Welche Versicherungen sind absolut notwendig?

  • Ich fareg mich schon seit längerem, welche Versicherungen aboslut notwenig sind, also welche man unbedingt abschließen sollte. Es wird einem ja viel empfohlen, aber da ist sicherlich immer nur die halbe Wahrheit drinnen. Und welche Versicherungen sind "Luxus"? Ist es überflüssig für einen Gehandicappen, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen?


    Was könnt ihr mir raten? Was habt ihr gemacht? Was würdet ihr auf keinen Fall tun?

  • Hallo KaiRe,


    die allgemeine Empfehlung ist, die existenz-bedrohenden Risiken zu versichern.


    Kranken- und Pflegeversicherung sind keine Frage, da dieses beides Pflichtversicherungen sind. Die Berufsunfähigkeitsversicherung, die Du ansprichst, versichert deinen Lebensunterhalt, gehört also auch dazu. Da Du Dich als "gehandicappt" bezeichnest, wäre hier die Hilfe eines Fachmannes gefragt, der prüft, inwieweit Du versicherbar bist.


    Als nächstes kämen alle Haftpflichtrisiken und zum Schluß die Hausratversicherung, denn sie versichert das gesamte bewegliche Vermögen (ich habe schon Leute ohne da stehen sehen!).


    Das wäre für meinen Geschmack die "Erstausstattung". Alles weitere ist sehr von den individuellen Gegebenheiten und finanziellen Möglichkeiten abhängig.


    Gruß


    Nordlicht

  • Super, danke für deine Antwort!


    Ja, also "gehandicapped" ist bei mir relativ. Denn ich bin zwar chronisch krank, das wird aber nicht offiziell anerkannt (ich bin in diesme Mittelstadium von "noch nicht eingeschränkt genug" für die Leutchen vom Staat und der Krankenkasse). Falls ich irgendwann deshalb berufsunfähig werden sollte, und habe eine BU, aber habe sie auf der Grundlage abgeschlossen, dass ich "gesund" bin, dann habe ich ja im Zweifelsfall doch keine Leistungen, oder?


    Der Berater, den ich da mal vor Urzeiten befragt hatte, konnte mir nicht weiterhelfen.


    Wenn du sagst, "alles weitere", was genau meinst du? Was wären die nächste Versicherungen, die weder absoluter Extraluxus sind noch in die Grundaustattung reinfallen?

  • Moin,


    habe Deine Zusatzfrage erst jetzt gesehen, Schuldigung dafür.


    Wenn der Abschluß der BU-Versicherung lange her ist, könnte es für Dich gut aussehen. dazu muß man allerdings die Unterlagen sehen und Informationen zur Gesundheit haben. Hier könnte der Weg zum Versicherungsberater helfen, wenn dessen Honorar akzeptabel ist.


    Die Grundausstattung hatte ich schon aufgezählt, weitere sinnvolle Versicherungen wären z.B. Krankenzusatzversicherungen, wenn man in der GKV ist (Krankenhaus, Zahnersatz, Lohnfortzahlung, Auslands-KV). Wenn eine Familie vorhanden ist, ist die Risikolebensversicherung wichtig. Auch die Absicherung des Pflegerisikos, würde ich eher für sinnvoll als für Luxus halten, wenn denn das nötige Kleingeld vorhanden ist. Jenachdem, was man in Beruf und Freizeit so treibt, könnte eine Unfallversicherung sinnvoll sein. Für Leute, die ernsthaft Sport betreiben, oder, wie ich, viel im Auto unterwegs sind, halte ich das für durchaus sinnvoll, für bekennende Couch-Potatoes ist es eher Luxus. An der Rechtsschutzversicherung scheiden sich die Geister. Für die einen ist sie unverzichtbar, für die anderen völlig überflüssig. Wenn man viel auf Reisen ist (Handelsvertreter, Außendienstler, Manager) könnte man über eine Reisegepäckversicherung nachdenken.


    Dann gibt es eben noch weitere Dinge, die von den Iindividuellen Gegebenheiten abhängen (Immobilienbesitz, Sammlungen, Wertgegenstände, Schmuck). Da führt kein Weg an der individuellen Beratung durch einen Fachmann vorbei.


    Gruß


    Nordlicht

  • Kein Ding! Freu mich ja über Infos. Ich hatte halt zu dem Them anie mal eine kompakte Aufstellung gefunden. Damit hilfst du mir schon sehr weiter.


    Ein BU hatte ich bisher nicht. Zahnersatz wird bei auch schwierig, weil meine Behinderung eben in diesem Bereich liegt.


