Hilfe der Crash kommt... (bald?)

  • Hallo Monstermania

    ich habe viele Jahre lang immer die Prognosen der sogenannten Börsenfachleute gesammelt um zu sehen was daraus geworden ist und was dieselben Leute später dazu sagen.

    Eines habe ich schnell festgestellt.

    Je extremer die Prognosen, desto eher schafft man es in die Schlagzeilen.

    Allerdings ist es so, dass die Prognosen immer nur mit einer Zufallswahrscheinlichkei eingetroffen sind.

    Wer beispielweise jahrelang vor einem Crash warnt wird diesen natürlich auch mal vorhersagen, wenn er dann eintreffen sollte. siehe Paul C. Martin (Cash-Paule) in den 1980er Jahren. Oder MrDax Dirk Müller.

    Die Anhänger von Crash-Paule waren dann in der Tat beim 87er Crash nicht dabei, allerdings auch nicht bei den zuvor erzielten Gewinnen und erst recht nicht beim anschließenden Kursanstieg. Ähnlich trostlos sieht es langfristig beim Dirk-Müller-Fonds aus.

    Nicht umsonst heißt es: "Prognosen sind besonders schwierig, wenn sie in die Zukunft gerichtet sind"

    Achte mal darauf:

    Wenn ein Journalist bei einem Interview der Finanzspezialisten der bekannten Großbanken, Fondsgesellschaften oder Vermögensverwaltern nach einer DAX Prognose oder DOW Prognose für das laufende Jahr fragt, dann werden die Pronosen IMMER in einer Banbreite von Minus 10% und maximal Plus 20% vom aktuellen Stand ausgehen.

    Das liegt daran, dass diese Wertentwicklung logischerweise die größte Wahrscheinlichkeit hat.

    Andererseits muss der Fondsmanager nicht erklären, warum er selbst in seinem Fonds an Aktien festhält, wenn er beispielsweise eine negative Prognose geben würde.

    Achte mal bei den Interviews auf diese Bandbreite.

    Extremeinschätzungen kommen immer nur von solchen Menschen die in die Schlagzeilen wollen. Daher solltest Du solche Prognosen als reine Unterhaltung ansehen ohne jeglichen Nutzen. Nicht umsonst heißt eine alte Weisheit:

    "Die Pessimisten haben die Schlagzeilen, die Optimisten die Gewinne".

    Schöne Grüße vom schwäbische McProfit

  • Betrachtet man die gesamte Nachkriegszeit, dann könnte selbst ein Fußball-Bundesliga-Trainer statistisch eine längere Verweildauer im Job haben als ein italienischer Regierungschef ...


    Immerhin haben es die Italiener geschafft, daß die Bürger gar nicht mal so schlecht leben und unvermögend sind (im Durchschnitt und im Vergleich zur Eurozone gesehen) - während der italienische Staat gleichzeitig aber exorbitant verschuldet ist und dessen Verschuldung immer noch weiter ansteigt (ca. 150% vom BIP; das 2,5fache dessen, was im Vertrag von Maastricht als maximaler Wert definiert ist). Aber wenn interessieren in der EU noch Verträge ?


    Vielleicht gilt da Ähnliches wie in der Schweiz. Wie mir mal ein Schweizer erklärte: "Wir haben tendenziell glückliche Bürger und ein glückliches Volk, aber unglückliche Politiker. Bei euch Deutschen scheint es mir umgekehrt zu sein" ....


    Ganz direkt zum Strangtitel "Crash": Neben all den Problemen - von Corona über Inflation bis hin zum Krieg in der Ukraine samt möglichem Energienotstand - wird man Alles tun, um Italien (mal wieder) zu helfen. Zu der genannten ohnehin schon toxischen Mixtur, dürfte nämlich die nächste Eurokrise das Letzte sein, was man in der EU jetzt noch gebrauchen kann.


    Nichtsdestotrotz: molto fragile ...

  • Hallo MONSTERMANIA

    Du hast am Mittwoch dieser Woche an die DAX Prognose der ARD Tagesschau vom Jan. dieses Jahres erinnert mit damals 18.000 Punkte als Ziel für 2022.

    Ich habe auf Deinen Kommentar geschrieben, dass Du davon ausgehen kannst dass die Analysen und Fachleute der großen Banken, Vermögensverwalter, Fons bei ihren Prognosen nie Extremprognosen machen. Weder nach oben noch nach unten. Das überlasen sie den sogenanannten Gurus oder Crashpropheten.

    Von den als seriös geltenden Institutionellen bekommt der Journalist fast immer eine Prognose (neudeutsch RANGE genannt) zwischen Minus 10% und Plus 15% mit einer Tendenz eher zum PLUS.

    Der Grund für diese eher als langweilig geltende Prognose ist, dass diese Einschätzung historisch und mathematisch die höchste Wahrscheinlichkeit hat.

    Leider bekommt man damit keine Schlagzeilen, diese bekommen die sogenannten Gurus oder Crashpropheten.

