Die größten Finanzsünden?

  • In unserer Gesellschaft spricht man, wenn, dann eher über die finanziellen Erfolge (aber auch das nicht unbedingt). In den USA gibt es Veranstaltungen wie die 'Fuckup Nights', wo Startup-Unternehmer über ihr Scheitern berichten und erzählen, was sie daraus gelernt haben. Das sollten wir auch!


    Was waren Eure größten Finanzsünden? Was habt Ihr daraus gelernt?


    Ich fange an: Meine größten Finanzsünde ist der Abschluss einer betrieblichen Altersvorsorge mit 26. Das war per se keine schlechte Entscheidung, hat mir aber im Nachhinein einen extrem hohen bürokratischen Aufwand bei Jobwechseln gemacht. Außerdem wurde der monatliche Beitrag einmal trotz meines Wunsches nicht angepasst, so dass ich zwei Monate lang mehr gezahlt habe als ich eigentlich wollte. Bei der Übertragung des Vertrages von einer Versicherung zur anderen gab es zudem Probleme, so dass ich dem Geld immer noch hinterherrenne.

  • 1. Ich war mit 26 von einer Rentenversicherung überzeugt, die sich als Zitrone erwiesen hat. Schaden: 9000 Euro.


    2. Ich habe mich immer wieder von Geldanlagen überzeugen lassen, die sich als Zitronen erwiesen haben. Da ich jung war, war natürlich nicht viel Geld verloren, aber aufsummiert wäre ein kleines Cabrio drin. Wie mein Vater sagt: Wer spielt, muss verlieren können. Schlaflose Nächte bereitet es mir nicht. Von Telekom vierter Börsengang, spekulativen Anlagen und Dingen die ich eigentlich nicht verstehe, überzeugt mich so schnell keiner mehr. Und aufs Lebenseinkommen/-vermögen gerechnet ist der Schaden klein, der Lerneffekt groß.

  • Bei mir ist ähnlich wie bei @Monika Reich. Ich habe 2009 kurz vor der Bundestageswahl in RWE investiert. Prämisse damals: Wenn schon schwarz-gelb gewinnt und den Atomausstieg verzögert/rückgängig macht, dann will ich wenigstens mitverdienen. Na ja, es ist es anders gekommen.


    Und dann kam schon der zweite Fehler hinterher: Statt die Reißleine zu ziehen, habe ich die Aktie gehalten und immer noch im Depot. 80% Verlust, Schaden 2 Riesen. Verkauf ist jetzt aber auch egal...


    Was habe ich gelernt? Politische Börsen haben kurze Beine! Ich investiere nur noch in wenig regulierte Branchen/Geschäftsmodelle und richte die Kaufentscheidung nach fundamentalen Kriterien abseits von kurzfristigen Schwankungen, Börsenstimmungen, Trends und politischen Entscheidungen aus. Was zählt sind langfristig rentable Geschäftsmodelle, ordentliche Bilanzen, Profitabilität. Alle Positionen prüfe ich regelmäßig. Gibt es fundamental negative Änderungen, fliegen sie gnadenlos aus dem Depot.


    Ansonsten halte ich es wie @muc: Zwei Riesen sind gut investiertes Lerngeld verglichen mit dem Lebenseinkommen/-vermögen!

  • Tja, also direkte Finanzsünden fallen mir gerade nicht ein, außer das ich wohl Investments habe, die hier nicht als gut angesehen werden (aktiv gemanagte fonds - Aktien, Rentenfond, Mischfond; Tagesgeld) und das ich für eine Entscheidung für ein Anlage zulange brauche..

  • Meinen größten Verlust habe ich mit einer vermeintlich konservativen Anlage erzielt. Ein offener Immobilienfonds (TMW Weltfonds) hat es tatsächlich geschafft, mehr als 50 Prozent meines Kapitaleinsatzes zu vernichten. Dabei gab es in der Vergangenheit sogar offene Immobilienfonds, die als mündelsicher galten.


    Und das ärgerliche an diesem Produkt ist, dass es aufgrund von gesetzlichen Vorschriften jetzt (also seit 2009) zwangsliquidiert wird und ich nicht einmal die Verluste aussitzen und auf bessere Zeiten warten kann. Oder anders gesagt: Wenn der Fonds nicht gezwungen wäre, alle Objekte (früher oder später zu jedem Preis) zu verkaufen, wäre es wohl gar nicht zu so dramatischen Verlusten gekommen.

