Rentenversicherung beurteilen - Ratgeber gewünscht

  • @Vorsorgemanagement
    Über mein Zeitinvestment habe ich mir keine Gedanken gemacht. Ich betrachte das ganze auch eher als mein Hobby und weniger als Arbeit, insofern suche ich eher danach, maximal mögliche Zeit zu investieren als Effizienzen durch weniger Engagement und Verlagerung von Prozessen an Berater zu erreichen.


    Als ich am Ende meines Studiums war, hatte ich mich von MLP beraten lassen wie oben geschrieben. Der Berater hatte als eines seiner Argumente angeführt, ich könne viel Zeit sparen, in dem ich ihm die Vorauswahl der Produkte überlasse und mir nur die maßgeschneiderte Vorauswahl ansehe. Hier zeigt sich aber nun (wie so oft bei Finanzvertrieben und anderen provisionsgetriebenen Organisationen), dass das Interesse des Beraters und mein Interesse nicht deckungsgleich sind. Ich nutze MLP immer noch, als einen Kanal um an Produkte zu kommen. Und MLP hat teilweise gute Produkte, die ich auch weiterhin abschließen würde. Aber um letztlich das für mich optimale Produkt auszuwählen, fahre ich am besten, wenn ich ein Maximum an Informationen vereinnahme, etwa durch finanztip.


    Eine denkbare Variante wäre für mich, einen Honorarberater zu engagieren. Hier dürften meine und seine Interessen näher bei einander liegen, als im Provisionsfall. Dazu braucht es aber eine satte Schwungmasse, damit sich das lohnt. Für eine Haftpflichtversicherung (50-100 Eur p.a. Beitrag), einen Stromanbieterwechsel (Einsparung zuletzt 300 Euro p.a.) und solches "Kleinvieh" ist es völlig unwirtschaftlich, sich für 150 Euro + Mwst pro Stunde zum Honorarberater zu begeben. Dazu braucht es hoch"wertige" Versicherungen wie PKV oder LV sowie satte Investionen. Die Themen, die mich aktuell umtreiben, mache ich lieber selbst.

  • Exkurs (Relevanz zum Ausgangspost gering):


    Hallo @chris2702


    wenn - so wie hier - der äußerst seltene Fall eintritt, dass jemand das Thema Versicherungen und Finanzen als eigenes Hobby begreift und bereit ist (z.B. 100h/Jahr, knapp 2h pro Woche oder 16,5 Min/Tag) Zeit zu investieren und dazu am besten noch über einen entsprechenden Ausbildungshintergrund verfügt, ist das wunderbar.
    Nicht ganz nachvollziehen kann ich das Festhalten an MLP. Die Produkte kann doch jeder x-beliebige Versicherungsmakler vermitteln. Dafür braucht es MLP nicht.


    Worauf ich eigentlich hinaus wollte - ja, ich weiß führt hier wahrscheinlich zu weit - ist, wie wir dazu kommen eine ausreichend hohe Anzahl Menschen, die bei weitgehendem Gleichklang der Interessen Ihren Kunden passende Versicherungs- und Finanzlösungen vermitteln. Ich gehe davon aus, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung Versicherungen und Finanzen auch in Zukunft nicht als Hobby wünscht.


    Es gibt, trotz rapide sinkender Zahlen eher noch zu viele Vermittler als zu wenige. Dennoch gibt es aber viel zu wenige, die tatsächlich im Interesse Ihrer Kunden Konzepte und Lösungen erarbeiten. Honorarberatung ist schön und gut, aber längst keine Garantie. Ein Versicherungsberater der gegen Honorar berät, kann morgen Versicherungsvertreter bei ERGO sein oder Versicherungsmakler bei MLP.


    Ein wichtiger Faktor scheint mir die Ausbildung zu sein. Wenn sich ein Interessent für eine Versicherung entsprechend vorinformiert mit den bekannten Mitteln im Netz, weiß er/sie nicht selten schon mehr als der Versicherungsvermittler. Das ist ein absoluter Witz und das Menschen dann sagen, "wozu brauchen wir die?", absolut nachvollziehbar.
    Ein Schritt wäre also die Mindestausbildungsvoraussetzungen zu erhöhen. Diese gibt es erstmals seit 2007 - sie wurden jedoch seither nicht angerührt.



