"Pantoffel-Sparpläne" von Finanztest: Was haltet ihr davon?

  • Finanztest stellt einen zweigleisigen ETF-Sparplan vor, 100 Euro im Monat für einen ETF mit Aktien und 100 Euro für Renten-ETF, das dann in drei Varianten mit Umschichtung, Sparrate umlenken und "nichts tun", und jeweils für unterschiedliche Gewichtung von Aktien und Renten-ETF im Paket (also statt 100/100€ 50/150 oder umgekehrt).


    https://www.test.de/ETF-Sparpl…rmoegen-machen-5015866-0/


    Durchgerechnet ist das Ganze nur für einen Zeitraum: 15 Jahre 2001 bis 2016.


    Als ETFs werden die empfohlen, die hier auch empfohlen werden, weil kaum, keine Kosten MSCI Comstage u.a.


    Gibts dazu Meinungen dazu, Kritik? Würde mich interessieren.

  • Okay, wenn ich das hier bei Finanztip lese, scheint mir der Finanztest-Vorschlag ehrlich gesagt ziemlich ärgerlich:


    "Rentenfonds eignen sich normalerweise als Grundbaustein für gemischte Anlageportfolios. Wegen der extrem niedrigen Zinsen erscheint ein Einstieg derzeit aber nicht attraktiv.
    [*]Außerdem müssen Anleger mit Verlusten rechnen, falls die Zinsen wieder steigen.
    [*]Im Moment sind die Renditeaussichten von Rentenfonds eher schlechter als die von Festgeld"

  • Finanztest schreibt:


    "Fast sechs Prozent Rendite – und das seit 15 Jahren
    In den vergangenen 15 Jahren hat der ausgewogene Pantoffel-Sparplan eine Rendite von 5,9 Prozent pro Jahr erzielt.
    "



    Das ist ehrlich gesagt Käse und genau die Verkaufsstrategie für jede Menge Fonds, die neu an den Start gehen. Das ganze nennt sich Backtest. Ich schaue also wie sich eine bestimmte Strategie ausgewirkt hätte, wenn ich Sie schon über so und so lange Zeit genutzt hätte.
    Dabei verschweigt Finanztest, dass es die vorgeschlagenen ETF vor 15 Jahren, auch vor 10 Jahren, überhaupt noch nicht gab. Nun könnte man ja schreiben, "na und, was interessiert's mich, wenn es sie gegeben hätte...blabla." Es hat sie nicht gegeben und sie haben demnach bisher auch nichts bewiesen.


    Ich kann mich nicht erinnern, dass Finanztest vor 10 oder 15 Jahren nennenswert Anlageempfehlungen ausgesprochen hat, die sich überdurchschnittlich ausgezahlt haben. Nun gut, ich kann mich gut erinnern an die Empfehlung zum Riester Fondssparplan von Union Investment, der blind in die Cash-Lock-Falle rannte, mehrmals.



    Grundsätzlich bin ich überhaupt nicht gegen ETF. Da gibt es gute Fonds. Es ist aber schon länger erkennbar, dass sich hier nicht nur Perlen tummeln.



    Zu den Rentenfonds:
    Das sind zum überwiegenden Teil Investments in Staatsschulden. Bei einem Anlagehorizont von über 10 Jahren würde ich das definitiv sein lassen. Dennoch ist es zu akzeptieren, dass große Teile der Bevölkerung diese (vermeintliche) Sicherheit wünschen.



    Schaue ich mir den durchschnittlichen Anleger in Deutschland an, so habe ich Sorge, dass viele Ihren Pantoffel schleunigst ausziehen, wenn es in ein paar Jahren mal abwärts geht. Bei Aktienfonds ist es immerhin nicht unmöglich, dass wir hier massiv dazu gelernt haben und gerade dann weitersparen, wenn die Preise (=Kurse) niedrig sind. Sollte es aber am Anleihemarkt (--> Rentenfonds) nach unten gehen, so wird es massiv, denn wenn der Pantoffel genau an der Stelle drückt an der er Halt geben sollte, werden große Zweifel aufkommen.
    Die Geschichte zeigt, der deutsche Privat-Anleger geht raus dem Markt nachdem(!) es abwärts gegangen ist. Das ist mein ganz persönlicher Backtest zum Anlageverhalten in Deutschland. ;)



    Damit das hier niemand in den falschen Hals bekommt, ich bin seit 2008 treuer Abonennt der Finanztest. Sicher nicht ohne Grund. Dennoch gilt: nie, nie, nie irgendwo blind folgen!



    Schöne Grüße,
    Michael



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    Michael Schreiber
    Versicherungsmakler und
    Finanzanlagenfachmann
    in Freiburg im Breisgau


  • Backtest. Ich schaue also wie sich eine bestimmte Strategie ausgewirkt hätte, wenn ich Sie schon über so und so lange Zeit genutzt hätte.
    Dabei verschweigt Finanztest, dass es die vorgeschlagenen ETF vor 15 Jahren, auch vor 10 Jahren, überhaupt noch nicht gab.

    solche Backtest sind in der Tat höchst fragwürdig - wenn sie sich allerdings auf einen reinen Index beziehen, den es schon lange gibt und ein ETF jetzt diesen Index nachbildet, erscheint mir diese Vorgehensweise grundsätzlich vertretbar. Vor dem Hintergrund einer aktuellen Nullzins-Lage ist mir allerdings völlig unklar, woher die vergleichbaren Erträge aus den Renten-ETF in den nächsten 15 Jahren kommen sollen.



    Sollte es aber am Anleihemarkt (--> Rentenfonds) nach unten gehen, so wird es massiv, denn wenn der Pantoffel genau an der Stelle drückt an der er Halt geben sollte, werden große Zweifel aufkommen.
    Die Geschichte zeigt, der deutsche Privat-Anleger geht raus dem Markt nachdem(!) es abwärts gegangen ist.

    Diesen Herdentrieb sehe ich genauso - fürchte aber, dass er nach wie vor auch am Aktienmarkt existiert. Wenn die Zinsen tatsächlich markant steigen, wird das nicht nur am Rentenmarkt, sondern auch am Aktienmarkt Spuren hinterlassen. So wie in den letzten Jahren - nicht nur, aber doch stark begünstigt - durch die massiven Zinssenkungen sowohl Renten- als auch Aktienmärkte gestiegen sind (hohe Korrelation), so steht zu befürchten, dass die Abwärtsbewegung auch beide Märkte erfasst. Dann drückt der Pantoffel gleichzeitig an zwei Stellen. Und diejenigen mit wenig Erfahrung und/oder schwachen Nerven werden die Reissleine ziehen.


    Wer immer nur zyklisch agiert, zahlt einen hohen Preis. Kurz gesagt: Hin und her macht Taschen leer.