Kaufen, halten, verkaufen von Aktienanteilen - (k)ein Blick in die Glaskugel?​

  • Nachdem mir die Community bei meinen ersten Schritten in die Investmentwelt hinein sehr behilflich war und ich viele der Überlegungen praktisch umgesetzt habe, stehe ich jetzt vor einem Luxusproblem, bei dem ich gerne noch einmal an eure Erfahrungswelten anknüpfen möchte.

    Ich erhoffe mir, ausgehend von einer konkreten Situation, ein eventuelles Strategiemuster im Umgang mit dem Kauf, Halten oder Verkauf von Aktien und ETF-Anteilen kennenzulernen. Ziel ist es, den Sparerfreibetrag auszuschöpfen und den Gewinn wieder anzulegen.


    Hier nun die konkrete Ausgangslage in meinem Depot:

    • 95% ETF-Anteil (MSCI World + MSCI EM) thesaurierend: MSCI World mit + 3000 € seit März; MSCI EM mit - 1000 € seit März
    • 5% Einzelaktien: kleinstes Aktienpaket, 25 Stück: Nvidia (ja, ich weiß, hier im Forum schon mal als Deppenaktie tituliert 😅) hat einen Wertzuwachs von 730 € innerhalb von 3 Monaten; zwei andere Aktienpakete mit Verlusten

    Meine Überlegung:

    Zur Ausschöpfung des Sparerfreibetrags möchte ich Anteile verkaufen und das Geld wieder anlegen. Ich traue meinem gesamten Depot gute Entwicklungschancen (gerne zumindest über das nächste Jahrzehnt hinweg) zu. Ich möchte alle Einzelaktien und ETFs in meinem Depot behalten. Die derzeitigen Minusgeschäfte möchte ich nicht verkaufen.


    Frage: Welcher Verkauf von Anteilen und welche Wiederanlage/Umschichtung von Gewinnen bietet sich als Strategie an, wenn ich den Sparerfreibetrag ausschöpfen möchte?

    • Nvidia-Anteile verkaufen und wieder in diese Aktie investieren?
    • Gewinn von MSCI World abschöpfen und wieder im selben ETF anlegen oder Nvidia aufstocken?
    • Oder den Gewinn in die derzeitigen Minusgeschäfte transferieren?
    • Ich habe noch 20.000 € zur Anlage zur Verfügung: Wahrscheinlich in den MSCI World stecken?
    • Oder vielleicht gar nichts machen?


    Gibt es eine Strategie des Umgangs mit Gewinnen, die ich nicht kenne und damit übersehe oder ist dann der Verkauf von Anteilen und die Wiederanlage von Gewinnen doch nur ein Abbild vom Blick in die Glaskugel?


    Was meint ihr dazu?

    Ich freue mich über eure Ideen!


    Danke!


  • Hi Blaue_Blume,


    nach dem, was Du schreibst, wird Dir das, was ich schreibe, nicht gefallen.


    (1) Ich an Deiner Stelle - und ich unterstelle jetzt einfach mal eine geringe Lust, Dich mit irgendwelchen Anlage-Spielereien zu beschäftigen - würde nämlich auf jeden Fall alle Aktien verkaufen. Drei Positionen, vermutlich irgendwie zufällig ausgewählt, sind nämlich kein Portfolio, keine Strategie, sondern … gar nix.


    (2) Die neuen 20.000 täte ich in einen FTSE AllWorld oder einen MSCI ACWI stecken. Die Erlöse ausm Aktienveekauf ebenso.


    (3) MSCI World und MSCI EM würde ich verkaufen und in den unter (2) genannten ETF stecken.


    Wann und in welcher Reihenfolge das unter (3) genannte zu tun wäre, müsste man sich anhand der exakten Zahlen anschauen, was wieviel in den Verlusttopf bringt. Den Freibetrag für 22 kann man ja noch ausnutzen, sofern das nicht schon mit was anderem passiert ist.


    Ist nur, was ich täte, wenn ich mich in die Situation hineinversetze. Keine Anlageempfehlung.


    Viele Grüße

    Andreas

  • Beachte, dass Aktienverluste nur mit Aktiengewinnen verrechnet werden können.

    Beispiel: Wenn Du jetzt die Aktiengewinne gg. Freibetrag realisierst und später die Aktienverluste realisierst, dann kannst Du deren Verluste nur vortragen, nicht gg. Fondsgewinne verrechnen.


    Daher würde ich den Freibetrag für Fondsgewinne nutzen. Also Verkauf von so vielen MSCI World, dass der Freibetrag ausgenutzt ist und anschließender Rückkauf (plus 20k Aufstockung).


    Eine Verrechnung von Gewinnen und Verlusten ist nicht notwendig, verursachtet nur Transaktionskosten.

  • Die 20.000 EUR würde ich so investieren, dass sie am Ende mein gewünschtes Zielverhältnis zwischen World/EM wieder herstellen bzw. beibehalten.


    Sollten die Aktien Teil einer langfristigen Buy and Hold Strategie sein, müsstest Du diese auch nachkaufen, damit auch hier das Zielverhältnis beibehalten wird.


    Bei der Ausnutzung des Freibetrags würde ich auch die Strategie von Hornie nutzen.

  • Hi Andreas,


    auch, wenn meine Fragen anscheinend (d)eine Interpretation (ad 1) sinnfällig erscheinen lassen, ist die Anlage ein Ergebnis vielfältiger Überlegungen. Und ich bin sehr interessiert Lernende.


    Deine fachlichen Anmerkungen kann ich nachvollziehen.


    Einen dankenden Gruß zurück!

  • Ich kann hier nur meine persönliche Meinung schreiben. Einzelaktien sind mir zu riskannt. Ich mache das mit der Ausnutzung des Sparerfreibetrages durch Fondstausch. Bei mir wird dabei nicht in den gleichen Fonds wieder investiert. Im nächsten Jahr ist der erste Fonds wieder dran. Ziel ist es bei mir nicht zu hohe Buchgewinne entstehen zu lassen. Der Fettdruck ist ungewollt entstanden !

    Gruß


    Altsachse