Erhöhung des „normalen“ Stromverbrauchs während des Zeitraums der Strompreisbremse.

  • Aber mir scheint das nur ein weiteres Bürokratiemonster zu werden und es ärgert mich, dass sie die Bremsen jetzt so im Schnellschuss-Verfahren raushauen

    Für mich ist das "typisch deutsch". Wir wollen immer ein perfektes System, aber in jedem System gibt es eine Ecke, die noch nicht perfekt gerecht ist und dann wollen wir diesen Sonderfall auch noch geregelt haben. Genau so entstehen echte Bürokratiemonster.

    Das beste Beispiel ist unser Steuersystem. Angeblich gibt es mehr Literatur über das deutsche Steuersystem, als über alle anderen Steuersysteme der Welt zusammen! Trotzdem bezweifele ich, dass wir das gerechteste und perfekte Steuersystem haben.


    Ich kann Alexis nur zustimmen. Ein einfacheres System führt sicherlich dazu, dass einige Sonderfälle/Bürger eben Pech haben. Hätte ich meinen Abschlag rechtzeitig um 30€ erhöht, hätte ich im Dezember 30€ mehr gespart. Vielleicht hat das mein Nachbar so gemacht. Ja und?


    Die Wirtschaftsinstitute beschweren sich, dass sich die Entlastungsprogramme nicht auf die wirklich Bedürftigen konzentrieren, sondern Entlastungen nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden. Egal wie ökologisch sinnvoll eine WP ist, wer eine Wärmepumpe besitzt, gehört i.d.R. nicht zu den Bedürftigen in Deutschland.

  • @Hornie Zitat ....wer eine Wärmepumpe besitzt, gehört i.d.R. nicht zu den Bedürftigen in Deutschland.


    Voll am Thema vorbei! Es geht nicht um Bedürftige oder Nicht-Bedürftige sonden lediglich darum, worauf man sich einstellen muss.

  • @Hornie Zitat ....wer eine Wärmepumpe besitzt, gehört i.d.R. nicht zu den Bedürftigen in Deutschland.


    Voll am Thema vorbei! Es geht nicht um Bedürftige oder Nicht-Bedürftige sonden lediglich darum, worauf man sich einstellen muss.

    Dann ist ja gut, dass du das mittlerweile so siehst, Finn2022 .

    Wogegen dein Aufschlag zu diesem deinem Thread noch mit "Arschkarte" und "Supergau" garniert war. Das klang also noch ganz anders als zuletzt vorgeschoben.


    Worauf musst du dich einstellen?
    Auf einen Strompreis, der in Höhe von 80% des Verbrauchs 2021 (so ists jedenfalls bei mir) ab Januar 2023 auf 40 ct/kWh gedeckelt sein wird und der restliche 2023er Verbrauch mit ?? ct/kWh berechnet wird. Die ?? hängen davon ab, welchen Versorger du dir an Land ziehst.


    Und nicht vergessen: Die ersparten Gaskosten dagegenhalten. Wie hoch die ausgefallen wären, wenn du nicht auf WP umgestiegen wärst? Keine Ahnung - nur so viel, dass die auch nicht von Pappe gewesen wären.8)

    "Auch stören mich die vielen u's in Ihrem Satz 'Ulf ging zu Fuß'!"
    Robert Gernhardts "Lektor Lincke" zu einem gewissen Herrn von Tarne (Theodor Fontane)

  • Für mich ist das "typisch deutsch". Wir wollen immer ein perfektes System, aber in jedem System gibt es eine Ecke, die noch nicht perfekt gerecht ist und dann wollen wir diesen Sonderfall auch noch geregelt haben. Genau so entstehen echte Bürokratiemonster.

    Genau das ist es ja. Es wird versucht, alles bis ins Kleinste zu regeln, aber so entsteht m.M.n. erst dieses diffuse Ungerechtigkeitsempfinden bei vielen. Was dann wiederum bestimmten Gruppierungen noch mehr Zulauf beschert.

    Es geht auch anders, man schaue nur, wie Frankreich das seit über einem Jahr handhabt….

    Aber in Deutschland weiß man es halt wieder besser.


