Nießbrauchrecht - ja oder nein

  • Hallo zusammen,

    wir stehen vor der Entscheidung, unseren beiden Kindern unsere ETW mittels Nießbrauchrecht zu überlassen. Ich hab mittlerweile so vieles darüber gelesen, dass ich nun gänzlich verwirrt bin. Wir möchten weiterhin in der Wohnung wohnen bleiben. Nun lese ich aber, dass die 'Kinder' schon jetzt dafür zahlen muss (entgangene Miete oder so ähnlich). Wer hat das schon mal gemacht und kann mir die Erfahrungen schildern?

    Mfg kokol

  • Ich stand vor knapp 25 Jahren vor der gleichen Entscheidung. Wohnrecht oder Nießbrauch?

    Für uns war die Entscheidung Wohnrecht die richtige.

    Da mein Vater mittlerweile verstorben ist und meine Mutter seit 2022 im Pflegeheim ist, müssen wir demnächst für unsere Mutter Sozialhilfe beantragen. Hier kommt dann der große Unterschied zum tragen. Bei Nießbrauch wird eine mögliche Mieteinnahme mit eingerechnet, nicht so beim Wohnrecht.

    Ich kann nur dazu raten einen Termin bei einem Notar zu vereinbaren. Hier gibt es viele Dinge zu beachten. Schenkungssteuer, mögliche Insolvenz, Einzug ins Pflegeheim, usw.

  • Vielen Dank für die schnelle Antwort.

    Bei uns wäre es jedoch so, dass keine Mieteinnahme bestehen würde, da wir ja selber weiterhin in der Wohnung wohnen bleiben.

    Da der Notar ja auch etliches an Honorar erhält, möchte ich ihn eigentlich erst dann mit ins Boot holen, wenn es um Grundbucheintragen und Unterschriften geht. Langsam fürchte ich aber, ich muss ihn schon eher kontaktieren.

    Ihr habt euch auf jeden Fall rechtzeitig gekümmert - Kompliment. Wir sind 'zu spät' dran; da schon 68 und 71 J. ;)

  • Bei uns wäre es jedoch so, dass keine Mieteinnahme bestehen würde, da wir ja selber weiterhin in der Wohnung wohnen bleiben.

    Genau da liegt der Hase im Pfeffer. Bei Wohnrecht ist das kein Problem. Bei Nießbrauch sieht das etwas anders aus. Sollten deine Eltern im Pflegeheim sein und alle Ersparnisse aufgebraucht haben, wird das Sozialamt einen angemessenen Mietbetrag bei euch einfordern können.

  • Bei einem Nießbrauch könnte man die Wohnung oder Immobilie vermieten. Die Vermietung kann meines Wissens in diesem Fall verlangt werden, um die Kosten für das Pflegeheim (wenigstens teilweise) zu decken. Bei einem Wohnrecht ist eine Vermietung grundsätzlich nicht möglich, die Wohnung darf aber nur vom Wohnberechtigten genutzt werden, wenn nichts anderes vereinbart ist.


    Schwierig an der Situation ist, dass der Verzicht auf den Nießbrauch (gilt aber genauso für das Wohnrecht) als Schenkung gilt. Diese Schenkung kann innerhalb von 10 Jahren nach der Schenkung zurückgefordert werden bzw. der Wert der Schenkung, um die Kosten der Pflege zu begleichen. Es ist also nicht möglich, kurzfristig auf die evtl. Pflegebedürftigkeit zu reagieren.


    Gute Nachricht: Es kommt immer auf die Vertragsgestaltung an, welche Folgen bei einer Pflegebedürftigkeit eintreten. Hierzu sollte man sich mindestens beim Notar beraten lassen.


    PS: Die Notarkosten bestimmen sich, soweit ich weiß, nur nach dem Gegenstandswert und nicht nach dem Aufwand des Notars. D.h. wenn man bei diesem Notar die Verträge auch zeitnah abschließen wird, sollte die Beratung inklusive sein - einfach freundlich nachfragen.