Flatex führt Negativzinsen ein

  • Hallo @EF1980 und Mitdiskutanten,


    wir haben Feedback von Flatex bekommen, das ich gerne mit Euch teilen möchte:



    Frage war: Fallen beim ETF-Sparplan Strafzinsen an, wenn die Raten, abgebucht vom Girokonto, danach kurz auf dem Cashkonto geparkt werden, bevor sie in den ETF investiert werden?


    Antwort Flatex: Weil eine Überweisung immer noch 24 Stunden dauern kann, bis sie gutgeschrieben wird, muss Flatex bei der Lastschrift einen kleinen Puffer einplanen. Daher kann es sein, dass Sparplan-Raten, die vom Girokonto abgebucht werden, kurz auf dem Cashkonto landen. Sollten hier tatsächlich im Centbereich Gebühren (Strafzinsen) anfallen, würde Flatex die im Zweifel aber zurückerstatten.


    Grundsätzlich gilt, dass Zinsen quartalsweise berechnet werden. Also Bsp.: Jemand hat einen Sparplan, den er monatlich mit 100 Euro bespart. Würden diese 100 Euro jeden Monat sagen wir 3 Tage auf dem Cashkonto geparkt, so kostet das den Sparer monatlich (0,004*100 Euro/360 Tage)*3 Tage= 1/3 Cent. Im Quartal dann also einen Cent.


    Unsere Bitte an alle Community-Mitglieder: Beobachtet doch mal, ob zum Sparplan-Stichtag kurz Geld auf eurem Cashkonto landet, schaut, wie Flatex damit umgeht und berichtet uns!


    Viele Grüße


    Anika

  • Ich hatte zudiesem Thema auch bei Flatex nachgefragt, aber bei meiner Antwort von Flatex war nicht die Rede davon, dass anfallende Strafzinsen bei Sparplanausführungen zurückerstattet würden.
    Im Folgenden dokumentiere ich meine Anfrage und die Antwort von Flatex.


    Meine Anfrage:


    "Sehr geehrte Damen und Herren,


    ich würde gerne einen ETF-Sparplan einrichten und frage mich, ob in diesem Fall das von mir angelegte Geld von den neu eingeführten Strafzinsen betroffen sein könnte. Wird bei der Ausführung des Sparplans das Geld von meinem Referenzkonto abgebucht und direkt in Fondsanteile angelegt oder landet es zunächst auf dem flatex-Verrechnungskonto und wird dort mit 0,4% Strafzinsen belegt?


    Mit freundlichen Grüßen
    XXX"


    Antwort von Flatex:


    "Sehr geehrter Herr XXX,
    vielen Dank für Ihre Nachricht, gerne möchten wir darauf eingehen.
    Bei Sparplaneinzügen zu Lasten des Referenzkontos wird versucht, die Valuta der Sparplanausführung und die des Lastschrifteinzuges auf den gleichen Tag zu legen.
    Es kann hier jedoch zu Differenzen kommen. In solchen Fällen würden dann ebenfalls Negativzinsen berechnet werden.
    Bei weiteren Anliegen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.


    Mit freundlichen Grüßen
    XXX"

  • Hallo,


    ich habe von flatex folgende Antwort erhalten:



    "Sehr geehrter Herr Mustermann,


    ...die Lastschriften zu den Sparplänen werden valutarisch so eingestellt, dass die Deckung rechtzeitig zum Orderauftrag zur Verfügung steht. Aufgrund der Höhe des Betrages sollte in solchen Fällen keine Sollzinsen anfallen.


    Als Beispiel würden bei einen Cashbestend von EUR 1.000,00, die 5 Tage auf dem Konto wären, würde ein Sollzins in Höhe von EUR 0,01 anfallen ... "

  • Vielen Dank für die Antworten! Und, was beobachtet Ihr? Fallen wirklich im Centbereich Gebühren an und werden abgezogen?


    Unsere Expertin sagt dazu: Grundsätzlich geht es dem Anbieter aber sicherlich nicht darum, jetzt die Sparplan-Sparer zu „bestrafen“, sondern keine großen Summen für Kunden in Cash zwischenparken zu müssen. Dass die Raten für den Sparplan kurz auf dem Cashkonto liegen und da ggf. ein paar Cent anfallen, ist also eher kleiner unerwünschter Nebeneffekt. Daher könnte ich mir gut vorstellen, dass sie diese Minibeträge tatsächlich erlassen bzw. erstatten.

  • Hallo @Anika,


    auch dir danke für die Antworten!


    Habe noch zwei Fragen:



    1) Bei deinem Beispiel (100 Euro Sparrate die drei Tage auf dem Cashkonto liegen) müssten doch eigentlich gar keine Zinsen (0,00) anfallen, weil bei der Berechnung abgerundet werden müsste ... Oder ??



