Viele Fragen zu Geldanlage & Altersvorsorge + ETF

  • Liebe Community,



    ich habe mich in den letzten Tagen und Wochen sehr viel mit dem Thema Geldanlage/Altersvorsorge beschäftigt und habe mir schon so einige Finanztip-Videos angeschaut. Bevor ich nun Nägel mit Köpfen mache, hätte ich ein „besseres Gefühl“, wenn ich meine Gedanken teile und ihr mir sagen könnt, ob mein Plan im Großen und Ganzen Sinn ergibt oder ob ich noch andere Dinge beachten sollte.



    Ich beschreibe meine Situation mal recht ausführlich (sodass hoffentlich keine Fragen offen bleiben):


    Ich bin 35 Jahre alte, lebe mit meiner Partnerin seit 8 Jahren zusammen (unverheiratet aktuell, eventuell auch Hochzeit in den nächsten Jahren). Wir haben 2 kleine Kinder (nicht mehr geplant). Ich bin Lehrer (öffentlicher Dienst, Tarif West), arbeite aufgrund der Kinder genauso wie meine Partnerin in ca. 75% Teilzeit mit ca. 45 000 Jahresbrutto (ca. 2 200 monatliches netto zurzeit). Ich habe keinen teuren Lebensstil und bin eher der sparsame Typ.


    Die bisherige Altersvorsorge besteht neben der gesetzlichen Rentenversicherung aus einer betrieblichen Altersvorsorge (Pflichtversicherung im öD: VBL Klassik), die meiner Meinung nach eine sehr gute Sache ist.


    Weitere Möglichkeiten der Altersvorsorge:


    • Ich habe mir ein Angebot der VBL extra zur Entgeltumwandlung zuschicken lassen --> Escheint mir absolut nicht rentabel (momentan 0,25 % garantierter Zins, 3,24 % Verwaltungskosten, …)
    • Riester-Rente --> Da meine Partnerin bereits einen Riester-Vertrag hat und darüber die Kinder-Zulagen ausschöpft, denke ich, dass sich die Riester-Rente ohne Kinder-Zulagen nicht lohnen würden
    • Rürüp-Rente --> Eher für Selbständige, nicht für meinen Fall geeignet
    • Klassische Lebens- oder Rentenversicherung --> Lohnt sich aufgrund der niedrigen Zinsen momentan nicht.
    • Wohneigentum --> Schwierige Frage, die wir noch nicht zu 100 % beantworten können. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir KEIN Wohneigentum haben werden. Möglicherweise in ca. 5 Jahren eine Eigentumswohnung, aber eher unwahrscheinlich.


    Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist aufgrund von Vorerkrankungen nicht sinnvoll/möglich, dafür habe ich immerhin eine Unfallversicherung.


    Ich bin nun seit 6 Jahren arbeitstätig und habe das übrige Geld (ca. 500 Euro pro Monat) stets aufs comdirect Tagesgeldkonto „geparkt“ (nicht sinnvoll, ich weiß), bis sich da mittlerweile 40 000 angesammelt haben. Nun ist die Frage, was ich damit mache?! Ich bin absoluter Laie an der Börse und habe ein vorsichtiges bis ausgewogenes Risikodenken. Außerdem möchte ich mich mit dem Thema Geldanlage auch nicht ständig beschäftigen.



    Meine generelle Idee der Aufteilung der 40 000 Euro ist:


    • 20 % (8 000 Euro) auf dem Tagesgeldkonto der comdirect zu belassen, als kurzfristig immer verfügbare „Notreserve“
    • 40 % (16 000 Euro) auf ein Festgeldkonto für 3 Jahre, sodass mittelfristig auch immer eine gewisse Summe vorhanden ist (falls alle paar Jahre etwas anfällt wie größere Reise, neues Auto, eventuelle Hochzeit, …). Leider gibt’s bei der comdirect aktuell nichts auf das Festgeld. Daher akf bank für 3 Jahre mit immerhin 0,85 % Zinsen.
    • 40 % (16 000 Euro) in einen ETF stecken, als langfristigen privaten Baustein zur Altersvorsorge. Für den wahrscheinlichen Fall keiner Eigentumswohnung soll das Geld für mindestens 15 Jahre angelegt werden, um Rendite zu erwirtschaften. Für den unwahrscheinlichen Fall des mittelfristigen Wunsches (in ca. 5 Jahren) nach einer Eigentumswohnung wäre das Geld zumindest verfügbar.


    Nun die 1.) Frage: Macht die generelle Idee der Geld-Aufteilung so Sinn???



    Dann die 2.) Frage zum ETF Einmalanlage vs. Sparplan:


    Eigentlich ist mir aufgrund der Risiko-Streuung ein ETF-Sparplan lieber als eine große Summe auf einmal rein zu stecken. Daher tendiere ich zu einem Mittelweg: Zunächst die 16000 Euro auf 8 Monatsraten von je 2000 Euro investieren. Wenn die 16000 in den ETF „abgetragen“ sind, würde ich die 500 Euro, die zukünftig pro Monat übrig sind wie folgt aufteilen:


    • 300 aufs Tagesgeldkonto (damit alle 1-2 Jahre neues Festgeld abschließen)


    • 200 in ETF-Sparplan

    Macht das so Sinn???




