Stundensatz als freiberuflicher Dozent im kaufmännischen Bereich

  • Hallo zusammen,

    ggf. finden die auch keinen anderen Dozenten.

    Kommt auf die Marktlage an.


    Vielleicht ein Vertrag in dem festgelegt wird ein Kurs zu x Stundensatz und ab Folgekurs Stundensatz plus x


    Ggf. sich eine andere Arbeit suchen. Sich weiter auf eine besser bezahlte Arbeit bewerben und Kurse nebenbei geben, um einen besseren Stundensatz zu bekommen.


    Alles gute für Ihr Projekt.


    LG

  • Davon hätte er nichts, denn ausgewiesene Umsatzsteuer muss er auch abführen. Die Träger werden in der Hinsicht auch kaum mit sich verhandeln lassen, denn deren Einnahmen sind umsatzsteuerbefreit (§ 4 Ziff. 22 UStG) und deshalb können sie auch keine Vorsteuer absetzen.


    Im Gegenteil, wie oben schon geschrieben, muss er darauf achten, dass auch sein Honorar als umsatzsteuerfrei gilt, sonst gehen davon von vornherein schon mal 19% ab. Nach dem Wortlaut von § 4 Ziff. 22 UStG fallen Dozentenhonorare nämlich nicht unter die Steuerbefreiung, sondern nur die Einnahmen der Träger aus Kursgebühren etc. Aber, auch schon oben geschrieben, jedenfalls zu meiner Zeit haben die Träger von der OFD bescheinigt bekommen, dass auch die Dozentenhonorare, die für steuerbefreite Kurse und Maßnahmen von grundsätzlich umsatzsteuerpflichtigen Dozenten eingenommen werden, als umsatzsteuerfrei behandelt werden dürfen.

  • Falls der Stundensatz an sich nicht verhandelbar ist, kann man auch über die Stundenzahl gehen. Also zusätzliche bezahlte Stunden für Vorbereitung heraus handeln, weil ganz neu entwickelter Kurs auf neustem Stand des Themas und mit modernster Didaktik und so. Bei folgenden Kursen dann höherer Stundensatz wegen erfahrener und hoffentlich gut bewerteter Dozent.

  • Ich habe gerade nochmal mit dem Bildungsträger telefoniert.

    Es wird viel im Einzelfall pro Unterrichtsblock verhandelt.

    Vorbereitungszeit wird bei manchen Unterrichtseinheiten bezahlt, stellenweise auch Fahrtkosten.

    Der Satz pro 45 Minuten liegt dann bei ca. 28 bis 32 Euro, also ca. 40 Euro je Zeitstunde.

  • Falls der Stundensatz an sich nicht verhandelbar ist, kann man auch über die Stundenzahl gehen. Also zusätzliche bezahlte Stunden für Vorbereitung heraus handeln, weil ganz neu entwickelter Kurs auf neustem Stand des Themas und mit modernster Didaktik und so.

    Wenn ich mich als Dinosaurierjäger bewerbe, setzt mein Auftraggeber voraus, dass ich weiß wie man Dinos jagt... und auch dass ich 'ne geeignete Kanone und die passende Munition habe ;-)

  • Der Satz pro 45 Minuten liegt dann bei ca. 28 bis 32 Euro, also ca. 40 Euro je Zeitstunde.

    Ich denke, damit kann man für den Anfang leben...

    Parallel zum Dozieren bei jenem Bildungsträger würde ich mal mit diversen JobCentern Kontakt aufnehmen; die bieten auch Kurse an und benötigen geeignete Dozenten. Lass' dich auch mal mit den umliegenden Volkshochschulen ein; da kannst du ggfs. im nächsten Jahr ein paar Abendkurse platzieren und Erfahrungen sammeln.

    Je nachdem, was du an Stoff anbietest, kannst du auch mal selbst 'Kurse' anbieten, zum Bleistift abends... Den 'Wert' musst du bewerten können.

  • Ich kann hier anekdotisch aus meiner Zeit als Solo-Selbstständiger (IT) berichten:


    * Realistisch betrachtet hat das Jahr ca. 250 Arbeitstage. Wenn du (konservativ) noch Urlaub (30 Tage), Krankheit (10 Tage) und Fortbildung (10 Tage) deinerseits abziehst, kannst du grob mit 200 abrechenbaren Arbeitstagen rechnen.

