Fairr Riester verkauft alle Depotwerte

  • Da hat salty natürlich auch wieder recht. Wenn das ein gesamter Topf ist, die Einzahlungen und die Zulagen, dann wären die staatlichen Leistungen wirklich perdu.


    Ich führe das Rechenbeispiel von Pantoffelheld oben mit denselben Zahlen mal weiter: wäre das Konto zu Beginn durch die Aktion von vor einem Jahr bereits bei minus 1751, dann macht das ganze Sammeln der Zulagen ohnehin gar keinen Sinn mehr, und die staatliche Zulage füllt Raisin die Lücke durch das Sell-Low auf. Stimmt das so? Das wäre wirklich wie bei den Schildbürgern, verrückte Welt...

  • ... aber zu verstehen gibt es daran nichts, oder? Weil alle haben ja nur Nachteile von der ganzen Nummer, der Kunde weil er alle Gewinne für Jahrzehnte verliert, Sutor weil sie für etwas garantieren müssen was sie nicht mehr reinholen können, der Staat weil die teure Förderung verpufft bzw. die Leute von der Stange gehen. Alle verlieren. Gaga.

  • wäre das Konto zu Beginn durch die Aktion von vor einem Jahr bereits bei minus 1751, dann macht das ganze Sammeln der Zulagen ohnehin gar keinen Sinn mehr, und die staatliche Zulage füllt Raisin die Lücke durch das Sell-Low auf. Stimmt das so?

    Nein, es müssen alle Einzahlungen und alle Zulagen am Ende mindestens wieder da sein, unverzinst. Wenn jetzt -1751 Minus sind, dann müssen die am Ende durch Wertsteigerung wieder aufgeholt sein oder vom Anbieter ausgeglichen werden.


    Wenn Du diesen Effekt noch in meine Renditeberechnung von oben einbeziehst, wird die Weiterführung des Vertrages gegenüber einer vorzeitigen Kündigung zunehmend attraktiv: Mit einem Startwert von -1751 geht die Rendite auf sichere 3,6% pro Jahr unter der Annahme, dass der Vertrag noch 10 Jahre läuft. (Ich weiß nicht, wie lang die verbleibende Vertragslaufzeit wirklich ist. Längere Laufzeiten führen zu geringeren Renditen. Andersherum: Je kürzer die Restlaufzeit, desto klarer die Empfehlung gegen Kündigung. Das Mitnehmen der Förderung kann sich lohnen. Je höher die Förderquote desto besser -ach nee-; eine kürzere Restlaufzeit ist auch hier besser als eine längere. -> Excel anschmeißen, selbst durchrechnen!)


    Wobei man auch immer noch darauf hoffen darf, dass doch noch eine Wertsteigerung innerhalb des Produktes erzielt wird. Das hier Durchgerechnete ist das Worst-Case-Szenario.

  • Ich hatte das auch schon 2-3 x geschrieben, es wird aber immer wieder außer acht gelassen:

    Wenn die Riester Beiträge von der Steuer abgesetzt werden, ist die eigentliche Rendite noch höher, selbst wenn der Vertrag nachher im Minus steht.
    Vorausgesetzt man investiert die Steuerliche Rückzahlung in ein anderes Produkt (ETF-Sparplan, Rürup, etc) oder wieder zurück in den Vertrag.


    Bei uns ist es so, das ich 116,- € in Riester einzahlen, aber effektiv sind es 175,- € brutto, also das maximum von 2100,- € pro Jahr.

    Dadurch das es 175,- € Zulagen gibt und meine Steuererstattung als Einmalzahlung wieder im Riester landet, nehme ich die maximal Förderung, auch über steuern und nicht die lächerlichen 175,- €, mit.


    Ich habe also jeden Monat 59,- € Rendite, egal wie die Versicherung auch wirtschaften mag.

    Das sind bei meinem Vertrag 3,78 % Rendite nach Kosten und VOR jeglicher Zinsen oder Überschussbeteiligung.


    Und wie oben schon erwähnt, die Gelder sind Garantiert, Zinsen und Überschüsse würden die Rendite (vor Steuern) nur noch weiter erhöhen.
    Ich kann die Steuerliche Rückzahlung natürlich auch in ETF-Depot anlegen, dann sind diese Gewinne aber auch dem Riester zuzuschreiben, denn ohne diesen würden diese geförderten Zahlungen und Investieren ( Geld kommt ja nur vom Staat durch den Riester Vertrag) überhaupt nicht anfallen bzw. müsste von meinem eigenen Netto-Lohn zusätzlich aufgebracht werden.


    Das macht Riester immer noch nicht zu einem super Produkt, aber es ist einfach nicht so schlecht wie es immer alle reden, denn man muss es auch richtig verstehen. Es bedarf aber eine Nachbesserung weil sich die Zeiten geändert haben.

  • Hm, der Begriff "Rendite" ist glaube ich, hier etwas falsch dargestellt.


    Wenn ich 1925 Euro einzahle, dann bekomme ich nächstes Jahr 525 Euro an Steuererstattung, also bin ich erst einmal 1400 Euro in den Miesen.


