Was ist die Zulagenrendite?

  • Hallo,


    in Artikeln zu Riester (z.B. https://www.test.de/Riester-Re…-durch-Zulagen-4741711-0/) wird immer wieder von dem Begriff der Zulagenrendite gesprochen.


    Mir ist nicht klar, was diese Zulagenrendite ausdrückt bzw. wie sie sich berechnet.


    Aus meiner Sicht ist die primäre Kennzahl für einen Riester-Vertrag die gesamte Rendite und dabei ist die staatliche Zulage ein wesentliches Element. "Bei unserem Sparer mit dem 20 000-Euro-Einkommen und zwei Kindern müssten 800 Euro im Jahr in den Riester-Vertrag fließen. Seine Zulagen betragen 754 Euro im Jahr (1 x Grund­zulage von 154 Euro + 2 x Kinder­zulage von je 300 Euro)." (Quelle: https://www.test.de/Riester-Re…-Zulagen-4741711-4741717/).


    Nach meinem Verständnis erhält man in diesem Beispiel also bei einem Eigenanteil von 800€ eine Zulage von 754€, d.h. die Rendite beträgt doch 94,25%, oder verstehe ich hier etwas nicht richtig?


    Danke für Eure Unterstützung
    Karl-Heinz

  • @schmidt


    Willkommen im Forum. Als Zulagenrendite wird der "Gewinn" bezeichnet, den ein Sparer durch Erhalt der Riesterzulage erhält. Ihr Beispiel ist denke ich typisch für viel Sparer von den Beträgen her.


    Man zahlt selbst 800 euro ein, erhält 754 euro zulage, also fließen in den Vertrag 1554 euro. Man hält also einen Versicherungsanteil der 94,25% über der eigenen Einzahlung liegt.


    Meine Frau hat einen Vertrag in ähnlicher Form. Ich selbst habe 1946 eingezahlt und 154 Zulage bekommen. Entsprechend war mein Riester nach Kosten auf deutlich unattraktiver.

  • Hallo Chris2702,


    danke für Deine Antwort. Genau das wäre auch meine Erklärung für die Zulagenrendite. Allerdings sind sie 754€ offenbar die Förderquote und nicht die Zulagenrendite.


    In dem von mir genannten Beispiel nennt Finanztest eine Zulagenrendite von 8,5%: "Da gesetzlich fest­gelegt ist, dass der Eigenbeitrag mindestens 60 Euro betragen muss, fließen nicht 800, sondern 814 Euro im Jahr in seinen Vertrag. Der Anteil, den der Staat an der Einzahlung über­nimmt, beträgt mehr als 90 Prozent. Das ergibt am Ende die Zula­genrendite von 8,5 Prozent." Quelle: https://www.test.de/Riester-Re…-Zulagen-4741711-4741717/


    Wie sich diese 8,5 allerdings berechnen ist dort nicht genannt.

  • Die Begrifflichkeiten sind beim Thema Riester etwas verwirrend. Insofern ist es schön, dass @schmidt und @chris2702 diese sinnvolle Diskussion angestoßen haben, weil man die Erkenntnisse daraus auf seinen eigenen Vertrag übertragen kann.


    Wir nehmen also noch einmal das Beispiel von test.de: "Bei unserem Sparer mit dem 20 000-Euro-Einkommen und zwei Kindern müssten 800 Euro im Jahr in den Riester-Vertrag fließen. Seine Zulagen betragen 754 Euro im Jahr (1 x Grund­zulage von 154 Euro + 2 x Kinder­zulage von je 300 Euro)." Prinzipiell betrachtet test.de in seiner Rechnung nur die Ansparphase, d.h. der steuerliche Nachteil in der Auszahlungsphase wird zunächst nicht betrachtet.


