Berufsunfähigkeitsversicherung: anonyme Anfrage bei Versicherern

  • Hallo zusammen,


    ich habe mich gefragt, ob es als Otto Normalverbraucher möglich ist, anonyme Anfragen an Versicherer bzgl. einer Berufsunfähigkeitsversicherung zu schicken.


    Zur Erklärung:
    Ich habe bereits einen Versuch hinter mir, eine BU abzuschließen, bei der ich allerdings von meinem Versicherungsmakler sehr schlecht beraten worden bin. Es kam daher nicht zu einem Abschluss. Deswegen möchte ich das Thema jetzt selber angehen. Oder ratet ihr mir generell von diesem Schritt ab?


    Viele Grüße

  • Hallo pelz,


    ich persönlich würde davon abraten das Thema BU vollständig in die eigenen Hände zu nehmen, weil es nicht nur auf die groben Faktoren ankommt, sonder man alle Formulierungen der AVB (allgemeine Versicherungsbedingungen) ins kleinste auf juristische Weise lesen und VERSTEHEN ! können muss - und zwar (leider) nachteilig für den Versicherungsnehmer.


    Dazu rate ich, diesen äußert aufschlussreichen und m.E. verständlichen Leitfaden zu lesen: https://www.wertpapier-forum.d…cherung-tipps-und-tricks/


    Etwas oberflächlicher, aber trotzdem auch gut aufbereitet finde ich die Seite von Schlemann zur BU Beratung - siehe dir dazu die Links in Schritt 2 an: https://schlemann.com/berufsun…nfaehigkeitsversicherung/


    Bei beiden ist klar herauszulesen, dass die Gesundheitsfragen das A und O sind. Daher vor einem Beratungstermin geschweige denn Antragsausfüllung bei den behandelnden Ärzten die eigene Akte anfordern und seine Gesundheitshistorie aufarbeiten. Auch möglich ist der Weg über die Krankenkasse und dort alle Abrechnungen und Diagnosen abfragen - die reine Auflistung der Arbeitsunfähigkeitszeiten reicht vorne und hinten nicht aus !


    Außerdem muss man verstehen, dass eine BU nicht zum Sparen geeignet ist (und nur mal so nebenbei bemerkt, eine PKV auch nicht). Es kommt auf mögliche und hoffentlich nie einzufordernde Leistungen an.


    Als letzte Info gebe ich mit auf den Weg, zwischen Versicherungsberater, Versicherungsmakler, Versicherungsvertreter oder Direktversicherer zu unterscheiden. Hier ist es sehr wichtig zu verstehen, wer rechtlich auf deiner Seite steht oder auf Seite des Versicherers - salopp gesagt für oder gegen dich.
    https://www.wertpapier-forum.d…b=comments#comment-972070



    Fazit:
    meiner Meinung nach, ist das Thema BU so komplex und man braucht eine Menge rechtlich relevantes Wissen&Verständnis, dass man eine BU nur mit Unterstützung abschließen sollte. Sich dort selber (richtig & umfassend) einzuarbeiten ist ohne Ausbildung m.M.n. nur sehr wenigen möglich und dann muss der Antragsbogen auch noch korrekt ausgefüllt werden. Alleine die Bewertung der eigenen Gesundheitshistorie verharmlost man selber sehr stark. In den ersten 10 Jahren bedeutet das, dass du dir selber den Strick um den Hals gelegt hast.
    Beim Thema Rente wie z.B. Riester oder bAV sehe ich das anders - das kann man mit (immer noch viel) Zeitaufwand selber organisieren. PKV ist wieder ein Thema für das man Unterstützung nehmen sollte (Stichwort: Kosten von medizinischen Behandlungen (GOÄ, GOZ etc.)).



    Grüße
    Dennis



    P.S.: ich selber bin nicht in der Versicherungsbranche tätig, sondern arbeite beim Automobilzulieferer. Beschäftige mich seit nun/erst einem halben Jahr intensiver mit Versicherung & Rente und habe sicherlich noch nicht alles verstanden, außer das ein paar Sachen für mich selber nicht rechtssicher! alleine zu bewältigen sind. Doch wenn man sich erst im Leistungsfall das Kleingedruckte durchliest (und versteht) ist es längst zu spät - dann hat man entweder Glück oder hätte sich das Geld lieber sparen sollen.

  • Oh, gerade gefunden. Danke für den Hinweis @DeSa, dem ich nur beipflichten kann :) "Oberflächlicher" stimmt auch - unsere Oberseite BU Beratung ist ja bewusst eine "Einstiegsseite" und geht nicht bei allen Punkten direkt in die Tiefe. Zum Thema Risikovoranfrage Berufsunfähigkeitsversicherung gibt's dann wieder eine eigene ausführliche Seite. Ich würde sie hier gerne verlinken, aber Finanztip sieht das nicht so gerne wenn man das selbst macht. Ansonsten einfach auf der oben verlinkten Seite nachschauen oder googeln nach Schlemann Risikovoranfrage :) .


    Wie dort ausführlich beschrieben kann man über die Sinnhaftigkeit von anonymen Risikovoranfragen vortrefflich streiten. Zunächst können wir viele Risiken dank langjähriger Erfahrung selbst einschätzen, da brauchen wir nicht jedes Mal nachzufragen. Bleibt etwas unklar, klären wir das meistens auf dem kleinen Dienstweg ohne Namensnennung telefonisch mit "unseren" Risikoprüfern. Manchmal helfen auch nur Spezialisten zugängliche Online-Risikoprüfungstools der Gesellschaften, um direkt eine verbindliche Rückmeldung zu bekommen.


