Finanzpolster für Notfälle

  • Ich habe mir gerade mal eure Beiträge durchgelesen und möchte euch meine Erfahrung mit meinem doch jungen Alter (23) schildern. Ich habe mit 22 Angefangen in einem ETF zu investieren und mich danach mit Einzelaktien befasst, da mir die recherche über Firmen und deren Kennzahlen irgendwie spaß macht. Davor habe ich mir ein Finanzpolster von 3-4 Netto Monatsgehältern aufgebaut.


    Wenn ich mein Freunde frage und versuche ihnen aktien bzw. Börse etwas näher zu bringen, kommt immer die Antwort: Wir leben im hier und jetzt und wollen jetzt unser Geld ausgeben. Da kann man dann als einzelne Person auch nichts mehr zu sagen. Außerdem kaufen sie sich extrem teure Markenklamotten (1 Tshirt 300€) welche zum teil extra aus Amerika importiert werden :huh: Ich glaube nicht, dass sie etwas gespart haben ...

  • Ich finde es problematisch, in Extreme zu verfallen. Du bist jung, sprichst vermutlich von Freunden in deinem Alter. Da ist ein Shirt für 300 Euro schon extrem, selbst wenn man nicht auf Pump lebt. Andererseits gibt es im Netz so viele Blogs wo Leute voller Stolz berichten, wie sie 70% ihres Einkommens sparen und dass es doch voll ok ist, mit Ende 20 auf 12 Quadratmetern und einer alten Matzratze zu leben. Das ist dann auch wiederum extrem.


    Vermutlich muss jeder hier seinen eigenen Weg finden. Ich bin ein Fan des "Gesamtpakets", wenn das für mich stimmt ist alles ok, eine Optimierung in allen Aspekten ist ohnehin unmöglich ("reich werden durch Champagner trinken").

  • Oder ist das strategisches Investment? Bei bestimmten Lego-Sätzen kann man ja auch beachtliche Preissteigerungen beobachten. ;)


    Zwischendurch gebe ich auch einmal mehr Geld für Kleidung aus, aber dann ist das Trigema und durch die Qualität gerechtfertigt. Da kann Primark nicht mithalten. Aber auf Pump wird das nicht finanziert.

  • Derjenige der ein neues Shirt vorzeigen kann, kann garnicht anders, als auf den Preis hinzuweisen.
    Wir gehen regelmäßig auf den Trödelmarkt. Unsere Enkelinnen waren anfangs skeptisch, als wir da was für sie mitgebracht haben. Zwischenzeitlich warten sie schon darauf, was Oma und Opa diesesmal mitgebracht haben.
    Und sie brauchen auch nicht auf den Preis hinweisen.
    Gruß


    Altsachse

  • Markenbekleidung, Markenkonsumgüter im Allgemeinen sind sicher ein Thema bei dem sich die Geister scheiden. Manche bestehen darauf, andere finden es überflüssig.


    Ich nutze Marken zur Vereinfachung meiner Kaufentscheidung. Es gibt 1000 Lederschuhmarken für Männer, aber mit Lloyd habe ich immer gute Erfahrungen gemacht. Das Prinzip funktioniert in vielen Bereichen. Aber ich versuche Sonderangebote zu nutzen. Denn ein Lloyd Schuh für 100 Euro im Angebot ist genau so gut wie für den Originalpreis. Auch das lässt sich auf viele Güter übertragen. Olymp Hemden sehen für 30 Euro genau so gut aus wie für 50 Euro. Man muss allerdings Zeit aufwenden, Angebote zu finden. Ich habe diese Zeit bzw habe Spaß daran sie einzusetzen. Es ist fast schon ein Zusatznutzen, wenn der Hersteller im Netz eine illusorische UVP aufruft und ich das Teil zu einem für mich passenden Preis "geschossen" habe.

  • Ich finde es problematisch, in Extreme zu verfallen. Du bist jung, sprichst vermutlich von Freunden in deinem Alter. Da ist ein Shirt für 300 Euro schon extrem, selbst wenn man nicht auf Pump lebt. Andererseits gibt es im Netz so viele Blogs wo Leute voller Stolz berichten, wie sie 70% ihres Einkommens sparen und dass es doch voll ok ist, mit Ende 20 auf 12 Quadratmetern und einer alten Matzratze zu leben. Das ist dann auch wiederum extrem.

    Ich halte auch nichts von dem "berserker" Sparen und sich dafür nichts kaufen zu können. Aber ich bin ein sparsamer Mensch und mache mir ernsthaft Gedanken um die Altersvorsorge. Meine Freunde machen das halt nicht. Da ist das 300€ T-Shirt wichtiger, als wenigstens mal 100€ pro Monat auf die Seite zu legen X/
    Ich kaufe mir auch mal eine Jacke für 200€-300€ wenn es sein muss wie z.B. im Winter. Da möchte ich dann auch ein wenig Quallität haben und sie soll nicht schon nach dem ersten tragen ausfransen :D


    Mich würde es jedenfalls total freuen, wenn ich ein paar Fixkosten z.B. mit Dividenden bezahlen kann. Da kann man einfach viel entspannter in die Zukunft starten.

