Beginn Selbständigkeit, bisher PKV

  • Sehr geehrte Damen und Herren,


    ich bin 53 Jahre und war 15 Jahre, bis 7.01.15, in der PKV als Angestellter. Danach war ich ca. 3 Monate Arbeitslos und in der GKV Pflichtversichert. Kleine Anwartschaft in der PKV. Seit 24.04.15 bin ich selbständig mit einem kleinen Beratungsunternehmen. Jetzt stellt sich für mich die große Frage: Zurück in die PKV oder freiwillig in der GKV bleiben.


    Ich bin da hin- und hergerissen. Auf der einen Seite die relativ hohen Beiträge in der PKV (ca. 720,00 EUR aktuell), dafür aber bessere Leistungen. Andererseits wäre die GKV im Moment sicher günstiger, da mein Einkommen in den nächsten Jahren vermutlich noch nicht allzu hoch sein wird. Aktuelle bekomme ich den Gründerzuschuss der Arbeitsagentur.


    Mein Versicherungsvertreter ist der (natürlich) Auffassung, dass ich mit der PKV besser fahren werden, vor allem würde sie im Rentenalter günstiger sein als die GKV, aufgrund der Altersrückstellungen. Es handle sich ja nur um ein vorübergehendes Liquiditätsproblem. Sobald ich gut verdienen würde, wäre der Beitrag in der GKV gleich hoch oder nur unwesentlich niedriger als der in der PKV, diese allerdings mit deutlich besseren Leistungen. Die Vertreter der GKV warnen aber gerade vor diesem Problem und behaupten, die PKV sei teurer und gerade im Rentenalter nur für Rentner mit sehr gutem Einkommen noch bezahlbar.


    Es ist jetzt sicher schwer abzuschätzen, wie sich das in Zukunft entwickeln kann. Können Sie mir trotzdem einen Tipp geben, was in meiner Situation sinnvoll wäre. Die Entscheidung quält mich echt etwas.


    Besten Dank schon mal und viele Grüße
    Karl

  • Das ist die 1-Million-Dollar-Frage: was ist langfristig besser?


    Sie haben die wesentlichen Argumente pro und contra schon selbst geschrieben.
    Von meiner Seite dazu zwei Anmerkungen:


    1. Wenn Sie jetzt als 53 jähriger Mann in der PKV bereits 720 € monatlich bezahlen, sind Sie vergleichsweise teuer versichert. Das kann mit Ihrem Leistungsumfang zu tun haben, der sehr "luxuriös" ausgestattet sein mag. Ich bin 59 Jahre alt und zahle rund die Hälfte. Aber ich bin schon seit 1989 bei dieser Gesellschaft und sehr wahrscheinlich habe ich andere Leistungen versichert.


    Es ist aber bullshit, wenn Ihnen Ihr PKV-Vertreter sagt, dass Sie wegen der Alterungsrückstellungen pkv-versichert bleiben sollen. Die Alterungsrückstellungen sind eine kalkulatorische Maßnahme, die den Beitraganstieg im Alter wenigstens dämpfen sollen. Billiger wird es in der PKV dadurch nicht!


    Und die extreme Niedrigzinslage ist auch für die PKV-Versicherer problematisch. Denn die für die Ausfinanzierung der Alterungsrückstellungen erforderlichen Kapitalrücklagen werden halt ähnlich wie bei den Lebensversichereren in Staatsanleihen angelegt. Wenn diese Anlageform keinerlei Ertrag mehr bringt, müssen die Beiträge erhöht werden, weil der Zinsertrag als Quelle für den Aufbau des Rücklagenkapitals ausfällt.


    2. Bei der GKV haben Sie den Vorteil, dass der Beitrag von Ihren jeweiligen Einkünften abhängt. Klar, wenn Sie als Berater bald zu den Topverdienern gehören, dann zahlen Sie in der GKV den Höchstbeitrag. Allerdings vermag ich nicht zu beurteilen, wie wahrscheinlich das ist. Wer sich mit über 50 selbstständig macht, handelt oft auch getrieben durch die Erkenntnis, dass er als Angestellter einfach nicht mehr unterkommt. Es bleibt abzuwarten, wie sich Ihr Beratungsgeschäft entwickeln wird.


    Sie müssen also für sich selbst abschätzen, wie sich Ihre berufliche Zukunft entwickeln wird.
    Da kann Ihnen niemand helfen.


    Ich selbst bin "seit ewig" privatversichert und für mich ist das auch gut so. Allerdings sehe ich die PKV durchaus kritisch.
    Wer weiß, wie lange sich das PKV-System noch halten kann, wenn es so weitergeht (Kosten im Gesundheitswesen, Zinskatastrophe am Kapitalmarkt).


    Wenn Sie eher "auf Sicherheit" bedacht sind, bleiben Sie vielleicht erst einmal bis auf weiteres in der GKV und halten sich mit Ihrer kleinen Anwartschaft ein Türchen zur PKV offen.

  • Dem kann ich mich nur anschliessen.


    Ich bin seit je her freiwillig gesetzlich versichert aus Überzeugung, jetzt mit Frau und Kind macht es noch mehr Sinn.


    Die freiwillige GKV hat aber auch Ihre Tücken was die Beitragsfestsetzung angeht, allerdings nur wenn man unter der Beitragsbemessungsgrenze ist, was ich Gott sei Dank schon länger nicht mehr bin ;-)
    Und auch wenn ich als Selbständiger den Ganzen Beitrag selbst tragen muss fahre ich trotzdem noch besser als wenn ich meine Frau und Kind kostenpflichtig mitversichern müsste.
    Der große Vorteil ist, dass ich nach Oben hin den Maximalbeitrag kenne und auch wenn es mich ärgert länger auf einen Termin warten zu müssen, so hatte ich ansonsten nie das Gefühl erheblich schlechter behandelt zu werden als Privatpatienten, ich bin allerdings auch in einem Alter in dem ich nicht ständig zu Fachärzten rennen muss....