    Nun die 3.) Frage zur Broker-Wahl:


    Wenn ich das so mache wie bei 2.) beschrieben, tendiere ich dazu das Depot eher bei einer anderen Bank (DKB oder Onvista) zu eröffnen, auch wenn ich bei der comdirect bisher sehr zufrieden bin und sie in den vergangenen Jahren auch stets einer der besten Broker war. Aber in meinem Fall würden sich die 1,5 % Transaktionskosten pro Order bei den jeweils 2000 Euro bzw. künftig 200 Euro Sparrate leider ganz schön bemerkbar machen (Vergleich z.B. DKB: 1,50 Euro pro Ausführung).


    Nun habe ich das Top-Preis-ETF Angebot der comdirect gesehen, bei denen die Sparplanausführungen bestimmter ETFs ohne Orderentgelte wären. Allerdings gilt das Angebot ja immer nur für 1 Jahr und danach möglicherweise nicht mehr. Wenn das Angebot nun ab 2021 für den von mir ausgesuchten ETF nicht mehr gilt (was ja nicht unwahrscheinlich ist), hätte ich entweder sehr hohe Kosten oder müsste dann den Broker samt ETF wechseln, was nun beides nicht sinnvoll ist. Also tendiere ich gleich zur DKB oder Onvista. Macht das Sinn???


    (Neben der comdirect bin ich auch bei der ING-Diba. Eigentlich will ich ungern noch zu einer dritten Bank, aber wenn es hohe Kosten einspart, dann sei es drum…)



    Nun die 4.) Frage zur ETF-Wahl:


    Eigentlich möchte ich die einfachste Lösung: nur einen ETF. Dabei soll es auf jeden Fall ein ETF sein, der breit gestreut ist. Außerdem glaube ich Folgendes zu wollen:

    • Geringe Kosten (TER bei 0,2 % oder weniger)
    • Lieber ausschüttend als thesaurierend, ist wohl besser hinsichtlich der Besteuerung bei noch relativ geringen Summen
    • Lieber physisch als synthetisch (weiß nicht mehr genau warum)


    Hier schwanke ich momentan noch zwischen folgenden 2 ETFs:

    • Einen der MSCI World ETFs (welchen weiß ich auch noch nicht genau, sicher auch abhängig von der Broker-Wahl)
    • Vanguard FTSE All-World


    Meine Frage: Gibt es noch weitere Anhaltspunkte, außer die schon beschriebenen (geringe TER, ausschüttend, …), nach denen ich entscheiden sollte, welcher ETF es am Ende wird?



    Sorry für so viel Text. Danke fürs Lesen (wer es bis hierhin geschafft hat) und noch ein größeres Danke für hoffentlich ein paar Rückmeldungen.

  • Hallo @Speedy85. willkommen in der Community.


    Da Du ja Lehrer bist würde ich empfehlen auch noch zu lesen ;-) und zwar
    die Grundzüge https://www.finanztip.de/geldanlage/
    die empfohlenen ETF https://www.finanztip.de/indexfonds-etf/
    die Depotauswahl https://www.finanztip.de/wertpapierdepot/


    Vieles hast Du bereits berücksichtigt, mein Respekt für die gute Vorarbeit. Daher fasse ich mich bei den Fragen kurz bzw. verweise auf die Grundsatzartikel.

    Nun die 1.) Frage: Macht die generelle Idee der Geld-Aufteilung so Sinn???

    Bei Deiner beschriebenen Risikoneigung ja. Dir muss klar sein dass damit nach Steuern angesichts der heute veröffentlichen Inflationsrate von 1.8% p.a. nicht viel Rendite zu holen ist. Insofern würde ich angesichts Lebensalter und Beschäftigungssituation den Risikoanteil höher wählen.

    Dann die 2.) Frage zum ETF Einmalanlage vs. Sparplan:

    Im Grundsatz ist die gestaffelte Einzahlung nur als Beruhigung sinnvoll, da man bei grundsätzlich steigenden Kursen Geld liegen lässt. Angesicht der Risikoneigung wäre es in Deinem Fall mMn OK.


    Überlege mal ob Du dann Zug um Zug den Risikoanteil ausbaust, indem Du die 500 € nur in ETF steckst.

    Nun die 3.) Frage zur Broker-Wahl:

    Zur Brokerwahl s. oben,


    Wenn Du erst bei Comdirect anlegst und dann die Kaufkosten steigen kannst Du immer noch den Bestand dort stehen lassen und bei einem anderen Broker weiter anlegen. Das hat auch hinsichtlich der Steuerung der Verkäufe einen Vorteil. Ansonsten kann man den Bestand kostenlos übertragen mit Ausnahme der Bruchteile..