    Wenn du sagst, "Fachmann", an welche Art von Fachmann oder -frau (wir wollen hier ja die Frauen nicht vergessen und politisch korrekt sein =O ) hast du gedacht? Ich kenne Versicherungsberater - oder heißen die Makler?-, aber denen traue ich kaum mehr als den firmeneigenen Leuten. Habe mal gelesen, dass die auch gut an Provisionen verdienen.

  • Hallo,


    kann mich den Empfehlungen von Nordlicht anschließen, vielen Dank dafür. Absolut essentiell für Hausbesitzer ist noch die Wohngebäudeversicherung, aber an die denkt eigentlich jeder Eigentümer. Unfallversicherung würde ich übrigens recht kritisch sehen, die Leistungsstatistik sieht ziemlich schlecht aus. Wirklich etwas für Risikofreudige.


    Zum Thema Berater kucken Sie doch mal hier:
    http://www.finanztip.de/honorarberater-finden/


    VG

  • Hallo KaiRe,


    mit dem Ratgeber ist das so eine Sache. Ein Versicherungsmakler oder ein -vermittler werden von den Produktgeber bezahlt. Der Unterschied ist, dass der Makler nach HGB zuerst dem Kunden verpflichtet ist, der Vermittler dem Produktgeber. Der Versicherungsberater wird vom Kunden bezahlt und die Honorare sind erheblich. Dazu sind die wenigsten Versicherungsnehmer bereit, weswegen diese Berufsgruppe zahlenmäßig keine Rolle spielt.


    Die Qualität einer Beratung hängt aber nicht von dem Vergütungsweg ab. sondern von der Sachkenntnis, der Erfahrung und der Berufsauffassung des Beraters. Deswegen geht kein Weg an der Empfehlung aus dem persönlichen Umfeld oder an der eigenen Recherche vorbei.


    Gruß


    Nordlicht



  • Kann mich da nur anschließen, wobei für mich die Haftpflichtversicherung genauso wichtig ist wie die anderen, denn die wenigsten können es sich leisten, wenn sie irgendeinen Unfall mit größerem Personenschaden verursachen, das aus eigener Tasche abzubezahlen, das führt auch sehr oft zur Pleite.
    Nicht zwingend notwendig, aber vor allem in Verbindung mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung sehr wichtig ist eine Rechtschutzversicherung. Denn bei der Anerkennung der Berufsunfähigkeit gibt es oft Streitigkeiten mit der Versicherung

  • Für mich unbedingt notwendig ist die Haftpflichtversicherung sowie die Hausratversicherung. Alles andere muss meiner Meinung jeder für sich selbst entscheiden. Ich selbst habe keine Berufsunfähigkeitsversicherung. Ich arbeite im Büro und ich denke dort findet man immer arbeit.

  • @Rabbio In diesem Bereich möchte ich noch ergänzen, dass "Erwerbsminderung" relativ aufgefasst werden kann. So kann einem z. B. ein anderer Beruf zugewiesen werden oder eine Tätigkeit, die man ein paar Stunden des Tages ausüben kann. Ganz extrem gesprochen kann so der Akademiker bedingt durch Krankheit oder Behinderung zum Hilfsarbeiter werden.


    Flexibilität ist dann das Minimum und rechtzeitige Absicherung von entscheidender Wichtigkeit.


    @KaiRe Gehandicappte können sich in vielen Fällen über die Erwerbsunfähigkeitsversicherung absichern. Dafür verzichten einige Anbieter auf die Gesundheitsprüfung.

  • Nun möchte ich auch noch zu Wort melden, denn diese Frage ist wie viele andere Fragen auch nicht in einem Satz oder in einer Auflistung von Versicherungen zu beantworten.


    Jede Versicherung hat sicherlich seine Berechtigung, sofern Sie dem Versicherten den entsprechenden Mehrwert und Schutz liefert, den er benötigt.


    Die entscheidende Frage in diesem Zusammenhang ist für mich daher, welchen Schutz bzw. Leistungen benötigst Du denn? Welche Ziele verfolgst Du und natürlich welche Liquiditäts- und Vermögensströme stehen in der Zukunft an.


    Die Basis für diese Frage kann eine private Finanzplanung sein. Ich habe Dir hier mal den Link von Wikipedia eingefügt, welche den Sachverhalt erläutert:


    http://de.wikipedia.org/wiki/Private_Finanzplanung


    Erst wenn die Auswirkungen auf die private Vermögensentwicklung durch Szenarien (Krankheit, Pflege, Berufsunfähigkeit und Tod) deutlich werden, ist die Frage nach der Notwendigkeit zu beantworten.


