Finanzberater oder selbst reinfummeln?

  • Guten Morgen,


    wie sind relative Newbies was Geldanlagen angeht. Wir arbeiten beide Vollzeit, und mittlerweile haben wir auch immer was zur Seite legen können. Leider dümpelt das Geld unverzinst herum.


    Jetzt möchten wir auch in Hinblick auf potenzielle Kinder und Altersvorsorge, Vermögensaufbau betreiben. Mit Finanztip haben wir uns an Tagesgeld und Festgeld rangewagt.


    Was würdet ihr uns raten bezüglich langfristigen Anlagen, ein Konto für ETFs öffnen und anhand der Anleitung bei Finanztip irgendwie ein Depot anlegen? Oder mittels Robo ETF? Ich komme mit menschliche Beratung besser zurecht und wollte mich bei der Verbraucherzentrale informieren. Wie ist die Qualität so einer Beratung? Oder doch einem Finanzberater, Bankberater vertrauen? Leider haben meine Eltern mit Bankberatern vor langer Zeit schlechte Erfahrungen gemacht, daher auch die Scheu vor Aktien.

  • Das Finanztip-Motto lautet, dass Du Finanzen selbst kannst. Und mit etwas einarbeiten, ist das auch in der Tat problemlos möglich, und ist dann sicher die beste Lösung. Die Videos, Podcasts und Artikel von FT sind ein idealer Einstieg.

  • Hallo Pink_Lime,


    wenn Sie die Frage in diesem Forum stellen, werden Sie nur eine Antwort bekommen: selber machen.

    Oder doch einem Finanzberater, Bankberater vertrauen? Leider haben meine Eltern mit Bankberatern vor langer Zeit schlechte Erfahrungen gemacht,

    Das hat sich bis heute nicht geändert. Nicht, weil der „Berater“ per se ein schlechter Mensch ist, sondern allein aus den objektiven Umständen heraus. Der „Berater“ lebt von der Provision und die ist um so höher, je mehr sein Arbeit-/Auftraggeber am Produkt verdient.

    Dazu gibt es schon einige Jahrzehnte eine zusammenfassende Erkenntnis: Früher wollte die Bank gemeinsam mit mir reich werden. Heute will sie an mir reich werden.


    Da sie schon diese Plattform gefunden haben, opfern Sie zwei oder drei Abende für das Studium der Grundsätze und wenn es noch Fragen gibt, findet sich hier fast immer ein Spezialist.


    Gruß Pumphut

  • Hallo Pink_Lime und Herzlich Willkommen im FT-Forum,

    ich bin auch ganz klar Fraktion: Mach es selbst!

    Und ja, es kostet anfangs etwas Zeit sich mit den eigenen Finanzen auseinander zu setzten. Aber wenn man das eigene Schiff erstmal auf Kurs gebracht hat, läuft es eigentlich ganz von allein.


    Ein m.E. sehr empfehlenswertes Buch für finanzielle Einsteiger ist von Albert Warnecke (aka. Finanzwesir): https://www.amazon.de/Finanzwe…TF8&qid=1674551876&sr=8-1

    Zitat aus dem Buch: "Seine Frau und sein Geld gibt man nicht in fremde Hände."


    Ansonsten steht bei Detailfragen natürlich diese äußerst hilfsbereite Forum parat.:)


    PS: Die Videos von Finanztip sind natürlich auch toll. Aber im Urlaub am Stand ist ein Buch doch auch was feines!

  • Danke für eure Meinungen.


    Ich hatte etwas Bedenken, ob ich als Zahlenlegasthenikerin ohne „menschliche Hilfe“ das Ganze durchdringen kann. Aber es scheint machbar zu sein. Das motiviert.


    Wir haben uns bei Weltsparen angemeldet. Würdet ihr dort ETFs kaufen oder doch bei den Anbietern, die FT empfiehlt?