    Herzliche Grüße,
    Michael

  • Hallo @Vorsorgemanagement,
    kostenfrei, weil ich einen Fondsvermittler nutze, der übernimmt für mich das Depotentgeld.Somit 0-Tarif.
    Fast, weil ich die Zeitschrift Finanztest lese, und weil ich bei ETFs ein kleines Transaktionsentgeld zahle.
    Den Zeitaufwand berechne ich nicht, weil es mir Freude macht.
    Diese, meine Geldanlage, zu finden, war ein langjähriger Lernprozeß. Berater schneiden in meinen Lernprozeß nicht gut ab.
    Gruß


    Altsachse

  • Mein Festhalten an MLP hat einfache und vielleicht teilweise auch irrationale Gründe.
    1. Der Berater ist nett. Ein Schwätzchen im Jahr macht immer Freude, manchmal hat er was zu berichten, wir lachen jedesmal, also warum nicht.
    2. MLP ist für mich einfach erreichbar. Und ich glaube, die Auswahl dort ist immer noch breiter als wenn ich zum Berater der Versicherung xy gehe, denn die bietet mir keine Produkte von az sondern eben nur von xy. Ich müsste auch erst eine Alternative suchen, brauche aber kaum was. Also ist eine schnelle Mail zum alten Bekannten das einfachste, zumal ich auch noch diverse andere Kanäle inzwischen habe, da führt der Weg zu MLP nur zu mehr Wettbewerb in meiner Auswahl.
    3. Der Berater berät mich auch in Dingen, die ihm unter Garantie keinen Umsatz bringen. Ich stand vor einigen Jahren vor der Wahl PKV vs. GKV. Ich war an eine Versicherung wegen Anwartschaft und Vorerkrankung gebunden, das Thema war wegen Familiensituation mit verbeamteter Frau ziemlich komplex, er hat immer wieder sein Backoffice bemüht und unzählige Rechtslagen erklärt, obwohl völlig klar war, dass er Null Chance auf Provision hatte. Die Infos hätte ich im Leben nicht so leicht bekommen. Klar, er macht das in der Hoffnung beim nächsten Mal einen Stich zu landen und an mir zu verdienen. Hat er seitdem nicht. Somit handeln wir gewissermaßen beide opportunistisch.


    Ob es wirklich an der Ausbildung mangelt, bezweifle ich. Ich glaube, es liegt an der Incentivierung. Ein anderer Rosstäuscherjob, der des Immobilienmaklers, ist doch ganz ähnlich gelagert. Auch hier geht es einfach darum, einen Abschluss zu machen, egal auf wessen Kosten, Hauptsache schnell. Ausbildung braucht ein Immomakler nicht wirklich. Vielleicht zum Geld zählen, sofern das in der Schule zu kurz kam. So ist das bei den Provisionsvertrieben auch, Finanzprodukte verticken, so viele und so schnell wie möglich. Ich glaube, ob ein MLP Berater in einer Landsparkasse ausgebildet wurde, oder in Harvard promoviert hat, führt letztlich nicht zu kundenorientierterem Verhalten.


    Die Incentivierung ist das Problem. Das System incentiviert zu Eigennutz, nicht zu Kundenorientierung. Wobei die meisten Kunden kein Interesse haben, ihren Berater zu incentivieren. Die wollen einfach eine kostenlose Beratung und unterschreiben, was man ihnen vorlegt. Insofern mache ich den Beratern keinen Vorwurf, dass sie ihren Lebensunterhalt mit diesem System verdienen. Im Interesse des Kunden ist es aber oft genug nicht.

  • @chris2702
    Die Wikipedia sagt:
    "Der Begriff Rosstäuscher (oder Rosstäuscherei) stammt aus dem Handel mit Pferden. Er bezeichnete zunächst nur einen Pferdehändler, der die Tiere gegen Geld oder gegen andere Ware eintauscht, später vor allem ein betrügerisches Verhalten eines Händlers, der Kunden mit verschiedenen Tricks über Gesundheitszustand, Alter und Wert des Pferdes täuscht."


    Vermutlich werden wir hierzu keine Entschuldigung lesen. Gleichwohl weise ich auf den Ausfall hin. Im Grunde wird dem MLP-Mann damit ebenso betrügerisches Verhalten zugeordnet obwohl er sich doch offenbar mehrfach menschlich und korrekt gezeigt hat. Der MLP-Mann könnte sogar als Begründung dafür herhalten, dass das bestehende System ganz super ist, denn kostenfrei wäre man wohl kaum rangekommen an die wichtigen Informationen.