    Ich verbrenne pro Jahr 1925 Euro, auch wenn ich hinterher 525 Euro in der Asche finde. 8|


    Falls am Ende nur die Garantie greift, muss ich meine Nettoeinzahlungen ins Verhältnis zu den Nettoauszahlungen setzen. Das sollte definitiv positiv ausfallen. (Schauen, was die Inflation davon übrig lässt.)

  • Für alle die argumetieren "Ich stelle den Vertrag jetzt ruhend und die Sutor-Bank soll mal schön zusehen wie sie die Verluste am Ende ausgleicht": Abgesehen davon, dass dies möglicherweise nicht die Strategie mit der besten Renditeaussicht ist, sollte bedacht werden, dass die Sutor-Bank dafür zum Auszahlungszeitpunkt auch noch existieren muss. Meldet die Sutor-Bank auf dem Weg dorthin Insolvenz an, hat man nichts mehr von der schönen Beitragsgarantie und muss die Verluste im Zweifel doch einfach hinnehmen.

  • Die Garantie umfasst auch die staatlichen Zulagen. Wenn Peterola jetzt 57 ist und die 10 Jahre bis zur Rente jeweils 1600 € einzahlt und 10 Jahre lang 175 € Zulage bekommt, hat er im schlechtest denkbaren Fall 17.750 € als Endvermögen und eine Rendite von 1,9 %.

    Was dann bei 2% Inflation unterm Strich auf eine negative Rendite hinaus läuft. <X

    Würde Peterola hingegen in einen ETF investieren und würde 6% p.a. Rendite erzielen, hätte er am Ende > 20K€ nach Steuern.

    Ok, das eine ist halt garantiert! ;) Und Garantien leibt der Deutsche!

  • es wird aber immer wieder außer acht gelassen:

    Wenn die Riester Beiträge von der Steuer abgesetzt werden, ist die eigentliche Rendite noch höher

    Stimmt, ich hatte diesmal nicht dazugeschrieben "plus mögliche Steuervorteile".


    Ich kann in der Sparphase "absetzen", muss aber in der Auszahlungsphase voll versteuern, jeweils mit dem persönlichen Steuersatz.


    Es gibt da zwei mögliche positive Effekte:

    • Der Steuersatz im Ruhestand ist meist geringer als in der Sparphase.
    • Steuerstundung - Du zahlst die Steuern erst (ggf. Jahrzehnte) später und kannst so lange mit dem Geld "arbeiten" und das Geld weiter Geld verdienen lassen. Das gibt einen hübschen Zinseszinseffekt...

    Beide Effekte sind definitiv vorhanden. Allerdings war ich bisher immer wenn ich das am konkreten Beispiel durchgerechnet habe ernüchtert über die praktischen Auswirkungen.


    H4KlAuS , wie Referat Janders schon angedeutet hat, berechnest Du mit 3,78 % statt einer Rendite eher eine Förderquote. Das Ergebnis ist schön, weil es Förderung gibt = Geld, das von außen dazu kommt. Diesen Vorteil erkaufst Du Dir aber im Vergleich zu einer freien Geldanlage mit Nachteilen, die Du dagegenrechnen musst.

  • Was dann bei 2% Inflation unterm Strich auf eine negative Rendite hinaus läuft. <X

    Würde Peterola hingegen in einen ETF investieren und würde 6% p.a. Rendite erzielen, hätte er am Ende > 20K€ nach Steuern.

    Ok, das eine ist halt garantiert! ;) Und Garantien leibt der Deutsche!

    monstermania Keine voreiligen Schlüsse, ich habe sehr viel mehr Aktien-ETFs als du vermutest ;) Ich betrachte private ETFs und Riester nicht entweder oder, sondern eine Art Diversifikation. Nochmal, ich will Riester nicht verteidigen, das krankt. Wenn ich Zuschüsse auf private ETF-Vorsorge bekommen würde, wäre ich schon längst weg.

  • Für alle die argumetieren "Ich stelle den Vertrag jetzt ruhend und die Sutor-Bank soll mal schön zusehen wie sie die Verluste am Ende ausgleicht": Abgesehen davon, dass dies möglicherweise nicht die Strategie mit der besten Renditeaussicht ist, sollte bedacht werden, dass die Sutor-Bank dafür zum Auszahlungszeitpunkt auch noch existieren muss. Meldet die Sutor-Bank auf dem Weg dorthin Insolvenz an, hat man nichts mehr von der schönen Beitragsgarantie und muss die Verluste im Zweifel doch einfach hinnehmen.

    Das sollte man (abgesehen von der Frage ob der Vertragspartner eigentlich Fairr/Raisin/Sutor ist) eigentlich ganz gelassen sehen können.


    Denn die Anforderungen an die Absicherung der Mindestauszahlung sind dem Anschein nach so hoch, dass es überhaupt erst zu dieser Krise gekommen ist. Da schließt sich der Kreis: Den Crash haben die Kunden erlebt, weil das garantiert werden muss und weil die Bank sich nicht anders zu helfen wusste als zum ungünstigst möglichen Zeitpunkt aus Aktien zu fliehen.

