GKV für Selbstständige oft nicht billiger als PKV

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • GKV für Selbstständige oft nicht billiger als PKV

      Nachdem hier oft Nutzer danach fragen, wie man als PKV-Versicherter Selbstständiger möglichst wieder bei der GKV unterschlüpfen kann, will ich heute auf eine Studie des WIdO (Wissenschaftliches Institut der Ortskrankenkassen) hinweisen.

      Die ist laut Handelsblatt (HB) von heute kürzlich veröffentlicht worden und bestätigt im Ergebnis, dass vor allem Selbstständige ohne Angestellte (Soloselbstständige) bei der Gesundheitsversorgung im Nachteil sind.

      Zitat HB: "...So müssen die nahezu 600.000 Selbstständigen mit durchschnittlichen Einkommen von 10.000 Euro pro Jahr für die gesetzliche Kasse 46,5 Prozent ihrer Einkünfte aufbringen. Bei den 140.000 ähnlich verdienenden Privatversicherten liegt die Belastung laut Studie bei 58 Prozent. Dies bedeute, so WidO-Chef
      Klaus Jacobs, dass sich von den 3,7 Millionen Selbstständigen ein Fünftel einen regulären Krankenversicherungsschutz nur mit fremder Hilfe leisten könne.

      Grund seien veraltete Regeln zu Beitragspflicht und Versicherungsstatus. So gelten Selbstständige rechtlich immer noch als nicht schutzbedürftig. Es wird mithin von ihnen erwartet, dass sie sich privat versichern, obwohl sie sich das im Zweifel nicht leisten können..."

      Für Selbstständige, die die Zugangsvoraussetzung zur Krankenversicherung der Rentner nicht erfüllen, gilt grundsätzlich der Höchstbeitrag von 640 Euro ohne Krankengeld.

      Welche Voraussetzungen man erfüllen muss, um in die Krankenversicherung der Rentner zu kommen, ist hier in früheren Beiträgen schon ausführlich erörtert worden.

      Mir geht es darum, einen Kontrapunkt zu setzen: Nicht in jedem Fall ist im Alter die GKV die bessere Alternative! Wie so häufig im Leben gilt der alte lateinische Spruch "Quidquid agis, prudenter agas et respice finem" (auf deutsch: "Was auch immer du tust, handle klug und berücksichtige das Ende").

      Es hängt stets von der individuellen Situation ab, in welchem System man besser fährt.
      Aber wer sich in den Jahren, in denen er gut verdient hat, für die PKV entschieden hat, sollte gründlich prüfen, ob er nicht auch im Alter besser bei der PKV aufgehoben ist. Anderenfalls ist die Enttäuschung vorprogrammiert, wenn er im Alter 640 € für den GKV-Schutz aufbringen muss.

      Das WIdO spricht sich in der Studie dafür aus, Selbstständige als sozial schutzwürdig einzustufen. Ob sich die Politik angesichts der Kostenprobleme des Gesundheitssektors dieser Sichtweise anschliessen kann, bleibt abzuwarten. Gegenwärtig sind mir jedenfalls keine politischen Bestrebungen bekannt, das System in diesem Punkt aufzuweichen.
    • Hallo @muc

      ein schöner und interessanter Beitrag.
      Das trifft aber m.E. ja nur auf diejenigen zu, die nicht in den 90% der zweiten Hälfte des Erwerbslebens in der GKV waren (egal ob freiwillig oder Pflichtmitglied). Dh. auf diejenigen, die vorher in der PKV waren (und hier seitenweise Wechselwünsche aussprechen).
      Ich nehme an, dass Du das damit ausdrücken willst und damit hast Du m.E. natürlich auch Recht.
    • Hallo @RaphaelP

      genau die habe ich gemeint! In der Tat ist es so, dass jemand der sein Leben lang gesetzlich versichert war auch als Rentner nur von seiner Sozialrente und allenfalls von der betrieblichen Altersvorsorge (inklusive Direktversicherung!) seinen Krankenkassenbeitrag zahlt.

      Wer jedoch in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens NICHT zu 90 % GKV-versichert war, auf den trifft die dargestellte Problematik zu. Und das übersehen viele, hier kurz vor dem 55. Geburtstag aus der PKV flüchten.
      Eventuell gibt es da eine unangenehme Überraschung, wenn sie in Rente gehen...