    Ich habe keinen Einblick in die Immoblienmaklerei und äußere mich daher nicht zu einer mir eher fremden Branche - schon gar nicht in Form von Pauschalurteilen über zehntausende Menschen. Zudem maße ich es mir nicht an zu behaupten der Ausbildungsstand in dieser Branche sei gut oder schlecht ohne mehrjährige tiefgehende persönliche Erfahrung. Komplett abwägig wäre es zu behaupten, es gäbe dort nur Geldgeier.


    Bei Versicherungen weiß ich sehr wohl, dass die Kenntnisse über die Materie einen direkten Zusammenhang haben zur dem Kunden gelieferten Qualität. Ein sehr gut ausgebildeter Versicherungsmakler wird seinen Kunden im Durchschnitt eine bessere Hilfe sein als ein schlecht ausgebildeter Versicherungsmakler. Es geht bei weitem nicht alles über die Vergütung. Wenn ich ein unfähiger KfZ-Mechaniker wäre, könnte ich das Auto des Kunden nicht wieder in einen guten Zustand versetzen - ganz egal wie wenig oder viel ich dafür bekommen. Insofern ist die Ausbildung eine enorm wichtige Grundlage - in fast jeder Branche, erst Rechte in Versicherungen.


    Ich stelle in meiner eigenen Arbeit täglich fest, dass Menschen falsch versichert sind und sich anschließend zu ähnlichen Preisen besser versichern können oder gerne bereit sind mehr zu bezahlen, weil sie bestimmte Deckungseinschlüsse definitiv wünschen, aber bisher gar nicht wussten was das überhaupt bedeutet.


    Zwei Beispiele:
    1. Gestern und heute gab es (teilweise überraschend) mächtige Überschwemmungen. Was glaubt die geneigte Leserschaft wie viele Hausbesitzer Ihr Haus gegen die wichtigen Elementarschäden versichert haben? Zu wenige.
    Wer hat seinen Hausrat gegen Elementarschäden versichert? Nicht mehr als 2 von 10. Und hinterher ist es wieder die böse Versicherung gewesen, die nicht zahlt. ;)


    2. Was ist schief gelaufen, wenn ein Versicherungsmakler seine Kunden nicht über Lücken z.B. in der Privathaftpflicht - einer der einfachsten Versicherungen - wie grobe Fahrlässigkeit informiert? Das hat mit der Vergütung nichts zu tun, sondern mit mangelnden Kenntnissen. Der Kunde zahlt für mehr Leistung einen höheren Preis und weiß hoffentlich warum. Der Versicherungsmakler bekommt auf Grund des höheren Beitrage und dem gleichem %-ualen Courtagesatz eine höhere Gesamtcourtage. An der Stelle funktioniert das System gut.


    Die Incentivierung wie Du so schön schreibst, man könnte es auch erfolgsabhängige Vergütung nennen, hat natürlich den Vorteil, dass nichts gezahlt werden muss, wenn ein Vertrag nicht unterschrieben und/oder nicht erfüllt wird. Bei reiner Honorarberatung ist die Vergütung jedoch immer fällig wird.
    Das Allheilmittel Honorarberatung zündet leider nicht wie politisch gewollt, weil es (derzeit) von großen Teilen der Bevölkerung abgelehnt wird/werden würde. Zudem kann der Berater auch dort seinen Eigenutz in den Vordergrung stellen und sein Honorar maximieren. Täuschen und dafür kassieren kann ein Honorarberater letztlich genauso gut. Erschwerend hinzu kommt, dass der Kunde am Ende die in den Beitrag schon eingerechnete Provision/Courtage meist trotzdem bezahlen muss.
    Dass ein Honorar nur dann wirklich akzeptiert wird, wenn eine umfangreiche Ausbildung vorliegt, zeigen uns die Beispiele Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten, Steuerberater, etc. sehr deutlich. Wer also Honorarberatung will, muss an der Schraube drehen und zwar ganz gewaltig.


    Schöne Grüße aus Freiburg,
    Michael

  • Wenn mir jemand ein Produkt verkauft, bei dem sich später herausstellt, dass es in keinster Weise meinen Interessen entspricht, und ich weiß, dass dieser jemand daran tausende Euro verdient hat, so ist er für mich ein Rosstäuscher. Egal, ob er Schönheitschirurg ist und mir den Körper mit Industriesilikon aufspritzt, ein Auto mit Motorschaden zum Pimpen in den Schönheitssalon fährt oder mir eine Versicherung verkauft, bei der alle Risiken auf meiner Seite liegen, so lange ich nicht >90 Jahre alt werde.


