Steuern auf Auszahlung von Lebens-/Rentenversicherungen

  • Hallo,


    ich kämpfe mich seit einigen Wochen durch das Versicherungschaos meiner Lebensgefährtin. Konkret geht es um drei Lebens- bzw. Rentenversicherungen, die allesamt beitragsfrei gestellt sind. Wir überlegen, eine oder zwei von diesen Versicherungen zu kündigen, da diese in der Form sowieso nicht mehr weiter geführt werden. Uns ist klar, dass bei Rückkauf i. d. R. ein Verlust gemacht wird. Es handelt sich um folgende Versicherungen:

    • Fondgebundene Rentenversicherung (Riesterversicherung)
      Versicherungsbeginn / -ende: 2002 / 2038
      beitragsfrei seit 2011


    • Fondgebundene Lebensversicherung
      Versicherungsbeginn / -ende: 2000 / 2038
      beitragsfrei seit 2011
      aktueller Rückkaufswert: ca. 6300 Euro


    • Lebensversicherung
      Versicherungsbeginn / -ende: 2003 / 2038
      beitragsfrei seit 2017 (davor VL durch Arbeitgeber)
      aktueller Rückkaufswert: ca. 3500 Euro

    Bei der Riesterversicherung weiß ich gar nicht, ob die überhaupt gekündigt werden kann und wenn ja, fallen da wahrscheinlich Steuern an da staatlich gefördert, oder?


    Bei der Dritten hat der Arbeitgeber ein Teil der Beiträge im Form von vermögenswirksamen Leistungen bezahlt. Wirkt sich das auf die steuerpflicht aus?


    Die Zweite sollte auf jeden Fall steuerfrei sein, oder?


    Für Antworten und Tipps wären wir sehr dankbar.


    Viele Grüße
    toka1977

  • Den Riester kündigen, heißt "schädliche Verwendung" (Paragraph 93 EStG), sprich Zulagen und Steuervergünstigungen zurückzuzahlen. So mindert sich das Guthaben im Vertrag.
    Das Guthaben auf einen neuen Riestervertrag zu übertragen, wird ja nicht der Plan sein.


    Zu den anderen Sachverhalten müssen andere Forist etwas beitragen, da wird es mir zu wackelig.

  • 2. ist tatsächlich steuerfrei, da mind. 5 Jahre eingezahlt und insgesamt mind. 12 Jahre gelaufen.


    3. Da ist nicht ganz klar: War das eine betriebliche Altersvorsorge oder nicht? Also: Wurde die aus dem Brutto gezahlt oder nicht?
    Wenn nein, dann gilt das gleiche wie bei 2., weil dann rein "private Versicherung".
    Wenn ja, wird es kompliziert. Steuern und SV fallen dann an. Die Frage ist dann, wer überhaupt der VN ist? Noch der AG?

  • Hallo Referat Janders und Saidi,


    vielen Dank für die Antworten.


    Das mit dem Rieser-Vertrag habe ich mir schon gedacht. Da macht es dann wohl am meisten Sinn, den Vertrag weiter beitragsfrei ruhen zu lassen. Oder ggfls. wieder aufnehmen und weiter bedienen, falls das überhaupt möglich ist.


    @Saidi, es reicht also aus, dass bei der Nr. 2, die Beiträge mindestens 5 Jahre eingezahlt wurden? Ich hätte gedacht, die 12 Jahre beziehen sich auch auf die Beitragszahlung.


    Wegen der Nr. 3 muss ich dann wohl die alten Lohnabrechnungen durchforsten.


    Falls meine Lebensgefährtin eine Versicherung kündigt, muss sie die Einnahmen trotzdem irgendwo in der Steuererklärung angeben?


    Viele Grüße
    toka1977

  • Die Regel war 5+7: mind. 5 Jahre einzahlen, mind 7 Jahre ruhenlassen.


    Zum steuerlichen Ablauf genau kann ich leider nichts sagen. Ich würde vermuten: angeben und nachweisen, dass steuerfrei.


    Ich kann versuchen hierzu Expertenrat einzuholen, wird aber etwas dauern. Kann jemand anders hierzu beitragen?

  • Die Riesterversicherung die beitragsfrei gestellt worden ist kann jederzeit wieder bedient werden - so flexibel ist Riester - da Beginn 2002 würde ich meinen ist das auch je nach Anbieter/Konditionen noch ein sehr, sehr guter Altvertrag...


    hab meinen auch seit 2002 und die Konditionen möchte ich heute nicht mehr missen....

  • @Maxim Grundsätzlich geb ich dir recht, guter Hinweis.
    Aber @toka1977 schreibt fondsgebundener Riester - wenn das ein klassischer Riester wäre, würde ich dir 100% zustimmen, der hat noch einen hohen Garantiezins.
    Bei einem fondsgebundenen ist das schwer zu beurteilen: Gibts eine Mindestverzinsung auf das Guthaben? Oder reine Bruttobeitragsgarantie? Und was sind da für Fonds drin? Ich kenne alte Riester mit grauenhaften uralten und superteuren Fonds...


    @toka1977 Um das gut zu beurteilen, brauchst Du einen Honorarberater. Lohnt sich aber nur, wenn da ordentlich Geld drin ist.

  • Hallo,


    nochmals Danke für die Antworten.


    Laut Wertmitteilung vom 31.12.2017 lag das gebildete Kaptial zum 1.1.2017 bei 7839,10 Euro. Dazu kamen im Jahr 2017 615,49 Euro Zinsen, Überschussbeteiligung und Fondentwicklung, abzüglich 28,19 Euro Verwaltungskosten. Das Kapital am 31.12.2017 lag somit bei 8426,40 Euro.


    Zum Fonds steht folgendes:


    Generali Komfort Dynamik Europa: 78,65511 Anteileinheiten je 67,44 Euro = 5304,50 Euro.


    Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung was das bedeutet. Der letzte Beitrag vor der Beitragsfreistellung betrug knapp 80 Euro pro Monat.


    Viele Grüße
    toka1977

  • Zu dem Fonds Generali Komfort Dynamik Europa auf die Schnelle gefunden:
    Dachsfonds, laufende Kosten 2,05% p.a. (onvista) = auaah!


    Ich kann da nur rauslesen: Von den 8400€ gesamt sind gut 3000€ wohl im sog. Deckungsstock der Versicherung, d.h. weitgehend festverzinslich angelegt. Ob da ein Garantiezins drauf ist, wage ich zu bezweifeln - denn bei Riester ist ja nur Beitragsgarantie Pflicht...
    Die anderen 5300€ liegen in dem Dachfonds mit 2% Kosten :(


    Ohne Eure Situation zu kennen (ist ja keine Beratung hier ;), könntet Ihr evtl. über einen Wechsel in einen anderen Riester nachdenken wie zB Fairriester oder DWS Toprente:
    https://www.finanztip.de/riester/riester-kuendigen/


    Das kostet wahrscheinlich Übertragungsgebühr von Größenordnung 100€. Das sind die Fondskosten von dem Dachfonds in einem Jahr...