    Und das ist es, was mich am meisten ärgert. Schon seit letztem Jahr steigen die Preise, und spätestens seit Februar war klar, was da in Sachen Energiepreisen auf uns zukommt. Also mir war es jedenfalls klar, und ich konsumiere keine ultra-geheimen Nachrichten. Da könnte man doch erwarten, dass eine Regierung sich auch damit auseinandersetzt und frühzeitig alle an einen Tisch holt und sich gemeinsam Gedanken macht. Stattdessen wird monatelang über den AKW-Streckbetrieb gestritten und an einer Gasumlage herumgedoktert, die dann sang- und klanglos wieder einkassiert wird. Dann setzt man kurz vor knapp eine Expertenkommission ein, die in gerademal zwei Wochen den Stein der Weisen finden soll, und nun sollen die beteiligten Akteure auf die Schnelle das halbgare Ergebnis irgendwie umsetzen. Erst ab März, weils vorher nicht machbar ist.( Wie auch, die Smart-Meter Einführung hat Deutschland auch kollektiv verschlafen. Und ich seh die Schweißperlen auf der Stirn von Vermietern förmlich vor mir…)

    Und jetzt merken sie dann doch, dass es im März für viele schon zu spät ist, also jetzt dann doch ab Februar. Vielleicht, eventuell, keiner weiß wie.

    Das ist auf sovielen Ebenen schief gelaufen, ich kann das nicht in Worte fassen.

    Und jetzt kommt etwas dabei rum, bei dem garantiert wieder trotz tausend Regeln Platz für Betrügereien ist und was nur Verwirrung, Unzufriedenheit und (gefühlte) Ungerechtigkeit schafft. Am Ende profitieren dann wieder die Krakeeler von den Rändern.

    Aber immerhin laufen wir -frei nach Scholz- nicht alleine gegen die Wand.


    (Sorry, das musste jetzt mal raus)

  • Wobei ich Frankreich jetzt nicht unbedingt als positives Beispiel empfinde. Einfach mal den Strompreis deckeln, EDF ist ja ein Staatsunternehmen und da sind Verluste egal...


    Am Ende ist die Sache recht einfach. Der größte Importeur von Gas fällt praktisch komplett aus. Das Gas muss entweder eingespart oder anderweitig beschafft werden. Wenn man woanders billiges Gas herbekommen würde, hätte man das gar nicht erst von Russland bezogen. Die Kosten dafür muss irgendjemand tragen. Entweder die Importeure (Stichwort Uniper), die Versorger (EDF), die Kunden (Gasumlage, Preiserhöhungen) oder der Staat (deutsche Varianten der Preisbremsen). Beim Staat gibt es noch zwei Varianten, entweder man finanziert das über Schulden oder über höhere Steuern bzw andere Einsparungen. Letzteres hat soweit ich weiß kein Land gemacht, also müssen die Schulden zurückgezahlt oder weginflationiert werden. Beides trifft am Ende wieder alle, denn das ursprüngliche Problem (zu wenig Gas) ist ja nicht gelöst. Und weil Unternehmen, insbesondere energieintensive Unternehmen, nicht einfach 20% des Gasbedarfs einsparen können, wird entweder die Produktion eingestellt (Stichwort Dachziegel) oder auf Strom bzw Heizöl eingestellt, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Preise für Strom und Heizöl/Diesel

  • Seo

    Gebe dir in vielen Punkten Recht (man hätte früher anfangen, sich bei AKW schneller einigen und die Gasumlage garnicht erst anfangen sollen). Was mich aber interessieren würde: Wie macht es denn Frankreich (und findest du das besser)? Und aktuell ist doch die Strompreisbremse (noch) nicht sooo kompliziert - zumindest soweit ich diese verstanden habe (80% des "Basisverbrauchs" wird auf 40Cent gedeckelt, Basisverbrauch bestimmt sich aus Septemberabschlag). Zugegeben, einfach 80% des Verbrauchs (statt des "Basisverbrauchs") zu deckeln wäre noch einfacher gewesen (und hätte auch das vom ThreadErsteller monierte Ungerechtigkeit gelöst), aber hat halt nicht mehr den Charme das man sagen kann, wenn ihr 20% Strom spart, bekommt ihr den Rest gedeckelt.