  • Zu den Genossenschaftsanteilen gibt es schon einen Thread hier in der Gesprächsecke.


    Und um es vorweg zu nehmen, der Schein kostet 32,80€ für 8 Wochen. Es summiert sich also auf schlappe 210€ im Jahr. Also häufe ich da keine Unsummen an.


    Es geht los mit meiner Dorfbank. Da liegen seit Urzeiten 3000€, die sich mit 5% verzinsen. Damit sind 150€ abgedeckt.


    Bei der Sparda Hannover liegen knapp 600€, da kommen aktuell 3% rüber. Es gab aber schon einmal mehr.


    Bei der Coop (Kiel) gab es zuletzt 2,25% und etwas Rabatt beim Einkaufen (wenn ich mal wieder im Geschäftsbereich bin).


    Außerdem gewinnen wir zwischendurch auch einmal 5€ (wenn Fortuna einen guten Tag hat).


    Also ist der Nervenkitzel solide durchfinanziert und ich muss meinen Notgroschen (pfandpflichtes Leergut) nicht angreifen. :thumbsup:

  • Das ist ein riesen Thema für uns. Gerade bei jungen Kunden empfehlen wir nach der Haftpflichtversicherung erstmal 3-6 Monatsgehälter auf die Seite zu packen, damit die Waschmaschine nicht finanziert werden muss. Auch halte ich es für besser, Versicherungen wie Zahnzusatz oder oft auch das Krankentagegeld nicht abzuschließen, sondern über ein eigenes Polster zu stemmen, da ich bei Versicherungen immer Verwaltungskosten zahle.
    Ich hab mich kürzlich mit einem Gerichtsvollzieher unterhalten. Der meinte, am Anfang einer Pfändung steht immer eine 24-Monate-0%-Finanzierung von nem Fernseher oder sowas...

  • Ich denke echt "andere Länder- andere Sitten". Deutsche sind denke ich etwas sicherheitsbedachter als Amerikaner. Das wird uns schon politisch so eingetrichtert, z.B. sind auch unsere Versicherungssysteme, v.a. die Krankenversicherung den amerikanischen weit voraus, wenn man betrachtet, wie gut wir dadurch gegen Notfälle gewappnet sind.
    Sehr viele Deutsche werden irgendwo Rücklagen haben, ich kenne viele in meinem Umfeld, wo 3 Monatsgehälter auf einem Sparkonto liegen, das mögen Summen irgendwo zwischen 4.000 und 15.000 € sein. Ich sehe auch immer zu, dass mind. 2 Monatsgehälter übrig bleiben, andere legen die Grenze bei 1 Monatsgehalt aber fast jeder hierzulande dürfte so eine Grenze haben.
    Dann stellt sich noch die Frage, was "schnell verfügbar" heißt, schließlich kann man ja auch mal einen Dispo bemühen, der sich auf jedem meiner Konten auf gut 1.500 € ausreizen ließe, ich bin sicher es gibt viele hier mit noch höheren Rahmen.

  • Tja, der Dispo wäre eine Möglichkeit schnell Geld verfügbar zu haben, nicht die günstigste Variante, aber regelmäßig denkbar.


    Problematisch wird es aber dann, wenn man mentalitätskonform den Dispo als Notgroschen nutzt, aber 3-4 Monate später erneut ein "Jahrhundertereignis" eintritt.


    Wahrscheinlich wäre es besser, sich im Vorfeld solange zu beschränken, bis ein entsprechendes Polster vorhanden ist.


    Auf Kante genäht macht vielleicht kurzfristig mehr Spaß, aber das Risiko sollte man schon im Blick haben.


    Andererseits muss der durchschnittliche Einwohner von Helgoland mangels Auto keinen Puffer für Autoreparaturen vorhalten. Da könnte man anders kalkulieren.


    Muss aber aufgrund der Lebenshaltungskosten wohl auch anders kalkulieren.

  • Ich glaube es ist schwer für ein Finanztip Community Mitglied wie mich sich vorzustellen, wie ich weite Strecken auf Pump lebe und es letztlich überreize und in die Schuldenfalle gerate.


    Aktuell gibt es eine große Diskussion bezüglich Erhöhung der Kiga Gebühren an meinem Wohnort. Diese wurden für den 30 Std Platz von 140 auf 160 Euro erhöht und sollen nun erneut erhöht werden. Und es gibt Seitenweise Threads auf Facebook mit Beschwerden über die raffgierige Kommune. Obwohl Hartz4 Empfänger nichts zahlen und Geschwister Rabatt bekommen. Für mich ist das schwer nachvollziehbar.


    Aber wenn es um Geld geht gibt es offenbar gänzlich gegensätzliche Ansätze. Und es ist schwer sich in andere Lebenswirklichkeiten hinein zu versetzen. Sowohl wenn der andere auf Pump lebt, als auch wenn jemand viel Geld hat und jede Menge "Blödsinn" mit seinem Geld macht, weil er/sie es einfach kann.