    Zurück zur DAX Prognose der ARD im Januar.

    Lieber Monstermania, gerade das von Dir zitierte Beispiel der Januar Prognose deckt sich mit meiner Erfahrung.

    Auch wenn man es kaum mehr glauben mag:

    Im Jan. notierte der DAX noch bei 16.000 Punkten.

    Eine Prognose von 18.000 Punkte war daher nicht nur bei der ARD normal, sondern auch die Progonose in den meisten Jahresausblicken der großen Banken.

    Rechnet man aber von 16.000 hoch auf 18.000 dann stellt man fest, dass das aus damaliger Sicht gerade mal 13% Gewinnpotential waren.

    Also zufällig genau in der von mir genannten Größenordnung von bis zu 15% Gewinnpotential.

    Aus heutiger Sicht erscheint einem eine Prognose von 18.000 Punkte unvorstellbar weil wir eben jetzt gerade 13.000 Punkte haben.

    Wenn sich im Moment ein Analyst einer Bank oder Fondgesellschaft überhaupt zu einer Prognose traut dann sind es längstr nicht mehr diese 18.000 vom Januar, sondern wieder dieselben 10% nach unten und 15% nach oben.

    D.h. nach unten 11.700 Punkte und nach oben 14.900 Punkte.

    Extremere Einschätzungen gibt es nur von solchen "Experten" die ein eigenes Interesse damit verfolgen.

    Wenn die Anleger, nicht so vergesslich wären, würden sie den laufenden Prognosen schon längst nicht mehr trauen weil man mit Würfeln genauso gut richtig oder falsch liegen könnte.

    Schöne Grüße und viel Erfolg wünscht McProfit.

  • Bei den Prognosen ist es wie bei den Börsennews, die machen zu 99,9 % keinen Sinn.

    Es ist vor allem "Marketing"! Es geht nicht darum, ob man richtig liegt. Fragt in einem Jahr eh keiner mehr. Hauptsache der Name wird genannt!



    Meine Tipps bleiben die von Kostolany:

    - steigende Zinsen, langfristig schlecht. Vor allem wenn die KGVs sehr hoch sind

    - viele IPOs, schlecht

    - jeder redet über Aktien, schlecht (hier aktuell der Bitcoin als schönes Beispiel)

    - es wird alles gekauft, ohne fundamentale Daten: Spacs, Gamestop usw., oder bei Bitcoin NFTs (parallele zum Tulpencrash)



    Ist es für Timing geeignet? Leider nein. Übertreibungen können lange anhalten, wenn die (Klein-) Anleger reich werden wollen.




    Beispiel:

    In einem anderen Forum habe ich jahrelang vor der Euphorie beim Bitcoin gewarnt. Ich halte meine Begründung nach wie vor für gut.

    Aber: Habe ich Recht? Nein, bei den Kursbewegungen muss ich den Diskussionspartnern gratulieren!

    Ich habe bereits bei Kursen unter 10.000 gewarnt ;)

  • Wer den Börsenbrief von Jim Rickards abonniert hat, weiß Bescheid:
    "Warnung vor Börsencrash ab 27. Juli um 20 Uhr"


    Kriegt er damit tatsächlich noch Klicks? Vermutlich ja, denn laut Wikipedia drehen sich seine Publikationen seit 2014 immer ums Thema Crash. Dazu scheint er also Experte zu sein. Auch die Finanzkrise 2008 scheint er 2009 richtig vorhergesagt zu haben... ;-)

  • Wer den Börsenbrief von Jim Rickards abonniert hat, weiß Bescheid:
    "Warnung vor Börsencrash ab 27. Juli um 20 Uhr"


    Kriegt er damit tatsächlich noch Klicks? Vermutlich ja, denn laut Wikipedia drehen sich seine Publikationen seit 2014 immer ums Thema Crash. Dazu scheint er also Experte zu sein. Auch die Finanzkrise 2008 scheint er 2009 richtig vorhergesagt zu haben... ;-)

    Welche Ortszeit? (Frage für einen Freund)

  • Kater.Ka


    Mal kurz Spaß beiseite: Bei 3,5 % Leitzinsen muß m. E. für die Fed die Fahnenstange nicht zwingend erreicht sein (wenn man z. B. mal an die Taylor-Regel, die Zeit von Paul Volcker usw. denkt). Dann könnte es auch auf 6% oder mehr hoch gehen. Was solche Zinsen dann für Vermögenswerte wie Aktien und Immobilien aber auch die Kurse von Anleihen (mit längere Laufzeit) bedeuten, muß hier wohl nicht ausgeführt werden.