  • Mein Rant ging eher um den Gaspreisdeckel, und da ist das hier eigentlich der falsche Thread. Sorry. Aber es hängt ja alles zusammen, insofern war es nicht völlig verkehrt. Alleine schon das Thema, wie die Versorger mit dem Staat abrechnen sollen, wie genau sich der Basisverbrauch berechnet, wie Vermieter das gegenüber ihren Mietern lösen sollen (beim Gas) und so weiter, das ist in meinen Augen kompliziert und fehlerbehaftet ohne Ende. Ich habe mehrere Jahre bei einem (sehr kleinen) Energieversorger gearbeitet und hab da evtl. einen anderen Blickwinkel. Und zudem durfte ich bei meinem jetztigen AG in letzter Zeit die Corona-Prämie, die Energiepauschale, das Kurzarbeitergeld, die Inflationsprämie und andere Dinge umsetzen (ganz zu schweigen von diversen Feststellungserklärungen für die Grundsteuer, was mir gerade vor Augen führt, dass da diverse Nebenkostenabrechnungen anstehen….) Vielleicht erklärt das meine momentane Allergie gegen ein weiteres bürokratisches Gießkannen-Ungetüm ;-)


    Zu Frankreich:

    Ich kenne die Regeln nicht im Detail, aber soweit ich weiß, bekommen dort (wirklich) bedürftige Menschen einen monatlichen „Energiescheck“. Damit wird schon mal unbürokratisch denen geholfen, die es wirklich brauchen. Inwiefern die Bedürftigkeit geprüft wurde, weiß ich nicht. Dann wurde in Frankreich der Gaspreis einfach eingefroren, auf ein Niveau vor Kriegsausbruch. Der Strompreis auch, allerdings haben sie den bei 4% Steigerung eingefroren, ab nächstes Jahr dann bei 15% Steigerung (im Vergleich zum Vorkriegsniveau).

    Ob das 1:1 so auch in D umsetzbar wäre, weiß ich nicht, aber darum geht es mir auch nicht.

    Ich bin mir nur sicher, es wäre auch einfacher gegangen.

  • Entschuldigt bitte, wenn ich hier schreibe und kein Hartz 4 beziehe.


    Mit "diffusem Ungerechtigkeitsempfinden" gleichgesetzt zu werden, entspricht genau der Denke, die solch ein "Zulauf zu bestimmten Gruppierungen" befördert.


    Und nein, ich bin NICHT für komplizierte Ausnahmen und "typisch deutsch".


    Aber zum Beispiel solch ein Vorschlag wie von tb38 - 80% von Allem deckeln -, wäre wesentlich unkomplizierter in der Handhabung, "gerechter" für die, die alternativ vom Gas weg wollen.


    Und da selbst trotz Deckelung bei den allermeisten von uns, die Kosten wahrscheinlich immer noch viel höher, als die aktuell auslaufenden Preisbindungen sind, denke ich, wären die meisten trotzdem daran interessiert die Verbräuche zu reduzieren/ zu sparen.

  • Steht das eignetlich im Grundgesetz? Das Energie billig sein muss damit man in Ruhe weiter ungehemmt shoppen kann? Schaut euch doch mal an was die Erzeugung von Energie für Folgen hat und von was für Ekeldiktaturen wir das Zeuch kaufen. Ist es da nicht vollkommen ok wenn das bisschen teurer wird? Um finanziell Schwache zu unterstützen gibt es auf jedenfall andere Wege. jetzt wird schon wie blöde Geld an alle verteilt und dann ists immer noch nicht genügend Gießkanne ^^ manche wollen sich auch einfach gezielt in der Opferrolle suhlen. Aber wie gesagt der bums soll nur davon ablenken, dass die wirklich großen Summen demnächst an die Wirtschaft verteilt werden. Bin gespannt wie lange der Staat die Energiekosten der Industrie bezahlen wird. Die Gewinne sind natürlich Privatsache ;-) ähnlich wie beim Kurzarbeitergeld (statt Verantwortung fürs Personal zu übernehmen zahlts Sozialesicherungssystem kurze, vorübergehende Auftragsflauten) könnte das doch ein neuer Dauerbrenner sein, immer wenn die Energie teurer wird glättet der Staat die Kosten

  • Alleine schon das Thema, wie die Versorger mit dem Staat abrechnen sollen, wie genau sich der Basisverbrauch berechnet, wie Vermieter das gegenüber ihren Mietern lösen sollen (beim Gas) und so weiter, das ist in meinen Augen kompliziert und fehlerbehaftet ohne Ende.

    Abrechnung Versorger <-> Staat: Kann ich wenig dazu sagen. Da es aber viel weniger Versorger als Verbraucher gibt, trifft der Aufwand wenigstens wenige. Das den Versorgern dafür zu wenig Zeit gegeben wird (insbesondere Abschlag bei Gas und Strompreisbremse), sehe ich auch so.

