Ab wann ETFs aufs Tagesgeldkonto umschichten, wann noch investieren?

  • Hallo miteinander,


    mich treibt gerade eine Frage um...

    Dank Saidi habe ich einen ETF-Sparplan mit dem ich monatlich ca 2/3 meines Gehalts investiere. Leider erst seit wenigen Jahren.

    Besonderen Finanzbedarf decke ich bei Bedarf durch mein ING-Extrakonto - was aber noch fast nie vorkam.

    (Nicht dass ich so überaus viel verdiene, aber ich bin sehr genügsam).


    Nun sagt Saidi immer, dass man seine ETFs "einige Jahre vor der Rente" umschichten sollte in sichere Anlage wie Tagesgeld oder Festgeld. Nur sagt er nie dazu, was "einige Jahre" sind.


    Konkret: in 12 Jahren werde ich 67.

    Und ich fände es schade, jetzt schon aus den ETFs raus zu gehen.

    Im Gegenteil, ich überlege sogar, mein Extrakonto noch etwas zu reduzieren und mit Einmalanlage jetzt noch ETFs zu kaufen.


    Frage:

    Ist das 12 Jahre vor der Rente noch ok (die 15 Jahre Haltedauer könnte ich ja trotzdem noch "erleben" ;).

    Es stehen im Laufe dieser 12 Jahre noch einige Renovierungsarbeiten am Haus an (neue Heizung, isolieren - das was wohl die nächsten Jahre als neue Vorgaben kommen wird.) Das möchte ich durch kurzzeitige Reduktion des Sparplans finanzieren - falls nötig.

    Ansonsten stehen keine vorhersehbaren Ausgaben. Ich mache auch keine Urlaubsreisen etc.


    Was denkt ihr?

    Jetzt noch einsteigen oder die nächsten Jahre langsam ans auflösen denken und Sparpläne beenden?

    Bin ich wirklich schon so alt? ||


    Danke!

  • Für Renovierung und rente gilt das gleiche: Du willst das Geld was Du brauchst nicht erst einen Monat vorher aus dem ETF nehmen, weil doof wenn der dann gerade unten ist.


    Deshalb sparst Du das parallel auf Festgeld an.


    Also wie Du schon vorhast rechtzeitig vor renovierung (die ist ja zeitlich halbwegs absehbar) den Sparplan reduzieren und Tagesgeld füllen.


    Zur Rente kannst Du das im Prinzip genau so machen. Dort (bei der Rente) sagen aber viele, dass man den Geldbedarf von 5 Jahren vorhalten sollte. Das ist aber auch nur ein Richtwert.


    Aber ich würde mich nicht zu sehr in Zahlen verzetteln. Wichtig ist es, den Grundgedanken verstanden zu haben und der lautet:

    Vermeiden, dass man in den nächsten 5-15 Jahren an den ETF dran MUSS.

  • Was denkt ihr?

    Ich plane aktuell meine ETF-Sparpläne bis zu meinem geplanten Rentenbeginn mit 63 fortzuführen.

    Mit 60 bekomme ich meine Lebensversicherung ausgezahlt. Mit 65 kommt dann noch die Auszahlung meiner bAV hinzu. Ich brauche mein Depot auch nicht in einer Summe auf einmal, sondern plane im Alter eine stetige Kapitalentnahme. Ich habe vor meine Aktienquote auch bis ins hohe Alter beizubehalten.

    Ich werde lt. meinem Plan mit Rentenbeginn genug Cash im Sicherheitsbereich haben um 5 Jahre ohne Zugriff auf das Depot sehr gut meinen Unruhestand genießen zu können.

    Wenn die Kurse günstig stehen, werde ich den Cash-Puffer jährlich wieder auffüllen. Zur Not könnte ich gemäß der aktuellen Planung auch allein mit meiner Rente meine Basiskosten decken.


