Betreutes Wohnen Freibrief zum Abzocken für Vermieter?

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    • Betreutes Wohnen Freibrief zum Abzocken für Vermieter?

      Ist es richtig das der Begriff "betreutes wohnen" eine leere Worthülse ist, die dem Vermieter eine Zusatzmiete von Ca. 75 Euro pro Person bringt, als Modul verpflichtend eine Einheit mit dem Mietvertrag bildet, die Senioren aber keine rechtlich gesicherten Ansprüche auf entsprechende Leistungen haben.
      Eine Anfrage über die CDU-Abgeordnete Connemann als Pendant gegenüber dem zuständigen Familienministerium blieb bisher unbeantwortet. Die Betreiber der Seniorenwohnanlage haben die Leistungen auf Null gefahren und bestehen aber auf der Zusatzmiete.
    • Hallo Kreuna,

      zuersteinmal "herzlich willkommen" in diesem Forum.

      Sachverhalt bei Ihnen:

      Es gibt einen Wohneinheit für "betreutes Wohnen für Senioren", welche von den dortigen Mietern für diese "Betreuung" eine Zusatzmiete von 75 Euro erhält.

      Eine Betreuung dieser Wohneinheit durch separate Mitarbeiter, Diakonie o.ä. Anbietern findet in der Praxis nicht statt, es werden auch keinerlei spezielle Angebote für Senioren gemacht.

      Habe ich es in dieser Form richtig für mich nachvollzogen?

      Vielleicht kann @Britta im rechtlichen Bereich prüfen, ob und wie die Regelungen für "betreutes Wohnen" sind und wie hier die Regelungen seitens des Gesetzgebers vorgesehen sind.

      Wie lang ist denn die Anfrage schon unbeantwortet?
      "Man kann die raffiniertesten Computer der Welt benutzen und Diagramme und Zahlen parat haben, aber am Ende muss man alle Informationen auf einen Nenner bringen, muss einen Zeitplan machen und muss handeln."

      Lee Iacocca, amerik. Topmanager
    • Sie haben es auf den Punkt gebracht. Ursprünglich war in dem 100 Seniorenappartment-Zentrum ein gemeinsamer Empfang besetzt, kleinere Hilfen und Dienstleistungen, Besorgungenwurden geleistet, Pakete in Emfang genommen und in Notfällen gab es im Haus eine 24 Stundenbereitschaft, die dafür sorgte das Notarzt und Rettungsdienste alarmiert wurden und Zutritt bekamen.
      Nach dem Verkauf an eine Hamburger Kapitalgesellschaft ist dies nicht mehr der Fall.
      Die Senioren haben und hatten bei entsprechendem Bedarf unterschiedliche ambulante Pflegedienste in Anspruch genommen.
      Zur Zeit ist es so das ein Notruf automatisch an den betreffenden Pflegedienst weitergeleitet wird, der dann ohne nähere Kenntnis zum Objekt fährt, nach dem Anlass des Notrufs sucht und erst dann ggf. Notarzt und RKW in Gang setzen. Da die Türen verschlossen sind muss die Pflegepersom an der Haupteingangstür dann auf den Rettungsdienst warten und der Patient ist in der Zeit ohne Hilfe.
      Ist ein wenig viel geworden, aber mir liegt die Sache sehr am Herzen und ich habe weder beim Patientenbeauftragten des Bundestages noch beim zuständigen Ausschuss noch beim BMfS auf meine Hinweise eine Reaktion erfahren!
    • Hallo Kreuna,

      1. gesetzlicher Rahmen
      Es gibt kein Bundesgesetz dazu, sondern allenfalls Landesgesetze, die von den jeweilgen Landessozialministerien auf den Weg gebracht wurden (so z.B. in Baden-Württemberg). In welchem Bundesland leben Sie denn?

      2. Vertrag
      Entscheidender ist aber der Vertrag, den man sich tatsächlich anschauen müsste. Nehmen Sie sich den bitte nochmal zur Hand. Dort müsste aufgelistet sein, was der Betreiber/Eigentümer der Seniorenwohnungen für Mehrleistungen anbietet, um das Zusatzmodul zu rechtfertigen. Werden die Leistungen nicht erbracht, können Sie die reguläre Miete um den Anteil für die Betreuungsdienstleistungen mindern. Sie müssen ja nicht für etwas zahlen, was Ihnen nicht zur Verfügung steht.

      3. Leistungen einfordern
      Schließlich sollten Sie den Eigentümer auffordern, seine versprochenen Leistungen auch einzuhalten. Dabei sollten Sie genau aufführen, was alles eingestellt wurde - 24h-Notrufservice etc.

