Erfahrungen mit Abfindung, Elternzeit und Krankenkassenbeiträge

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    • Erfahrungen mit Abfindung, Elternzeit und Krankenkassenbeiträge

      Hallo zusammen,



      wir stehen als Familie vor einem umfassenden Neuanfang und wissen aktuell nicht weiter, wie wir gewisse Dinge regeln sollen. Daher möchte ich hier unsere Situation mal darlegen in der Hoffnung, dass jemand von seinen Erfahrungen berichten kann, oder einfach einen guten Rat hat.

      Zu unserer Situation: wir sind ein Paar (Mitte 30), haben 2 Kinder (im Kindergarten-Alter) und erwarten unser drittes im Sommer (in 4 Monaten gehe ich in Mutterschutz).

      Wir haben ein Haus in einer Kleinstadt 70 bzw. 110km von unseren bisherigen Arbeitgebern gekauft. Dieses wird aktuell renoviert und wir wollen im Sommer (vor der Geburt von Nr.3) dort einziehen. Unsere jetzige Wohnung (ebenfalls Eigentum) verkaufen wir, um das Haus damit abzahlen zu können.

      Zu unseren Jobs: ich bin Ingenieurin, mein Lebensgefährte ist Grafik-Designer. Wir sind nicht verheiratet aber Heiraten ist theoretisch eine Option. Wir lieben uns sehr, haben es aber bisher einfach nicht als wichtig erachtet.

      Aus verschiedenen Gründen möchte mein Freund seinen Job kündigen und hat den festen Plan gefasst, eine Ausbildung zum Ergotherapeuten anzufangen und hat sich in einer Schule am neuen Wohnort eingeschrieben und wurde angenommen. Die Ausbildung geht im September los, dauert 3 Jahre und ist schulisch, d.h. er hat kein Ausbildungsgehalt sondern muss im Gegenteil noch Schulgeld bezahlen. Ich unterstütze das voll, weil ich sehe, wie gerne er das machen möchte und weil es uns finanziell ja gut geht und durch den Wohnortswechsel stünde sonst eh ein Jobwechsel an.


      Jetzt wurde in meiner Firma ein Personalabbau angekündigt. Dabei gibt es Abfindungsangebote, die sich sehen lassen können (wäre bei mir sechsstellig, wobei ich noch gar nicht weiß, ob ich wirklich ein Abfindungsangebot bekomme). Ich würde das Angebot sehr gerne annehmen, weil es für mich keine Option ist, jeden Tag 140km zu pendeln und ich als Ingenieurin auch Chancen sehe, am neuen Wohnort einen neuen Job zu finden.

      Jetzt kommen bald die ersten Abfindungsgespräche und wir haben zig Fragen.

      Das erste, was wir uns überlegen müssen, ist, wann ich die Abfindung annehme. Idee war, den Betrag erst nächstes Jahr auszahlen zu lassen und dann die Fünftelregelung wirken zu lassen. Ich würde dann erst übernächstes Jahr (Januar 2022) nach 1,5 Jahren ins Berufsleben einsteigen, sodass im Jahr 2021 mein Gehalt möglichst gering wäre (lediglich 6 Monate Elterngeld), sodass sich über die Fünftelregel am wenigsten Steuern abgezogen werden. Ich hab das mal überschlagen, es dürfte sich finanziell kaum rentieren, wenn ich arbeite in dem Jahr, weil ich das alles an Steuern zahlen würde. Da bleibe ich lieber beim Baby :)


      Die erste Frage ist: 1) verlasse ich so bald wie möglich das Unternehmen und lasse das Geld in 2021 ausbezahlen oder gehe ich erst mal in Elternzeit und verlasse in 2021 das Unternehmen und bekomme da auch die Abfindung?

      Soll ich überhaupt Elternzeit beantragen oder erst ggf. nach dem Abfindungsgespräch?



      2.) Wie bin ich krankenversichert, wenn ich das Unternehmen verlasse? Ich bin dann ja offiziell nicht in Elternzeit. Aktuell bin ich freiwillig gesetzlich versichert und mein Lebensgefährte ist gesetzlich versichert (bei der gleichen GKV).

      Wie viel bezahle ich (ungefähr) für die Krankenkasse? Muss die Abfindung mit einberechnet werden zur Ermittlung der Krankenkassenbeiträge?