    Georg hat das Grundprinzip auf seinem Blog erläutert: https://www.finanzen-erklaert.…rategie-niedrigzinsphase/

  • 1. Zur Rente:


    Also, wenn man statt mit 67 und 100% (also ohne Abschläge) mit 63 und 85,6% (also 14,4% Abschlägen) in Rente geht, weiterarbeiten kann man ja trotzdem, bekommt man 48 × 85,6% der Rente ausgezahlt, bevor die abschlagsfreie Rente überhaupt anfängt. Die ist aber 14,4% höher. Das führt zu folgendener Rechnung:

    48 × 85,6 = 4.108,8 / 14,4 = 285,33

    Man müsste die abschlagsfreie Rente also mindestens 286 Monate beziehen (wäre also 90), um den "Vorsprung" der niedrigeren, aber früheren, Rente aufzuholen.


    Das ist aber alles ohne Steuern und Gedöns!


    2. Zum Sparen/Entsparen:


    Jede Sparplanrate sollte möglichst 15 Jahre im Depot gelegen haben, gerne auch länger.

    Rente und Depot will man gerne noch über 20 Jahre genießen. Daher kann man sich überlegen, ob man mit Beginn des Ruhestandes aufhört einzuzahlen. Mit entsprechendem Cash-Puffer kann man das machen, ansonsten könnte man auf Tagesgeld-Einzahlungen umschichten. Muss ja auch nicht von jetzt auf gleich passieren.

  • Ich habe 5 Jahre vor der Rente soviel Anteile verkauft um die ersten 5 Jahre und die Sonderausgaben abzudecken, dieses Geld liegt momentan im Fest- und Tagesgeld. Habe statt Renovierung den Kauf eines Autos zu bezahlen, Dienstwagen muss logischer Weise mit Eintritt in den Ruhestand abgegeben werden.

    Meine Rechnung:

    Momentaner Verdienst minus Rente + Betriebsrente = Bedarf x 60 (5Jahre) +1x Sonderbedarf, da ich momentan nie meinen kompletten Verdienst verbrauche habe ich die Inflation nicht berücksichtigt.

    Meinen Sparplan habe ich schon ehr eingestellt und dafür freiwillige Zahlungen zum vorzeitigen Renteneintritt mit 63 in die GRV geleistet. Meine normale Rente deckt alle üblichen Ausgaben, der ausgezahlte ETF ist für die schönen Dinge des Lebens vorgesehen.

    Weiterhin ist mein Sicherheitsbaustein bisher so geblieben, wird aber monatlich erhöht, mit dem Betrag der vorher zur GRV bzw. in den Sparplan geflossen ist.

    Ich bin kein Freund von einem Auszahlplan, daher werde ich immer, wenn es mir günstig erscheint, Anteile verkaufen.

    Die 15 Jahre sind nur eine Richtschnur, in der Vergangenheit wurde in diesem Zeitraum nie minus gemacht, was aber nicht ausschließt, dass der Höchststand zu einem ganz anderen Zeitpunkt erreicht war.

  • Die 15 Jahre sind nur eine Richtschnur, in der Vergangenheit wurde in diesem Zeitraum nie minus gemacht, was aber nicht ausschließt, dass der Höchststand zu einem ganz anderen Zeitpunkt erreicht war.

    Niemand kennt die Zukunft! Daher sollte man m.E. bei seiner Altersvorsorge von der schlechtesten historischen Zeitspanne ausgehen und damit planen.

    Wenn es später besser läuft entsteht ja auch kein direkter Nachteil*. Man kann sich dann evtl. mal nen Sekt zum Frühstück mehr leisten.;)


    *außer, dass man möglicherweise jahrelang unter seinen finanziellen Möglichkeiten gelebt hat

  • Sammelst du hier Beiträge für dein Punktekonto? Oder warum unter jedes Thema ein nichtssagender Kurzbeitrag :/?

    Ich formuliere ausführlicher:


    Ich denke Du meinst Du ziehst von Deinem momentanen Gehalt sowohl die staatliche Rente als auch die betriebliche Altersvorsorge ab um den Bedarf zu ermitteln


    Also: Gehalt - (Rente + bAV) = Gehalt - Rente - bAV = Bedarf.

    Geschrieben hast Du aber: Gehalt minus Rente + bAV = Bedarf.


    Ich wollte flapsig darauf hinweisen, dass das nur Sinn ergibt wenn das "+" stärker bindet als das "minus", also quasi die Klammerung impliziert.