    2) Ist es offiziell irgendwo geregelt / nachzulesen, dass für Sparplankunden die evtl. anfallenden Strafzinsen erstattet werden??



    Danke und viele Grüße


    EF1980

  • Flatex ist eine von wenigen Banken und Online Brokern, die Negativzinsen einführen.
    Für mich ist das absolut inaktzeptabel.
    Ich spare mein Geld an, um dann sehr kurzfristig bei einem Absturz des Kapitalmarktes alles anzulegen. Diese Taktik war in den letzten 10 Jahren extrem erfolgreich.
    Ich habe Flatex gewählt wegen der günstigen Ordergebühren.
    Wenn ich mir jetzt ausrechne, wie hoch meine Strafzinsen auf das Cash gehaltene Geld sind, ist es für mich günstiger, den Online Broker zu wechseln.
    Ich kann Flatex definitiv nicht verstehen, warum man kostenbewußte Kunden (auf die man ja setzt) zu anderen Banken treibt.

  • Hallo @EF1980, wie gesagt: Einfach mal beobachten, wie Flatex das jetzt handhabt und – falls Zinsen anfallen und die nicht erstattet werden – dann mal bei uns melden. Offiziell nachzulesen ist das „Erstattungsangebot beim Sparplan“ nicht.


    Viele Grüße

  • Mir wurden im letzten Quartal jetzt Negativzinsen für ETF Sparpläne berechnet. Die Sparpläne wurden vom Referenzkonto per Lastschrift eingezogen. Für das "Zwischenparken" auf dem Konto bis die Order ausgeführt wird, wurde ich jetzt zur Kasse gebeten. Konto ist jetzt im Minus und sammelt jetzt Überziehungszins. Toll gelöst von Flatex! Als Antwort von Flatex gab es eine vorgefertigte Standardantwort zur Thematik Negativzinsen. Darauf, dass ich die Negativzinzen gar nicht beinflussen konnte sondern allein dem internen Flatex System geschuldet sind, wurde gar nicht eingegangen.

  • @hansblafoo und @salocinb
    und alle anderen, deren Negativzinsen auf Einlagen und Anlagen berechnet werden: rechtlich ist die Berechnung von Negativzinsen eine Grauzone. Im Münchener Raum haben einige Banken auch Negatvizinsen eingeführt. Hier vertreten wir bereits einige Kunden und die Banken verhalten sich ganz unterschiedlich.
    Es gibt gute Argumente, die gegen eine Zulässigkeit von Negativzinsen sprechen. Es gibt drei verschiedene rechtliche Ansichten. Näheres habe ich auf einem Blogbeitrag zusammengefasst (ich weiß nicht, ob ich den Link hier posten darf wg. den Forenregeln. Aber wer die Wörter "negativzinsen" und "Klage" googelt, dürfte schnell drauf stoßen.
    Das Thema ist sehr spannend und die meisten Banken haben die Erhebung der Negativzinsen nicht korrekt gegenüber dem Verbraucher in die vertraglichen Beziehungen eingeführt.

    Dr. Hermann Bröcker, LL.M.
    Rechtsanwalt | Partner


    SYLVENSTEIN Rechtsanwälte
    Sckellstr. 6 | 81667 München

  • @Hermann Broecker
    Eventuelll könnte das ein Hebel sein, aber die Negativzinsen sind hier nicht das Problem, zumindest nicht aus meiner Sicht. Ich habe ein Problem damit, dass Flatex einen schlechten (illegalen?) Prozess hat und ich als Kunde dafür bezahlen soll. Flatex kauft ETFs für mich via Sparplan, zieht dafür selbst bei noch nicht durchgeführten Orders Geld von meinem Girokonto ein und berechnet mir für das Parken des eingezogenen Geldes Zinsen. Würde Flatex erst das Geld einziehen nachdem die Order abgeschlossen wurde oder das eingezogene Geld woanders zwischenparken wäre dagegen alles okay.


    Ich habe starke Zweifel, dass das Verhalten von Flatex rechtmäßig ist, weil mir so Kosten für ein Kaufgeschäft entstehen, die sie mir vorher aber nicht ausgewiesen haben. Zudem würde somit keine kostenfreie Zahlungsmöglichkeit bestehen, was auch bei Airlines ja nicht statthaft war.

  • Ebenso bei mir. Negativzinsen für's "Zwischenparken" und dann, weil keine Deckung auf dem Cashkonto, ein paar Tage Sollzinsen für die nächste Abrechnung...


    Für dieses Phänomen, dass mein Cashkonto durch einen Kauf Mal negativ war und sie das Geld nicht rechtzeitig eingezogen haben, sollte ich auch schonmal Zinsen zahlen. Ich habe mich beschwert, es hat ein paar Monate zur Korrektur gedauert aber mittlerweile machen sie das nicht mehr bei mir.