    Berechnung des Basisverbrauchs: Scheint mir einfach, sehe aber ein, dass man auf den auch einfach verzichten hätte können. Und dass in (vermutlich nicht wenigen) Fällen aufgrund von fehlenden Daten (Umzug, Anbieterwechsel, ...) die Berechnung dann doch wieder aufwändig wird muss ich wohl auch zugeben.
    Vermieter <-> Mietern: Da sehe ich nicht wie das einfach(er) gehen soll. Wenn man Verbrauchs- bzw. Kostenabhängig entlasten möchte sitzen einfach die beiden Parteien im Boot. Und nicht Energiekostenabhängig zu entlasten, (also z.B. einfach jedem Bürger X Euro geben) scheint mir nicht "gerecht", weil die Preisunterschiede innerhalb Deutschlands so enorm groß sind.


    Vielleicht erklärt das meine momentane Allergie gegen ein weiteres bürokratisches Gießkannen-Ungetüm ;-)

    Hm, also normalerweise hat man entweder bürokratisches Monster (m.E. Einkommenssteuer, Elterngeld) oder eine Gießkanne (m.E. Energiegeld). Bisher halte ich die Gas- und Strompreisbremse noch für die Gießkanne und hoffe dass sie sich nicht als/zum Bürokratiemonster entpuppt/entwickelt.


    Ich kenne die Regeln nicht im Detail, aber soweit ich weiß, bekommen dort (wirklich) bedürftige Menschen einen monatlichen „Energiescheck“. Damit wird schon mal unbürokratisch denen geholfen, die es wirklich brauchen. Inwiefern die Bedürftigkeit geprüft wurde, weiß ich nicht. Dann wurde in Frankreich der Gaspreis einfach eingefroren, auf ein Niveau vor Kriegsausbruch. Der Strompreis auch, allerdings haben sie den bei 4% Steigerung eingefroren, ab nächstes Jahr dann bei 15% Steigerung (im Vergleich zum Vorkriegsniveau).

    Ob das 1:1 so auch in D umsetzbar wäre, weiß ich nicht, aber darum geht es mir auch nicht.

    Ich bin mir nur sicher, es wäre auch einfacher gegangen.

    Bedürftigkeitsprüfung klingt mir nach Bürokratiemonster (ohne es zu wissen!) und Energiescheck bei den derart unterschiedlichen Preise in Deutschland schwierig. Den Gas- und Strompreis auf (vermutlich!?) niedrigem Niveau zu deckeln halte ich für schlecht weil wenig Anreiz zum Sparen und (für den Staat) teuer. Denn ich nehme mal an, dass der Staat die Differenz bezahlt weil die Unternehmen ansonsten klagen oder pleite gehen (oder beides), (wenn das Unternehmen ein Staatsbetrieb ist, zahlt der Staat m.E. auch die Differenz).


    Ich bin mir nur sicher, es wäre auch einfacher gegangen.

    Mag sein, mir ist es allerdings noch nicht gelungen mir eine einfachere Lösung auszudenken, die nicht erhebliche andere Nachteile hätte. Aber ich mach das auch nur "Hobbymäßig" ;)

  • Dann wurde in Frankreich der Gaspreis einfach eingefroren, auf ein Niveau vor Kriegsausbruch. Der Strompreis auch, allerdings haben sie den bei 4% Steigerung eingefroren, ab nächstes Jahr dann bei 15% Steigerung (im Vergleich zum Vorkriegsniveau).

    Aber das ist ja genau Teil des Problems und nicht der Lösung. Das sieht für den Verbraucher natürlich erst einmal toll aus, aber: Das anderweitig teurer beschaffte Gas muss von irgendjemand bezahlt werden und die Differenz die zu vorher fehlt, muss eingespart werden. Wenn man das nicht macht, sind irgendwann die Speicher leer und dann kommt die Abschaltung ganz hart nach den Naturgesetzen. Kein Gas, kein Feuer.


