Fondsgebundene Rürup-Rente kündigen oder behalten?

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    • Fondsgebundene Rürup-Rente kündigen oder behalten?

      Guten Abend liebe Finanz-Tip'ler,

      seit ca. 3 Jahren habe ich eine fondsgebundene Rürup-Rente bei der Alte Leipziger. Dort bespare ich die Fonds AL Vermögen und AL Zukunft. Damals habe ich mich noch sehr wenig mit dem Thema Altersvorsorge und Geldanlage beschäftigt. Heute tue ich das etwas mehr und frage mich, ob meine Rürup aufgrund der Kosten überhaupt Sinn macht? Die Frage ist: Soll ich die Rürup behalten und weiter besparen? Oder sollte ich sie lieber beitragsfrei stellen und da Geld anderweitig investieren? Unten führe ich einige Daten zu der Rürup-Rente an. Ich würde mich über eure Rückmeldungen sehr freuen!

      Viele Grüße
      Oli

      Fondskosten 2,2% und 1,42%
      Die Effektivkostenquote wird im Vertrag der Versicherung mit 2,44% ausgewiesen
      Bisheriges Fondsvolumen 2200 Euro
      Aktueller Beitrag: 82€ monatlich (mit 2% Dynamik)
      Garantierter Rentenfaktor: 25,36 €
      prognostizierte Rente (im Jahr 2057): ca. 500 €
      prognostiziertes Kapital (in 2057): 139.863,94 €

      Braucht ihr weitere Infos von mir, um das Kosten/Nutzen Verhältnis des Vertrags einschätzen zu können?

    • Wenn man die Daten in diesen Rechner eingibt, ergibt sich eine Nettorendite von 4,73%. Das wäre hervorragend. Bei Nettokosten von 2,44% vermute ich, dass deine Kapitalprognose auf Basis eine Bruttorendite von 7% gerechnet wurde. Du sagst 6%.
      Wenn die Fonds AL Portfolio Vermögen und AL Portfolio Zukunft sind, siehst du an der fünf Jahresrendite, dass sie bei 2,39% respektive 5,73%, liegt, das ist die Nettorendite nach Kosten. Nun kommt noch ein Schluck für die Versicherung dazu (1,42 bzw 2,2 Fondskosten, aber höhere Effektivkosten 2,44, die Differenz dürften Verwaltungskosten der Versicherung sein). Bei 50:50 Besparung der Fonds hättest du eine durchschnittliche 5-Jahresrendite von (2,39+5,73)/2=4,06% gehabt. Ist also fraglich, wie die 4,73% erreicht werden sollen.


      Wenn man 139.863 / 500 = 280 Monate rechnet, muss man ab Rentenbeginn noch 23 Jahre leben, bis man von der Versicherung des Langlebigkeitsrisikos profitiert. Stirbt man früher, gewinnt die Versicherung. Das ist allerdings eine sehr grobe Peilung, man könnte ja die 139863 weiter renditebringend anlegen.

      Außer acht gelassen habe ich bei diesen Rechnung den Steuervorteil. Grob gesagt entsteht der, wenn du zu Erwerbszeiten viel Steuern zahlst und im Rentenalter wenig, die Differenz ist dein Steuervorteil. Deinen Grenzsteuersatz weißt du vielleicht, wenn du verheiratet bist oder es sein wirst, ist der durch Ehegattensplitting oft nicht 42%, musst du aber selbst schauen. Wie hoch deine Rente besteuert werden wird, weiß niemand. Du kannst auf 15% hoffen, gibt aber auch reiche Rentner die 42% zahlen. Die hätten dann nichts vom Rürup-Steuervorteil gehabt.

      Die Beitragsfreiheit bei Berufsunfähigkeit bringt dir was, wenn du kurz vor Renteneintritt bist. Jahre davor musst du natürlich auf eigene Faust überbrücken. Rürup Rente bekommst du ab 2057. Ist also semi cool.
    • Die Rürup-Fonds müssen aufgrund der höheren Kosten deutlich besser performen als ein ETF, um dasselbe Ergebnis zu erreichen. D. h. die müssen den Markt permanent deutlich schlagen. (spricht für Stilllegung)

      Die Auszahlung des Rürup-Vertrages müssen hinterher voll versteuert werden, werden dafür in der Einzahlungsphase gefördert. (spricht für Beibehaltung unter der Prämisse, man zahlt jetzt absurd hohe Steuern)

      Der ETF ist deutlich flexibler. (spricht für Stilllegung)

      Zusammengefasst: Rürup stilllegen und Einsatz in ETF :thumbup:
    • Hallo zusammen,

      danke euch für eure Einschätzung @Referat Janders @chris2702 und @Altsachse! Das klingt ja wirklich stark danach, dass ich die Police wieder kündigen sollte bevor ich da zu viel Geld versenke. Gibt es denn ansonsten irgendwelche Vorteile einer Rürup Rente gegenüber einem ETF Vertrag?
      Ist der garantierte Rentenfaktor von 25,36€ nicht auch etwas wert?

