Grundsteuermessbescheid Steuer 8x höher !

  • Hallo,

    ich habe heute meinen neuen Grundsteuermessbescheid vom Finanzamt Korbach erhalten. Meine Steuer wurde nach den "neuen" Berechnungen von 14,65 EUR auf 110 EUR erhöht :cursing:, also so ca. 8x so hoch wie vorher wir leben auf dem Land in Frankenau.

    Das kann doch nicht sein, oder ? Habe heute sofort Einspruch eingelegt. Jemand auch schon diese Erfahrungen gemacht ?

  • Dass die Grundsteuermessbeträge in Hessen nach dem neuen System deutlich höher sind als bisher, ist normal, allerdings geht es dabei meistens um einen Faktor zwischen 2 und 5. Aber der Messbetrag sagt ja noch nichts darüber aus, wie hoch später die neue Grundsteuer sein wird.


    Ob der Bescheid richtig ist, kann man in Hessen selbst leicht nachrechnen, die Berechnungsformel ist einfach und umfasst für Grundstücke mit Wohnbebauung nur drei variable Elemente:

    die Wohnfläche in qm (hat man selbst ermittelt und dem Finanzamt mitgeteilt),

    die Grundstücksfläche in qm laut Grundbuch (wurde auch selbst in der Erklärung angegeben),

    der Bodenrichtwert des eigenen Grundstücks im Verhältnis zum durchschnittlichen Bodenrichtwert der Gemeinde (die Werte stehen fest und sind öffentlich bekannt gemacht worden).

  • Was hast du als Begründung angegeben? Ohne Begründung prüfen sie die Angaben aus deiner Steuererklärung noch mal. Hast du nicht erkennbare fehlerhafte Angaben gemacht, dann wird die Prüfung den bisherigen Bescheid nur bestätigen und der Einspruch war für die Füsse.

  • Die obige Aussage, selbst nachrechnen sei einfach, muss ich ein wenig relativieren. An einer Stelle muss 'hoch 0,3' gerechnet werden, das ist nicht ganz trivial, aber dafür gibt es Rechner auf diversen Internet-Seiten, so dass es damit dann auch wieder leicht von der Hand geht. Aber machen wir doch einfach einen kleinen Grundkurs 'Grundsteuermessbetrag berechnen in Hessen':


    1. Komponente: Flächenwert für Grund und Boden.

    Dafür wird die Grundstücksfläche (-> Grundbuch) mit 0,04 multipliziert. Beispiel: 800 qm Grundstück ergeben 32 € für den Grundsteuermessbetrag (800 x 0,04).


    2. Komponente: Flächenbetrag des Gebäudes bei Wohnnutzung.

    Dafür wird die Hälfte der Wohnfläche zu 70% angesetzt. Beispiel: 120 qm Wohnfläche ergeben 42 € für den Grundsteuermessbetrag (120 x 0,5 x 0,7).


    3. Komponente: Der Faktor für den relativen Wert der Wohnlage.

    Dafür ist zunächst der Bodenrichtwert für das eigene Grundstück durch den durchschnittlichen Bodenrichtwert in der Gemeinde zu teilen. Beide Werte sind zum 01.01.2022 amtlich festgestellt und veröffentlicht worden. Beispiel: Bodenrichtwert eigenes Grundstück ist 105 €/qm, durchschnittlicher Bodenrichtwert der Gemeinde ist 94 €/qm. 105/94 = 1,12. Dieses Ergebnis ist dann noch mit 0,3 zu potenzieren. Das ist kompliziert, aber beíspielsweise hier bekommt man Hilfe: https://rechner.me/mathe/hochrechnen#calc Im Beispiel 1,12 hoch 0,3 ergibt 1,03. Man darf davon ausgehen, dass auch der Finanzamtscomputer das richtig rechnet.


    Und damit ist der Grundsteuermessbetrag in dem Beispiel dann so zu berechnen:

    (32 € + 42 €) x 1,03 = 76,22 €. Dieser Wert wird auf den nächsten vollen Euro abgerundet, also 76 €. Das ist dann der Grundsteuermessbetrag.


    Das einzige, das man in Hessen selbst ermitteln kann und muss ist die Wohnfläche. Das ist damit auch die einzige mögliche Fehlerquelle. Alle anderen Daten kennt der Finanzamtscomputer schon, wenn die Grundsteuererklärung eingeht.