      Beste Grüße,
      Britta
    • Danke für die Antwort. Ich lebe in Niedersachsen. Die Zusatzmiete halte ich ein ohne das der Vermieter dagegen aufbegehrt. In der Zusatzvereinbarung ist nur von einer 24stündigen Notfallbereitschaft die Rede. Diese besteht zur Zeit darin das der Notruf automatisch an den betreuenden Pflegedienst weitergeleitet wird.
      Es wird ausserdem von kleineren Hilfeleistungen geredet und Hilfe bei der Beantwortung von Fragebögen und Leistungstanträgen zugesagt.
      Ich werde den Originaltext noch nachreichen.
      Aktuell bewegt sich der Vermieter und hat in einer Mietervetsammlung angekündigt mit mir sprechen zu wollen und eine vernünftige Lösung in Aussicht gestellt. Er sprach unberechtigter Kritik und ein Gegensatz, Herr K. hat sich ja in diesen Sachen engagiert etc., lässt vermuten das Anlass dieser kurzfristigen Mieterversammlung eine Anfrage von WISO sein dürfte!
    • Viel Erfolg Ihnen und lassen Sie die Community doch wissen, was daraus wurde.

      Haben Sie einen Link zu diesem Bericht?
      "Man kann die raffiniertesten Computer der Welt benutzen und Diagramme und Zahlen parat haben, aber am Ende muss man alle Informationen auf einen Nenner bringen, muss einen Zeitplan machen und muss handeln."

      Lee Iacocca, amerik. Topmanager
    • Guten Tag Herr Kreuna, ich kann Ihr Anliegen ganz nachvollziehen, dass Sie für etwas nicht bezahlen möchten was Sie nicht bekommen können. Ich kann Ihnen allerdings aus der Perspektive eines "Betreutes Wohnen"-Anbieters erklären, warum und wie das passiert, dass immer weniger für die Senioren in den Anlagen angeboten wird.

      Wir betreiben mehrere Seniorenwohnanlagen in Niedersachsen und NRW seit vielen Jahren und anfangs hat die Idee "Betreutes Wohnen" prima funktioniert. In jedem Haus hatten wir eine Rund-um-die-Uhr Besatzung, man hat fast täglich mit den Senioren diverse Spiele gemacht, Veranstaltungen wurden angeboten, gemeinsam gegessen und gekocht, in die Röhre geschaut, Klavier gespielt, Notrufe wurden direkt an die Nachtwache geschickt, somit eine sofortige Hilfe gewährleistet wurde.
      Das Personal hat sich um die "Bürokratie" der Bewohner gekümmert, Fragen wurden beantwortet und Beratung geleistet. Busfahrten und Tanzabende organisiert.

      Was ist in den Jahren passiert? Warum funktioniert das in vielen Orten nicht mehr?

      Die Antwort ist einfach - es fehlt an Geld.

      Früher gab es Menschen, die in eine Seniorenwohnanlage gezogen haben, weil sie nicht mehr, oft alleine in ihren Häusern zurecht kamen. Die Menschen waren in den meisten Fällen dann auch pflege- und betreuungsbedürftig jedoch nicht in ein typisches Pflegeheim gehen wollten. Also die Seniorenwohnanlage wurde von pflegebedürftigen Menschen bewohnt. Der Betreiber, der in den meisten Fällen auch die Pflege anbietet, konnte also mit kalkulierbaren, festen Einnahmen rechnen. Aus diesen Einnahmen wurden zum Teil auch die Seniorenaktivitäten bezahlt z.B. die Nachtwache oder der Techniker, der sich um das Notrufgerät oder Internetzugang gekümmert hat.

      Leider hat sich die Situation geändert, wir stellen Folgendes fest.

      In die Seniorenwohnanlagen ziehen immer jüngere Menschen ein, die noch gesund und unabhängig sind.
      Die brauchen natürlich keine Pflege und auch keine Hilfe. Man konnte fragen, warum man solche Menschen einziehen lässt? Immer öfter hat der Betreiber hier keine Wahl mehr, eine leerstehende Wohnung verursacht laufend mehr Verluste als eine Wohnung, die von einer Pflege nicht bedürftigen Person, bewohnt wird. "Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach" - das ist oft die Realität.

      Es ziehen aber auch Menschen in eine SWA, die pflegebedürftig sind, die aber den bisherigen Pflegedienst behalten wollen. In diesem Fall geht der Betreiber natürlich wieder leer aus. Es gibt auch Bewohner, die jahrelang die Leistungen in Anspruch genommen haben und dann nach der Einstufung in eine Pflegestufe einen 2 Euro günstigeren externen Pflegedienst wählen. Sie haben meine Ironie hier verstanden.

      Wie oft hören wir von dem einen oder anderen: "ich kann mir eure Pflege nicht leisten, da ich das Geld brauche, wissen sie, mein Sohn baut jetzt neu und ich muss ihm helfen. Letztendlich hat die arme Person von dem Sohn aber meistens keine Hilfe bekommen. Wie kann jemand bei der täglichen Pflege helfen, der 400 km entfernt in einer Großstadt wohnt?

      Früher hatten wir mehrere Zivis gehabt, die kostengünstig z.B. für die Nachtwachen oder Fahrten eingesetzt wurden.
      Heute kostet eine funktionierende Nachtwache sehr viel mehr. Soviel, dass sie oft nicht mehr finanzierbar für den Betreiber ist. Die Notrufe werden dann in die Zentrale weitergeleitet, die Nachtwache verschwindet und die Bewohner bleiben ohne Hilfe vor Ort.