    Der besagte Sparer muss 800 EUR (4% seinen versicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens von 20kEUR) in seinen Vertrag einzahlen, darf aber die erhaltenen Zulagen gegenrechnen, sprich abziehen. D.h. es bleibt ein Eigenbetrag von 800 EUR - 754 EUR = 46 EUR. Mindesteigenbeitrag für die Zulageberechtigung ist aber 60 EUR, so dass 814 EUR in seinen Vertrag fließen.


    Mit diesen Zahlen kann man nun rechnen:

    • Vater Staat hat am Gesamtbeitrag einen Anteil von 92,6% (= 754 EUR / 814 EUR). Das ist die staatliche Förderquote.
    • Aus Sicht des Altersvorsorgesparers sieht die Sache aber anders aus. Er wendet ja nur 60 EUR jährlich auf, bekommt 754 EUR on top, so dass jedes Jahr 814 EUR bereit stehen. Er hat eine individuelle Förderquote von 1256% (= 754 EUR / 60 EUR). Für jeden Euro, den der Sparer in seinen Riestervertrag überweist, bekommt er 12,57 EUR oben drauf. Das ist - mit Verlaub - kein so schlechtes Geschäft, auch wenn am Ende noch Steuern anfallen.
    • Die Zulagerendite, die test.de errechnet hat, ist im Grunde eine fiktive Betrachtung. Dreh- und Angelpunkt hier sind die Zulagen und die Beiträge, die unabhängig vom spezifischen Vertrag am Ende der Einzahlungsphase vom Anbieter garantiert werden müssen. Grundfrage bei der Zulagerendite ist also: Welche Rendite hätte ich, wenn mein Produkt 0% nom. p.a. abwirft und mir am Ende nur der Garantiebetrag aus Zulagen/Eigenbeitrag bleibt?


      Zum Verständnis wandele ich das Beispiel aus test.de etwas ab: 20kEUR Einkommen konst. über 20 Jahre. Den Kindern steht für die gesamte Zeit das Kindergeld zu, sprich es besteht ein Recht auf Kinderzulagen. Damit setzt sich der Garantiebetrag wie folgt zusammen:


      Eigenbeitrag: 60 EUR/a * 20a = 1200 EUR
      Grundzulage: 154 EUR/a * 20a = 3080 EUR
      Kinderzulagen: 2 * 300 EUR/a * 20a = 12000 EUR
      Summe garantiert: 16280 EUR


      Der Rest ist Finanzmathematik. Bei jährlichen selbst getragenen Einzahlungen von 60 EUR und einem Endwert von 16280 EUR nach 20 Jahren beträgt die Rendite 21,48% p.a..


      test.de gibt 8,5% p.a. an, was darauf zurückzuführen ist, dass der Betrachtungszeitraum 30 Jahre umfasst und die Kinderzulage logischerweise nicht für die vollen 30 Jahre gewährt wird. Womit test.de genau gerechnet hat, geht aus dem Artikel nicht hervor. Das Prinzip dahinter ist aber klar. Werden die Kinderzulagen z.B. nur 20 Jahre gewährt, heißt das, dass der besagte Sparer nun die restlichen 10 Jahre statt nur 60 EUR Mindestbeitrag deutlich mehr, nämlich 800 EUR - 154 EUR = 646 EUR selber aufbringen muss. Das Garantiekapital am Ende bleibt bis auf die 14 EUR oberhalb der 800 EUR Grenze für die ersten 20 Jahre in etwa gleich, aber der Anteil selbst aufgewendeter Beiträge am Garantiekapital ist stark gestiegen, so dass die Rendite deutlich fällt - im Beispiel auf 8,5% p.a.. Hier kommt es eben auf die Annahmen, die man dem Beispiel zu Grund legt, an.

    Die Gesamtaussage aus dem test.de Beispiel ist aber deutlich. Wer wenig Einkommen und viele Kinder hat, muss 5 EUR im Monat aufwenden und bekommt tolle Förderquoten. Steuern mal außen vorgelassen.