Schenkung oder Erbe - wie ist das bei Euch?

  • Hallo zusammen. Folgendes habe ich erlebt. Mein Vater ist bezüglich Finanzen äußerst verschlossen. Ich weiß nicht genau was er besitzt oder wie hoch seine Rente ist. Zu Studentenzeiten gab es von ihm einen vereinbarten Beitrag aber nie was nebenbei. Kürzlich dann kam er und wollte, dass ich einen fünfstelligen Betrag in meinem Namen für ihn anlege. Zwischen uns soll das Geld verfügbar sein falls er ein teurer Pflegefall wird. Gegenüber dem Finanzamt soll ich langfristig Erbschaftssteuer sparen.


    Wir kamen darüber ins Gespräch, dass zwischen meinem Vater und seiner Mutter bezüglich Finanzen völliges Vertrauen herrschte. Meine Oma hat meinem Vater immer weiter ihr Vermögen übergeben. In den letzten Jahren hatte sie fast nichts mehr und mein Vater sorgte sich um alles. Völlig zurecht denn meine Oma konnte sicher sein dass mein Vater es gut mit ihr meint. So etwas wünsche ich mir auch zwischen meinem Vater und mir.


    Frage an diejenigen deren Eltern Rentner sind und diejenigen die selbst Kinder haben und in Rente sind: Wie geht ihr mit diesen Themen um? Eher vertrauensvoll? Eher vorsichtig? Legen die Rentner ihre Verhältnisse offen? Wird zu Lebzeiten verschenkt?


    Dieser Thread soll einfach nur ein Plauderthema sein ohne spezielle Absichten.

  • Hallo,
    ich hatte vor ein paar Monaten schon mal geschrieben, dass wir für die Kinder ein Fondsdepot angelegt haben, damit sie eines Tages was für Ausbildung / Studium haben.Das natürlich auch deswegen weil wir dafür dann eine NV bekommen und der Ertrag dadurch kapitalertragsteuerfrei ist und natürlich irgendwann auch erbschaftsteuerfrei. Bei der Übung die Grenzen für die Mitversicherung in der GKV beachten, das Thema haben wir nicht da privat versichert.


    Bei mir selber war das auch so, dass meine Eltern unter meinem Namen Geld angelegt haben, allerdings war ich nicht über die genauen Verhältnisse orientiert. Wie ich das mit meinen Kindern machen werde weiß ich nicht so recht. Im Grundsatz würden wir noch etwas mehr übertragen aber sicher nicht in der Höhe eines Pflichtteils.


    Ich finde die Formulierung "So etwas wünsche ich mir ..." treffend was das Problem beschreibt. Man kann auch in späten Jahren nicht einer Meinung sein und wenn es durch den Einfluss eines später hinzukommenden Partners ist. Deswegen ist frühzeitige Übertragung mit Risiken verbunden.

  • chris2702: Das ist eine gute und sehr schwierige Frage.


    Vieles davon hängt natürlich davon ab, was man sonst für ein Verhältnis hat. Wenn man sonst ein eher distanziertes oder schwieriges Verhältnis hat, dann wird man kaum in Finanzdingen komplett offen und vertrauensvoll miteinander umgehen.


    Ich sehe was das angeht verschiedene Themenblöcke, die natürlich verwandt miteinander sind (schließlich geht es um Geld), aber auch durchaus unterschiedlich zu betrachten sind:

    • Finanzielle Grundausbildung (Eltern --> Kinder): Ich glaube es ist wichtig, dass Eltern ihren Kindern eine finanzielle Grundausbildunggeben,wenn sie denn können. Was ist Einkommen, wie funktionert ein Kredit, was ist der Unterschied zwischen Konsumausgaben und Investitionen, was für Formen der Geldanlage gibt es, son Kram halt. Natürlich kann man das reichlich abstrakt halten, aber ab einem gewissen Alter macht es sicherlich Sinn, das Hands-on zu machen, z.B. mit einem eigenen Konto / Depot für das Kind aber auch durch das involvieren der Kinder in Dinge wie Hauskauf etc.
    • Finanzielle Absicherung (Kinder --> Eltern): Dieses Thema wird sicherlich die Mehrzahl der Familien früher oder später betreffen. Hier ist es glaube ich gut, wenn man das (ähnlich einem Ehevertrag) so anlegt, dass es in guten und in schlechten Zeiten funktioniert. Damit kann man vielleicht nicht jede Eventualität abdecken, aber vielleicht manchen Konfikt vermeiden oder auch übersteigerten Erwartungen auf der einen Seite oder großer Gedankenlosigkeit auf der anderen Seite frühzeitig einen Realitätscheck verpassen. HIerzu ist natürlich ein gewisses Maß an Offenheit nötig.
    • Alltagsfinanzen (Eltern <--> Kinder): Hier sollte eigentlich spätestens ab dem Erwachsenenalter für beide Seiten gelten: Finger weg. Wenn der eine oder andere um Rat fragt, dann natürlich gerne, aber wenn nicht, dann halt nicht. Wenn ich beschließe 15 Steine für ne Reise um die Welt auszugeben, haben meine Eltern das ebensowenig zu kommentieren, wie ich mir nur meinen Teil denken sollte (und ihn nicht äußern sollte), wenn meine Eltern zu geizig wären den Sternsingern an der Tür was zu geben.
      Wenn man natürlich sieht, dass die anderen sich finanziell komplett verantwortungslos verhalten, dann kann man versuchen, ein Stückweit einzugreifen, auch wenn das äußerst delikat ist, wie diese Woche auch beim Finanzwesir diskutiert.
    • Finanzielle Nothilfe (Eltern <--> Kinder): Ich rede jetzt nicht vom studentischen "Kannste mir den Monat mal 100€ vorstrecken, sonst kann ich die Miete nicht zahlen..." , sondern von echten finanziellen Kraftakten z.B. zur Verweidung einer Privatinsolvenz. Die Insolvenz heißt ja nicht umsonst "Offenbarungseid". Ich denke, wenn man seiner Familie finanziell so aus der Patsche hilft, dass es echt an die eigene finanzielle Substanz geht, dann hat man auch das Recht ein gewisses Maß an Offenheit zu verlangen. Wie ist Mama oder Sohnemann in die Patsche geraten? War es eine falsche Entscheidung, Pech, oder ein grundsätzlicheres Problem? Was hat man daraus gelernt? Hat man die entsprechenden Anpassungen eingeleitet oder macht man grad weiter wie vorher? Konfliktträchtige, aber notwendige Fragen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das nicht einfach ist, gerade wenn die Eltern auf einmal den Kindern eine gewisse Rechenschaft schuldig sind. Entscheidend ist hier glaube ich, die Transparenz zu verlangen, ohne komplett bevormundend zu werden. Es geht schließlich nicht um Erniedrigung oder Kontrolle, sondern gemeinsam aus dem Schlamassel rauszukommen. Kein einfacher Spagat, das kann ich aus leidvoller Erfahrung sagen.
    • Vermögensübergang (Eltern --> Kinder): Wenn es darum geht, das Vermögen von der Elterngeneration auf die Kinder zu übertragen ist aus meiner Erfahrung große Offenheit wichtig. Ich habe schon einige Erben in hässliche Streitereien verfallen sehen, weil Dinge nicht sauber geregelt waren oder weil das eine Kind dem anderen vorgeworfen hat, sich schon zu Lebzeiten was aus der Erbmasse gesichert zu haben etc. Hier ist eine gut dokumentierte Finanzsituation seitens der Eltern und eine klare Regelung für nach dem Tod (Testament) natürlich Gold wert. Außerdem hilft es, die Dinge mit allen Kindern zugleich zu besprechen, und nicht alles in einzelnen Zwiegesprächen. So ist jeder über alles im Bilde... Aber auch das ist leichter gesagt als getan.
      Es ist natürlich auch eine Frage der Erziehung, ob die Kinder mit so viel Offenheit umgehen können. Wenn die Kinder in Erwartung des drohenden Millionenerbes zu verantwortungslosen Flegeln werden, sollte man ihnen vielleicht nicht allzu viele Hoffnungen machen...

    Ein weiterer Punkt noch: Das Ganze wird natürlich noch einmal komplizierter, wenn man jetzt noch die jeweiligen Schwiegerkinder mit in Betracht zieht. Die haben vielleicht wiederum eine vollkommen andere "finanzielle Familientradition", eine anderen finanziellen Background oder natürlich auch manchmal weniger finanzielle Loyalität zu den Schwiegereltern. Während die Tochter vielleicht nicht eine Minute zögert, ihren Eltern mit 25.000 € auszuhelfen, hat ihr Mann da vielleicht eine ganz andere Meinung...


    Alles in allem eine komplizierte Geschichte, bei der man sehr viel leichter Dinge falsch als alles richtig macht. Aber so ist es nun man - Freunde kann man sich aussuchen, Familie leider nicht.


    Cheers,
    Elias

  • Unter dem Aspekt das Ganze steuerlich optimal auszunutzen, sollte man bedenken, dass man pro Elternteil alle 10 Jahre 400.000 € Freibetrag hat.


    Wenn also wirklich hohe Vermögen da sind und die Kinder schon im Leben stehen (wer will schon einem 16 Jährigen 400.000 € vermachen, einem 40 Jährigen mit zwei Kindern schon eher) lohnt es sich frühzeitig darüber nachzudenken.


    Ich kenne viele Familien in denen alles dem Vater gehört.


    Vereinfachtes Beispiel: Vermögen 800.000,- allein beim Vater, Alleinerbe Sohn.


    800.000,- ./. Freibetrag 400.000,- = 400.000,- zu versteuern.
    Hätte der Mutter die Hälfte gehört hätten beide das Vermögen jeweils Erbschaft/Schenkungsteuerfrei übertragen können (jeweils 400.000,- ./. 400.000,- Freibetrag alles 10 Jahre). Es lohnt sich also schon das frühzeitig sinnvoll zu verteilen. Zumindest wenn man der Frau traut :D