Zinsentwicklung und Bauvorhaben

  • Guten Abend Forum,


    ich bräuchte mal eure fundierte Ratschläge. Meine Tochter und ihr Mann haben vor zu bauen. Sie kaufen nächste Woche einen Bauplatz für ca. 200 000 Euro.
    Bis das Grundstück erschlossen wird und letzten Endes mit dem Bauen angefangen werden kann , dauert es mindestens noch 1 Jahr, viel. auch kürzer, aber eher länger.
    Sie haben vor ein Fertighaus zu bauen für ca 350 000 Euro und mit dem Bauplatz kämen sie dann um die 600 000 Euro.


    Ihre große Sorge ist die Zinsentwicklung. Im Moment sieht es ja schon so aus das die Zinsen langfristig niedrig bleiben, aber wer weiß das schon. Das ganze Hausbauprojekt wäre natürlich gescheitert wenn die Zinsen im nächsten Jahr steigen würden.


    Würde es Sinn machen den Bauplatz mit einem zinsgünstigen Darlehen zu finanzieren und das Eigenkapital für 1 Jahr anzulegen und es dann mit in die Hausfinanzierung einfließen zu lassen?
    Bin eher skeptisch ob die Banken eine so lange Zeit ein Darlehen in dieser Höhe zinsfrei bereitstellen, habe da aber auch keine Erfahrung.


    liebe Grüße

  • Hallo Uli,


    es hört sich so an, als würdet ihr nach einem Forward-Darlehen suchen https://www.finanztip.de/baufinanzierung/forward-darlehen/ . Das nimmt die Angst vor einem plötzlichen Zinsanstieg. Aber Vorsicht: Das ist keine Option, sondern Du musst es dann auch zu den Konditionen abnehmen (oder Dich freikaufen). Das war in den letzten 10 Jahren regelmäßig ein schlechtes Geschäft... Ihr könntet auch überlegen, das zu stückeln. Also nur einen Teil über Forward absichern und mit der anderen Hälfte (z.B.) mehr ins Risiko gehen und mit besseren Konditionen schneller tilgen (Forward kostet natürlich einen Aufpreis - aber immer noch besser als die Idee, einen Kredit aufzunehmen und daneben Geld unverzinst liegen zu lassen). Das Eigenkapital und die Sparrate klingen solide und lassen Euch Spielraum.


    Viele Grüße
    Guido

  • Ich habe mal den Schnellcheck von FMH mit den Daten 600T€ Wert, 150 T€ EK, Volltilgung über 30 Jahre laufen lassen. Dabei kommt heute schon ein Wert von 1.530€ raus. Insofern finde ich das wie @Referat Janders "auf Kante genäht"


    Quelle https://hypotheken.fmh.de/rechner/fmh2/schnellcheck.aspx


    Dazu noch mal kurz die oben angestellte Überlegung:


    Bei 450 T€ über 30 Jahre müssen pro Jahr 15 T€ also 1250 € im Monat getilgt werden - ohne Zinsen. Man sieht daraus, dass selbst eine kleine Zinserhöhung nicht das Problem ist, sondern die Tilgung. Daher würde ich empfehlen die Baukosten noch mal kritisch zu hinterfragen.


    Auf der Positivseite gibt es seit 01.10. mehr Förderung von der KfW Beratung Immobilienfinanzierung: Wie mit Bestandsimmobilie verfahren? - Immobilienfinanzierung - Finanztip Community


    Unabhängig von den geäußerten Bedenken ist mMn nach dem letzten Beschluss der EZB und mit dem Führungswechsel zu Frau Lagarde nicht kurzfristig mit dem Ende der Niedrigzinsen zu rechnen. Es könnte eher noch etwas runtergehen da Pfandbriefe als Gegenstück zum Baukredit z.T, auch schon Negativzinsen haben. In Dänemark gibt es bereits Hypotheken mit Negativzins.

  • Ich muss mich in einem Punkt korrigieren: 150.000 Eigenkapital bei 600.000 Gesamtkosten sind nach wie vor sehr solide (in der Hoffnung, dass da schon alle Kaufnebenkosten/Umzug/Küche drin sind).


    1500 € monatliche Rate sind - wie die Vorredner schon erwähnten - recht knapp für das Vorhaben. Wenn Deine Tochter sicherheitsorientiert mit 20 Jahren Zinsbindung finanziert, kommt sie mit 1,1% Zins nach den 20 Jahren auf ca. 157.000 € Restschuld. Wenn sie dann immer noch mit nur 1500 € tilgt und nach weiteren 10 Jahren fertig sein möchte (bzw. rechtzeitig vor der Rente werden muss), könnte sie sich eine zwischenzeitliche Zinssteigerung auf über 3% leisten. Besser wäre es aber, mit 1600 / 1700 € einzusteigen, um vielleicht "schon" innerhalb von 25 Jahren vollständig getilgt zu haben. Damit blieben 5 Jahre mehr Zeit, sich für die Rente noch etwas mehr anzusparen als nur das abbezahlte Haus.


    Binsenweisheit, aber ich sag es trotzdem: Das größte Risiko sind nicht die Zinsen, sondern ob die Beziehung so lange hält.


    Ich drück Euch die Daumen!
    Guido