    Nun die 4.) Frage zur ETF-Wahl:

    Empfohlene ETF s.oben.


    Wenn es ein Ausschütter sein soll bei JustETF die MSCI World ETF nach 5-Jahres-Rendite sortieren und dann mit dem Broker-Angebot abgleichen. Der FTSE nimmt sich mit einem MSCI All World fast nichts, insofern beide Varianten valide.


    Gerne weiter fragen, wenn es zu kurz war,

  • Hallo @Speedy85 und auch von mir noch willkommen in der Community.


    Ich sehe das ähnlich wie @Kater.Ka, dass du den Risikoteil ruhig etwas größer werden lassen kannst.


    Was ich noch anmerken möchte, überlege dir gut, ob du das Festgeld wirklich vollständig für 3 Jahre anlegen möchtest oder ob es eventuell sinnvoller wäre eine kleine Festgeldtreppe anzulegen. Zum Beispiel 3000€ für ein Jahr, weitere 3000€ für zwei Jahre und die restlichen 10000€ für drei Jahre.
    Parallel dazu kannst du ja trotzdem deinen Plan weiterverfolgen und alle 1-2 Jahre neues Festgeld anlegen.
    So hast du in kleineren Zeitabständen immer wieder etwas Geld zur Verfügung und bist damit etwas flexibler aufgestellt, klar zu dem Preis, dass du etwas geringere Renditen im Festgeld erzielst. Aber der Festgeldteil sollte ja ohnehin nicht rein auf Rendite ausgerichtet sein, sondern eben als Sicherheitsbaustein.


    Zu deiner zweiten Frage, ob Einmalanlage oder in Tranchen: Das musst du im Endeffekt selbst beantworten. Wie bereits gesagt wurde, bei der Annahme von langfristig steigenden Märkten, ist eine Einmalanlage sinnvoller. Psychologisch kann es allerdings durchaus Sinn machen in Tranchen rein zu gehen um sich erst mal an die Schwankungen der Börse zu gewöhnen und diese Achterbahnfahrt nicht direkt mit dem ganzen Kapital mitzumachen.
    Welche Variante letztendlich aus Renditesicht die bessere ist, kannst du erst hinterher mit Sicherheit sagen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass in vielen Fällen die Einmalanlage die bessere Wahl war.


    Zum Thema Brokerwahl und ETF-Wahl ist denke ich bereits alles gesagt.


    Viel Erfolg mit deiner Anlage :)

  • @ Referat Janders:
    1.) Ja, arbeitet rentenversicherungspflichtig.
    2.) Die Kinder sind 2 und 4 Jahre alt.


    Danke schonmal für die anderen Antworten.
    Ich melde mich dann die Tage nochmal, wenn ich mir darüber noch mehr Gedanken gemacht habe.

  • Okay, dann wird ein zweiter Riester-Vertrag wohl kein Thema für Euch werden. (Keine Spielereien denkbar.)


    Ansonsten klingt die Arbeit als Lehrer nach längerem Schul- bzw. Hochschulbesuch. Dadurch könnten sich Lücken in Hinsicht auf die gesetzliche Rentenversicherung aufgetan haben. Diese lassen sich ggf. durch freiwillige Nachzahlungen schließen. Solche Nachzahlungen können wirksam bis zum 45. Geburtstag beantragt werden.


    Also einfach in den nächsten paar Jahren bei der Rentenversicherung beraten lassen und schauen, ob dass etwas für einen ist.


    Die eventuellen Zahlungen können ggf. steuerlich berücksichtigt werden, ähnlich wie bei der Rürup-Rente.

  • Danke für den Hinweis mit den freiwilligen Nachzahlungen in der gesetzlichen Rentenversicherung. Das werde ich in den kommenden Jahren dann mal überprüfen, ob es sich lohnt oder nicht.


    Ansonsten:
    Schön, dass meine generellen Ideen anscheinend schon ganz gut durchdacht waren. Ich habe mich nun für Folgendes entschieden:
    Die „konservative“ Geldaufteilung mit 20 % Tagesgeld, 40 % Festgeld, 40 % ETF lasse ich als eher vorsichtiger „Anfänger“ so bestehen.
    Auch bleibe ich bei der Idee die 16000 Euro in 8 x 2000 Euro Tranchen abzutragen. Anschließend werde ich den ETF-Anteil jedoch erhöhen, d.h. die monatlichen 500 Euro gehen in 350 Euro ETF-Sparrate und 150 Euro Tagesgeld/Festgeld.
    Mit dem höheren monatlichen Sparbetrag habe ich mich nach Abwägen von Für und Wider auch dafür entschieden ein Depot bei der DKB zu eröffnen. Jährliche Mehrkosten von 45 Euro (DKB: 1,50 € pro Sparrate x 12 = 18 Euro. Comdirect: 1,5 % von 350 Euro sind 63 Euro) im Vergleich finde ich dann doch zu viel, nur um das Depot auch bei der comdirect zu haben.
    Ich habe mich nun für den Vanguard FTSE All World entschieden.