Etf Sparplan und Abgeltungssteuer

  • Hallo,


    ich beschäftige mich mit dem Thema ETF Sparplan und tendiere momentan zu einem Deka Dax Etf Sparplan. Angenommen ich fange an monatlich 200 Euro einzuzahlen und möchte mich in 30 Jahren auszahlen lassen. Stand jetzt: müsste ich dann bei Auszahlungen von über 800 Euro anno Abgeltungssteuer zahlen?
    Das wäre doch ein Schlag ins Gesicht für alle die sparen möchten....

  • Auf Gewinne (nicht Auszahlungen) müssen Steuern gezahlt werden. Das ist aber mit jeder anderen Sparform genau so. Wenn man über 30 Jahre 100.000 euro einzahlt, das Depot dann 100.001 euro Wert ist und man alles auszahlen lässt, zahlt man Steuern auf 1 Euro, den Gewinn.

  • Hallo @Nimmersatt, willkommen in der Community. Schöner Name :)


    Wenn man mal unterstellt dass der Soli dann weg ist bleiben Dir 75%, das ist doch was. Bei der Bundestagswahl kannst Du überlegen, ob das gerecht ist i.S. dass den Vermögenden genommen und umverteilt wird, oder ob es gerechter ist, dem der mit Verzicht spart nicht so viel wegzunehmen. Persönlich komme ich mit den 25% gut klar und freue mich an den 75%.


    Im bestehenden System kann man in Grenzen die Steuerlast steuern. Wenn in den Ansparjahren der Freibetrag nicht ausgeschöpft ist macht es Sinn Gewinne dort schon steuerfrei zu realisieren.


    Rechenbeispiel, sehr vereinfacht:


    Basis ist ein ausschüttender Lyxor-ETF auf MSCI-World, der in EUR notiert, um Währungseffekte nicht berückscihtigen zu müssen. http://www.lyxoretf.de/germany…rld-ucits-etf-distrib/eur . Bei dem ausschüttenden Deka-DAX sind die Zahlen vergleichbar.


    Der Fonds hat jährlich rund 2,5% ausgeschüttet, Du kannst also erst mal so lange steuerfrei bzgl. der Zinsen sparen bis diese 2,5% die 800 Euro erreichen. 800 EUR / 2,5 % = 32.000 EUR, d.h. die ersten fünfzehn Jahre gibt es die Zinsen steuerfrei. Den Betrag dann wieder über den Sparplan anlegen, mit einer höheren Rate als die 200 EUR.


    Dann gibt es noch den Wertzuwachs. Wenn wir mal davon ausgehen, dass in Zukunft es "nur" noch einen Wertzuwachs von 7,5 % pro Jahr gibt bleiben gegenüber den 2,5% Ausschüttung also 5% Wertzuwachs. Den muss man erst bei Verkauf versteuern (Änderungen bei Thesaurierern durch die Vorabpauschale ab 2018). Wenn man am Jahresende verkauft und sofort neu kauft gilt die erweiterte Rechnung, d.h. die 5 + 2,5% müssen unter 800 EUR bleiben für Steuerfreiheit, das klappt die ersten vier Jahre komplett, ab dann anteilig.


    Ich habe die Daten (200 EUR Sparrate, 30 Jahre, 7,5%) in einen Sparplanrechner eingegeben https://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php
    Danach kommen zu den 72.000 EUR Sparanteil rund 156.000 EUR Ausschüttungen und Wertzuwachs. Mit dem "Trick" die 800 EUR pro Jahr zu nutzen bleiben davon rund 22.700 EUR steuerfrei.


    Bei der Auszahlung kann man auch wieder einen Auszahlplan über mehrere Jahre machen, was die 800 EUR jedes mal wieder steuerfrei lässt. Hier gilt dann leider das First In - First Out-Prinzip, d.h. in dern ersten Verkäufen steckt dann 25 Jahre Wertzuwachs mit entsprechend hohem zu versteuernden Anteil.


    Ferner ist zu beachten, dass im Alter ggf. das Einkommen niedriger ist. Dann werden die Kapitalerträge mit dem persönlichen Steuersatz, der dann vielleicht geringer als 25% ist, versteuert.

  • Wenn man zur Ausschöpfung des Sparerfreibetrags das Modell "jährliche Kursgewinne realisieren" fahren möchte, dann unbedingt darauf achten, dass man die ETF zumindest kostenfrei kaufen kann. Ansonsten könnten sich die Kauf- und Verkaufskosten zur partiellen Renditebremse entwickeln.


    Das Modell funktioniert in meinen Augen kostengünstiger mit einem Fondssparplan, sofern man den Fonds ohne Ausgabeaufschlag kaufen kann.

