Lebensversicherungen weniger wert - Kündigung?

  • Ja,

    damals gab es noch einen Garantiezins von 4%.

    Wenn Deine Zahlen so sind wie von Dir angegeben, sind 3,8% p.a. im aktuellen Zinsumfeld natürlich wirklich gut.


    Man sollte aber auch nicht außer Acht lassen, dass es den Versicherungskonzernen zunehmend schwerfällt die Garantiezinsen überhaupt noch zu erwirtschaften. Gerade zukünftig sieht es durch die anhaltende Niedrigzinsphase für einige Versicherer ziemlich düster aus! Wir reden in Deinem Fall immerhin noch von 17 Jahren.

    Wie sicher das angesparte Kapital letztlich wirklich ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Wenn wirklich große Versicherungen in finanzielle Schieflage geraten ist auch fraglich, ob die Auffanglösung der Versicherungen (Protektor) ausreichend ist. Ich könnte mir zwar vorstellen, dass im Zweifel auch der Staat einspringt. Aber wer weiß.

    Etwas Risiko bleibt immer.

  • Im Falle einer drohenden Schieflage der Versicherung wird zunächst der Garantiezins für die Zukunft dran glauben müssen. Das gilt insbesondere dann, wenn der Garantiezins für die Schieflage verantwortlich ist. Die eingezahlten Beiträge und bereits eingenommen Zinsen dürfen als sicher gelten. Sie müssen extrem konservativ angelegt sein. Das ist einer der Gründe, warum die früher versprochenen Garantiezinsen heute kaum noch erwirtschaftet werden können.


    Wenn Du ein komplettes Bild Deiner Optionen haben möchtest, könntest Du auch noch den Widerruf der Versicherung prüfen (lassen). Bei einer Generali (richtig?) aus 1999 kann es gut sein, dass der Widerruf möglich ist und Du jetzt mehr herausbekommst als bei einer Kündigung. Freunde von mir hatten so einen Fall auch ungefähr aus der Zeit und die Proxalto schien ganz froh zu sein, den Vertrag loszuwerden. Die Zahlung kam prompt und war sogar höher als ihnen vorher ausgerechnet wurde. Allerdings ist es ein Thema mit vielen Facetten - es ist ein nicht unbeträchtlicher Aufwand und auch das Thema Steuern spielt am Ende eine Rolle.

  • Super, hat mir sehr geholfen. Dann schaue ich mir nochmal die Risiken aus dem Artikel an und entscheide dann ob es mir 3,8% Zins wert ist oder es eine Möglichkeit zum Wiederruf gibt.

  • Hallo in die Runde,


    ich bin gerade dabei, die Daten für den LV-Rechner zusammenzutragen. Dazu habe ich direkt zwei Fragen:

    Meine Rentenversicherung von 2004 bei der R+V hat eine Fondsgebundene Überschussverwendung. Kann ich dennoch den Rechner verwenden?

    Ich habe eine Dynamik von 10% alle 2 Jahre. Wie kann ich das im Rechner korrekt eingeben?


    Viele Grüße


    Matthias

  • Hallo,

    danke, dass ihr euch noch um so alte, "langweilige" Themen kümmert ,-) IKlasse, bin gerade auch auf euren YT-Kanal gestossen, gerade die letzten 2 habe ich gerne gehört; auch wenn relativ einfach und eher eine Bestätigung für mich, ist eure Arbeit doch sehr gut und hilfreich!


    Ich habe auch noch eine kapitalbildende LV, abgeschlossen '97. (Damals Hamburg-Mannheimer, jetzt ERGO - komisch, in dem verlinkten Artikel weiter oben steht, dass nach der Insolvenz der H-M Protektor übernommen hat? Meine jährlichen Bescheide bekomme ich jedenfalls von der ERGO).

    Ich hatte seinerzeit ein paar Jahre angespart (und brav meine Provisionen und Gebühren gezahlt :-( - Liebe Versicherungsbranche, falls ihr hier mitlest. Dieses Gebahren hat mich nachhaltig, bis heute, geprägt. Ich kann euch leider nicht mehr so richtig trauen. Damals hat mir den Vertrag ein ehemaliger Student/Doktorant angedreht, der, ein paar Semester über mir, mit Chemie-Dr.-Titel zur H-M "gewechselt" hatte... Ich selber kannte ihn aus der Uni und stand 2-3 Jahre vor dem Abschluss... Beratung auch im Sinne, dass es für beide Seiten stimmt war da nicht...)