    @Franziska


    Natürlich besteht die Möglichkeit eine so genannte Erwerbsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, aber die Leistungen sind sehr kritisch zu beachten und ob hier noch das Preis-/Leistungsverhältnis passt, wage ich in den meisten Fällen zu bezweifeln. Denn auch hier besteht das Risiko der Verweisbarkeit und einen festen Kriterienkatalog, ab wann die Leistung durch die Versicherung zu erbringen ist, wird es auch in den wenigsten Fällen tatsächlich geben.

    "Man kann die raffiniertesten Computer der Welt benutzen und Diagramme und Zahlen parat haben, aber am Ende muss man alle Informationen auf einen Nenner bringen, muss einen Zeitplan machen und muss handeln."

    Lee Iacocca, amerik. Topmanager

  • Hier mal eine kleine Hilfestellung in Form einer pauschalen Checkliste:


    1 Tabelle / Bilanz
    Grundstock einer Checkliste für einen Finanzplan muss eine Tabelle
    sein, in der man – einer Bilanz gleich - alles einträgt, was ausgegeben
    und eingenommen wird. Eine solche Planung der Finanzen kann in Detail und in Ausrichtung variieren und angeglichen werden.


    2 Ordnung
    Wenn man sich nicht mit Bilanzen auskennt, so muss man dennoch eine
    immanente Ordnung waren. Kreuz und quer geschriebenes verwirrt nur,
    nachträgliche Eintragungen erschweren die Übersicht. Eine Wochen- oder
    Monatsliste mit genauem Datum und genauen Angaben als Finanzplan ist
    gut, tägliche Buchführung ist besser.


    3 Listenaufbau
    Eine gut aufgebaute Liste hat eine Spalte für die Position, eine
    für das Datum, eine weitere für die Benennung der Ausgaben/Einnahmen und
    eine für ihre Höhe. Ein zusätzliche Spalte kann für Bemerkungen genutzt
    werden. Am besten, man macht getrennte Listen für Ausgaben und
    Einnahmen links und rechts in einem Buch und versucht, die Zeilen
    gleichmäßig und übersichtlich anzulegen. Am Ende der Seite schreibt man
    eine Gesamtsumme, die als Übertrag zum Beginn der nächsten Seite
    übernommen wird.


    4 Ausgaben und Einnahmen
    Um zu wissen, welche Finanzen zur Verfügung stehen, standen oder
    stehen werden, muss zunächst eingetragen werden, was wann wie und wofür
    ausgegeben wurde beziehungsweise eingenommen wurde. Diese Liste ist
    grundsätzlich fortlaufend.


    5 Zukünftiges
    Nicht unbedingt Teil der Bilanz, aber zwingend notwendiger Teil der
    Checkliste für einen Finanzplan sind auch die zukünftigen
    Finanzbewegungen – also all jenes mit dem man rechnen kann. Mit dem Geld
    zu rechnen, das man noch nicht hat, ist nicht sinnvoll, allerdings kann
    man das Zahlungsziel vermerken und Projektziele so besser im Auge
    behalten.


    6 Finanzierungsplan
    Hat man den Grundsatz geschaffen, kann man sich den Feinheiten der
    Aufstellung zur Finanzierung widmen. In einem Finanzierungsplan müssen
    folgende Positionen beachtet werden:

    • Kapitalbedarf langfristig und kurzfristig
    • Kostenkalkulation für Arbeit, Werkstoffe, Arbeitnehmer und weitere Ausgaben
    • Darlehensmöglichkeiten
    • Förderungen und andere Finanzierungsmittel
    • mögliche Eigenmittel
    • Fremdkapital
    • Erwartete Einnahmen
    • Aussichten

    "Man kann die raffiniertesten Computer der Welt benutzen und Diagramme und Zahlen parat haben, aber am Ende muss man alle Informationen auf einen Nenner bringen, muss einen Zeitplan machen und muss handeln."

    Lee Iacocca, amerik. Topmanager

  • Zum Punkt der Erwerbsunfähigkeitsversicherung:


    Da hast Du vollkommen Recht, der persönliche Bezug ist entscheidend. Im Kontext hier fand ich es wichtig zu erwähnen, da meiner Erfahrung nach viele die BU kennen, aber wenige diese Art der Versicherung (gibt's dazu Statistiken oder Belege?). Was ist Dein Eindruck?


    In jedem Fall sollten immer alle Optionen angeschaut und geprüft werden. Vom Lesen des Kleingedruckten ganz zu schweigen!
    ---


    Vielen Dank für die Übersicht! Bei "Bilanz" oder "Buchführung" zuckt man oft erst mal zusammen (schuldig!), aber gerade für eine erste Orientierung ist das absolut unabdinglich.

