Kapital aus Erbschaft anlegen oder Darlehen abbezahlen?

  • Guten Abend zusammen,


    wir haben vor kurzem einen mittleren fünfstelligen Betrag geerbt und fragen uns jetzt, wie wir das Kapital am besten verwalten sollen? Eigentlich wollten wir das Geld splitten und zB. 40% als Sicherheit auf ein Tagesgeld-Konto parken und die anderen 60% anlegen. Parallel haben wir jedoch vor 7 Jahren ein Baudarlehen aufgenommen und bis heute fleißig zurückbezahlt. Das Darlehen haben wir vor kurzem nochmal für 15 Jahre verlängert und hätten damit das komplette Eigenheim abbezahlt.
    Jetzt ist es aber so, dass ich das geerbte Kapital nicht für das Darlehen einsetzen möchte und meine Frau schon... Ich sehe das Kapital als Rückhalt an oder als Sicherheit für "schlechte Zeiten".... Kann aber natürlich auch die andere Seite verstehen..
    Was meint Ihr..?

  • Relevanter Finanztip-Artikel hier http://www.finanztip.de/geldanlage/


    In der ersten Ebene ist das ein Rechenexempel. Wenn Ihr z.B. 0,5% auf Tagesgeld und 6% auf die "Geldanlage" bekommt, kommen weniger als 4% in Summe, wovon dann noch mindestens 26,4 % Kapitalertragssteuer weggeht, netto also rund 3% überbleibt. Sofern das Darlehen teurer ist wäre es günstiger am Darlehen zu tilgen. Je nach persönlichen Verhältnissen kann die Steuer geringer sein (Freibetrag 1.602 €). Die Geldanlage kann mehr oder weniger abwerfen.


    In der zweiten Ebene geht es ums Gefühl, das Gefühl der Sicherheit:


    In die Tilgung sollte man aber nicht so viel reinstecken, dass man keinen finanziellen Bewegungsraum hat. Je nach Quelle werden z.B. 3 Monats-Netto-Einkommen als liquide Reserve gesehen. ich würde dann weitere 3-Monats-Netto als gestaffeltes Festgeld anlegen.
    Den Rest könntet Ihr in die Tilgung stecken.Im Notfall - aber nur dann - kann man mit etwas Vorlaufzeit auch über das Baudarlehen zu neuem Geld kommen. Das aber nur im Notfall, nicht zu Konsumzwecken.


    Damit habt Ihr dreifache Sicherheit: kurzfristige Liquidität. das Haus zahlt sich schneller ab (sofern Annuitätendarlehen) und im Notfall über das teilgetilgte Haus eine weitere Kreditmöglichkeit.

  • Kuck mal oben in Konversationen, einmal als Excel und einmal als PDF


    Kurzfassung
    Bei einer Annahme 50% Festgeld zu 1,5 % und 50% Risikoanlage bei 6% ist die Rückzahlung immer noch günstiger (ist klar Mischzins der Anlage 3,75%, des Darlehens 3,9%)
    Bei normaler Tilgung beträgt die Restschuld nach 15 Jahren rund 80.000 Euro, mit Sondertilgung samt optimierter Anlage 31.000 Euro. Es lebe der Zinseszins.
    Durch eine gestaffelte Festgeldanlage ist noch eine 7.Sondertilgung aus den Zinserträgen i.H.v. 2.000 Euro möglich, welche sich auf die Restschuld dank Zinseszins mit 2.700 Euro auswirkt
    Bei der gestaffelten Festgeldanlage sind die auf Finanztip empfohlenen Anbieter berücksichtigt, hier speziell Credit Agricole,. Die gestaffelte Festgeldanlage besteht aus insgesamt sieben Festgeldern mit Laufzeiten von 1 bis 7 Jahren. Die Anlagebeträge sind so optimiert, dass der Rückzahlungsbetrag des im jeweiligen Jahr fälligen Sparbriefs zusammen mit den Zinsen der noch laufenden Sparbriefe ca, 5.000 Euro ergibt. Bei den Zinserträgen von knapp 500 Euro ist unterstellt, dass keine Steuer bezahlt werden muss, also der Freibetrag nicht ausgenutzt ist.


    Liebe Community, wer die Rechnung gegenchecken möchte bitte Bescheid sagen.

  • Jein. Es kommen ja jährlich 5000 Euro zurück. Dann könnte man im Notfall ein Jahr nicht sondertilgen. Alternativ gibt es bei NIBC ein Kombi-Geld, bei dem man 50% jederzeit verfügen kann, das allerdings geringere Zinsen bietet. https://www.nibcdirect.de/sparen-anlegen/kombigeld/
    Eine Heizungsreparatur bekommt man auch über einen Modernisierungskredit geregelt. Gibt es bei meiner PSD Karlsruhe derzeit für 1,1 % 3 Jahre fest. Da wären die Zinsen des Festgelds höher als des Darlehens.
    Weitere Option: Die 30.000 splitten und z.B. 20.000 nach dem gestatffelten Verfahren zur Tilgung einsetzen und die 10.000 als Cash-Reserve wie ganz oben in meinem ersten Post beschrieben halten. Hab die Alternative als xls noch mal in die Konversation gehängt.
    Grundsätzlich muss man sich eben im Klaren sein dass Liquidität kostet, entweder durch Verzicht auf höhere Zinsen bzw, durch Zinsen auf nicht getilgtes Darlehen.


    Ohne jetzt beckmesserisch zu sein: Es war nach dem Einsatz der Erbschaft gefragt. Selbstverständlich sollte man überhaupt und als Hausbesitzer sowieso eine liquide Rücklage haben.

  • Hallo @MrSpeedy


    @Kater.Ka hat ja schon gut weitergeholfen. Meine Meinung zu dem Thema: Hör auf Deine Frau. ;) Tilgung geht immer vor.


    Die Rechnung, die @Kater.Ka aufgemacht hat,


    Zitat

    In der ersten Ebene ist das ein Rechenexempel. Wenn Ihr z.B. 0,5% auf Tagesgeld und 6% auf die "Geldanlage" bekommt, kommen weniger als 4% in Summe, wovon dann noch mindestens 26,4 % Kapitalertragssteuer weggeht, netto also rund 3% überbleibt. Sofern das Darlehen teurer ist wäre es günstiger am Darlehen zu tilgen


    ist sachlich richtig, allerdings sind die 6% auf die Geldanlage natürlich unsicher. Kann halt auch mal -10% sein. Die 3,9% Zinsen, die ihr auf jeden getilgten Euro spart, sind 100% sicher.


    Ich würde daher so vorgehen:


    1. Liquiditätsreserve falls nötig auffüllen
    2. So viel wie möglich sondertilgen
    3. Wenn dann noch was vom Geld übrig ist, das 1 Jahr als Festgeld anlegen, um es wenn es frei wird wieder als Sondertilgung nutzen zu können.
    4. usw...


    Sollte nach Schritt 1 und 2 noch so viel Geld übrig sein, dass Du da die Sondertilgung der nächsten 4 Jahre auch noch von zahlen kannst, dann ist Dir Deine Frau auch sicherlich nicht böse, wenn Du den Betrag für Jahr 4 oder 5 ein bissel offensiver anlegst. Nur so fürs gute Gefühl ;-)


    Viele Grüße,
    Elias