    Anfangs der 2000er Jahre hatte ich den Vertrag dann beitragsfrei gestellt. Er läuft im 2032 aus. Bei Kündigung heute wären ca. 11 k€ garantiert, in 10 Jahre dann ca. 15,5 k€.

    Mit Hilfe eures Rechners (super!!) konnte ich ermitteln, dass im Durchschnitt eine Verzinsung von ca. 3,5% zu erwarten ist. Das ist ja immerhin was! 3,5% nach Steuern&Gebühren aber vor Inflation für beinahe risikolos (ja, habe den Artikel oben gelesen...). Ich lebe zwar mittlerweile in der CH, von daher zahle ich wohl ein wenig Vermögenssteuer (allerdings im Moment noch unterhalb der Freigrenze). Lebensunterhalt bestreite ich aber immer noch viel in €.

    Wg. des Zinssatzes frage ich mich & euch, ob es nicht Sinn macht, den Vertrag jetzt doch weiter zu besparen? Ginge das überhaupt? Ansonsten bin ich (mittlerweile), was das Ansparen betrifft fast zu 100% bei Aktien ETFs angekommen (70-30), auch die in der CH übliche "3. Säule" (private Altersvorsorge, steuerlich geförderter 0 Komma irgendwas Banksparplan) möchte ich auf eine hohe Aktienquote umstellen. In meiner speziellen Situation muss ich mit 65 nicht alles auf einmal in RK1 haben. Nach dem Lesen eurer Artikel komme ich zu dem Schluss, dass eine Kündigung eher nicht zu empfehlen ist, auch eine Klage zur Rückabwicklung scheint mir nach so vielen Jahren nicht mehr erfolgsversprechend bzw. auch nicht unbedingt so gross vorteilhaft.


    Ich wäre über euren Input dankbar, bevor ich die Versicherung anrufe. Ich vermute, dass die sich nicht unbedingt freuen, da sie ja den Garantiezins kaum stemmen können. Von daher erwarte ich nicht unbedingt ausschliesslich in meinem Sinne beraten zu werden ;-) (zur Skepsis siehe oben...) Danke euch also vorab für eure Gedanken & Ratschläge.

  • 3,5% nach Steuern ist ein Topelement im Sicherheitsbaustein. Würde ich auf jedem Fall halten, auch wenn das aktuell unter der Inflationsrate ist (War lange oberhalb und die Energiepreise werden nicht dauerhaft weiter steigen).


    Wenn eine weitere Einzahlung möglich wäre, würde ich das auch machen, das bezweifele ich aber stark. Das kannst Du durch einen Anruf klären.


    Wenn die Dir nur ein top-aktuelles Produkt mit 0,25% abz. neue Abschlusskosten anbieten, sollte sich Deine Frage erledigt haben ...

  • Anfangs der 2000er Jahre hatte ich den Vertrag dann beitragsfrei gestellt. Er läuft im 2032 aus. Bei Kündigung heute wären ca. 11 k€ garantiert, in 10 Jahre dann ca. 15,5 k€.

    Bei diesen Beträgen (der Höhe nach) und deinem angenommenen Alter würde mir im Zusammenhang mit den vermutlich steuerfreien 3,5% und dem sog. Sicherheitsbaustein mal sowas von gar keinen Kopf machen...

    Schrott gehört in die Tonne. LV kündigen und vernünftig anlegen. Period.

  • Das Zauberwort heißt Diversifikation. Wenn man per ETF zu nahezu 100 % in Aktien investiert, die im langjährigen Schnitt um die 7 % ansteigen (sollten - geht ja auch anders, wie wir aktuell sehen), dann könnte ein Baustein geringerer Volatilität zusätzlich sinnvoll sein. Früher waren so was mal Anleihen, heute könnte dies eben eine "alte" Lebensversicherung sein. Wo bekommt man heute noch sichere und steuerfreie 3.5 oder 4 % (ok, wir sprechen vom Sparanteil, das relativiert's wieder ein bisschen). Ich werde jedenfalls einen Teufel tun, meine 3.5 Prozenter vor deren Ablauf zu kündigen. Was ich dann bei Fälligkeit mit dem Geld mache - ob auf einen Schlag auszahlen lassen oder doch eher verrenten, ist noch offen.


    Ein weitere Baustein könnte noch Gold oder - je nach Liquidität - eine Immobilie sein. In diesem Jahr z. B. bin ich sehr froh einen doch zumindest zweitstelligen Prozentsatz an Gold zu halten, das zieht mein Fonds/Aktien-Depot doch zumindest etwas nach oben.


