Mehr Versicherungsbeiträge absetzen durch Vorauszahlung der KV Beiträge

  • Hallo Steuersparer,


    ich bin bei der Aufbereitung meiner Steuererklärung über mehrere Artikel gestolpert, die eine Vorauszahlung von KV Beiträgen für zukünftige Jahre empfehlen, um so zusärtzlich Versicherungsbeiträge abzugsfähig zu machen. Ein Beispiel finden Sie hier.
    Das Vorgehen ist in § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 4 EStG geregelt.


    Für viele privat und freiwillig Versicherte sind viele Vorsorgeausgaben nicht abzugsfähig, weil die Kappung der "sonstigen Vorsorgeausgaben" bei 1900€ (bzw. 2800€) greift. Diese Grenze wird häufig durch die KV Beiträge bereits ausgeschöpft oder gar überschritten. Große Posten wie z.B die Arbeitslosen-Versicherung bleiben steuerlich wirkungslos. Andererseits sind Beiträge für die Basis-Krankenversicherung unbegrenzt abzugsfähig. Der Gesetzgeber erlaubt es, bis zu 2,5 Jahre im Voraus einzuzahlen. Diese Ausgaben sind im Zahlungsjahr absetzbar. In den folgenden Jahren kann der Grenzbetrag von 1900/2800€ mit anderen Versicherungen, z.B. AV, ausgeschöpft werden.


    Kann ich als Angestellter nur den AN Anteil im Voraus einzahlen oder 2,5 mal den vollen Beitrag ?
    Was passiert mit Arbeitgeber-Zuschüssen und BRE in den "beitragsfreien" Jahren ?
    Normalerweise werden die mit gezahlten Beiträgen verrechnet. Wenn aber keine Beiträge gezahlt wurden, ergibt sich ein negativer Saldo !?!


    Für sachkundige Hinweise oder einschlägige Erfahrungswerte bedanke ich mich vorab.


    Grüße

  • Die Frage ist schon etwas älter. Ich bin jetzt auch auf dieses Modell gestoßen. Als Arbeitnehmer muss man allerdings Selbstzahler sein, d.h. ein eigenes Konto bei der Krankenkasse haben. Normalerweise hat der AG das Konto, da er die Beiträge an die KK überweist. Manche AG erlauben den AN ein eigenes Konto und überweisen dem AN den Krankenkassenanteil des AG , meiner leider nicht. :-(


    Viele Grüße

  • Hallo Jambus55555,


    Ich habe das Thema seinerzeit noch etwas weiter recherchiert und kam zu einer sehr ernüchternden Erkenntnis : für Arbeitnehmer funktioniert das Modell nicht wirklich.


    Man kann zwar KV Beiträge im Voraus zahlen und in dem Jahr entsprechend mehr absetzen. Im Folgejahr sind jedoch die Arbeitgeber Zuschüsse zur KV zu versteuern. Wie genau weiss ich nicht. Entweder als "sonstige Einkünfte" oder sie werden mit den sonstigen Versicherungsbeiträgen verrechnet. Auch im letzteren Fall dürfte die 1900 € Grenze mit anderen Versicherungsbeiträge nicht mehr erreicht werden.


    Es funktioniert nur in dem Fall, dass im Folgejahr kein AG Zuschuss mehr gezahlt wird, z.B. weil man arbeitslos wird.


    Aber ich bin kein Steuerberater, besser einen Profi fragen!
    Wäre schön, wenn hier jemand berichten könnte, der das schon einmal für durch exerziert hat.


    Grüße
    NV

  • Thema ist alt, interessiert mich auch. Kann jemand berichten, der das als privat Versicherter schmal gemacht hat? Inzwischen kann man ja anscheinend sogar 3 Jahresbeiträge in Voraus zahlen (und dann die 1900/2800,- EUR Grenze 3 mal mit anderen Beiträgen nutzen)

  • Hallo,

    ich habe das im letzten Jahr durchgezogen. Die zusätzlichen Ausgaben für die Basisabsicherung wurden anerkannt. In diesem Jahr werde ich entsprechend die private Haftpflicht u.ä. absetzen.


