Börsenpsychologie am Beispiel Wirecard, Einstiegsgelegenheit oder Fallbeileffekt?

  • Ich finde solche Effekte wie den bei wirecard ja immer eine hervorragende Gelegenheit um über Börsenpsychologie zu diskutieren.


    Ich habe die Aktie selbst nicht im Depot (weil ich u.a. Mastercard habe und es ein DAX Unternehmen ist) doch ansich habe ich die Aktie immer für einen soliden Titel gehalten, weil ich die Branche ansich im Wachstum sehe und wirecard als europäischen Vertreter auch noch erhebliches Wachstum zutraue. Beim letzten stärken Kursrückgang wäre ich auch fast eingestiegen, die Dividendenrendite war mir aber erheblich zu niedrig.


    Nun hatten wir ja alleine die letzten Tage und auch Ende letztes Jahr ein paar krasse Kurseffekte innerhalb kurzer Zeit, wobei ja angeblich fake news der Grund des Letzten sein könnten.


    Wie seht Ihr das? Kann man ansich gut aufgestellte Firmen mit so etwas wirklich so stark ruinieren? Könnten wirklich short seller so etwas veranlasst haben, wie es teilweise vermutet wird?
    Oder ist das ein schlechtes Zeichen für einen Titel, wenn ihm solche Dinge so extrem zusetzen? Warum bewegen solche Neuigkeiten offensichtlich Anleger zu Hauf der Aktie den Laufpass zu geben?


    Sollte man jetzt nicht einsteigen (Glücksspiel oder gute Gelegenheit?) oder lieber Angst davor haben ins fallende Messer zu greifen?

  • Ich habe mich ja mittlerweile von den meisten Einzelaktien verabschiedet, weil eben das Ergründen eben solcher Fragen und die ständige Beobachtung der Unternehmen, um entsprechend reagieren zu können, zu viele Zeit und Energie kostet. Allerdings gerade wenn solche zuvor sehr gut bewerteten Papiere stark fallen, fühle ich mich schon etwas versucht.
    Insgesamt ist das Unternehmen für mich zu stark bewertet, nachdem was ich weiß ist da mehr Hoffnung und Glaube auf Enwicklung im Spiel, als eine echte Basis. Längerfristig könnte ich mir aber vorstellen, dass sich das angleicht. Also, wenn ich noch in Einzelaktien investieren würde, dann würde ich einen überschaubaren Betrag investieren ;-)

  • Ich wollte heute für 103 € einsteigen, da ich schon eine Zukunft für Wirecard sehe - allerdings habe ich diesen Zeitpunkt um wenige Minuten verpasst*.


    Das Problem dürfte vermutlich sein, dass auch relativ viele Stopp Loss-Orders ausgelöst wurden, das verstärkt dann natürlich solche Rückgänge.


    *Je nach Nachrichten könnte es Montag nochmal eine Chance geben. Vielleicht bin ich dann auch froh, dass es nicht geklappt hat!

  • Naja, grundsätzlich lässt sich ja jeder Einzelwert manipulieren.


    Andererseits ist der Börsenwert eines Unternehmens ja die Einschätzung des Wiederverkaufswertes in Zukunft und kann schwanken, ohne dass sich am tatsächlichen Unternehmenswert etwas ändert.


    Für mich ist es ein Argument für marktbreites Investment.

  • ...Sollte man jetzt nicht einsteigen (Glücksspiel oder gute Gelegenheit?)...

    Glückspiel! Wie bei jeder Einzelaktie. Was soll es denn sonst sein?




    Wie seht Ihr das? Kann man ansich gut aufgestellte Firmen mit so etwas wirklich so stark ruinieren?

    Ja, kann man!
    Nokia, Deutsche Telekom, General Motors, General Electric, Enron, Kodak, Deutsche Bank...(Liste beliebig fortsetzbar)

  • Ich mag es nicht mehr hören.


    Irgendwann sollten wir uns hier mal einigen, was richtig ist:
    Variante 1: Nur Index-Investments sind OK, Einzelaktien sind mangels möglicher zukunftsgerichteter Analysen Glücksspiel
    Variante 2: Einzelaktien können ein valides Investment sein, man muss sich halt über die Risiken im Klaren sein und ggf, im Zeitverlauf aussteigen wenn sich die Annahmen nicht bestätigen
    Variante 3: Buy and Hold rules egal bei was
    Variante 4; ...


    Ich hänge zugegebenermaßen der Variante 2 an, bin dafür aber auch schon hier ausgepfiffen worden.