      Außerdem: Wenn bei der Berechnung eine Rendite von ca. 4% rauskommt und dann noch der Steuervorteil hinzukommt, bin ich dann nicht bei einer ordentlichen Rendite?

      Ist es nicht auch aus Gründen der Diversifizierung interessant einen solchen Vertrag nebenbei noch laufen zu lassen?

      Ich frage das alles, um mir am Ende wirklich sicher zu sein! Danke schon mal im Voraus für eure Antworten :)
    • Ja, der garantierte Rentenfaktor ist natürlich auch ein Argument. Ebenso das "lebenslang" in "lebenslanger Rente". Das Geld ist nicht irgendwann aufgebraucht, die Rente wird bis zum Ende gezahlt.

      Allerdings gibt es auch "nur" die Rente, eine Kapitalauszahlung ist nicht möglich. Da ist der "freie" ETF flexibler.

      Rentenversicherungen sind aus meiner Sicht etwas für Leute, die sehr viel Wert auf Sicherheit legen, auch zulasten der Rendite-Chancen.

      Als Sicherheitsbaustein in einem Gesamtkonzept, in dem langfristige Renditebringer bereits ausreichend berücksichtigt sind, könnte der Vertrag seine Berechtigung haben.

      Der Steuervorteil in der Ansparphase verliert einen Teil an Wirkung durch die nachgelagerte Besteuerung in der Auszahlungsphase.

      Am Ende bleibt es Geschmackssache, man muss sich hinterher mit der Entscheidung wohlfühlen können.
    • @Olimiz

      du kannst den Vertrag nicht kündigen. Nur stilllegen. Das Geld wirst du erst als Rentner wiedersehen.
      Der Rentenfaktor 25Euro besagt, dass du pro 10.000 Euro Kapital 25 Euro Monatsrente bekommst. Da du jetzt 2200 Euro eingezahlt hast, bekommst du also 5,50 Euro garantierte Rente im Monat...……….

      Wie gesagt, es ist fraglich, ob du 4 % Rendite erreichst und es ist fraglich, wie hoch der Steuervorteil wirklich ist. Versicherungsverkäufer rechnen immer mit dem theoretisch maximal möglichen, das wird aber quasi nie erreicht. Ist halt deren Verkaufsargument.

      Was verstehst du unter Diversifizierung von Risiken? Ich denke nicht, dass hierunter die Investition in eine unrentable und unflexible Rentenversicherung fällt. Du kannst diversifizieren, indem du in verschiedene Asset Klassen investierst. Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien zB. Du kannst diversifizieren, indem du sowohl Angestellter bist, als auch einen Nebenjob unterhältst, den du bei Bedarf vergrößern kannst. Du kannst diversifizieren, indem du in einer anderen Branche arbeitest als deine Partnerin zB Angestellter und Beamtin ist ne coole Kombi.
    • Ich hab ein bisschen das Gefühl, dass ich mein Geld einer größeren Gefahr aussetze, wenn ich es nur in ETFs stecke... Wie diversifiziert ihr euer Geld? Wie investiert ihr zB in Rohstoffe oder Immobilien? Wie bestimmt ihr die jeweiligen Anteile bzw. eure Finanzstrategie? Ich finde das momentan überaus schwierig...

      @chris2702 Mit Diversifizierung meinte ich in dem Fall auch einfach einen weiteren Baustein in der Geldanlage. Also einfach nochmal eine Anlage außerhalb meines Depots... aber ich sehe schon, dass das wohl wenig Sinn macht (gerade wenn diese Anlage eben auch über ETFs bzw. Fonds läuft...)
    • Zunächst muss man sagen, wenn du einen Teil deines Vermögens breit gestreut am Aktienmarkt anlegst, diversifizierst du besser als die meisten Deutschen.

      Was Rohstoffe angeht höre ich mehrheitlich dass sie Spekulation bieten aber keine Rendite. Ungeeignet für Privatanleger.