      Viele Bewohner wollen die sog. Grundleistungen (bei Ihnen Zusatzmiete) nicht bezahlen, weil sie immer weniger dafür bekommen und der Betreiber bietet immer weniger Leistungen, weil immer weniger Geld zur Verfügung steht.

      Ein Teufelskreis.

      Ich sehe im Moment keinen Ausweg. Wenn´s so weiter bleibt wird das "Betreute Wohnen" verschwinden.
      Und die Verlierer sind wir alle, die ganze Gesellschaft.

      Mit freundlichen Grüßen

      Robert U.
    • Guten Tag,

      herzlich Willkommen im Forum.

      Interessante Punkte die Sie ansprechen und aus dieser Sichtweise sieht der Sachverhalt schon wieder anders aus, zumindest pauschal gesprochen. Ob er auf den Fall von @Kreuna anwendbar ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

      Aber wenn ich Sie richtig verstanden habe, ist durch den Wegfall der Zivis ein bedeutender betriebswirtschaftlicher "Schaden" bzw. Nachteil entstanden.
      "Man kann die raffiniertesten Computer der Welt benutzen und Diagramme und Zahlen parat haben, aber am Ende muss man alle Informationen auf einen Nenner bringen, muss einen Zeitplan machen und muss handeln."

      Lee Iacocca, amerik. Topmanager
    • ...Aber wenn ich Sie richtig verstanden habe, ist durch den Wegfall der
      Zivis ein bedeutender betriebswirtschaftlicher "Schaden" bzw. Nachteil
      entstanden. ..


      Guten Tag,

      so ist es. Die Zivis waren sehr hilfsbereit, sozial engagiert und flexibel.
      Wir haben überwiegend gute Erfahrungen gemacht.
      Alle Beteiligten und Betroffenen hatten einen Nutzen aus dieser Zusammenarbeit.
      Die Abschaffung der Wehrpflicht und des Zivildienstes war ein Fehler.

      Robert
    • Leider komme ich erst jetzt dazu, die zwischenzeitlich zum Thema eingegangenen Kommentare zu würdigen. Die ich überhaupt nicht nachvollziehen kann.
      Gerade durch das Pflegeergänzungsgesetz das im Januar 2015 in Kraft getreten ist, wird das "betreute wohnen" zusätzlich befeuert.
      Gerissene Unternehmer haben sofort die lukrative Lücke im Gesetz erkannt.
      Die neuen Bedingungen begünstigen vor allem Pflege-Wohngemeinschaften. Diese können Betreuungs- und Pflegekosten auf der einen Seite und die Kosten für medizinische Leistungen getrennt über die Pflege- und die Krankenkasse separat abrechnen.
      Dies hat dazu geführt das raffgierige Betreiber von Senioren- und Altenheimen flugs eine Umwidmung der Altenheime vorgenommen haben und statt 60 "Altenzimmer" dort mit den gleichen Pflegebedürftigen 10 bis 12 Pflegewohngemeinschaften gebildet haben und dadurch erheblich höhere Einnahmen und Nettoeinkommen haben.
      Allgemein herrscht gerade im "Betreuten Wohnen"immer noch ein starker Bauboom, der sicherlich irgendwann zu einem Überangebot führt. Zur Zeit ist dies nicht der Fall und die Mieten sind auch nicht auf dem Rücken von ZiVis kalkuliert worden. Die normal schon hohe Miete für die barrierefreie Wohnung wird mit einem saftigen Aufschlag von hier aktuell 75 Euro pro Wohnung für "betreutes wohnen" und Person versehen und dadurch sehr wirtschaftlich für den Anbieter. Anschliessend bleibt festzuhalten das der vorige Beitrag von Unternehmerseite in keinster Weise die Realität widerspiegelt! :)
    • Abschließend möchte ich nun nochmal zu der von mir angeregten Diskussion zu dem Problem hier vor Ort Stellung nehmen.
      Alle betriebsfremden Bewohner Bardamen, Hartz IV Empfänger oder Wanderarbeiter sind verschwunden bzw. das Mietvethältnis ist gekündigt.

      Es gibt wieder eine "Empfangsdame", die Hausmeister übernehmen kostenlose Hilfeleistungen, eine 24stündige Einsatzbereitschaft ist installiert. Zusätzlich wurde im Eingangsbereich ein Kontakttelefon zugesagt und wird wie weiter abgesprochen Veränderungsbedarf in Kürze in Angriff genommen. Regelmäßige Veranstaltungen finden statt. Beschäftigungstherapie, Ergotherapie und und wird angeboten.
      Ok im Gegenzug wurde ein kleiner Teil der 90 Wohneinheiten zu Pflegewohngemeinschaften umgewidmet. Die Stimmung im Hause, bei Mitarbeitern und Mietern ist seit langer Zeit sehr positiv. Nachweisbar haben alle das Recht sich ihren Pflegedienst selbstbestimmt zu suchen.
      Kurzum herrliche Zustände in Papenburg-Emsland. Ein gelungener Neuanfang! Die einzig verbliebene Differenz ist vielleicht, Wer hat's bewirkt? Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter. ;)