    Viele Grüße,


    Markus.

  • Damals Hamburg-Mannheimer, jetzt ERGO - komisch, in dem verlinkten Artikel weiter oben steht, dass nach der Insolvenz der H-M Protektor übernommen hat?

    Hallo HorstBlond, die Auflösung: Es gibt zwei ehemals eigenständige Versicherungen mit dem Namen "Mannheimer":

    1. Die Mannheimer Versicherung war diejenige, die sich verspekuliert hatte und von Protektor aufgefangen wurde. Sie gehört jetzt zur Continentale. https://de.wikipedia.org/wiki/Mannheimer_Versicherungen

    2. Die wesentlich größere Hamburg-Mannheimer mit Sitz in Hamburg (für die älteren: Herr Kaiser) hatte keine derartigen Probleme und ging in der Ergo Versicherung auf.

  • danke an alle, sehr hilfreich! Aha, dann war ich wohl beim Herrn Kaiser... ;-)

    JDS: vollkommen klar, dass das hier ein Peanutsbaustein ist... Aber ich bin mental offenbar ein kleiner Schotte ;-)


    Was mir nach mehr Nachdenken noch einfallen ist bzw. ich mich frage: Wenn ich das jetzt einfach liegenlasse, dann macht die Garantiesumme den ca. 3,5% Zins pro Jahr. Das wäre sehr gut. Wenn ich jetzt aber (falls überhaupt möglich) wieder aufnehme, dann habe ich ja auch wieder den Versicherungsanteil, den ich zahle. Lt. Google sind der Sparanteil zwischen 60 und 70%. Das hiesse ich bekäme die 3,5 % auf den Sparanteil und versenke 30-40%? Ich zahle ja dann nicht, sagen wir, 200 € kapitalbildend ein, sondern zahle 80 € in eine Versicherung. Das Geld ist weg (also ich brauche die V nicht wirklich...) und ich spare nur 120 € (die dann mit 3,5% verzinst würden)? Oder geht das nicht linear?

    Damit wäre die Option natürlich vollkommen raus...

    (natürlich muss ich kommende Woche mal die V anrufen - entweder es geht gar nicht, oder ich bitte um eine Kalkulation der Entwicklung)


    Bliebe - entgegen dem ursprünlichen FInanztipp-Vorschlag Verträge zu behalten (oder beleihen), und sei es beitragsfrei, die Frage, ob ich in 10 Jahren anderswo aus 11,7 k mindestens 15,5 k€ machen kann. Sicher, das sollte klappen, aber nicht zu dem Risiko. Was wiederum nicht so relevant ist, wenn wir hier über ganz wenige % der Altersvorsorge sprechen... Was ist heute schon "risikolos"... Tagesgelder kommen vlt wieder etwas in Mode, Obligationen/Anleihen verhalten sich gerade wie RK3 oder werfen immer noch nichts ab.

  • 1. Die Mannheimer Versicherung war diejenige, die sich verspekuliert hatte und von Protektor aufgefangen wurde. Sie gehört jetzt zur Continentale. https://de.wikipedia.org/wiki/Mannheimer_Versicherungen

    Auch Irrtum
    Die Lebensversicherungen der Mannheimer Leben wurden von Protector weiterverwaltet und unter Verwerter https://www.entis-lv.de/ geführt.


    https://www.protektor-ag.de/de…or-lebensversicherungs-ag


    Nur der Sachversicherer Mannheimer ist jetzt Contonentale.

  • Prüfe auch den ewigen Widerufs joker!

    ich habe eben gelesen, dass der so ewig vielleicht nicht ist. So ungefähr der Logik folgend: es war ein nicht wirklicher Schaden und wenn ich jetzt Jahre nach dem Urteil komme gilt das nicht mehr (Quelle auch hier Finanztip meine ich). Aber wenn das tatsächlich "ewig" gilt, dann ist meiner aus dem Jahr 1997 sicher ein Fall für eine Ueberprüfung.

    Ich hatte das mal grob durchgerechnet... Klar ist das unfair, weil ich versichert war, aber den Breakeven hatte ich nach 22 Jahren erreicht... Wenn ich davon ausgehe, dass ich 70% angespart habe (Rest Versicherung), dann bin ich gerade jetzt auf 0 (Vergleich Summe meiner Einzahlungen und heutiger Rückkaufswert)