  • Ich versuche mir das nur momentan nüchtern durchzurechnen, ob ich nicht doch den Mindestbetrag einzahle alleine um die Zulagen mitzunehmen.

    Man darf durchaus mehr als einen Riestervertrag haben. Mein Vorschlag wäre daher Fairriester ruhend zu stellen und die das Schlamassel selbst lösen zu lassen. Für die Zulagen dann ggf. einen neuen Vertrag woanders abschließen. Der fängt wieder bei null an, eventuelle Gewinne gehen also nicht in den Verlustausgleich.

  • Ich habe mich für Beitragsfreistellung statt Kündigung entscheiden, weil ich auf verbesserte gesetzliche Bedingungen nach der überfälligen Riester-Reform hoffe. Dann kann ich das Kapital hoffentlich übertragen. Leider wurde ja diese Legislaturperiode nichts draus, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.


    Je länger das dauert, desto mehr Geld wird bis dahin vernichtet.

    Moin, zu der längst überfälligen Riester-Reform ein Artikel zu der Veranstaltung ‚Zukunftsmarkt Altersvorsorge 2021‘, die Anfang März 2021 geführt wurde, u.a. mit den Herren Rürup, Heil, Kukies.

    Link:

    https://versicherungswirtschaf…immer-unwahrscheinlicher/

    Das Statement von Herrn Tenhagen: ‚Ohne Beitragsgarantie dürfte es Riester seiner Einschätzung nach schwer haben‘

    Mal abwarten, also lange Wartezeit…..

    Gruß sueppchen

  • Danke für den Link. Am fürchterlichsten fand ich den letzten Absatz:


    "Da dieses Thema “unpopulär” sei, fordert Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, eine politische Entscheidung. Allerdings sollten die nächsten “vier, fünf” Jahre abgewartet werden, ob das Renteneintrittsalter faktisch steigt."


    Das kann doch nicht ihr Ernst sein. Wieviel Rendite verschenkt man durch den verpassten Zinseszinseffekt in fünf Jahren? Finanzmathematik Grundlagenkurs...

  • Hallo ,

    Raisin Fairr hat gestern bei mir die Jahresabschlüße eingestellt.

    Zum 31.12.2020 war daß ein Aktienanteil von 37% bei Endalter 85 bei mir 54 jährigem.

    Meine minderjährigenKinder sind zu 100% in Aktien investiert

  • Sind die Verträge der Kinder aktuell auch im Minus, und der Aktienanteil ist trotzdem 100%? Das wäre ja ein Licht am Ende des Tunnels. Bisher habe ich nur von Verträgen gehört, die trotz langer Restlaufzeit nicht voll investiert waren. Es könnte aber auch daran liegen, dass die Vola gerade wieder auf dem niedrigsten Niveau seit einem Jahr liegt.

  • Könnt Ihr mir mal weiterhelfen? Wie ist der von mir fett gesetzte Satz gemeint? (aus dem von sueppchen verlinkten Artikel https://versicherungswirtschaf…immer-unwahrscheinlicher/ )


    "Rolf Schmachtenberg, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, sagte, dass die Pandemie offenbar den Trend steigender Lebenserwartung dämpfe. Zurzeit wachse die zusätzliche Lebenserwartung langsamer als die Zunahme der Rentenbezugszeit. Dies, aber auch soziale Differenzierungen bei der Lebenserwartung, sprächen gegen eine Heraufsetzung des Regelrentenalters."

  • Ich lese es so, dass mit sinkender Lebenserwartung erwartet wird dass die Rentenbezugszeit sinken wird, im Moment aber noch nicht tut. Ferner lese ich es so, dass Herr Heil sich hinter der Pandemie versteckt um nicht tätig werden zu müssen.

    Richtig krass ist der letzte Satz.

  • Also der Rahmen, in dem dieses Statement getätigt worden ist, ist nach meinem Verständnis dieser: Im September sind Bundestagswahlen und die SPD hat überhaupt keine Lust darauf, ihrer verblieben Wählerklientel zu erklären, dass das Renteneintrittsalter notwendigerweise steigen wird. Deshalb erklärt der beamtete Staatssekretär und SPD-Mitglied seit 1990, dass wir kein Problem haben. Schließlich steigt die Lebenserwartung nicht mehr so stark wie vor der Pandemie, also können wir irgendwann (so ca. um den Sankt-Nimmerleins-Tag herum) erwarten, dass die Rentenbezugszeit auch nicht mehr steigt, sondern vielleicht sogar fällt und dass deshalb das umlagenfinanzierte Rentensystem nicht kollabieren wird.

    Den letzten Satz verstehe ich so, dass es eine immer stärkere Differenzierung von gut auskömmlichen Jobs und ungesunden, die Lebenszeit verkürzenden Jobs (Paketfahrer etc.) geben wird und dass man darauf schlecht mit einem pauschalen Renteneintrittsalter reagieren kann. Das kann ich sogar nachvollziehen. Wäre aber für mich ein Grund mehr, das Rentensystem schnellstmöglich zu ändern, z.B. mit einem Staatsfonds.