Altersvorsorge als Selbständiger (GRV, Basisrente, ETF)

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    • Altersvorsorge als Selbständiger (GRV, Basisrente, ETF)

      Moin liebe Finanztip-Community,

      ich wende mich an euch, weil ich einen Rat von euch benötige.

      Ich war gut 10 Jahre als Angestellter unterwegs und habe fleißig in die GRV eingezahlt. Seit 2016 bin ich selbständig unterwegs und habe 2015/2016 mich damals von einem Versicherungsmakler beraten lassen und 3 verschiedene private Rentenversicherungen aufschwatzen lassen. Warum es am Ende 3 Versicherungen waren (2 mal auch das gleiche Produkt) war auch einer der Gründe, warum ich über die Jahre das Vertrauen in diese Person verloren habe. Letztendlich habe ich mich entschieden von dieser Person zu trennen und ab dem Zeitpunkt alles eigenständig zu übernehmen.

      Ich wollte auch noch einmal klaren Schnitt machen und habe (trotz Verluste) zwei der Rentenversicherungen aufgelöst und nur noch die Basisrente (Rürüp) behalten.

      Grundsätzlich bin ich ein Fan von Streuung und kein Vertrauen auf ein einziges System zu legen, daher sieht mein aktuelles Setup wie folgt aus.

      1) Ich zahle den Mindestbeitrag von ~ 86 EUR in die GRV ein und bin wieder seit ca. einem Jahr freiwillig gesetzlich versichert.
      2) Ich zahle einen monatlichen Betrag in die fondsbasierte Basisrente (AL fondsBasis) ein.
      3) Ich habe ein ETF-Sparplan (fairr.de) und bespare das ganze monatlich aus meinem Nettoeinkommen.

      Den Punkt 1) mache ich eigentlich nur aus Alibi-Zwecken. Zum einen habe ich schon rund 10 Jahre in das System gezahlt (Ich bin mir bewusst, den Anspruch auf die Rente hat man sich mit 5 Beitragsjahren schon "erkauft"), zum anderen bleibe ich aktiver Versicherte in der GRV und wer weiß wie das gesetzliche Rentensystem in 30 Jahren aussieht. Zusätzlich behalte ich die Möglichkeit einmal pro Jahr eine größere Einmalzahlung zu investieren (wobei das auch über die Rürüp-Rente funktioniert).

      Den Punkt 2) habe ich belassen, weil das ganze ein steuervorteilhaftes Konstrukt ist. Wobei das Produkt mir gar keine Garantien bietet, einzig eigentlich ein Versicherungsmantel hat, der auf eine feste Zeit mir eine Rente X zusichert. Der Versicherungsmantel kostet leider sehr viel Geld und daher frage ich mich, ob es sich überhaupt lohnt dieses Produkt zu besparen und stattdessen das Geld lieber in den Punkt 3) zu investieren. Den Punkt 2) bespare ich seit 2016, wobei die monatliche Rate Anfangs nur bei 100 EUR war, vor einem Jahr habe ich das auf 250 EUR erhöht. Der aktuelle Fondsbestand (MSCI World, MSCI Emerging Markets, Aggregate Bond) liegt gerade mal bei 4.600 EUR.

      Dazu kommt noch ein Gedanke, dass ich dieses Jahr meine Verlobte heiraten werden. Auch wenn man nicht in die Zukunft schauen kann, planen wir schon unserer Leben bis zum letzten Tag gemeinsam zu leben, heißt also auch die Rentenzeit gemeinsam zu verbringen. Meine Verlobte ist aber 6 Jahre älter als ich, deswegen fühlen sich aktuell für mich klassische Rentenkonstrukt, die an ein gewissen Alter gebunden sind eher ungünstig an. Denn ggf. würde ich gerne mit 60/61 in Rente gehen wollen, wenn meine Frau (Angestellt und zahlt fleißig in die GRV, wird vermutlich auch primär so bleiben) ihre Rentenansprüche mit 67 in Anspruch nimmt.

      Ich sehe meine aktuelle Altersvorsorge als grundsätzliches Backup an. Sollte in Laufe meines Lebens alle Stricke reißen, dann will ich darüber ein solides Backup haben, womit ich über die Runden komme. Mir ist schon bewusst, dass natürlich auch Immobilien und andere Konstrukte als mögliche Altersvorsorge sind. Soweit will ich aber nicht planen, wer weiß wie das Leben spielt.

      Die ganze Altersvorsorge an Kapital und Wirtschaft zu koppeln (z.B. über reine ETF-Sparpläne), macht mir auch Bauchschmerzen, wobei die Sorgen darüber vermutlich auch unbegründet sind. Weil wenn das System nicht mehr funktioniert, werden dir auch egal wer keine irgendwelche zugesicherten Garantien oder Faktoren zusprechen?!

      Daher meine Fragen an euch.

      1) Wie sieht ihr den Punkt mit der GRV an? Ist das total Humbug oder kann man das nachvollziehen?
      2) Wie steht ihr zu dem Konstrukt mit der Basisrente? Tatsächlich wird ja immer gern so eine Basisrente mit Steuersparvorteilen verkauft. Tatsächlich kann mir keiner sagen, wie hoch meine Steuerabgaben im Alter sind, vielleicht läuft's ja richtig gut wir sind irgendwann noch Immobilienbesitzer und haben Mieteinnahmen. Zusätzlich müssen wir ja ab 2040 zu 100% alle Einnahmen als Rentner versteuern und es wird keine freien Anteile mehr geben. Würdet ihr das ganze Still legen oder nur minimal besparen, weil es auch nicht zu meiner möglichen Rentenplanung passt (Basisrente wie die GRV an ein bestimmtes Alter geknüpft)? Oder was wäre eure Intention?
      3) Wäre eurer Ansicht nach die primäre Altersvorsorge über ein ETF-Sparplan das einzig sinnvollste?

