Faust aufs Auge: Darf ein Verband dafür sorgen, dass seine Bausparkassen die einst ihren Kunden versprochenen Leistungen nun nicht zu zahlen brauchen?

    • Faust aufs Auge: Darf ein Verband dafür sorgen, dass seine Bausparkassen die einst ihren Kunden versprochenen Leistungen nun nicht zu zahlen brauchen?

      Hallo, an alle engagierten Finanztip-Mitglieder,

      möchte Euch (oder Ihnen) mitteilen, was mir widerfahren ist und fragen, ob es ähnliche Erfahrungen gibt, und was man hier tun kann.
      Vor einigen Jahren gab es gute Zinsangebote. Eines sprach mich besonders an, weil es seriös erschien, von einer Bausparkasse. Und ich Trottel dachte, da kann ja nichts schiefgehen. Aber weit gefehlt. Nicht nur, dass ich schnodderig behandelt wurde. Jetzt wollten die auch noch ihre Leistungen kürzen. Das wollte ich mir nicht gefallen lassen.

      Aber im Einzelnen:
      Nach Auffassung der Bausparkasse war mein Vertrag in die Jahre gekommen. Man würde deshalb kündigen, und ich sollte es schleunigst auch tun, sonst bekäme ich keine "Bonuszinsen". Aber im Grunde nur deretwegen hatte ich den Vertrag damals überhaupt damals abgeschlossen. Und keiner hatte mir da gesagt, dass er vergreisen könnte. Ich habe mich dann ans Fernsehen gewandt. Die sagten, es würde noch nicht reichen, ich solle doch erstmal den Weg über die Institutionen gehen, dann würde man weitersehen.
      So schrieb ich Anfang 2019 auch dem Verband privater Bausparkassen e. V. in Berlin, der als Eigentümer angegeben war. Die wollten nochmal den ganzen Verlauf mit Schriftverkehr, und das galt dann als Beschwerde vor deren Schiedstelle.
      Die Bausparkasse blockierte mein Nachfragen dort, schrieb, dass ich nun nicht mehr direkt mit ihr zu tun hätte, sondern alles über den Verband läuft und ich übrigens selbst kündigen muss, damit mir die sogenannten Bonuszinsen gutgeschrieben werden können. Die Kündigung meines Vertrages hatten sie im Mai dann aber trotzdem durchgezogen, ohne die Bonuszinsen. Ich schreibe das noch dem Verband und denke, die werden das da schon regeln. Im November (!) bekomme ich dann aber von denen Nachricht, dass sie der gleichen Meinung seien, wie die Bausparkasse.
      Ich wollte da nicht noch mehr Ärger und schrieb zurück, also gut, ich kündige also selbst. Die wieder: Nein, das geht nicht mehr; die sogenannte Schlichtung wäre gelaufen, ich soll das der Bausparkasse schreiben. Habe ich dann gemacht. Und die schreiben jetzt zurück, der Schlichter habe in ihrem Sinn entschieden und April April, die Frist von sechs Monaten, wo ich noch selbst hätte kündigen, wäre vorbei, ich könne ja gerne klagen.

      Das darf doch wohl nicht sein!?
    • Ich kann das nicht rechtlich beurteilen. Aber ich hatte selbst auch einen Bausparer, schenkte ihn meiner Tochter und freute mich über 3% Zinsen plus Bonuszinsen, als der Anbieter mit der Kündigungsandrohung kam. Die Rechtslage wurde damals von den Experten als unklar beurteilt. Nach anfänglichem Ärger war es mir dann zu blöd, ich kündigte selbst, und seitdem freut sich meine Tochter über eine deutlich bessere Rendite mit ihren neuen ETF. Die Anlagedauer ist lange genug, dass sie keine Beitragsgarantie braucht, die auf Kosten der Rendite geht.

      Vielleicht ist das ja auch was für Dich: Ärger runterschlucken und nun das Geld besser anlegen, wenn Du es erst in 15 Jahren wieder brauchst.
    • tobiasweiss schrieb:

      Vielleicht ist das ja auch was für Dich: Ärger runterschlucken und nun das Geld besser anlegen, wenn Du es erst in 15 Jahren wieder brauchst.
      Vielen Dank, dass Du auf meinen Beitrag eingehst. Aber Dein Vorschlag mindert nicht mein Leid mit dem Lobby-Salat, der uns da als frisch verkauft wird, und dabei schon fault.
      Könntest Du bitte nochmal beschreiben, warum man es hinnehmen sollte, von dem Finanzklüngelb ausgetrickst zu werden?
    • Für mich war das die richtige Lösung. Ich hatte damals den Bausparer abgeschlossen, als ich noch nichts über langfristige Rendite von Aktienmärkten (und konkret ETF) wusste. Damals schienen mir 3% gut, und während der Ausbildung bekam ich ja auch noch Arbeitnehmersparzulage und Wohnungsbauprämie. Nachdem das alles abgelaufen war und ich nie den Kredit in Anspruch nehmen würde, waren mir 3% langfristig doch zu wenig. Auch die Summe war mit 5000 EUR (oder DM?) sehr klein. Daher war es für mich im Ergebnis okay, auch wenn mich die Vorgehensweise ebenfalls massiv störte.

      Ich kann verstehen, dass es emotional viel ärgerlicher ist, wenn größere Summen im Spiel sind und man auch die sichere Anlage schätzt.