    Preise einfrieren setzt weder für die Versorger einen Anreiz Gas anderweitig zu beschaffen noch für die Verbraucher das einzusparen. Frankreich ist da natürlich in einer etwas anderen Position da es LNG Terminal hat und viel Strom über Atomkraftwerke produziert (wobei das in der Praxis ein Problem für sich ist ;) ), also viel weniger auf russisches Gas angewiesen ist. Letztendlich wird sich das Problem aber nur europaweit gemeinsam lösen lassen oder nächstes Jahr existiert Europa nur noch auf dem Papier. Aktuell sehe ich da aber immer noch jedes Land vor allem seine eigenen Interessen vertreten. Bisher spielt zum Glück das Wetter für Europa, aber wie es so schön heißt... Winter is Coming ;)

  • Ist es da nicht vollkommen ok wenn das bisschen teurer wird? Um finanziell Schwache zu unterstützen gibt es auf jedenfall andere Wege.

    "Ein bisschen teurer" finde ich in manchen Fällen (Faktor 5 hab ich bei Gas schon selbst gesehen) ein bisschen eine Untertreibung. Gegen ein bisschen teurer hätte ich nichts einzuwenden, aber schöner wärs doch gewesen, wenn man sich darauf einstellen kann und die Erhöhung langsam kommt und wenns vor allem die Klimakiller (Kohle, Öl, Gas) und weniger den Strom (weil da gibts ja wenigstens ne Idee wie man den sauber produzieren kann) trifft. Und wenn dann noch Unternehmen extreme Übergewinne machen (Merit-Order), dann finde ich es schon gut, wenn der Staat eingreift.

    Nur finanziell Schwache zu unterstützen scheint mir hier zu bürokratisch und langsam zu sein.


    Aber wie gesagt der bums soll nur davon ablenken, dass die wirklich großen Summen demnächst an die Wirtschaft verteilt werden. Bin gespannt wie lange der Staat die Energiekosten der Industrie bezahlen wird. Die Gewinne sind natürlich Privatsache ;-)

    Glaube ich nicht. Wenn man der Politik "Böswilligkeit" unterstellen will, dann soll der bums nur die Wiederwahl sichern.


    Bin gespannt wie lange der Staat die Energiekosten der Industrie bezahlen wird. Die Gewinne sind natürlich Privatsache ;-)

    TamInvest hatte den Beschluss verlinkt. Demnach (2c) wird die Industrie von Januar 2023 bis April 2024 entlastet werden. Dass der Industrie die Preise auf 7 (Gas) bzw. 13 (Strom) Cent gedeckelt werden (wenn auch nur zu 70%) habe ich allerdings noch nicht nachvollziehen können. Weiß jemand die Begründung hierfür?


    Die (Zufalls)Gewinne sollen doch kassiert werden - obs passiert ist m.W. aber noch nicht sicher.


    viel Strom über Atomkraftwerke produziert

    Prinzipiell richtig, aber m.W. aktuell nicht. Kennt eigentlich jemand ne Übersicht welche französischen AKWs wann wieder in Betrieb gesehen sollen (zumindest geplant)?

  • Hallo,

    Hier mal die heute übliche Definition von "Gau bzw. /Super Gau"

    Gau“ (oder auch „Super Gau“) ist eine Abkürzung für “Größter anzunehmender Unfall"; stammt aus dem 20. Jahrhundert und wurde auf einen möglichen Unfall in einem Atomkraftwerk bezogen;

    Wenn wir schon Krümel k…, dann aber richtig. GAU steht umgangssprachlich für den sog. Auslegungsstörfall eines KKW. Das ist der schwerste Störfall, der bei der Planung noch berücksichtigt wird und wo Maßnahmen vorgesehen werden, dass außerhalb des Betriebsgeländes keine unzulässigen Auswirkungen auftreten. Dass diesen Auslegungsstörfall überschreitende Ereignis wird umgangssprachlich Super- GAU genannt.


    Aber einmal zurück zur Ausgangsfrage unseres TE. Wer sich in 2023 bei einem älteren EFH eine WP (ich unterstelle Luft- Wärme- Pumpe) einbauen lässt, hat grundsätzlich nicht richtig nachgedacht. Vollkommen unabhängig von den aktuellen Kapriolen mit dem Strompreisdeckel. Die Irritationen und Preisschwankungen werden in 2-3 Jahren Geschichte sein, die WP soll doch wohl 15 bis 20 Jahre ihren Dienst tun. Es bleiben aber die Grundfakten: Zu hoher Heizwärmebedarf eines älteren EFH. Ein Strommix, der auch in 5 oder 10 Jahren noch im erheblichen Umfang auf fossilen Energien beruhen wird. Energetisch betrachtet können Sie im Winter das Brikett auch gleich im Kachelofen verheizen, statt über Kohle – Strom – WP zu gehen. Oder wollen Sie nur heizen, wenn der Wind weht? Speicher für ein halbes Jahr wird es auch in 10 Jahren nicht geben und die riesigen Wasserstoffmengen sind auch Träume.