    * Verwaltungsaufwand (Ekst.- Steuer, Ust. Vorauszahlungen, Belege etc.) halte ich aus Solo-Selbständiger für verkraftbar, ist aber auch nicht nichts.
    * Bedenke auch, dass du höchstwahrscheinlich deine Krankenversicherung komplett selbst zahlen musst, es sei denn du arbeitest in einer förderungswürdigen Branche und es gibt ein Versorgungswerk.

    * Ich komme da auf ca. 64k Umsatz im Jahr.

    Für einen Berufsanfänger ohne große Verpflichtungen halte ich das für machbar. Wenn darüber hinaus Familie, Haus etc. geplant ist, würde ich es überdenken.

  • Zum Vergleich noch grob geschätzte Mindest-Stundensätze aus anderen Bereichen. Da finde ich deine 40 EUR für eine Vollzeit-Selbstständigkeit, schon am unteren Ende. Je nach Branche, Spezialkenntnissen und Erfahrung gibt es natürlich immer Luft nach oben.


    Klempner 60,-

    Software Entwickler 100,-

    Anwalt 150,-

    Unternehmensberater 200,-

  • Ich kann hier anekdotisch aus meiner Zeit als Solo-Selbstständiger (IT) berichten:


    * Realistisch betrachtet hat das Jahr ca. 250 Arbeitstage. Wenn du (konservativ) noch Urlaub (30 Tage), Krankheit (10 Tage) und Fortbildung (10 Tage) deinerseits abziehst, kannst du grob mit 200 abrechenbaren Arbeitstagen rechnen.

    * Verwaltungsaufwand (Ekst.- Steuer, Ust. Vorauszahlungen, Belege etc.) halte ich aus Solo-Selbständiger für verkraftbar, ist aber auch nicht nichts.
    * Bedenke auch, dass du höchstwahrscheinlich deine Krankenversicherung komplett selbst zahlen musst, es sei denn du arbeitest in einer förderungswürdigen Branche und es gibt ein Versorgungswerk.

    * Ich komme da auf ca. 64k Umsatz im Jahr.

    Für einen Berufsanfänger ohne große Verpflichtungen halte ich das für machbar. Wenn darüber hinaus Familie, Haus etc. geplant ist, würde ich es überdenken.

    Ich hätte mich 10 Tagen Urlaub, 10 Tagen Krankheit und 10 Tagen für Weiterbildung gerechnet. Und entsprechend 80 Prozent Auslastung.


    Ansonsten bin ich bei dir.

  • Ich habe gerade noch mit einem anderen Bildungsträger telefoniert.


    Ich hatte letztes Jahr eine Ausbildung als SAP HCM Consultant gemacht.


    Bei dem anderen Bildungsträger soll ich im SAP HR-Bereich ausbilden.


    Dort teilte man mir gerade mit, dass ich für 28 Euro je Unterrichtseinheit (also 45 Minuten) unterrichten soll.


    Die Kursunterlagen sollen von mir komplett unbezahlt erstellt werden. Ehrlich gesagt halte ich das für eine Frechheit. Beim Bildungsträger im kaufmännischen Bereich wird die Vorbereitung zumindest anteilig bezahlt.

  • Ergänzend dazu:

    • Ich soll eine SAP „Train the Trainer“ Ausbildung beim Bildungsträger machen, um unterrichten zu dürfen. Dafür würden mir 980 Euro in Rechnung gestellt.
    • Um die Teilnehmer zu unterrichten muss ich mich im SAP Learning Hub (über den Bildungsträger) registrieren. Auch dafür sollen mir Kosten in Rechnung gestellt werden.


    Irgendwie hat das den Beigeschmack von einem Handwerksunternehmen, bei dem die Arbeiter ihr eigenes Werkzeug mit zur Arbeit bringen sollen.

  • Hallo markus_ks,


    mir persönlich wären die von dir genannten Stundensätze zu gering, um voll auf Selbständigkeit zu setzen. Wie einige Vorredner würde ich es auch so sehen, dass ein Umsatz von rund 100.000 € angestrebt werden sollte.