    Nein, ich sammel keine Gummipunkte.

  • kleiner Einwand zur Berechnung:


    Da man bis 67 länger einzahlt gibts dann auch mehr Rente. Aber weit in die 80ig muss man trotzdem werden bis sich das rechnet.


    Leistet man bis 63 noch Ausgleichsbeiträge in die GRV sieht’s noch ein bisschen anders.


    Aber der Trend lange zu leben um viel aus der Rentenkasse zu bekommen bleibt bei allen Berechnungen gleich. ;)

  • Dieses + bedeutete ein und, es war keine mathematische Formel, sicherlich weiß der Fragensteller damit was anzufangen.... sonst wäre es kompletter Unsinn. Aber Danke für die Aufklärung....

    Ich war genauso drüber gestolpert wie itschytoo - nun gut, dass es geklärt ist, wie es gemeint war. Im Ergebnis ziehen ja alle in dieselbe Richtung.

    Und nein, die Gummipunkte brauche ich auch nicht, auch wenn sich der hier jetzt nicht mehr verhindern lässt:S

    "Auch stören mich die vielen u's in Ihrem Satz 'Ulf ging zu Fuß'!"
    Robert Gernhardts "Lektor Lincke" zu einem gewissen "Herrn von Tarne" (Thedor Fontane)

  • Wenn man weiterarbeitet (egal ob so oder neben der Rente), dann egalisiert sich das. Hinzuverdienst ist ja seit Monatsanfang unbegrenzt möglich.

  • Da man bis 67 länger einzahlt gibts dann auch mehr Rente. Aber weit in die 80ig muss man trotzdem werden bis sich das rechnet.

    ...

    Aber der Trend lange zu leben um viel aus der Rentenkasse zu bekommen bleibt bei allen Berechnungen gleich. ;)

    Ich hatte das an anderer Stelle im Forum schon mal für mich berechnet. Nach etwas über 14 Jahren Bezug der Rente mit 67 'rechnet' sich das für mich (ohne Einberechnung der zukünftigen Rentenerhöhungen!).

    Also liegt der Break-Even irgendwo bei 81. Ja, wenn ich mich in meiner Familie so umsehe, scheint das durchaus realistisch für mich.:/


    Warum ich trotzdem mit 63 und rund 23% Verzicht auf meine Bruttorente mit 67 in den Unruhestand wechseln will? Nun, mir sind die 4 Jahre mit einer voraussichtlich höheren Lebensqualität im Unruhestand deutlich mehr Wert als ein evtl. finanzieller Vorteil im hohen Alter.

    Natürlich muss man sich so einen Schritt leisten können, aber wofür habe ich denn mein Leben lang Geld zurück gelegt, wenn nicht dafür!?:/

  • Wenn natürlich Rentenbezug mit 63 und volles weiterarbeiten bis 67 gemeint ist es eine andere Rechnung. Für mich bedeutet Rente aber das ich nicht mehr erwerbspflichtig tätig bin. D.h. nicht das ich ohne Tätigkeit bin nur steht der Gelderwerb nicht mehr im Vordergrund. Wenn es denn ein paar Taler dafür gibt ist es nicht schlimm....aber als Rentner möchte ich finanziell frei sein.....das diese Freiheit natürlich auch durch einen frühen Rentenbezug mit weiterer Erwerbstätigkeit einhergeht kann man ja machen, wenn es einem Spaß macht.


    Steht hier mal zum genau nachlesen:

    https://www.deutsche-rentenver…ukunft_jetzt_02_2022.html

  • Ich bin jetzt 81, da müsste ja schon lange umgeschichtet haben. Da ich das aber anders sehe, bleibe ich weiterhin investiert.

    Offenbar liegst Du damit richtig: https://zendepot.de/asset-allocation/

    Ich persönlich fahre meinen Aktienanteil an meinem Gesamtvermögen auch weiter hoch (wenn die Märkte den mitspielen ;)). Ob ich nachher mit 60, 70 oder gar 80% Aktienanteil in den unruhestand starte ist mir ziemlich egal, solange der 40,30 oder 20% Rest meine erwarteten Ausgaben für die ersten 5 Jahre abdeckt.