    Die Frage wäre dann nur, welchen Drawdown die Fed am US-Aktienmarkt und am US-Immobilienmarkt hinnimmt bzw. akzeptiert. Da hängt schließlich die Altersvorsorge sehr vieler US-Bürger sowie die Konsumbereitschaft der US-Bürger dran. Was passiert, wenn die Arbeitslosigkeit durch die Zinserhöhungen in den USA steigt, nimmt die Fed das hin zwecks wirksamer Inflationsbekämpfung ? Jedenfalls solange die Märkte nicht finanziell komplett austrocknen sprich noch liquide bleiben. Oder kommt es zur Kehrtwende ? Die Fed hätte dann zinstechnisch zumindest wieder einen Hauch Spielraum aufgebaut.


    Dazu kommen dann noch politische Aspekte wie die allgemeine Stimmung in der Bevölkerung (Stichwort: Nächste US-Wahl).


    Ziemlich komplexe Sachlage und teilweise eine toxische Mixtur. Läßt man die Inflation zu lange laufen und sich etablieren (Zweitrundeneffekte, Lohn-Preis-Spirale), muß man erfahrungsgemäß später umso heftiger auf die (geldpolitische) Bremse treten. Was in aller Regel noch schlimmere Auswirkungen auf die Wirtschaft hat.


    Allzu groß scheint mir der Spielraum (und die Leidensfähigkeit) der Fed nicht zu sein. Mit der Einschätzung kann ich allerdings auch daneben liegen. Immerhin deutlich größer als der der ECB, die inzwischen fast völlig unter fiskalischer Dominanz steht (s. Notfallsitzung: Nicht wegen der hohen Inflation sondern wegen der Schuldendiensttragfähigkeit von Italien ...). Und ein im Rahmen der sog. Zinswende aufgebauten zinstechnischen Spielraum kann man bei der ECB nicht mal mit der Lupe sehen. Der Einlagezins ist immer noch negativ ...


    Die Gretchenfrage dürfte sein, wie lange man (präziser breite Bevölkerungskreise) den Notenbanken (insbesondere der ECB) noch abnehmen, die Inflation wirklich wirksam bekämpfen zu können und auch zu wollen. Solange dieses Vertrauen in unsere bunt bedruckten Zettel noch existiert, kann man die Märkte im Zweifel mit weiteren frischen Billionen fluten. Wie es in den letzten Jahrzehnten üblich geworden ist.


    Ein bißchen heikel finde ich die ganze Entwicklung ehrlich gesagt schon.


    Magst Du dazu Deine geschätzte Meinung äußern ? Würde mich interessieren.

  • Magst Du dazu Deine geschätzte Meinung äußern ?

    Rein persönliche Meinung, kann alles auch ganz anders kommen.


    Für die USA und damit für den MSCI World sehe ich das so, dass dort die Spitze der Inflation erreicht ist und die Rezession bereits eingetreten ist s. GDPnow https://fred.stlouisfed.org/series/GDPNOW/ Ich teile die Marktmeinung, dass die Fed immer geringere Erhöhungsschritte machen wird und über eher kurz als lang die Zinsen wieder senken wird, da eben auch die Inflationserwartung zurückgeht. https://fred.stlouisfed.org/series/T5YIFR Die Fed hat insoweit die Hausaufgaben einer Notenbank wenn auch spät gemacht.

    Für den Aktienmarkt würde ich zwischen der beginnenden und der darauf folgenden Berichtssaison noch mal -10 bis -15% auf Dollarbasis sehen und habe schon Kauflimits bzw. stelle noch welche ein. Wenn man sagt, dass Aktienmärkte 6-9 Monate vorausschauen sollte es mit einer Drehung im Herbst passen.


    Beim Kauf muss man halt den Dollar mit im Auge behalten. Da ich für Europa schwarz sehe wird dadurch der Kauf noch teurer, Daher werde ich mir nicht all zu lange Zeit lassen.

  • Rein persönliche Meinung, kann alles auch ganz anders kommen.

    Das ist ja (leider) immer so. Siehe auch bei mir als Einschränkung im Beitrag 1077.

    Für die USA ... ... mit einer Drehung im Herbst passen.

    Vielen Dank für Deine Einschätzung samt Links ! Klingt schlüssig. So sehen das auch einige Leute in meinem Umfeld (insbesondere mit der US-Rezession).

    Da ich für Europa schwarz sehe ...

    Vollumfängliche Zustimmung. Die Frage bleibt halt, wie schwarz ? Um den Euro (Eurozone) zu erhalten, wird man Alles machen. Die Konsequenz dürften weit im Negativen liegende Realzinsen sein (im Zweifel Finanzielle Repression ad infinitum), eine Liraisierung des Euro (Richtung Weichwährung) bei gleichzeitig schwachem Wachstum und erhöhten Inflationszahlen ... ? Stagflation ... ? Hoffentlich fällt nicht auch noch Deutschland wegen der spezifischen Lage (Ukraine, Gas, Energieabhängigkeit usw.) als einer der wenigen Stabilitätsanker der Eurozone aus ... Wäre kein guter Zeitpunkt. Zusammen mit der Situation bzw. Regierungskrise in Italy. Das große Kapital (Institutionelle usw.) dürfte es vermehrt eher Richtung USA ziehen.