  • Ich persönlich würde nicht unbedingt auf den letzten Euro gesparte Gebühren schauen, und eine Direktbank nehmen die eine ordentliche Größe und Substanz hat. z.B. DKB, ING, Comdirect… Da hast Du, falls es mal irgendwelche Probleme geben sollte, zumindest einen halbwegs brauchbaren Kundenservice.

  • Wir haben uns bei Weltsparen angemeldet. Würdet ihr dort ETFs kaufen oder doch bei den Anbietern, die FT empfiehlt?

    Warum etwas bei einem 'Vermittler' kaufen, wenn ich es auch ohne Mehraufwand direkt vom 'Erzeuger' kaufen kann?:/


    Und langsam. ETF kaufen ist so ziemlich der letzte Schritt in einem Prozess.

    Ich habe z.B. rund 6 Monate gebraucht von der Erkenntnis meine finanzielle Zukunft selbst in die Hand zu nehmen, bis zu meinem ersten ETF-Kauf.

    Macht Euch erstmal Gedanken darüber, wie Ihr zum Thema Risiko/Verlust steht und welchen Teil Eurer Geldanlage 'sicher' angelegt werden soll.

    Und ganz am Ende, wenn Ihr Euch überlegt habt, warum Ihr x-Prozent Eures Geldes bewusst in den ETF XYZ anlegt, dann geht es an die Depoteröffnung und den Kauf.

    Der Rest ist dann 'nur' noch die Füße stillhalten und Krisen auch aussitzen können.

  • Selber machen.


    Die Grundlagen sind relativ einfach, die Videos/Seiten von Finanztip und ein paar anderer erklären das ziemlich übersichtlich und ausführlich. Einfach ein paar Wochen Zeit nehmen, nichts überstürzen und dabei nebenbei Videos sehen, Seiten lesen oder ein passendes Buch dazu. Wenn man 20 Jahre wenig gemacht hat kommt es auf ein paar Wochen mehr auch nicht an.


    Ansonsten das was vor mir geschrieben wurde. Ich hab so in wenigen Wochen mehr gelernt als damals in meiner Schulzeit und Ausbildung, hab auch erkannt wo ich von meinen Eltern und deren Umgang mit Geld geprägt wurde. Im Guten wie im Schlechten. Einiges hätte ich mit dem Wissen das ich mir wegen dem ETF-Investment und Themen drumherum angelesen habe damals deutlich anders gemacht. Und auch manches hinterfragt das in Schule oder bei meinen Eltern als Finanzbildung galt.

    Und falls ihr wirklich mal Nachwuchs haben werdet, umso besser für eure Kinder. Über Geld redet man. Muss man reden, nicht darüber reden hilft nicht es gut oder besser zu machen.


    Direktbank mit kostenlosen Sparplänen oder Smartbroker wäre auch mein Rat, ich persönlich ziehe Direktbanken vor. Ist ein besseres Gefühl wenn da eine etablierte Direktbank hinter steht für mich, bei Kaufen und Halten sind Verkaufskosten erst einmal auch egal.

    In 10, 15, 20, 30, 40 Jahren bis man wirklich an das Geld ran will kann sich eh viel ändern was das angeht. Und dann kann man schauen wie es zu der Zeit am besten läuft die Anteile wieder in Geld umzutauschen. Ist auch kein Hexenwerk wenn die Grundlagen stehen.


    Noch ein Tipp der hilfreich sein könnte:

    Nicht von Untergangspropheten wie Dirk Müller beeinflussen lassen. Fast allen dieser Angstmacher geht es darum mit Angst Geld zu verdienen. So wie auch die kostenlosen Beratungen von Bankverkäufern die sich Berater nennen zum Geldmachen da sind, bei so was sind immer hohe Gebühren und Provisionen mit dabei.

    Die wollen alle nur euer Bestes. Nämlich euer Geld in ihrer Tasche. ;)


    Vielleicht noch über eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung nachdenken falls noch nicht vorhanden, das ist auch eine Art Vorsorge.

    Und falls externe Beratung notwendig ist lieber Verbraucherzentrale oder Honarberater die pro Stunde bezahlt werden, schmerzt erst einmal aber das sind zumindest keine versteckten Kosten.