    Aber wie oben schon gesagt, funktioniert es nur dann richtig gut, wenn man in den Folgejahren keinen AG-Zuschuss erhält.


    Das Buch 'Der Privatier' kann ich auch nur wärmstens empfehlen.

  • Keine 100%ige Sicherheit, da ich bisher nur mit Elster online simuliert habe, aber das Modell müsste auch als Arbeitnehmer mit AG-Zuschüssen funktionieren. Der Trick ist, dass man nach Vorauszahlung in Jahr 1 (zB 2 volle Jahresbeiträge zusätzlich), in den Jahren 2-5 jeweils manuell einen halben Jahresbeitrag bei der Versicherung einzahlt und damit die AG-Zuschüsse (ebenfalls halber Jahresbeitrag) neutralisiert. Das streckt die Wirkung der zwei Jahresbeiträge auf vier Jahre. Dann bleiben in den Jahren 2-5 die 1900 Euro übrig über Arbeitslosenversicherung (ca 1000 Euro) sowie BU+Unfall+Haftpflicht (bei mir ca 800 Euro), die ohne Vorauszahlung unberücksichtigt blieben. Ein netter Nebeneffekt scheint auch, dass in den Jahren 2-5 bei der halben manuellen PKV-Einzahlung nicht nur die Basis-Komponenten, sondern auch die Beiträge für darüber hinaus gehende Leistungen steuerlich in Abzug gebracht werden können, weil man ja unter 1900 Euro bleibt.

    Kann das jemand so bestätigen? Bin mitten in der Umsetzung, und kann nächstes Jahr berichten, ob das Finanzamt wie mit Elster simuliert rechnet.

  • Es kommt auf die Tarife der Gesellschaft an. (Basisversicherung + Wahlleistung)

    Mein Tarif bei HUK ist ein alter oneSex-Gesamttarif + Krankenhausbaustein + Zahnbaustein

    Die Huk kann bei dieser alten Tarifgeneration nicht die Zahlungen zwischen steuergestaltbarer Basisabsicherung und Zusatzleistungen während des Vorrrauszahlen abgrenzen.

    Ob die Beiträge vom AG-Teil oder dem Versicherungsnehmer stammen interessiert die Versicherung nicht.
    VN ist für den Gesamtbeitrag zuständig.

    Das der AG 50% Zuschuß zahlt ist für Versicherung ohne Bedeutung.

  • Danke für die vielen Hinweise.


    3 Themen, wo ich noch Hilfe benötige:


    1) Im Beispiel, das von RibEye weiter oben verlinkt ist, heißt es bei Haufe, dass sich die Vorauszahlung NICHT anbietet, wenn ein Ehepartner PKV und der andere GKV versichert ist. Warum ist das so? Es hat doch in einer gemeinsamen EStE JEDER der beiden den Max. Betrag in Höhe von 1900 eur, oder?


    2) welche Vorauszahlung ist möglich, wenn die Kinder beim Hauptverdiener auch PKV versichert ist: werden Vorauszahlungen für die Kinder dann auch beim Abzug berücksichtigt (oder ist das dann nicht bei Vorsorgeausgabe, sonder Anlage Kind)?


    3) ich verstehe noch nicht warum der Zuschuss des Arbeitgebers so „schädlich“ ist. Einfach nur, weil das dann als Einkommen gilt, dem in dem Jahr kein Arbeitnehmeranteil entgegensteht, der als Vorsorgeausgabe abzugsfähig ist?

  • Die Vorauszahlungen für die !mitversicherten! Kinder werden auch anerkannt, aber in deren Anlage Kind in den Spalten für Basiskrankenversicherung + Wahlleistungen.


    Unschädlich und gut beschrieben:

    "3)

    !!!!!!!!!!Einfach nur, weil das dann als Einkommen gilt, dem in dem Jahr kein Arbeitnehmeranteil entgegensteht, der als Vorsorgeausgabe abzugsfähig ist!!!!!!!!!!!!"