  • @hansblafoo
    das sind sehr interessante Ausführungen und das Prozedere lässt darauf schließen, dass diese Zinsberechnungen System haben, damit die Bank hier weitere Gelder einnimmt. Der Vorgang generiert zwar isolierte betrachtet geringe Beträge, wird jedoch bei einer Vielzahl von Kunden zu stattlichen Beträgen. Hier lohnt sich auf jeden Fall ein Blick in den Depotvertrag oder die Orderrichtlinien. Auch die Tatsache, dass die Bank diesen Vorgang korriegiert hat, ist ein starkes Indiz für die Unzulässigkeit. Aber es beschwert sich eben nicht jeder Kunde, so dass sich diese Abrechnung für die Bank im Endeffekt lohnt

    Dr. Hermann Bröcker, LL.M.
    Rechtsanwalt | Partner


    SYLVENSTEIN Rechtsanwälte
    Sckellstr. 6 | 81667 München

  • Ich weiß nicht, ob es System hat. Soweit mag ich noch nicht gehen, denn es könnte auch eine Konstellation sein, an die bisher keiner gedacht hat, weil das Problem erst mit Negativzinsen gibt und es die vorher nicht gab.

  • Weil der Aspekt, der mich beschäftigt, hier schon erwähnt wird, hänge ich meine Frage einfach mal an und hoffe, dass ich sie verständlich formulieren kann.


    Ich möchte gerne meinen ersten Aktienkauf über Flatex abwickeln (kein ETF Sparplan) und muss dazu Geld von meinem Referenzkonto auf das Cash-Konto überweisen. Bisher habe ich noch nie Geld darauf gehabt, der Kontostand war immer 0 und somit fielen auch keine Strafzinsen an.


    Ich habe nun Bedenken, dass ich mit meiner ersten Überweisung auf das Cash-Konto in einen Kreislauf gerate, bei dem ich im Anschluss immer wieder Geld an flatex zahlen muss, da das Geld für den Aktienkauf ja bestimmt bis zu 3 Tage auf dem Cash-Konto liegen kann. Somit werden die Negativzinsen fällig. Ziehe ich dann den übrig gebliebenen Betrag nach dem Aktienkauf zurück auf mein Referenzkonto, werden die Negativzinsen irgendwann berechnet und mein Konto landet im Minus. Dann werden auch noch Dispozinsen fällig und ich muss immer wieder überweisen und ausgleichen.


    Wollte mich damit bereits an die Hotline wenden, aber würde lieber Eure Erfahrungen aus der Praxis hören.
    Ich freue mich auf Eure Antworten!

  • Das ist so. Ich lasse einen kleinen Betrag auf dem Verrechnungskonto stehen, der dann durch die Negativzinsen abschmilzt, aber keinen Dispo nach sich zieht.


    Im Grundsatz finde ich die Negativzinsen schlecht, akzeptiere sie aber aufgrund der sonst günstigen Konditionen bei flatex.


    Kleines Rechenbeispiel für einen Aktienkauf für 5.000 Euro:


    5.000 Euro * 4 Promille Strafzinsen 3 Tage / 360 Jahrestage = 16 Cent Negativzins für drei Tage.


    Lässt man z.B. 10 Euro stehen als Reserve gegen Dispo ist die Rechnung 10 Euro * 4 Promille = 4 Cent Negativzins im Jahr.


    Also insgesamt glaube ich ist das ein eher vernachlässigbares Problem.


    Hinweis: daran denken die Dividenden nach der Ausschüttung vom Konto wegzuziehen

  • Zitat "Hinweis: daran denken die Dividenden nach der Ausschüttung vom Konto wegzuziehen"
    . . . grübel, grübel was ist denn die Überlegung dazu? Die Beträge werden doch nicht soo immens groß sein (auch wenn ich's euch vergönne). Werden diese (ausländischen) Dividenden dann evtl. nicht mit Gebühren belastet ?


    Vielen Dank schon mal vorab

  • Werden diese (ausländischen) Dividenden dann evtl. nicht mit Gebühren belastet ?

    Das ist bei Flatex so. Auch hier im Zweifelsfall nachrechnen



    grübel, grübel was ist denn die Überlegung dazu? Die Beträge werden doch nicht soo immens groß sein (auch wenn ich's euch vergönne)

    Kommt auch darauf an. Wenn man eine dividendenstarke Aktie hat und diese quellensteuerfrei ausschüttet bzw. ein Freistellungsauftrag vorliegt kann da schon was zusammen kommen.


    Beispiel T-Aktie: Legt man die o.g. 5.000 Euro bekommt man rund 320 Stücke, was bei 0,60 Euro (im ersten Schritt) steuerfreier Dividende jährlich 192 Euro bringt, darauf 4 Promille Negativzins sind 77 Cent.