• Ich habe zwei Nachranganleihen von VW und OMV. Ansonsten mehrere High-Yield-Fonds.


    Grundsatzartikel hier https://www.finanztip.de/anleihen/


    Empfehlen würde ich keine. Hintergrund sind die aktuell niedrigen Zinsen für Anleihen. Die Euro am Sonntag, die mMn in jeder Ausgabe gut über neue Emissionen und den Stand der Dinge berichtet, hatte letzten Samstag eine Heidelcement 10 Jahre / 1,75% p.a., Portugal 16 Jahre / 2,25% sowie eine Nachrang von BayWa 4,25% nominal, Zeit bis ersten Call 4,5 Jahre, Rendite 2,8%, kein Rating. Bundesanleihe bis Feb. 2027 nominal 0,25%, Rendite 0,44 & p.a.


    Unterscheiden muss man jetzt ob man bis zum Ende hält oder vielleicht unterwegs mal verkaufen möchte. Im ersten Fall mit einem Festgeld vergleichen. Da liegen wir mit deutscher Einlagensicherung bei 1,4% p.a. 5 Jahre und 1,8% 10 Jahre. Draus sieht man dass das besser als die Bundesanleihe bei gleicher Sicherheit ist, Und auch die Industrieanleihe ist nicht besser bei erhöhtem Risiko.


    Wenn man ggf. zwischendurch raus möchte muss man sich mit dem Zusammenhang Zins, Rendite, Duration und Kurs beschäftigen. Kauft man heute eine Anleihe mit 10 Jahren Laufzeit zu 1% und steht der Marktzns für fünfjährige Anleihen in fünf Jahren bei 2% würde der Kurs dieser Anleihe bei rund 95% stehen, da die mit den neuen, höher verzinsten fünfjährigen Anleihen konkurriert, Verkauft man dann sind die 5*1% Ertrag der ersten fünf Jahre durch den Kursverlust aufgefressen.


    Es gibt jetzt zwei Szenarien: Draghi erhöht die Zinsen, dann fallen die Anleihenkurse. Draghi erhöht die Zinsen nicht, dann bleiben die Anleihenkurse, man verdient aber eh nichts damit. Also irgendwie kein so tolles Investment.


    Klassisch sind Rentenfonds mit Anleihen längerer Laufzeit aufgrund der Zinsstrukturkurve nicht schlecht. Man kauft dort ein Portfolio z.B. von zehnjährigen Anleihen bei Emission und verkauft sie z.B. nach fünf Jahren. Da die Zinsstruktur so ist, dass es normalerweise für 10 Jahre mehr als für 5 Jahre gibt erzielt man einen Zusatzertrag da der Verkauf über pari erfolgt (rolling down the yield curve). Nun ist es aber so, dass diese Zinsstrukturkurve kollabieren kann oder sich gar invertiert. In USA ist sie gerade schon kollabiert. Ich kann mich daran erinnern dass es zu meinen Studienzeiten für ein- und zweijährige Sparbriefe zweistellige Zinssätze gab, für längere aber weniger - das ist genau der Effekt einer invertierten Kurve


    Lange Rede kurzer Sinn: Ich würde aufgrund des Klumpenrisikos bei kleinen Depots von Einzel-Anleihen abraten. Rentenfonds sind aufgrund der aktuellen Zinssituation und Zinsstruktur kurzfristig kein guter Plan. Ich halte sie aber trotzdem grundsätzlich als stabilisierenden Faktor in einem Portfolio notwendig, würde sie aber analog zur Finanztip-Empfehlung derzeit durch Festgeld ersetzen.