      Habt ihr noch Alternativen? Habt ihr eine Meinung dazu? Was wären eure Gedanken? Wie macht ihr das?

      Ich freue mich auf Eure Rückmeldungen.

      Ich hoffe ich konnte mein Anliegen deutlich machen.

      Danke!
      Philipp
    • Danke euch für die Antworten.

      @Altsachse

      Das stimmt, aber für mich würde das ja definitiv zutreffen, weil ich frühestens > 2050 in Rente gehen werde.

      @chris2702

      Weiterlaufen definitiv, aber würdest du sie auch als primäres Rentenkonstrukt wählen und den monatlichen Beitrag erhöhen (z.B. auf Normal oder Höchstbetrag)?

      Meine monatliche Sparrate im ETF Sparplan habe ich aktuell von 250 EUR, plane es aber auf 500 EUR zu erhöhen.

      Mein Bauchgefühl ist aktuell eher die GRV auf den Normalbetrag zu erhöhen, die Rürüp-Rente stillzulegen und den ETF-Sparplan auf die 500 EUR zu erhöhen. Somit habe ich eine Kombination aus a) einer gesetzlichen Rente, womit ich im Zweifel im Alter meine Wohnung, Stulle Brot und ein Bierchen bezahlen kann und b) ein kapitalfördernde Vorsorge mit einem ETF-Sparplan.

      Was meint ihr?
    • Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich der Rürup gegen ein ETF Investment rechnet. Prüfen würde ich es trotzdem, wenigstens nach o.g. Link als grobe Richtschnur.

      Ob und wieviel du freiwillig in die GRV zahlst, ist nur schwer objektivierbar. Ich bin froh über meine GRV Einzahlung, kann es mir aber als Angestellter nicht aussuchen, weder ob noch wieviel.

      xyNNN schrieb:

      Mein Bauchgefühl ist aktuell eher die GRV auf den Normalbetrag zu erhöhen, die Rürüp-Rente stillzulegen und den ETF-Sparplan auf die 500 EUR zu erhöhen.

      Was meint ihr?
      Ich würde vermutlich genau so handeln.
    • Hallo.

      Rürup und gRV bespielen dieselbe Vorschriften, was die steuerliche Absetzbarkeit anbelangt.
      Was von beidem besser ist, hängt von der Güte des Rürup-Vertrages und der Zeit bis zum gewünschten Rentenbeginn ab. Kann so oder so ausgehen der Vergleich.

      In der Tendenz wäre ich eher bei gRV, aber freiwillige Beiträge lassen BU bzw. Erwerbsminderung als offene Flanke stehen, da muss man sich weitergehende Gedanken machen.
    • Verstehe. Und wenn man einfach statt auf GRV oder Rürüp setzt, eine Mischung aus beiden macht? Denn ich habe noch einmal drüber nachgedacht und jetzt wieder ein Produkt vollständig stillzulegen ist auch nicht der richtige Weg.

      Wenn doch die Voraussetzungen (steuerlich, Nutzung, ...) für GRV und Rürüp identisch sind, kann man doch auch perfekt eine 50/50 Mischung machen?
    • Ich habe eben noch einmal in meine letzten aktualisierten Versicherungsschein geguckt.

      Bei einer angenommen Wertentwicklung von 3% prognostizieren die eine monatliche Altersrente in Höhe von 443,84 EUR (ohne künftige Überschüsse). Das Kapital, was zur Verrentung zur Verfügung steht beläuft sich auf 157.000 EUR

      Alleine, wenn ich jetzt die 157.000 / 443,84 rechne, komme ich auf knapp 30 Jahre, die ich benötigen würde, um das Kapital aufzubauen. Zumal die Rentengarantiezeit nur bei 25 Jahren liegt. Zusätzlich ist die Rente nicht einmal garantiert, ich habe in dem Konstrukt null Garantien sind.

      Ich habe mir auch noch einmal die Kosten aus 2018 genauer angeschaut. Dabei beliefen sich die Abschlusskosten auf über 230 EUR (okay innerhalb der ersten 5 Jahre verdient der Makler mit). Aber wenn ich mir alleine die Verwaltungskosten in Höhe von 186 EUR ansehe, falle ich eigentlich vom Stuhl und wundere mich, warum ich das ganze nicht früher gekappt habe.

      Alleine wenn ich die gleiche Summe in einem ETF-Sparplan selbst anlege (nichts anderes passiert in der Rürüp, 100% Fonds und keine Garantien) kann ich bei einer angenommenen Wertentwicklung von 3% ähnliche, wenn nicht sogar bessere Ergebnisse erzielen - und bin nicht an eine bestimmte Rentenzeit gebunden. Wobei das natürlich bei der GRV die gleichen Probleme sind.

      Zumal 15 EUR Verwaltungskosten (+ Kosten der ganzen ETFs) pro Monat finde ich schon happig. Ehrlicherweise sehe ich eigentlich nur den Steuervorteil, den könnte ich mir aber auch bei der GRV "holen".