  • So komplex scheint mir das Ganze (in dem Fall) nicht zu sein. Zumal es vermutlich auch (noch) nicht um größere Volumina geht. Ganz grob:


    Im ersten Schritt mal die Versicherungsseite checken (nur das Nötigste, das aber vernünftig machen und einkaufen; eventuelle Optimierung auch bestehender Verträge prüfen).


    Im nächsten Schritt klären ob ein Immobilienkauf (in dem Fall vermutlich selbst genutztes Wohneigentum) fest eingeplant, nur eine denkbare bzw. mögliche Variante oder auf gar keinen Fall eine Option im Vermögensaufbau bzw. der Vermögensplanung inkl. Altersvorsorge darstellt. Im ersten Fall sollte man einen (großen) größeren Anteil seiner Mittel relativ sicher und liquide halten, um diesen bei Bedarf für die Immobilienfinanzierung einsetzen zu können.


    Ziele (z. B. Altersvorsorge) und Anlagedauer (z. B. bis Eintritt in den Ruhestand) definieren. Dabei gleich mal eine (eher wahrscheinliche) Versorgungslücke grob berechnen (unter Berücksichtigung späterer zu erwartender Renten - soweit schon halbwegs vorausberechenbar).


    Risikotragfähigkeit ermitteln (sowohl die objektive als auch die subjektive). Daraus ergibt sich dann (auch unter Berücksichtigung der Anlagedauer) die Aufteilung in risikoarm und risikoreicher.


    Passende Anlageklassen für den eher sicheren Anteil präziser risikoarmen Anteil (z. B. Tagesgeld, Festgeld etc.) und den risikoreicheren Anteil (z. B. ein weltweiter Aktien-ETF; einer könnte für den Start reichen - mehr als zwei oder drei sollten es nicht sein; selbst wenn man da noch Anleihen dazu nimmt) aussuchen.


    Im letzten Schritt die dann dazu passenden (wenigen) Produkte auswählen (bei Tages- und Festgeld Einlagensicherungsgrenze von 100 tsd. Euro beachten - für mich kämen zunächst nur Banken mit deutscher Einlagensicherung und eigenen zusätzlichen Sicherungssystemen wie Genossenschaftsbanken und Sparkassen in Betracht). Für den risikoreicheren Anteil einen der typischen Aktien-Welt ETFs (MSCI World, FTSE All Word).


    Im Laufe der Jahre immer mal checken, ob die ursprüngliche Aufteilung von den Zahlen noch paßt und/oder auch mit den sich nicht selten veränderten persönlichen Rahmenbedingungen noch harmoniert (Beispiel: Kind(er)). Im ersten Fall dann ein schlichtes Rebalancing durchführen im zweiten Fall eventuell die Aufteilung neu strukturieren.


    So könnte das - m. E. bis in den mittleren sechsstelligen Bereich - einfach und pflegeleicht laufen. Wenn beide Vollzeit arbeiten und Geldanlage nicht das Hobby ist, sollte man das Ganze nach meinem Dafürhalten übersichtlich und einfach halten. Darüber hinaus (das Volumen betreffend) kann man dann (muß man aber nicht zwingend) über weitere Schritte nachdenken. Zusätzliche Anlageklassen - um ein Beispiel zu nennen. Zusätzliche Anbieter - um ein weiteres Beispiel zu nennen. Vermögensverwaltung - um ein drittes Beispiel zu nennen.


    Das ist aus meiner Sicht keine Geheimwissenschaft und in dem Fall auch nicht so komplex, daß man es nicht alleine angehen könnte. Zumindest "auf das Gleis setzen" kann man das sicherlich mit einem Hauch Eigeninteresse auch aus eigener Kraft. Halbwegs verstehen sollte man dennoch was man wie und warum macht.


    Keine Anlageempfehlung.


    Und: Nur meine bescheidene persönliche Meinung.

  • Danke euch. Das sind jede Menge Anregungen, einiges kann ich nachvollziehen, andere Dinge klingen definitv spannend, um sich damit näher zu beschäftigen👍.


