Dividenden in dieser Zeit

  • Für Genossenschaftsbanken und Aktiengesellschaften mit einem Geschäftsjahr 1.1.-31.12. ist ja demnächst die Dividendenzahlung fällig (nach entsprechenden Beschlüssen).
    Wird bei den Dividendenvorschlägen nur das Geschäftsjahr 2019 berücksichtigt oder auch die aktuelle Situation / aktuelle Geschäftsjahr?

  • Ja natürlich. Es soll ja auch der belohnt werden, der Rücklagen bildet. Man könnte ja eine Sperre für einige Jahre drauf geben.


    Wenn wir mal den Sarkasmus beiseite lassen: Ich teile die Ansicht nicht, dass den Aktiengesellschaften und Genossenschaften geholfen wird. Es werden Kredite ausgereicht aber keine Zuschüsse. Daher werden diese Unternehmen auf der entfallenden Nachfrage und damit Umsätzen sitzen bleiben. Insofern sind die Bürger, die gemäß Finanztip etwas eigenständig zur Absicherung gemacht haben, die Dummen. Zur Kompensation der gestiegenen Verschuldung wird es Steuererhöhungen geben. Da bin ich mir sehr sicher, dass die Kapitalanleger zur Kasse gebeten werden.


    Auch der zusätzliche Mieterschutz wälzt das Risiko derer, die keine Rücklagen gebildet haben, auf Bürger über, die entweder direkt oder über Immobilienaktien - womit wir dann wieder beim MSCI World sind - etwas für die Vorsorge getan haben.


    Zitat; Wegen Mietschulden aus dem Zeitraum zwischen dem 1. April 2020 und dem 30. Juni 2020 dürfen Vermieter das Mietverhältnis nicht kündigen, sofern die Mietschulden auf den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie beruhen Quelle: https://mieterschutz.bund.de/S…020/032320_Corona_FH.html


    Noch einer, auch wieder pointiert: Daimler macht wohl auch Kurzarbeit und stockt das Kurzarbeitergeld auf. Das heißt, dass überdurchschnittlich bezahlte Mitarbeiter, die jahrelang Boni aufgrund (auch) von Gewinnen aus illegalen Aktivitäten erhalten haben, jetzt noch mehr Geld vom Unternehmen bekommen, das eigentlich den Aktionären gehört. Bereits am 11.02. wurde den Aktionären die Dividende um 72% gekürzt.


    Noch ein Zitat: Aktionäre sind dumm und frech. Dumm, weil sie Aktien kaufen, und frech, weil sie dann noch Dividende haben wollen Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_F%C3%BCrstenberg

  • @Kater.Ka
    Bin mir nicht so sicher, ob ich deine Statement zum Daimler richtig verstehe. In der Finanzmarktkrise 2008/2009 gab es zur "Rettung" der Automobilindustrie u.a. die Abwrackprämie. Ohne solche Hilfen wären manche dieser Unternehmen heute (also vor Corona) nicht da, wo sind jetzt sind. Die Immobilienbranche hat nun 10 Jahre dicke Geschäfte gemacht und schreit auch schon nach Hilfe. Insgesamt betrachtet bin ich auch im Hinblick auf die Rettungsaktionen bei HypoRealEstate, Commerzbank & Co der Meinung, dass es per Saldo heute wieder so sein wird, wie damals:


    In guten Zeiten werden Gewinne privatisiert, in schlechten Zeiten werden Verluste sozialisiert.

  • Ich teile Deine Befürchtung bzw. Analyse Es wurde ja schon mit dem staatlichen Einstieg gewunken.


    Mein Beitrag befasst sich zum einen mit der Angemessenheit des staatlichen Eingriffs, der mMn ohne Not zu großzügig geraten ist. Zum anderen bin ich der Meinung, dass die aufgezeigten Aktionen der Aktiengesellschaften allein zu Lasten zu einer Nicht-Entlastung der Vorstände führen sollte, da sie ja unsere Angestellten sind und sich hier gegen unsere Interessen wenden. Ich wende mich explizit nicht gegen eine angemessene Lastenteilung, die sehe ich aktuell nicht.

  • Puma und Deichmann sind bereits nachgezogen. Händler wie Smyth's Toys ebenfalls.


    Das Problem ist, wenn das "Schule" macht und viele nachziehen (was ich befürchte), werden v.a. die kleineren Vermieter die Verlierer sein.

  • Ich habe die Regelungen des Gesetzgebers nicht im Detail studiert, aber sie aus den Medienberichten so verstanden, dass sie eine Hilfe für Unternehmen sein sollen, die (sonst) Liquiditätsprobleme kriegen.


    Adidas hatte per 31. Dezember 2019 (laut Bilanz) 2,2 Milliarden Euro liquide Mittel ! Ok, wenn ich so wenig Geld hätte, würde ich mir tatsächlich auch Sorgen machen :evil:


    Und wenn das so weitergeht, dann fließen viele staatliche Hilfsmittel einmal mehr in Unternehmen, die frei von jeder sozialen Verantwortung auch in Zeiten wie diesen stur der Gewinnmaximierung frönen und/oder sich die gewieftesten Berater leisten können. Beides gilt wohl nicht für die meisten Kleinstunternehmer und Mittelständler. Deutsche Wiedervereinigung und Treuhandanstalt lassen grüßen.


    Nachtrag: ich habe doch noch was gefunden:
    "Die vom Bundeskabinett beschlossene Formulierungshilfe des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz für die Koalitionsfraktionen enthält auch Erleichterungen für Mieterinnen und Mieter, die infolge der Pandemie aktuell nicht ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen können.
    https://www.bmjv.de/DE/Themen/…te/Corona_Miete_node.html

  • Leider sehe ich bei Ecoreporter nur die Überschriften vom heute:


    "Die Deutsche Pfandbriefbank (pbb), eine ECOreporter-Favoriten Aktie, zieht ihre Dividende für das Geschäftsjahr 2019 zurück. Der im MDax notierte Immobilienfinanzierer mit Sitz in München folgt damit den Empfehlungen der Europäischen Zentralbank (EZB)."


    bzw.


    "Die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) fordert Versicherer auf, Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe zu unterlassen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sieht das Thema etwas differenzierter."



    Kennt jemand diese Empfehlung der EZB bzw. die Info von EIOPA bzw. BaFin genauer?

  • Zwei Perspektiven:


    Es wird schon von zusätzlicher Steuerbelastung der Leistungsfähigen gesprochen. Das wird u.a. an Vermögen also auch Kapitalvermögen festgemacht. Auch wenn es nur Buchverluste sind solange nicht verkauf wird ist hier bei den Anlegern Schaden entstanden.


    Ich finde es ziemlich dreist wie die Diskussion der Hilfspakete von Kredit auf Zuschuss geschwenkt ist. Selbstverständlich ist es sozial und richtig, dass demjenigen geholfen wird, der keine Einnahmen mehr erzielen kann. Wenn jetzt aber belohnt wird, dass man keine Rücklagen hat, ist das mMn unangemessen. Dabei beziehe ich mich auf den Förderantrag NRW, bei dem es ausreicht anzukreuzen, dass "die vorhandenen Mittel nicht ausreichen, um die kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen des Unternehmens zu erfüllen (z. B. Mieten, Kredite für Betriebsräume, Leasingraten)".
    Quelle https://soforthilfe-corona.nrw.de