  • Flatex nimmt im Direkthandel 5,90 flat + Spread (gerade eben 0,02 @ 60,73 EUR, also 0,03%), wären bei z.B. 8.000 EUR Transaktionsvolumen in Summe rund 15 EUR, im Vergleich zu ca. 200 EUR Steuerersparns ein guter Deal für 10 min Arbeit :)


    Wenn Du mit Fondssparplan gemanagte Fonds mit 100% Rabatt auf den Ausgabeaufschlag meinst: volle Zustimmung. Aber die darf man hier ja nicht empfehlen ... Meine Kinder haben das und eine NV und dann mache ich das genau so damit sie 18 Jahre steuerfrei sparen können ;-)

  • @Nimmersatt
    Willkommen in der Realität. Es gibt zwei Dinge im Leben, die sicher sind: der Tod und Steuern! Und ja, der Freibetrag ist bei langem Sparhorizont und einer einigermaßen rentierlichen Anlage lächerlich niedrig. Dieser wurde in den letzten 25 Jahren massiv abgesenkt, nur regt sich wegen der Niedrigzinsphase und der Vermögensstruktur der Deutschen aktuell kaum einer darüber auf. Politisch ist das alles so gewollt, wer will schon, dass die Mittelschicht Vermögen aufbauen kann?


    @chris2702
    Leider ist es in Deutschland eben nicht so, dass bei allen Sparformen auf Gewinne Steuern bezahlt werden müssen. Es gibt systemische Ungeichbehandlungen, die widerrum politisch so gewollt sind. Als Beispiel: Wertzuwächse auf Immobilien sind nach einer "Spekulationsfrist" von 10 Jahren steuerfrei. Wertzuwäche bei Goldanlagen sind nach einer Haltedauer von nur einem Jahr steuerfrei. Bei sehr kleinen Anlagesummen sogar gänzlich. Es gibt an jeder Ecke irgendwelche Ausnahmen, nur bei den bösen Aktionären wollte man so richtig zugreifen und hat das Halbeinkünfteverfahren und die Steuerfreiheit auf Gewinne (auch auf Inflationsgewinne!) nach einem Jahr Haltedauer beendet.


    Wenn man den Leuten wirklich eine vernünftige Altersvorsorge und Vermögensaufbau ermöglichen wollte, müsste man den Freibetrag auf kapitalerträge massiv erhöhen, sowie die Aktiengewinne wieder steuerfrei stellen, von mir aus auch mit einer "Spekulationsfrist" von 10 Jahren, um Langfristigkeit zu fördern. Aber ich vergaß, die Leute sollen ja Riester-Rentenversicherungen und Staatsanleihen des hiesigen Staates und der Länder des Olivengürtels kaufen...

  • wären bei z.B. 8.000 EUR Transaktionsvolumen in Summe rund 15 EUR, im Vergleich zu ca. 200 EUR Steuerersparns ein guter Deal für 10 min Arbeit

    Ein Transaktionsvolumen von 8.000 Euro erreicht man aber in den ersten Jahren bei einem Sparplan von 200 Euro monatlich nicht so schnell....


    Hinzu kommen neben dem Spread die Kursschwankungen zwischen Kauf- und Verkaufszeitpunkt. Beim ETF kann man das natürlich innerhalb weniger Minuten machen - Kontodeckung vorausgesetzt, bei dem eigentlich von mir bevorzugten Fondskauf ist immerhin ein Tag dazwischen, wenn man nicht gleichzeitig kauft und verkauft.

  • Ein Transaktionsvolumen von 8.000 Euro erreicht man aber in den ersten Jahren bei einem Sparplan von 200 Euro monatlich nicht so schnell....

    ... dann kann man auch mit dem Tausch so lange warten bis knapp 800 Euro zusammen sind. Wir sind einig, dass es wie immer ein Rechenexempel ist. Daher ist wahrscheinlich der Weg über einen ausschüttenden Fonds auf Dauer der sinnvollste.

  • @Nimmersatt
    Ach ja, Ihrer Eingangsfrage nach zu urteilen, legen Sie zum ersten Mal in Aktien/ETF an. Warum um Himmels willen muss es gerade ein DAX ETF sein? Warum nicht ein Sparplan auf Südkorea? Oder Vietnam? Oder Kanada?


    Was ich sagen will: Ich kann den Home Bias ja verstehen (drastisch formuliert in etwa "Was der Bauer nicht kennt, ..."), aber der DAX ist kein marktbreiter Index. Ich weiß nicht, ob Ihnen das bewusst ist, aber sie streuen hier nicht, sondern holen sich ein fettes Klumpenrisiko ins Portfolio, da 50% des DAX von nur 6 Unternehmen (Siemens, Bayer, SAP, BASF, Allianz, Daimler) abgebildet wird. Wenn Sie das unbedingt wollen, ok. Dann haben sie sehr viel Vertrauen in die genannten Unternehmen und es ist halt eine Einzelwette.


    Ich vermute aber, dass es bei Ihrem Zeithorizont und der genannten Sparrate doch wahrscheinlich eher um den Vermögensaufbau geht, den sie mit einer passiven Strategie über ETF angehen wollen. Von daher sollten Sie den ganzen Planeten ins Auge fassen und sich unbedingt die Indizes MSCI World, MSCI ACWI und MSCI ACWI IMI ansehen. Ein DAX ETF ist in meinen Augen Liebhaberei.