    Man muss einfach beachten, dass RV und KV voll von dir zu leisten sind. Zudem müsstest du im Vergleich zur Angestelltentätigkeit einen adäquaten Risikoaufschlag einkalkulieren.


    Vlt. wäre es für dich eine Option die Selbständigkeit erstmal im „Nebengewerbe“ zu testen. Das kombiniert die Sicherheit aus dem Angestelltenverhältnis und man kann sich an die Selbständigkeit herantasten.


    Zu den Stundensatz-Vergleichen fällt mir der Friseur ein. Hier in einer Großstadt in BaWü zahle ich 30 Euro und der Schnitt dauert max 20 Minuten…


    VG

  • Aaaalso... ich würde mich mal von den Gedanken um die Stundensätze lösen... zumindest mittelfristig. Ein Selbstständiger, der auf lineare Einkünfte (Geld für Arbeitszeit im Sinne von 'Stundenhonorar') abzielt, ist jetzt schon tot. Anfangs, wie bereits angerissen, kann man das durchaus tun, insbesondere um Ressourcen schonend Erfahrungen zu sammeln. Mittelfristig musst du auf non-lineare und gleichwohl skalierbare Einkünfte umsatteln. Zum Bleistift so... 10 Hansels (und/oder Gretels) zahlen für einen 'Kurs' (z.B. über 1 Woche) je 500 Öcken = 5.000 Öcken. bei 15 Hansels (und/oder Gretels) sind's dann auch 500 Öcken pro Nase, aber insgesamt 7.500 für die Woche... etc. Vielleicht kannst du - je nach Thema - auch 40 bis 50 Leute in einen Schulungsraum bekommen...

    Dabei ergibt sich wohl die Frage, ob dein Material und deine vermittelten 'Weisheiten' den Hansels (und/der... du weißt schon) die im Beispiel genannten 500 Öcken wert sind, sprich, ob sie durch die Erweiterung ihrer durch dich gewonnenen Erkenntnisse so profitieren können, dass sich die Ausgabe lohnt. Vielleicht gibt's ja sogar irgendwoher Zuschüsse...


    Du musst also deinen Wettbewerb kennen, also was der bietet und dafür verlangt... und entsprechend deine Kalkulation (dein Priceing) gestalten. Willst du Mitbewerber werden, im Idealfall sogar ein 'besserer' Anbieter als dein Bildungsträger-Wettbewerb, oder 'nur' ein billiger Ersatz für einen 'relativ teuer' zu bezahlenden Angestellten eines Bildungsträgers?


    Auch bei der Vorbereitung von Unterrichtsmaterialien würde ich es entspannter angehen. Wenn jemand einen Jäger für ein Jagdprojekt sucht, erwartet er, dass der Jäger nicht nur jagen kann, sondern auch, dass er ein Gewehr und Munition mitbringt ;-)

    Wenn du unterrichten willst, must du vorbereitet sein, auch was auch Material angeht. Will der Auftraggeber, dass du 'dein' Material für die Belange (des Instituts) anpasst, darf er für seine Wünsche auch gerne etwas in deine Kasse werfen ;-)


    So oder so, wirst du nicht um die sorgfältige Erstellung eines sog. Business Plans herumkommen; daraus werden sich viele Antworten ergeben, zu denen dir heute die dazu gehörenden Fragen noch gar nicht bewusst sind. Bei den IHKen findest du schnell Muster für Bizz Pläne, aber auch beim BMWI wirst du über die entsprechende Site rasch mit vernünftigen Informationen versorgt. Einfach mal den Rechner anschmeißen und suchen...


    Und... damit du mal kräftig erschrickst... und dich von der Denke des 'Sklaven eines Bildungsinstututs' zu lösen beginnst... gebe ich dir mal ein Paar Beispiele aus meinen Erfahrungen mit Workshops.


    Meine 'Schulungsunterlagen' für private freiwillg Teilnehmenden gibt's obligatorisch als 'Arbeitsbuch' für knapp 30 Euronen oder Pfund. Diese Dinger werden on demand gedruckt und kosten mich rund 12 Euronen pro Exemplar. Folglich sind 18 Öcken vor Steuer für mich. Bei Teilnehmern und *innen, denen die jeweiligen Arbeitgeber die Teilnahme - wenigstens zum Teil - finanzieren, nutze ich umfangreichere Materialien (Arbeitsbücher), die etwa 80 Öcken kosten (bei rund 30 Euro Druckkosten).