    Bei DKB sind wir tatsächlich schon, aber derzeit nur als Girokonto-Kunden. Dachte, dass Weltsparen eher das Portal ist, um einen Sparplan zu machen.


    Ein Immobilienkauf wäre toll, aber nicht in naher Zukunft. Das Geld würden wir also gerne fest anlegen. Geldgeschenke würden wir gerne in ETFs oder ähnliches für 20+ Jahre anlegen. Und ja, irgendwann muss man anfangen 😅. Also, ich hab Lust.

  • Ein Immobilienkauf wäre toll, aber nicht in naher Zukunft.

    Das klingt bezüglich dieses Themas noch sehr offen - und unter "naher Zukunft" kann man auch sehr unterschiedliche Zeiträume verstehen. Zudem: Der Punkt "Potentielle Kinder" (s. Beitrag 1) kann die Einstellung zu dem Thema "Wohneigentum" manchmal schnell ändern bzw. forcieren.


    Aus meiner Sicht aber stellt gerade dieser Punkt (jedenfalls für den Normalsparer und Normalbürger) eine Art "Weichenstellung" oder "Game Changer" in Sachen Geldanlage(n) und auch der privaten Altersvorsorge dar (s. a. Beitrag 13, Abs. 3).


    Wenn ich mir dazu eine ganz persönliche Anmerkung bzw. Anregung erlauben darf: Für die meisten Menschen ist es wahrscheinlich eine empfehlenswerte Vorgehensweise, sich hier eine Art "Zeitfenster" samt Deadline zwecks Realisierung beim Thema "Wohneigentum" zu setzen.


    Habe hier vor Ort nämlich oft genug gesehen, daß fünf, zehn und manchmal noch mehr Jahre nach einer Immobilie zum Kauf gesucht wurde - aber man dann den Plan doch nicht umgesetzt hat. All diese Jahre wurden dann aber zwangsläufig sozusagen relevante (oder große) Teile der Mittel relativ sicher und liquide vorgehalten (Beispiel: Tagesgeld und/oder kurzlaufende Festgelder). Aber damit eben auch renditeschwach. So ist man dann nicht nur immer der Inflation "hinterhergelaufen" (erst recht meist in einer Nachsteuer-Betrachtung) - sondern hat auch noch (jedenfalls in den letzten 10-12 Jahren) den stark gestiegenen Immobilienpreisen (meist erfolglos) "hinterhergespart".


    Falls irgendwie möglich sollte man sich - nach meinem Dafürhalten - deshalb wenigstens dieses "Spannungsfeldes" bewußt sein. Und notfalls das Vorhalten dieser (erheblichen) Mittel samt der Renditeeinbußen als "Preis" für die Option verstehen sich die Entscheidung "Wohneigentum" lange offen halten zu können.


    Zudem: Eine (selbst lastenfreie) Immobilie allein ist nicht selten keine ausreichende oder gar komfortable Altersvorsorge. Man wohnt dann zwar "mietfrei" (ein durchaus erheblicher Vorteil) aber natürlich nicht völlig "kostenfrei" (Reparaturen, Instandhaltungen usw.). Sicherlich kann man eine Immobile auch verkaufen und in eine Mietwohnung ziehen - das fällt aber gerade vielen älteren Menschen offenbar nicht immer leicht. Im "Idealfall" kauft man möglichst früh, stellt das Darlehen in ca. 20 Jahren glatt und hat dann noch weitere gut 10-15 Jahre für den Aufbau der zusätzlichen privaten Altersvorsorge. Oder man entscheidet sich bei Zeiten gegen Wohneigentum und kann dann deutlich "offensiver" anlegen was (in aller Regel und über längere Zeiträume, sprich 15 Jahre +) bessere Ergebnisse generiert. Natürlich gilt aber auch beim Thema "Finanzen": Das Leben ist kein Wunschkonzert und der "Idealfall" heißt so, weil dieser eben nicht die Regel ist ...


    Nur meine bescheidene persönliche Meinung.