[GroKo] Abgeltungssteuer wird abgeschafft

  • Das ist schon interessant und lädt zum spekulieren ein. Sind wirklich nur Zinserträge gemein, dann wäre das so ne Art Kompromiss um der SPD entgegen zu kommen. Zinsen gibts eh kaum noch bei Banken, den Anleihenmarkt könnte es eventuell treffen aber den mag man ja eh nicht...
    Bei Dividenden siehts m.E. anders aus. Dadurch dass deutsche Kapitalgesellschaften in den meisten Fällen schon 30% Steuern zahlen bleibt für eine weitere tarifliche Besteuerung der Ausschüttung m.E. kein Raum. Könnte sein, dass dann wieder das Teileinkünfteverfahren hierfür gilt. Ansonsten sehe ich eine verfassungsrechtlich bedenkliche Überbesteuerung, aber mal sehen...


    Alles in allem wäre es aber wieder mal nicht zu Ende gedacht. Denn zum einen soll man privat vorsorgen und dann nehmen se den Leuten dadurch die Möglichkeit das am Kapitalmarkt zu machen.
    Aber die SPD, die Grünen und die Linken glauben halt, dass Kapitalerträge nur was für schwerreiche Bonzen sind, die eh nie für ihr Geld gearbeitet haben, und der Großteil Deutschlands schreit dazu "Hurra" und glaubt auch dass man damit nur die Reichen triff.


    Vox populi, vox Rindvieh... sagte mein Ethiklehrer immer :D

  • Hallo Raphael ,
    linke Parteien lehnen die Abgeltungssteuer ab weil allzu oft Arbeit höher besteuer wird als leistungsloses Einkommen durch Kapitalerträge.
    Für den Kleinsparer (zu dem du nicht gehörst, es tut mir sehr leid für dich ;)) gibt es den Freibetrag. Über dessen Anhebung kann man streiten, ich bin klar dafür.
    Aber es lohnt sich noch nicht zu streiten, die Koalitionsgespräche sind ja noch nicht fertig. Sorgen musst du dich aber nicht, die Partei der arbeitenden Bevölkerung hat das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren, es gibt anscheinend sehr viel Menschen in Deutschland mit einem erheblichen Kapitalvermögen :)

  • Leistungsloses Einkommen, arbeitende Bevölkerung...


    Nur um das zusammen zu fassen: Ich als Selbstständiger mit 12 Angestellten aus der arbeitenden Bevölkerung arbeite selber also nicht bis wenig und habe damit auch nicht das Recht Geld anzulegen ohne dass gesamtwirtschaftlich gesehen 60% des Geldes weg sind?


    Dann muss ich sagen bin ich froh dass das Ergebnis so schlecht war...


    Meine Mutter war alleinerziehend und hat sich mein Studium vom Mund abgespart. Und weil ich jetzt gut verdiene und daher ein bischen verteilen kann gehöre ich natürlich zum kapitalistischen Grossbürgertum, dass das Proletariat ausnutzt. Gut dass die Welt so einfach ist.


    Vielleicht hätte der ein oder andere hart Arbeitende (also nicht ich, ich zähle ja nur mein Geld) auch eine bessere Altersvorsorge wenn er statt irgendwelche unnützen Versicherungen abzuschliesssen und Bankern Blödsinn zu glauben ETFs oder Aktien kaufen würde. Dann wäre ihm auch klar warum 25% für alle gut sind. Aber der Kapitalmarkt ist ja per se böse... :S

  • Hallo Rafael du hast vergessen vorzuschlagen ärmere Menschen sollten weniger Bier trinken und Zigaretten rauchen ;)
    mein Fehler, statt arbeitender Bevölkerung hätte ich Angestellte/Arbeiter schreiben sollen, denk bitte dran: die Welt besteht nicht nur aus Steuerberatern, Apothekern, Ärzten und Rechtsanwälten, irgendwer muss auch die Dividende erwirtschaften ;)
    Das Großkonzerne so enorme Steuerbelastungen tragen wusste ich wirklich nicht, Apple sollte aufhören Iphones zu verkaufen, es lohnt einfach nicht.

  • Es wäre gut wenn Ihr von dem komödiantischen Nebengleis wegkommen würdet.


    Lt. Einkommenssteuerrechner liegt der Grenzsteuersatz in Höhe des Abgeltungssteuersatzes bei einem zvE von rund 33.000 Euro bei Verheirateten. Heißt im Umkehrschluss, dass alle, die ab dieser Grenze verdienen, bei einem Wegfall der AgSt für das Sparen bestraft werden. Bei einer langjährigen Rendite von 8% (das lässt sich so schön dividieren) kann man maximal 20.000 Euro an Ersparnissen haben, damit die Erträge steuerfrei bleiben.


    Ich bin nicht der Meinung, dass wir bei der von mir genannten Einkommens- und Vermögenskategorien von Mitbürgern sprechen, die das primäre Ziel von Umverteilungsdiskussionen sein sollten.

  • Ich bin nicht der Meinung, dass wir bei der von mir genannten Einkommens- und Vermögenskategorien von Mitbürgern sprechen, die das primäre Ziel von Umverteilungsdiskussionen sein sollten.

    Wer ein zvE von 33.000 Euro hat, erzielt wahrscheinlich ein Bruttoeinkommen von rund 45 TEUR. Durch eine linke Brille betrachtet, ist das wahrscheinlich schon überdurchschnittlich.