      3.) Wie (kranken-) versichert sich mein Lebensgefährte während der Ausbildung? Können wir uns Familien-versichern? Über wen? Über mich?

      Gibt es andere Versicherungen, die wir berücksichtigen müssen, z.B. Pflegeversicherung?



      4.) Gibt es Unterstützungsmöglichkeiten für meinen Freund durch das Arbeitsamt? Er wird ja freiwillig kündigen. ALG? Oder Übernahme des Schulgeldes? Oder überhaupt nichts?



      5.) Sollten wir heiraten? (also jetzt nicht aus moralischer Sicht :) sondern steuerlich oder wegen der Krankenkasse)? Langfristig hatten wir das eh vor, aber gibt es einen Zeitpunkt, zu dem es besonders sinnvoll wäre?



      6.) Hat es negative Folgen für die Rente, wenn ich keine Elternzeit nehme, sondern einfach so 1,5 Jahre Babypause mache? Elternzeit kann man ja nur nehmen, wenn man weiterhin im Beschäftigungsverhältnis ist.

      Wie beeinflusst die 3-jährige Ausbildung die Rente von meinem Freund?



      7.) Muss ich mich irgendwann arbeitslos melden (wenn ich nicht in Elternzeit bin) auch wenn ich in den 1,5 Jahren nach der Geburt nicht arbeiten möchte?



      So lange ich in Elternzeit bin, müssen wir vermutlich den Gürtel schon etwas „enger“ schnallen, weil wir dann eben zu Fünft von meinem Elterngeld leben müssen. Aber wir haben noch etwas Erspartes und wenn alles klappt, kommt ja die Abfindung dazu, dann wäre es nicht mehr eng!

      Und allgemein sind wir eher sparsam...



      Jedenfalls sind wir etwas überfordert mit all den Optionen und würden uns über Tips und Hilfestellung für all die Entscheidungen freuen! Gerne auch nur zu einzelnen Punkten, weil es ja manchmal doch sehr speziell ist.
    • Hallo.

      Zu allen Fragen kann ich mich nicht äußern, aber ein paar bekomme ich abgedeckt.

      Wenn keine Krankenversicherungspflicht eintritt (z. B. durch Leistungsbezug), bleibt es bei der freiwilligen Versicherung. Ohne weiteres Einkommen kostet die Versicherung ca. 200 Euro im Monat (Pflegeversicherung inklusive).

      Auch während der schulischen Ausbildung kann die freiwillige Versicherung notwendig sein. Familienversicherung würde einen Trauschein erfordern.

      Die Agentur für Arbeit wird grundsätzlich Leistungen erbringen (Alg I zahlen), wenn die Voraussetzungen dafür (tatsächlich arbeitslos und arbeitssuchend) vorliegen.
      Sollte die Agentur die Kündigung für nicht gerechtfertigt halten, so wird sie eine Sperrzeit verhängen.

      Im Regelfall (ein paar Ausnahmen sind denkbar) ist einer der Erziehenden für 36 Kalendermonate, beginnend mit dem Folgemonat der Geburt des Kindes, in der Rentenversicherung abgesichert. Man wird so gestellt, als würde man 3 Jahre lang durchschnittlich verdienen. Für 2020 würde man einen jährlichen Verdient von knapp 40.000 Euro unterstellen.

      Die schulische Ausbildung würde grundsätzlich (es gibt Höchstgrenzen) als Fachschulbesuch berücksichtigt werden. Diese Zeit würde als Wartezeit für die 35-jährige Wartezeit mitgezählt werden, nicht jedoch für 45-jährige Wartezeit. Als Fachschule wird sich diese Zeit sogar rentensteigernd auswirken.

      Bitte auch über die Community hinaus Informationen anfordern und beraten lassen.
    • Hallo Janders und Chris,
      vielen Dank für eure Antworten!
      Das mit dem schriftlichen Anschreiben an die Krankenkasse und ans Arbeitsamt ist eine gute Idee. Bin mal gespannt, was die Antworten.
      Und vielen Dank für die Hinweise zur KK und zur Rente!
      Werde mal noch einen Termin beim Steuerberater machen. Vielleicht hat er ja auch noch ein paar Tips.
      Falls sonst noch jemand was weiß, freu ich mich natürlich!