  • Hinsichtlich Statistiken zur Erwerbsunfähigkeitsversicherung muss ich leider passen, da mir diesbezüglich nichts bekannt ist.


    Wenn man auf unbekannte Versicherungen hinweisen möchte, wäre im Zusammenhang der Thematik "Berufsunfähigkeit" folgende Möglichkeiten ebenfalls zu nennen:


    Eine Buchführung und Bilanz ist aus meiner Sicht nicht nur für den ersten Überblick erforderlich, denn dies hilft in (fast) allen Entscheidungen :-)

    "Man kann die raffiniertesten Computer der Welt benutzen und Diagramme und Zahlen parat haben, aber am Ende muss man alle Informationen auf einen Nenner bringen, muss einen Zeitplan machen und muss handeln."

    Lee Iacocca, amerik. Topmanager

  • Hallo ich bin ein "Neuer" der eben die Frage gelesen hat.Kurz zunächst zu meiner Person.Ich war 40 Jahre Angestellter Vers.Kfm in einem großen deutschen Konzern und muß leider sagen,daß der Umgang mit den Versicherten insbesondere bei Personenschäden z.B UnfallVers,BUZ oder als Anspruchsteller bei einem Haftpflichtschaden oft ein Skandal ist ,Stichwort: David gegen Goliath.Um diesen Kampf gegen die Versicherer aufzunehmen ist meine Empfehlung auch eine RechtsschutzVers.in der heutigen Zeit als "wichtige Vers "zu bezeichnen denn ohne diese hat man kaum eine Chance gegen die Versicherer.

  • In diesem Aspekt wäre es hilfreich, wenn die Rechtsschutzversicherung bei einem anderen Versicherungsunternehmen abgeschlossen wird. Nur mal ein kleiner Zwischengedanke von mir :-)

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    Lee Iacocca, amerik. Topmanager

  • Haha... sehr gut!


    Super dass die Diskussion hier so gut und so lange weitegeführt wurde. Da sieht man doch wie wichtig die Diskussion rund um diese Thema ist. Und ich habe ganz viele Anregungen für mich mitgenommen. Danke!


    Ist hier nicht unbekannt, dass ich ein Gegener der BU bin (aber da bin ich persönlich beeinflusst durch meien Situaion). Man brach sich nur mal Stern & Konsorten anzuschauen, da gibt's jede Woche einen Bericht über Leute die bei ihrer Versicherung Anspruch auf Leistungen haben, aber nix krigen. @trumpet wie hast du es da ausgehalten? 40 Jahre!!! Das muss man sich mal überlegen.

  • Meiner Meinung nach:


    allgemein wichtig

    - Berufsunfähigkeitsversicherung, ganz besonders für Selbständige
    (ich habe damals zeitgleich eine Rechtsschutz abgeschlossen, um ggf auch den Anspruch durchsetzen zu können; hatte ich wohl so schon damals gelesen, vielleicht in Finanztest)


    - Haftpflicht


    mir persönlich wichtig sind außerdem:


    - Zahnzusatzversicherung (Implantate % Co).
    - Krankenhauszusatzversicherung (freie Krankenhaus- und Arztwahl; gerade weil heutzutage schwere Krankheiten wie Krebserkrankungen, etc. so häufig vorkommen)
    - Krankentagegeld (abgeschlossen als ich selbständig war)
    - private Rentenversicherung (abgeschlossen, als ich selbständig wurde und bis dahin nur sehr wenig in die gesetzliche Rente eingezahlt habe)
    - Auslandskrankenversicherung (bei rund 12 EUR im Jahr meiner Meinung nach auf jeden Fall lohnend, wenn man öfters im Ausland Urlaub macht)


    Hausratversicherung:
    ist meiner Meinung nach abhängig von den Lebensumständen und Lebensstil:
    Sind erhöhte Risiken vorhanden (Raucher im Haushalt, etc.)? habe ich einen hochwertigen Hausrat?
    Mir persönlich ist eine Hausratversicherung nicht so wichtig.


    Unfallversicherung:
    Habe ich schon seit ewigen Zeiten, werde sie aber demnächst kündigen, fällt dieses Jahr meinem "Versicherungsausmisten" zum Opfer, weil ich sie eigentlich nicht wirklich benötige und ja eine gute
    BU habe.


    Wichtig finde ich auch, ab und zu zu überprüfen, ob die Inhalte der Versicherung noch zeitgemäß sind oder veraltet
    und deshalb in Relation zur Leistung zu teuer.