    Andererseits: Die Kapitalerträge unterlagen jahrzehntelang der Tarifbesteuerung und mich würde die Abschaffung der Abgeltungsteuer auch schmerzen, aber wirklich gerecht finde ich sie aus gesamtwirtschaftlicher Sicht nicht. Und das Argument, dass Sparen bestraft wird, überzeugt mich nicht, da könnte jeder Unternehmer und Vermieter sagen, investieren wird ebenfalls bestraft. Viel sinnvoller wäre es für mich, wenn Altersvorsorge sinnvoll gefördert wird, aber nicht mit kostenintensiven Produkten, sondern vielleicht so wie Lebensversicherungen. Also ein Fondssparplan (Depot), dass bis zum 60 Lebensjahr bespart wird, bleibt außenvor, ggf. bis zu einer bestimmten Höchstgrenze.

  • Also wie gesagt bleiben wir nur mal bei dem was bisher bekannt ist: Zinsen, nicht Dividenden oder Veräußerungsgewinne sondern Zinsen.


    Das womit der typische Deutsche früher Zinsen erwirtschaftet hat, also Sichteinlagen, Festgeld etc ist derzeit faktisch bedeutungslos. Selbst wenn wir 2% rechnen, was derzeit haarsträubend ist bräuchte man 40.050 € Sichteinlagen x 2% = 801 € um über den Sparerpauschbetrag zu kommen. Bei derzeit eher realistischen 0,5% wären es 160.200,- € Sichteinlagen beim Single.
    Wenn das der deutsche Michel haben würde, dann könnten wir uns die Diskussion sparen.


    Ich möchte nur nochmal meine 60% von oben präzisieren:


    100.000 € Gewinn vor Steuern bei der Kapitalgesellschaft heist 70.000 € nach Steuern, die ausgeschüttet werden können. Wenn darauf nun nochmal 42% kommen, sind es nochmal 29.400,- € an Steuern, so dass beim Anteilseigner 40.600,- € ankommen. Daher meine ich müsste wenn dann das Teileinkünfteverfahren wieder eingeführt werden.



    Eine Umverteilungsdiskussion ist klar brauchen wir hier nicht anfangen, da müssten die Grundfreibeträge erhöht werden und die Progression milder ausgestaltet werden. Und ich meine damit nicht 100.000 € und mehr. Ich habe mich noch nie über die 42% beschwert und werde es auch nicht. Meine Kinder wachsen in nem sicheren Umfeld auf, wir haben genug zu essen und freien Zugang zu Bildung. Das sage ich auch immer jedem, der sich über die 42% beschwert. Denn die zahlt niemand der wenig verdient, aber auch das ist ja eine sehr subjektive Komponente.
    Ich meine eher wir müssten die Beitragsbemessungsgrenzen abschaffen, so dass auch alle mit sehr hohen Einkommen in die Rentenversicherung einzahlen und wie bspw. in der Schweiz nur bis zu einer gewissen Grenze eine Gutschrift auf dem Rentenkonte erfolgt und der Rest in den allgemeinen Topf geht. Aber klar, dann müssten wir mit den Steuern runter, aber bei denen weis eh keiner so genau, was der Staat damit macht. Daher fände ich es ehrlicher, wenn die SV anders geregelt wird. Auch unser Zweiklassen System bei der Medizin gehört weg, aber die Bürgerversicherung wird ja wieder nicht kommen, war auch klar....

  • Ich meine eher wir müssten die Beitragsbemessungsgrenzen abschaffen, so dass auch alle mit sehr hohen Einkommen in die Rentenversicherung einzahlen und wie bspw. in der Schweiz nur bis zu einer gewissen Grenze eine Gutschrift auf dem Rentenkonte erfolgt und der Rest in den allgemeinen Topf geht.

    Ja, das wäre mal ein sozialpolitisch sinnvoller Ansatz!


    Auch unser Zweiklassen System bei der Medizin gehört weg, aber die Bürgerversicherung wird ja wieder nicht kommen, war auch klar....

    Das sehe ich grundsätzlich auch so - nur leider hat mir bisher noch keiner die Frage beantworten können, warum die Einführung der Bürgerversicherung die Zweiklassenmedizin gegenstandslos macht. Die Zusatzversicherungen würden boomen und die zwei Klassen wären sofort wieder da oder eben nie weg.


    Kleines Beispiel vom letzten Wochenende: Besuch in der Notaufnahme - relativ voll - Kassenpatient (?) -> ja, das Ende der Reihe ist da hinten...Während der Aufnahme frage ich meinen Vater, ob er denn noch die Zusatzversicherung mit Chefarzt hat, die Dame spitzt die Ohren und schwubs sitzen wir in einem anderen Zimmer und der Herr Oberarzt erscheint nach 10 Minuten... noch Fragen?

  • Aus dem Sondierungspapier Zeile 668-670


    Die Abgeltungssteuer auf Zinserträge wird mit der Etablierung des automatischen Informationsaustausches abgeschafft;

    Wann wird die Etablierung des automatischen Informationsaustausches etabliert sein? Ist zu erwarten, dass die Abgeltungssteuer auf Zinserträge schon ab 2019 oder erst danach abgeschafft wird?

  • Das ist im Moment Spekulation, da es sich um politische Absichtserklärungen handelt und diese mit einer tatsächlichen Realität nichts zu tun haben müssen, s. die damalige Garantie für die Einlagen der Bundesbürger in der Finanzkrise.


    Wenn man es ernst nimmt wäre die sofortige Abschaffung möglich, da der Informationsaustausch bereits etabliert ist. s. http://www.bundesfinanzministe…nformationsaustausch.html