  • Sünde wäre mir vllt der falsche Begriff. Es ist IMHO nur dann eine Sünde, wenn man weiß, dass es falsch ist und es trotzdem macht.
    Ansonsten sollten es Erfahrungen sein, aus denen man lernt, um in Zukunft besser zu entscheiden.
    So zumindest die Idealvorstellung ;-)


    Um hier nicht das Thema des Threads zu verfehlen: :-)
    Ich würde mir evtl. den Vorwurf machen, erst spät in 2015 meine Finanzen weiter optimiert zu haben. Ich hatte zwar ein gutes Grundwissen, bin aber (gefühlt) erst relativ spät in Aktien wieder, und insbesondere in ETF neu eingestiegen.
    Und dass ich erst seit kurzem ein "Haushaltsbuch" führe. Nicht wegen finanziell angespannter Situation, sondern um eine genauere Übersicht über meine Ein- und Ausgaben zu bekommen. Das hätte ich schon viel früher machen sollen.

  • Im Jahre 2000 habe ich mit Hilfe meiner Sparkasse Geld angelegt. Einen Teil wollte ich in einen Aktienfond, und den Rest des Geldes in einen Technologiefond anlegen. Die Sparkasse hat den 1. Auftrag entgegengenommen, aber nicht ausgeführt. Mein 2. Auftrag sollte dann den Rest des Geldes in einen Technologiefond fließen. Durch den nicht ausgeführten 1. Auftrag floß dann das Geld alles in den Technologiefond. Ich habe mich zwar bei der Sparkasse beschwert, habe aber nicht konsequent genug den 1. Auftrag eingefordert. Da war das Platzen der Technologieblase noch nicht zu bemerken.
    Das Ergebnis war ein Verlußt von 80%. Das waren fast meine gesamten Ersparnisse meines gesamten Erwerbslebens.
    Das Fazit ist, die Geldanlagen selbst auszuführen, und dabei breit zu streuen. Die Verlußte haben sich nun wieder ausgeglichen.


    Altsachse

  • Als wir frisch geheiratet waren haben mit der Altersvorsorge angefangen: da wir keine Ahnung von nix hatten, haben wir uns nach einem Berater gesucht und sind bei MLP gelandet: nun haben wir eine Dschungel an Verträgen, die wir sehr teuer gekauft haben und sind noch dabei zu klären, was wir damit tun sollen.
    Mindestens das *tolle* modulare Vermögensmanagement mit 60% Risiko Orientierung haben wir abgeschafft, das über 7 Jahren satte 2% Rendite /Jahr geschafft hat... Mann, ist mir peinlich!

  • Ich denke, jeder von uns hat schon mal Federn gelassen und wenn dann auch noch ein Provisionsoptimierer die Finger im Spiel hat, wird es meist nicht besser.


    Mann, ist mir peinlich!

    Kein Grund für "peinlich". Eine kluge buddhistische Nonne hat einmal gesagt: "Erkennen, nicht tadeln, sondern ändern".


    Und: Bitte schreibe in solchen Fällen "Man" mit einem "n". :D

  • Oh, da habe ich eine ganze Reihe... wo fange ich denn an?


    1. Ich habe mir als Student von meiner Bank einen Bausparvertrag aufschwatzen lassen, der überhaupt keinen Sinn macht - weder als Anlagevehikel, noch attraktive finanzierungskonditionen. Fairerweise muss man sagen, dass ein anderer Berater der gleichen Bank ein paar Jahre später erkannt hat, dass da eine komplette Fehlberatung vorlag und dafür gesogt hat, dass ich das gesamte Geld, incl. der Abschlusskosten(!) erstattet bekommen habe.


    2. Ich hatte als Studen mal den festen Plan Solarworld Aktien zu kaufen, weil ich in der Badischen Zeitung ein Portrait über das Unternehmen gelesen habe, welches ich total überzeugend fand. Das war bevor der Kurs komplett durch die Decke ging. Stattdessen habe ich mir eine schicke Lederjacke gekauft und hatte dann keine Kohle mehr für die Aktien.