      Immobilien? Hier kommt es sicher auf das Szenario an. Das Eigenheim stellt für viele Traum und Wert an sich da. Gibt auch viele Szenarien, wo der Eigenheimbesitzer im Alter vermögender ist als der Mieter. Immobilien kaufen und vermieten? Muss man halt die Kohle haben und Nerven für schwierige Mieter. Wenn das gegeben ist warum nicht. In jedem Fall sollte man ein Klumpenrisiko vermeiden also Vermögen plus Schulden in einer Riesenimmobilie, die dann an Wert verliert weil nebenan eine Mülldeponie gebaut wird. Zu REITs kann ich nichts sagen. Bin mit geschlossenen Immofonds schlecht gefahren, aktuell kein Interesse. Vielleicht kann jemand hier bessere Auskunft geben.

      Ich habe immer 5 bis 6 Familiennettogehälter als Tagesgeld, den Rest als ETF MSCI World. Wir werden wohl Ende des Jahres ein Auto kaufen, da soll das Tagesgeld über 6 Monatsnetto hinausgehen bis dahin.

      Ansonsten versuchen wir einfach "mit unseren Möglichkeiten " zu leben. Null Kredit, keine irre Sparrate, wir wissen was geht und was nicht und das geht nun seit bald 10 Jahren gut.
    • Die Idee hinter den verschiedenen Asset-Klassen ist doch, dass eine Abwärtsbewegung des Aktienmarktes durch Azfwärtsbewegungen in anderen Asset-Klassen ausgeglichen werden.

      Wenn der Aktienmarkt aber (sehr) langfristig durchgängig nach oben tendiert, dann reicht (bei ausreichend Zeit) ein marktbreites Investment in den Aktienmarkt aus.

      Ich für meinen Teil lasse es damit bewenden. Mein Eigenheim sehe ich nicht als Investment. Der Kauf war eine Lifestyle-Entscheidung und nicht Teil einer Anlagestrategie.
    • Vielen Dank für eure Beiträge!

      Das heißt, ihr würdet als Privatanleger auch von Rohstoffen (wie zB Gold) die Finger lassen? Wird nicht gerade gesagt, dass Gold bzw. Sachwerte in einer Krise (die laut "dem Großen Crash" ja spätestens in 3 Jahren kommen soll) das Vermögen absichern?

      Eine letzte Frage zu der Rürup Rente habe ich noch. Bei der ganzen Rechnung mit der niedrigen Rendite und den hohen Kosten haben wir ja die Steuerersparnis komplett rausgelassen. Könntet ihr mir das evtl. nochmal erklären? Ich bekomme bei der Steuererklärung ja relativ viel von dem Beitrag wieder zurück. Klar, die Rente muss ich auch versteuern... aber die Gewinne aus ETFs ja auch! Wie kann ich das rechnen?
    • Ich würde von Rohstoffen die Finger lassen. Spekulationsobjekt, das keine Rendite erwirtschaftet aber meist Kosten, zb Lagerkosten bei Gold daheim im Tresor.

      Rürup ist im Prinzip eine Steuerstundung. Du zahlst heute keine Steuern auf die Beiträge, dafür zahlst du Steuern auf die Rente. Wenn deine Steuern heute identisch sind mit deinen Steuern in 30 Jahren, hast du nur einen zeitlichen Effekt. Heute sparst du x, in 30 Jahren zahlst du x, der Vorteil ist die zeitliche Verlagerung.

      Die Ersparnis entsteht durch eine maximale Ersparnis zwischen Steuern heute und Steuern in 30 Jahren.

      Du dürftest wissen, wie hoch dein Grenzsteuersatz heute ist. Wir verdienen gemeinsam >100.000 brutto, dank diverser Möglichkeiten zb Kinderfreibeträge ist unser Grenzsteuersatz ca. 30% ( und nicht 42%!). Gleichzeitig werden wir im Alter eine gute Rente und Kapitaleinnahmen haben. Wir würden also nicht 42-15% sparen, sondern 30-20 oder 30-25. Wenn dann noch eine schwache Rendite in der Ansparzeit hinzu kommt, ist die Steuerersparnis gering und der Renditeverlust hoch. Und schon rechnet sich das Konstrukt nicht mehr.
    • Hallo @Olimiz Eigenheim sehe ich nicht als Geldanlage, aber ich finde es toll, keine Miete mehr zahlen zu müssen.
      Als Notgroschen haben wir, meine Frau und ich, derzeit 6 Monatsrenten auf dem Girokonto. Alles andere ist am Aktienmarkt angelegt. 20% davon sind als langlaufendes Festgeld gastaffelt investiert.
      Von weiteren Immobilien oder Rohstoffinvestitionen nehme ich Abstand.
      Übrigens, die Anlage in ETFs sehe ich nicht als "Vertrag".
      Gruß

      Altsachse