    Deshalb, wenn Geld da ist m.E. erst maximal dämmen und dann nach ökonomischen Kriterien überlegen, wie der Restwärmebedarf zu decken ist.


    Gruß Pumphut

  • Die (Zufalls)Gewinne sollen doch kassiert werden

    da glaube ich noch nicht wirklich dran, es gibt bisher keine Gesamtkonzernbesteuerung. Daher können die Gewinne über eine der 350 Tochtergesellschaften versteckt werden. Nur bei sehr offensichtlichen Porifteuren wird vllt minimal was abgeholt. Bin gespannt ob die dann Klagen wegen Ungleichbehandlung und in ein paar Jahren die Steuer (wenns alle vergessen haben) wieder gut verzinst zurück bekommen.

  • Prinzipiell richtig, aber m.W. aktuell nicht. Kennt eigentlich jemand ne Übersicht welche französischen AKWs wann wieder in Betrieb gesehen sollen (zumindest geplant)?

    Habe ich jetzt auf die schnelle nichts gefunden, dafür einen Handelsblatt Artikel von letzter Woche laut dem "zuletzt noch 24 AKW vom Netz waren" (von 56) und einer Meldung dass die EDF die Prognose für die Stromproduktion nach unten korrigiert



    Deshalb, wenn Geld da ist m.E. erst maximal dämmen und dann nach ökonomischen Kriterien überlegen, wie der Restwärmebedarf zu decken ist.

    Der Punkt ist richtig und das hatte ich schon ganz früh angesprochen. Vom TE wurde das aber leider ignoriert.


    Nicht richtig ist dagegen die vorherige Behauptung. Eine Gas-Brennwerttherme kommt auf etwa 95% Wirkungsgrad, der Rest zieht durch den Schornstein ab. Ein fossiles Kraftwerk kommt auf etwa 40% Wirkungsgrad (für Gas-Dampf-Kraftwerke werden auch 60% angegeben, ich habe aber nichts gefunden wie üblich die sind). Das bedeutet, die Kette fossiler Brennstoff -> Strom -> Wärmepumpe -> Wärme zieht bereits ab einem COP=2,5 mit der direkten Verbrennung gleich, selbst wenn wir die ca 5% Netzverluste beim Strom einrechnen.Im sanierten Altbau bzw. Neubau ist ein COP=3,5-4 zu schaffen, das wären dann aus 1kWh Gas etwa 1,3-1,5 kWh Wärme.

    Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn die restlichen 60% im Kraftwerk sind nicht komplett verloren. Ein Teil der Abwärme kann als Fern- bzw. Nahwärme ebenfalls zum Heizen genutzt werden.


    Selbst bei 100% fossilem Strommix wäre es also sinnvoll mit Wärmepumpen zu heizen wo kein Anschluss an ein Wärmenetz besteht.

  • Hallo LebenimSueden,

    Das bedeutet, die Kette fossiler Brennstoff -> Strom -> Wärmepumpe -> Wärme zieht bereits ab einem COP=2,5 mit der direkten Verbrennung gleich,

    Der COP bezieht sich auf definierte Berechnungswerte der Luft- und der Vorlauftemperatur. Im richtigen Winter ziehen Sie mehr als 50% der Nutzwärme aus dem Strom.

    Ein fossiles Kraftwerk kommt auf etwa 40% Wirkungsgrad

    Die 40% Wirkungsgrad gelten für moderne Kohlekraftwerke, die aber - z.B. Moorburg - nicht betrieben werden dürfen. Es sind gerade wieder einige alte Schleudern an das Netz gegangen, deren Wirkungsgrad eher Richtung 30% geht.


    Weder in der heimischen Therme noch im GuD- Kraftwerk ist es noch akzeptabel, Gas zu verbrennen. Den Vergleich können wir nicht mehr heranziehen. Für die nächsten ca. 10 Jahre bleiben Kohlekraftwerke als die Träger der Grundlast. Und da bleibe ich dabei, für ein schlecht gedämmtes Haus ist das Brikett im Kachelofen die bessere Lösung gegenüber der Luft- Wärmepumpe. Die bessere Lösung sowohl für die Hausbewohner als auch die Stabilität der Stromversorgung.