    3. Ich habe mir nicht direkt nach dem Berufsstart in München vor knapp 10 Jahren eine kleine Wohnung gekauft, obwohl das kohlemäßig locker gepasst hätte. Warum weiß ich bis heute nicht so wirklich... Die könnte ich nächstes Jahr steuerfrei mit 100% Gewinn verkaufen.


    4. Ich habe einmal 2.500€ bei Refined Investment (heute Cashboard), einem Fin-Tech Startup welches algorithmische Tradingstrategien für Privatanleger anbietet, angelegt. Ende vom Lied: 60% Verlust.

  • Vielen Dank für Eure Ehrlichkeit bisher! Das bedeutet mir viel!


    Kein Grund für "peinlich". Eine kluge buddhistische Nonne hat einmal gesagt: "Erkennen, nicht tadeln, sondern ändern".

    Genau so sollten wir handeln. Nicht beschämen oder sich beschämt fühlen, sondern die Dinge dann eben einfach angehen. Andererseits denke ich mir manchmal, dass ich gerade wegen Fehlern wesentlich besonnener bin. ?( Insbesondere, weil ich ein Schamgefühl hatte/habe. In anderen Worten: Fehler müssen manchmal gemacht werden, damit man daraus lernt. Seht Ihr das auch so? Oder anders? :?:

  • In den Finanztip-Themen denke ich "Fehler sind unvermeidlich". Viele Themen sind komplex, der eigene Informationsstand begrenzt. In den 90ern glaubte ich Ausgabeaufschläge von 5+x% bei Fonds seien normal und unvermeidlich. Heute und angesichts von Fondsvermittlern und Direktbanken, die es beide in den 90ern noch nicht gab, würde ich sowas niemals akzeptieren. In den 2000ern waren ETFs unbekannt oder noch nicht existent. Heute sind sie Mittel der Wahl für Kleinsparer.


    Ich denke, jeder Fehler birgt die Chance, nur einmal im Leben gemacht zu werden. Und ich bin froh, dass mich jeder Fehler nur maximal tausende und nicht zehntausende gekostet hat. Somit hat kein Fehler existenzgefährdende Wirkung.

  • Fehler, die man selbst zu veranworten hat, bleiben viel nachhaltiger im Gedächtnis.
    Fehlervermeidung?
    Ich lese Finanztest und Finanztip, beim Fernsehen schaue ich gern ntv.
    Berater gibt es bei mir nicht mehr. Ich finde Berater sollten nur bei positiver Rendite, und erst ab einen höheren Gewinn mit verdienen. Diese Berater sind für meine Anlagesummen leider nicht greifbar, somit bleibt für mich nur die eigene Finanzbildung.


    Altsachse


  • Berater gibt es bei mir nicht mehr. Ich finde Berater sollten nur bei positiver Rendite, und erst ab einen höheren Gewinn mit verdienen. Diese Berater sind für meine Anlagesummen leider nicht greifbar, somit bleibt für mich nur die eigene Finanzbildung.

    Tja, kann ich fast zustimmen. Ich kann mir natürlich alles alleine anlesen und beurteilen. Nur würde ich mich gerne auch mit einem Berater austauschen und überlege eine Honorarberatung zu bezahlen.

  • Für mich sind Kinder im Gegensatz zu @RaphaelP die beste Investition in die ZUkunft. Sie sind der Garant für meine Existenz. Ohne Kinder hätte ich heute keine Rentenzahlung zu erwarten.
    Ich freue mich schon auf den Schulanfang meiner Urenkelin im nächsten Monat.
    So unterschiedlich ist halt die Betrachtungsweise.


    Altsachse

  • Für mich sind Kinder im Gegensatz zu @RaphaelP die beste Investition in die ZUkunft. Sie sind der Garant für meine Existenz. Ohne Kinder hätte ich heute keine Rentenzahlung zu erwarten.
    Ich freue mich schon auf den Schulanfang meiner Urenkelin im nächsten Monat.
    So unterschiedlich ist halt die Betrachtungsweise.


    Altsachse

    Ich glaube so ganz ernst hat der @RaphaelP das nicht gemeint... ;-)