierst, der dann auch versteuert wird.


    Den einzigen Vorteil den ich sehe ist, dass Du beim thesaurierenden ETF die Gewinne besser steuern kannst, die Dividenden fallen einfach irgendwann an, egal ob Du sie brauchst oder nicht.

  • Thesausierend dürfte deutlich passender sein. Zum einen lässt sich genau steuern wann man aus dem Portfolio entnimmt. Zum anderen ist man steuerlich günstiger dran da eben nur der Gewinnanteil zu versteuern ist. Und der ist gerade die ersten Jahre relativ klein sodass wenig Steuern anfallen. Zusätzlich gilt: wird zu ungünstigen Zeiten mit Verlust entnommen, ist der Gewinnanteil sogar negativ und man baut sich einen Verlusttopf auf der späteren Entnahmen die Steuern senkt. Dividenden dagegen werden immer voll besteuert.


    Auf Georgs Blog gibt es einen Artikel dazu: https://www.finanzen-erklaert.…pekten-weiterhin-optimal/

  • Auf die Dividenden zahle ich aber ja die vollen Steuern.


    Angenommen ich habe 1.000.000 Anteile zu 1 Euro gekauft und der Kurs ist um 20% gestiegen. Wenn ich jetzt 1% selber auszahle, dann verkaufe ich also 10.000 Anteile und mache pro Anteil 20 Cent Gewinn ---> 12000 ausgezahlt und auf die 2000 (20 Cent mal 10000) Gewinn steuern zahlen.


    Beim Dividenden ETF (Beispiel 1% Dividenden) wäre der Kurs jetzt 1% geringer, aber ich zahle auf die ganze Dividende Steuern weil die ja als kompletter Gewinn zählt. Das wären dann eher so 10k+ auf die Steuern zu zahlen sind oder wo ist der Denkfehler?


    Außerdem:

    Sollte der Kurs in den ersten Jahren gar nicht steigen zahle ich bei nem Thesaurierer gar keine Steuern und bei nem Dividenden ETF auf die Dividenden weiterhin steuern oder nicht?



    Edit: Der Beitrag von LebenImSueden kam während des Schreibens. Denke der stimmt mit meiner Beobachtung überein.

  • Mein erster Gedanke war, da ich davon vorerst leben möchte direkt auf ausschüttend zu gehen, da ich mir ja eh mindestens jährlich Geld auszahlen werden.

    Ich würde mir (unter Berücksichtigung der Gesamtsituation) einmal Entnahmepläne ansehen und mich damit befassen... und mir letztendlich meinen eigenen Entnahmeplan 'stricken'.

    Zawei Millionen im Depot sollten für eine 3%ige Nettoentnahme pro Jahr reichen, ohne das Kapital massgeblich aufzubrauchen; Schwankungen im Wert sind natürlich an der Tagesordung. Ausgehend von 5000 Öcken pro Monat, die man sich von Jahr zu Jahr bei Bedarf um die Teuerungsraten anpassen kann, kann man zu Beginn die 'Rente' von 60k p.a. auf Vorrat (für einige Jahre und im vollen Bewusstsein, dass die Inflation daran knabbert) cash auf die Seite packen. Ich würde gut 300k als Cash-Anteil vorhalten und diesen um die jeweils verbrauchten Jahresrenten wieder durch Anteilsverkäufe auffüllen, wenn der Zeitpunkt für Verkäufe günstig ist.

    Aus den verbleibenden rund 1.7 Mio im Depot sollten die Kursgewinne anfangs gerne niedrig sechsstellig ausfallen, mithin also höher, als die vorab entnommene Jahrerente.

  • War da nicht noch etwas mit 70% vom Gewinn, die es zu versteuern gilt?

    Das ist bei Aktien soweit korrekt, habe ich aber der Einfachheit halber weggelassen, da es sowohl bei Dividenden als auch bei Aktienverkäufen gilt soweit ich weiß.

  • Danke für die weiterführenden Tipps (JDS und Hans Wurst). Ich plane das typische 70/30, d.h. da muss ich dann selber rebalancen. In den ein ETF-Lösungen sind ja in der Regel nur 10% Emerging Markets.