  • Ich darf doch sehr bitten. Ich gehe davon aus, dass Dein Mehrwissen und Deine Fähigkeiten als Investor zu der Erkenntnis geführt haben, dass die Chancen hier größer sind als die Risiken. :thumbup:

    Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob da nicht böser Sarkasmus in deiner Aussage steckt. Aber ja, natürlich sehe ich vor allem die Chance, weil der Kurssturz in diesem Ausmaß ja ziemlich übertrieben ist und das ja nicht das erste mal passiert ist - die Aktie konnte sich bisher immer erholen.

  • ...


    Variante 2: Einzelaktien können ein valides Investment sein, man muss sich halt über die Risiken im Klaren sein ...

    Für ein valides Investment kommt es nicht darauf an, sich über die Risiken im Klaren zu sein. Schließlich bin ich mir beim Lotto auch über die Risiken im Klaren.
    Es kommt darauf an, ob die Risiken nötig sind, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

    Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob da nicht böser Sarkasmus in deiner Aussage steckt. Aber ja, natürlich sehe ich vor allem die Chance, weil der Kurssturz in diesem Ausmaß ja ziemlich übertrieben ist und das ja nicht das erste mal passiert ist - die Aktie konnte sich bisher immer erholen.

    Wenn das so ist, dass die Chancen höher als die Risiken sind, dann ist es kein Zocken. Ich bin nur nicht ganz davon überzeugt, wie Du das festgestellt hast.

  • Hallo zusammen,
    habe gerade die Einschätzungen zu Wirecard gelesen.
    Ich bin seit 40 Jahren an der Börse, habe mit 30 angefangen und bin heute 70.
    In den ersten Jahren habe ich immer sogenannte Turn-Arounds gesucht.
    Irgendwann nach vielen hundert Käufen und Verkäufen und nach vielen Jahren habe ich festgestellt,
    dass ich oft gewonnen und oft verloren habe. Oft war auch außer Spesen nix gewesen.
    Das Problem bei Turn-Around war für mich immer:
    was mache nachdem ich die Aktie gekauft habe? Es gibt 3 Möglichkeiten.
    Die Aktien dümpelt Wochen- oder Monatelang auf gleichem tiefen Niveau und ich warte und warte.....
    Oder: die Aktie fällt trotz vermeintlichem Tiefstkurs erstmal weiter...…
    Oder: Der Aktienkurs steigt tatsächlich nach meinem Einstieg!
    HURRA! Jetzt geht das Problem erst richtig los. Wann soll ich ich da raus?
    Nach 10% Plus in 1 Woche, nach 30% Plus in 6 Wochen? Oder auf noch höhere Kurse warten?.
    Und was - wenn die Aktie erst um 30 steigt und dann wieder fällt?
    Liebe Turnaround-Spekulante: Wenn Ihr Euch mit dieser Strategie beschäftigt, kriegt Ihr irgendwann "einen Vogel"
    Es kommt immer anders als man denkt und manchmal auch das Gegenteil davon.
    Ich glaube nach 5 bis 10 Jahren habe ich die Spekulation damals an den Nagel gehängt.
    Heute habe ich nur noch langfristige Dividenden-Aktien,
    inzwischen hat sich die Dividendenrendite auf 10 bis 20% p.a.. erhöht, teilweise noch viel höher
    weil viele Firmen vor allem in den USA seit 30 Jahren JEDES JAHR OHNE UNTERBRECHUNG nicht nur Dividende zahlen, sondern jedes Jahr eine HÖHERE DIVIDENDE.
    Da kann ich über meine frühere Turn-Around-Spekulation nur noch müde lächeln.
    Und daher ist es völlig egal ob Wirecard wieder steigt oder weiter fällt, bei der nächsten Aktie beginnt das Spiel von vorne. Das gleicht sich immer wieder aus.
    Schöne Grüße aus Stuttgart.

  • Das ist die Rendite auf den historischen Einstiegskurs. Meine Allianz hat sich z.B. seit Kauf verdoppelt, d.h. die Dividendenrendite auf den Einstiegskurs liegt nach dieser Betrachtung auf 10 statt 5%. Geht man nach diesen Dividendenaristokraten / -adel / -...- Strategien wird eine steigende Dividende über Zeit bei moderater Ausschüttungspolitik unterstellt, dann ergibt sich das zwangsläufig. Das heißt aber nicht, dass das unbedingt die besten Anlagen sind.

  • Im Stuttgarter Aktienbrief wird daher bei allen Charts auch die DSR also die durchschnittliche Dividendensteigerungsrate der letzten 10 Jahre mit angegeben. Bei größeren Einmalinvests kann man so (natürlich bezogen auf die Vergangenheit) wunderbar die Dividendenrendite in bspw. 10 Jahren errechnen. Finde ich neben der reinen Dividendenrendite durchaus eine interessante Kennzahl.