    Sollte Ihnen "legaler Betrug" besser gefällt, der ist in letzter Zeit im Zusammenhang mit Finanzgeschäften in Übersee auch häufiger gefallen.

  • Mir war nicht bewusst, dass Sie sich ausschließlich auf Produkte beziehen, in die eine hohe Einmalvergütung eingerechnet wird. Bei weitem nicht immer sind hohe Einmalvergütungen ungerechtfertigt. Wenn es aber um eine Rürup-Rente mit relativ geringem Beratungsumfang und recht hohen Beitrag sowie gleichzeitig langer Laufzeit geht, stimme ich Ihnen zu. Das ist aber nachweislich selten, wird und wurde bereits eingedämmt. Es ist davon auszugehen, dass es dies in absehbarer Zeit ohnehin nicht mehr gibt. Zu Recht!


    Der Prozentanteil der in Deutschland geschlossenen Versicherungsverträge mit mehreren tausend Euro Einmalvergütung liegt deutlich unter 5%. Die Haftungszeiten für Vermittler liegen bei 5 bis 10 Jahren. So passiert es, dass bei einem nach 5 Jahren gekündigten Vertrag 50% der Vergütung zurückgezahlt werden müssen. Verträge, die sehr früh gekündigt oder widerrufen werden (sogenannte Frühstorno), sind oft 100%-Storno, sprich 0 Euro Einnahme.


    Über 50% der in Deutschland geschlossenen Versicherungsverträge führen beim Vermittler zu einer Vergütung von unter 80 Euro - bei teilweise mehrstündiger Beratung. Von der Vergütung werden übrigens Bürokosten, Angestellte und Steuern bezahlt bevor der Vermittler davon etwas hat. Ohne Vermittlung stehen nach wie vor 0 Euro Vergütung, aber nennenswerte Kosten (also ein Minus) zu Buche.


    So werden aus Skandalen Skandälchen.


    Ihr achso wissender Kommentar "legaler Betrug" ist also weitgehend zurückzuweisen, weil nachweislich Käse. Das ist jedoch nur Zeugnis einer Zeit, in der Dinge immer stärker skandalisiert werden, wobei es den Autoren zumeist an fundierten Kenntnissen mangelt, aber ein paar YouTube-Videos ausreichend sind für die Stärkung eigene Dogmen.


    Ich für meinen Teil informiere Interessenten und Kunden über die Vergütung. Ersatzweise zur Courtage biete ich an mich direkt zu bezahlen und auf courtagefreie Tarife zurückzugreifen. Ebenso biete ich an - wie ohnenhin in den meisten Versicherungssparten üblich - eine ratierliche Courtage zu nutzen.


    Schöne Grüße aus Freiburg,
    Michael



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    Michael Schreiber
    Versicherungsmakler und Finanzanlagenfachmann in Freiburg

  • Übrigens, ich frage meinen Berater auch danach, welche Fachzeitschrift er liest. Bisher war das Ergebnis immer negativ.
    Es gibt zwar heute auch andere Möglichkeiten sich zu informieren, aber bei einen positiven Ergebnis hätte sich bei mir ein anderes Vertrauensverhältnis aufgebaut.
    Gruß


    Altsachse

  • ich frage meinen Berater auch danach, welche Fachzeitschrift er liest. Bisher war das Ergebnis immer negativ.

    @Altsachse
    Wie kann Ihr Ergebnis immer negativ sein, wenn Sie gar keinen Berater haben, weil Sie doch seit langem ausschließlich in Fonds investieren und dafür einen Fondsvermittler nutzen (mit entsprechender Kostenreduktion, aber gewiss auch ohne Beratung)?
    Und was heißt negativ? Ist es negativ, wenn jemand andere Lektüre nutzt als man selbst?

  • Hallo Michael,
    auch wenn ich derzeit einen Fondsvermittler nutze, schließt das doch nicht aus, dass ich mich bei einen Berater informiere. Negativ war bei mir, dass mein Berater keine Fachzeitschrift liest. In meinen langjährigen Lernprozeß habe ich früher auch die Dienste von Beratern genutzt.
    Es ist richtig, dass ich derzeit auf Beratung verzichte, und ich bin glücklich damit.
    Damit möchte ich keineswegs die Notwenigkeit von Beratern anzweifeln. Wer Beratung möchte, soll die Dienste gerne in Anspruch nehmen können. Ich brauche die Dienste nicht, auch wenn ich mal einen Fehler mache. Dann ist das aber mein Fehler.
    Gruß


    Altsachse