    Gruß Pumphut

  • Der COP bezieht sich auf definierte Berechnungswerte der Luft- und der Vorlauftemperatur.

    Und genau der ist eben deutlich höher als oft kolportiert wird. Natürlich nicht bei 65 Grad Vorlauftemperatur, da geht man schon bei 2 Grad in den Keller und bei Minusgraden läuft der Heizstab. Aber eine Fußbodenheizung mit 30-35 Grad im Neubau bzw sanierten Altbau oder auch eine ältere Fußbodenheizung mit 40 Grad Vorlauf kommen auch bei Minusgraden noch auf einen COP über 3

    Im richtigen Winter ziehen Sie mehr als 50% der Nutzwärme aus dem Strom.

    Das stimmt so einfach nicht bzw. nur wenn man mit Gewalt eine Wärmepumpe in die völlig unpassende Umgebung setzt. In der passenden Immobilie kommt man auf Stromanteile von 25-30%. Natürlich ist die Effizienz an besonders kalten Nächten schlechter, dafür spielt sich ein großer Teil der Heizperiode auch im wärmeren Bereich ab und in der Gesamtrechnung gleicht sich das wieder aus

  • Hallo LebenimSueden,


    ich glaube, wir werden uns gegenseitig nicht überzeugen können. Es gibt allerdings Gegenden in Deutschland, da gibt es nicht nur ein paar kalte Nächte. Es kann nicht jeder in der Nähe des Bodensees wohnen. (Da schwingt etwas Neid mit.)


    Gruß Pumphut

  • Hier in Konstanz ist es tatsächlich eher mild. Wir bauen aber etwas im Hinterland und gute 250m höher, da wird es im Winter auch kalt.

    Bei der BAFA gibt es eine große Liste von Wärmepumpen mit ihrem COP. Interessant ist die Spalte A-7/W35 die den COP für -7 Grad Außentemperatur ("Winter wie früher") bei 35 Grad Vorlauftemperatur angibt. Hier sind die COP Werte bei 3 mit einer Streuung von +- 0.3 zu finden. Eine Spalte weiter in A2/W35 gruppieren sich die Werte um einen COP=4, bei A7 und A10 sind viele 5er zu finden. Die Behauptung mehr als 50% der Energie würden aus Strom stammen ist selbst für den Hochschwarzwald kaum zu halten, nicht für die kältesten Monate und erst recht nicht für die gesamte Heizperiode.

  • Hat man dann (SORRY) die „Arschkarte“ gezogen, weil man beispielhafterweise die 5.200 kWh zu erhöhten Preisen einkaufen muss. Das wäre ja der SuperGau für jemanden der in 2023 auf „erneuerbare Energien“ setzt.

    Moin, Finn2022,

    wir haben die Installation einer WP für unser Häusl auch durchgerechnet und kommen zu ähnlichen Größenordungen für den zusätzlichen Stromverbrauch wie Du.

    Wenn man den Strom für die WP aus dem Netz zieht, ist die Bilanz tatsächlich ungünstig, selbst wenn der Strom für die WP aus dem "gedeckelten" Verbrauch zu "nur" 40ct / kWh stammt.

    Eine WP macht auf Dauer nur Sinn, wenn man nötigen Strom dafür über eine Photovoltaikanlage (+Akkuspeicher im Keller) erzeugt.

    Allerdings glaube ich, dass die Stromkosten 2023/ 2024 auch bald wieder runtergehen.


    Ich würde es so machen: wenn die WP bereits beauftragt ist, erst mal wie geplant installieren. Mit weiteren Verschiebungen ist immer zu rechnen, und derzeit gilt: was man hat, das hat man!

    Dann ist es so, dass sich die Situation eh monatlich ändert, und bis Deine WP ans Netz geht, hat sich die Welt wieder 200x gedreht. Ruhig mal den Versorger anrufen und das Thema schildern.

    Ich würde die Zeit nutzen und überlegen, wie man eine PV-Anlage nachrüsten kann und die WP in den kommenden Jahren dann vom Netzbetrieb auf PV-Betrieb umklemmen kann. Das sollte es etablierte Lösungen geben, denn viele, die schon seit Jahren eine WP haben, aber keine PV, planen gerade in diese Richtung.


    Viel Erfolg!;)