    P.a. zwischen 1.000 und 2.000 private Teilnehmende an ca. 6 bis 12 Workshops (über je 3 Tage)... Bedeutet... bei 1.000 Nasen 18.000 Öcken für die Bücher + 1.000 mal 120 Öcken 'Honorar'


    Ferner 600 bis 1.500 Nasen, die von Firmen 'geschickt' wurden... für 5 bis 12 Workshops ebenfalls über je 3 Tage... bedeutet min. 600 mal 50 Öcken für die Bücher + 600 mal ca. 300 Öcken 'Honorar'.


    Vor 5 Jahren, im 'schlimmsten Jahr bislang', hatte ich rund 6.000 Teilnehmer und *innen auf insgesamt 30 Workshops ;-). Da blieb sogar etwas für's Hobby übrig :D

  • Ein Selbstständiger, der auf lineare Einkünfte (Geld für Arbeitszeit im Sinne von 'Stundenhonorar') abzielt, ist jetzt schon tot.

    Das würde ich so nicht unterschreiben. Ich lebe damit jetzt schon 7 Jahre ganz gut als selbständiger Ingenieur. Am Ende ist es die Frage welche Sätze man durchsetzen kann und welche Auslastung man hat.


    Einige Vergleiche hinken natürlich etwas. Beim Friseur müssen die Ladeneinrichtung und die ganzen Verbrauchsmaterialien abgedeckt werden, beim Handwerker Werkzeuge und Maschinen.

  • Das würde ich so nicht unterschreiben.

    Darf man denn nicht auch mal (wieder) provozieren?

    Natürlich kommt's auf die Honorar-Sätze und die Auslastung an...


    Ich hätte ein paar Bachstuben mehr gebrauchen sollen... etwa so...

    Als Selbstständiger, der auf lineare Einkünfte (Geld für Arbeitszeit im Sinne von 'Stundenhonorar') auf relativ niedrigem Angestelltenlevel abzielt, bist du, lieber Markus, jetzt schon tot bzw. rucki-zucki insolvent.


    Besser so?


    Dein Hinweis auf die Ladeneinrichtung des Frisseurs ist gut... Markus benötigt auch mehr als nur ein Stückchen Tafelkreide... Auto, Laptop mit SW, Tablet, Beamer, PC mit ordentlichen Monitoren für Video-Unterricht, etc. pp.

  • Vielleicht fassen wir es so zusammen:

    In der beschriebenen Konstellation hat das Ganze mehr mit der Verlagerung des Unternehmerrisikos vom Bildungsträger auf die Lehrkraft und mit einer gehörigen Portion Selbstausbeutung zu tun, als mit Unternehmertum seitens der Lehrkraft.

  • Genau darauf ...

    Vielleicht fassen wir es so zusammen:

    In der beschriebenen Konstellation hat das Ganze mehr mit der Verlagerung des Unternehmerrisikos vom Bildungsträger auf die Lehrkraft und mit einer gehörigen Portion Selbstausbeutung zu tun, als mit Unternehmertum seitens der Lehrkraft.

    ... läuft das Geschäftsmodell (leider) hinaus. Pointierte Zusammenfassung:thumbup:

    In Thüringen wurde beim Türringen eine Tür disqualifiziert: Sie schlug zu!

  • Nochmal vielen Dank für die Informationen.

    Das hat mir sehr geholfen.


    Hat jemand einen Erfahrungswert, was üblicherweise für SAP Dozenten auf freiberuflicher Basis gezahlt wird? Da das ein spezielles Aufgabengebiet ist hatte ich echt mit besserer Bezahlung gerechnet.


    Da ich aktuell noch sechs Monate Arbeitslosengeld bekomme überlege ich, die schlecht bezahlte SAP-Dozentenstelle anzunehmen und Erfahrungen zu sammeln. So kann ich vielleicht bei anderen Bildungsträgern bessere Stundensätze durchbekommen.