derzeitige Zinsen in 5 Jahren nutzen

  • Liebes Finanztip-Community,


    ich habe eine kurze Frage und hoffe und bin mir sicher, dass hier einige weiterhelfen können.


    Das derzeitige Zinsniveau in Deutschland erreicht quasi Tag für Tag neue Lows, was in den letzten Jahren in der Bundesrepublik einen Bau- und Kaufboom ausgelöst hat.


    Auch ich möchte gerne ein Haus bauen bzw. eine Wohnung kaufen, jedoch nicht jetzt sondern erst in etwa 5 Jahren. Ich gehe davon aus (auch wenn man es prognostizierbar ist) dass das Zinsniveau in 5 Jahren etwas höher ist als das derzeitige. Gibt es eine Möglichkeit sich letzteres (das derzeitige Zinsniveau) "einzulocken" und dann für ein Darlehen in 5 Jahren in Anspruch zu nehmen?


    Mit Hilfe eines Bausparvertrags sollte dieses praktisch möglich sein. Gibt es darüber hinaus noch andere Möglichkeiten?
    Falls es nur mittels BSV gehen sollte: Gibt es hier irgendwelche Tipps wie man den besten findet?


    Vielen Dank und weiter so!

  • Moin,


    außer einem Bausparvertrag sehe ich nur eine Möglichkeit. Wenn es in der Familie eine unbelastete Immobilie gibt und die Eigentümer bereit sind, diese beleihen zu lassen. Ist nicht ganz unproblematisch, aber die eigenen Eltern oder Großeltern sind vielleicht zu so einer Hilfestellung bereit.


    Es gibt keine Patentlösung, wie man den "besten" Bauspartarif findet. Ich würde mir von mehreren Bausparkassen (mindestens 5) unter Angabe von exakt denselben Vorgaben ein Angebot einholen. Dann als erstes die Monatsrate in der Spar- und in der Tilgungsphase prüfen und wenn sie tragbar erscheint als nächstes die Gesamtkosten über die ganze Laufzeit. Allerdings würde ich keine allzugroßen Unterschiede erwarten.


    Noch einen Hinweis: Finger weg vom "Wohnriester". Damit machen die Bausparkassen momentan Riesengeschäfte, vermutlich zu Lasten ihrer Kunden.


    Gruß


    Nordlicht

  • Hallo,


    nun möchte ich mich auch noch kurz zu Wort melden und drei Varianten aus meiner Sicht hier darlegen. Diese Liste muss nicht vollständig sein und ich freue mich auf Ergänzungen.


    Variante 1: Forward-Darlehen


    Es gibt mehrere Anbieter (Banken und Versicherungen) die klassische Forward-Darlehen mit Vorlaufzeiten von bis zu 5 Jahren offerieren. Laut einer Studie von FMH aus dem Jahre 2013 ist bei einem Forward-Darlehen von 36 Monaten Vorlauf ein Zinsaufschlag von 0,72% p.a. im Markt regulär gewesen. Nehme ich diesen mal als Anhaltspunkt und rechne ihn auf 60 Monate hoch (diese Rechnung kann ungenau sein) könnte man einen Zinsaufschlag von 1,20% p.a. unterstellen.


    Hier kommt es jetzt auf Deine Marktmeinung an, ob dieser Zinsaufschlag gerechtfertigt ist und ob Du die Marktmeinung hast, dass der Marktzins diese Steigerung haben wird.


    Ein Problem aus meiner Sicht ist, das Du aktuell kein Objekt hast. Dies wird aber von den Anbietern zur Berechnung des Beleihungswertes benötigt, daher sehe ich diese Variante für Dich als Art "Vorratssicherung" als nicht praktikabel an. Eine Nutzung von Objekten aus dem Verwandtenkreis würde ich nicht empfehlen.


    Variante 2: Bausparen


    Hier kannst Du Dir wie @Nordlicht schon geschrieben hat, einen entsprechenden Tarif und entsprechende Darlehenszinsen sichern. Zu bedenken bleibt in diesem Fall, das Du in der Ansparphase durch die aktuell niedrigen Sparzinsen und Abschlusskosten weniger einbezahlst als das Du bei der Zuteilung zurückerhältst (Stand meiner Berechnungen in den vergangenen Monaten).Ich verweise hier auf einen Thread im Finanztip-Forum, in dem über dieses Thema bereits diskutiert wird/wurde.... hier geht´s zum Thread ...


    Variante 3: Eigenkapital ansparen


    Auch wenn es sich etwas banal anhört, aber spare soviel Eigenkapital wie möglich an. Denn mit höherem Eigenkapital brauchst Du


    a) ein geringeres Darlehen
    b) erhältst Du hierdurch in der Regel deutlich bessere Konditionen aufgrund der besseren Bonitä


    t--> was im Umkehrschluss weniger ZInskosten bedeutet!


    Natürlich sollte diese Ansparphase in Produkten erfolgen, welche eine Rendite > Inflation aufweisen.


    Wenn es noch weitere Möglichkeiten gibt, freue ich mich auf entsprechende Ergänzungen.

    "Man kann die raffiniertesten Computer der Welt benutzen und Diagramme und Zahlen parat haben, aber am Ende muss man alle Informationen auf einen Nenner bringen, muss einen Zeitplan machen und muss handeln."

    Lee Iacocca, amerik. Topmanager

  • Hallo @Nordlicht,


    habe ich am Schluß als Fazit geschrieben, dass es nicht praktikabel ohne Immobilie ist :)


    Und die Variante als Beleihungsobjekt eine Immobilie aus dem Verwandtenkreis zu nehmen,
    halte ich für nicht sinnvoll.

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    Lee Iacocca, amerik. Topmanager

  • Mittlerweile ist es nicht mehr möglich, in 2007 gab es von der Hannoversche Leben den Versuch einer Reservierungshypothek. Hat sich aber nicht durchgesetzt.


    Daher stelle ich gerne richig. Ein Forward-Darlehen lässt sich ohne Objekt nicht realisieren, für alle anderen Fälle dürfte die oben aufgeführte Auflistung ausreichend sein.

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  • Hallo,


    als kleine Ergänzung möchte ich gerne stellvertretend für viele weitere Quellen, die Prognosen der Postbank zur Konjunktur und Zinsen hier posten.


    Denn bei einer Entscheidung für ein Forward-Darlehen sollte ja eine fundierte Marktmeinung für die künftige Zinsentwicklung unerlässlich sein:


    https://www.postbank.de/postba…onjunktur_und_zinsen.html

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