    In komplexeren Fällen kann eine schriftliche Risikovoranfrage nötig sein. Manchmal stellen wir diese dann pseudonymisiert (nicht anonym, feiner aber wichtiger Unterschied!), z.B. bei einer Psychotherapie die vom Fragezeitraum her gar nicht mehr anzugeben wäre, wenn der Antrag ein paar Monate später gestellt wird.


    Das selbst zu managen mag mit einiger Einarbeitung theoretisch möglich sein. Ich kenne aber keine Gesellschaft, die direkt von Endkunden gestellte Risikovoranfragen bearbeitet. Deshalb bitte nicht selbst herumpuzzeln, sondern einen Profi beauftragen. Fällt die Wahl dabei auf einen Versicherungsmakler macht der das i.d.R. sogar kostenlos. Also wozu dann den Aufwand und die Risiken in Kauf nehmen??

    Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung GmbH & Co. KG - Spezialisten für Private Krankenversicherung, Berufsunfähigkeit, Altersvorsorge, Geldanlage. Angaben gem. § 15 VersVermV, § 12 FinVermV: schlemann.com/erstinformationen/. Beiträge in der Finanztip Community erstelle ich mit größtmöglicher Sorgfalt, jedoch ohne Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen, deren Nutzung auf eigene Gefahr erfolgt.

  • Hallo Herr Dr. Schlemann, ich glaube aus Ihrer Nachricht herauszulesen, dass Sie es auch nicht bös/falsch aufgenommen haben mit "oberflächlicher", aber ich möchte das auch hier für die Nachwelt und alle anderen festhalten: damit meinte ich das "oberflächlicher" nicht abwertend gemeint - ganz im Gegenteil ! Wie Sie schreiben, ist das eine sehr leicht verständliche und keinesfalls "trockene" Seite für alle, die ganz neu in der Materie sind. Daher empfehle ich auch Ihre Seite gerne. ;)


    Damit das hier jetzt nicht als Schleichwerbung o.Ä. rüber kommt, spreche ich eine weitere Empfehlung für die Seite der Finanzberatung Bierl aus. Ebenfalls sehr aufschlussreich und nicht zu trocken.


    Als i-Tüpfel und für die, die es sehr detailreich wissen möchten, folgt dann der Beitrag aus dem Wertpapier-Forum. Leider hat sich der Nutzer dort abgemeldet und seine Beiträge wurden gelöscht. Deswegen ist mein Link oben nicht mehr erreichbar. ABER das Internet vergisst nie und ermöglicht eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit: https://web.archive.org/web/20…cherung-tipps-und-tricks/

  • Vielen Dank für die Antworten.


    Dann werde ich wohl einen Versicherungsmakler zu Rate ziehen. Ich habe nämlich noch weitere offene Fragen, z.B.:
    1) Muss ich in den Gesundheitsfragen aufführen, wenn mein Arzt einen "Verdacht auf..." in meine Krankenakte geschrieben hat, also keine gesicherte Diagnose. Hintergrund ist, dass mein Arzt Krankheiten aufgeschrieben und bei der Krankenkasse abgerechnet hat, die ich nie hatte, die er also frei erfunden hat, damit er es abrechnen kann.
    2) Kann ich während der Zeit, in der ich berufunfähig bin, etwas dazuverdienen oder wird da dann irgendetwas verrechnet?
    3) Wenn ich eine Zeit lang berufsunfähig war, dann aber wieder vollzeit arbeiten kann und dies auch tue, was passiert dann mit dem BU-Vertrag?


    Viele Grüße

  • Gute Idee @pelz :)

    Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung GmbH & Co. KG - Spezialisten für Private Krankenversicherung, Berufsunfähigkeit, Altersvorsorge, Geldanlage. Angaben gem. § 15 VersVermV, § 12 FinVermV: schlemann.com/erstinformationen/. Beiträge in der Finanztip Community erstelle ich mit größtmöglicher Sorgfalt, jedoch ohne Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen, deren Nutzung auf eigene Gefahr erfolgt.

  • Der Makler sollte auch mit einem guten Versicherungsberater vernetzt sein. wenn du mal BU wirst musst du den Leistungsantrag korrekt einreichen. Da kann dir kein Makler wirklich helfen, sondern ein sehr teurer Versicherungsberater. Eine BU Versicherung ist ein teurer Spaß und sollte man BU werden muss man starke Nerven haben für den vorprogrammierten Stress mit der Versicherung. Solltest man Deutschland verlassen, stellt sich auch die Frage wie man bspw. aus Australien/Neuseeland sein Recht durchsetzen soll....Naja, aber dafür fühlt man sich sicher während man die BU Beiträge brav zahlt. :)

  • Hallo @liki90,
    das heißt du rätst mir generell von einer BU-Versicherung ab?
    LG

    Das sind zumindest Fragen, die ich mit einem kompetenten Makler besprechen würde und sie für mich persönlich kritisch hinterfragen würde. Für das BU-Thema braucht man wirklich einen kompetenten Fachmann, da führt aus meiner Sicht kein Weg dran vorbei. Und auf keinen Fall einen "Vergleichsportal"-Makler, der nebenbei auch noch private Altersvorsorge und Haftpflicht verkloppt.


    P.S. nicht persönlich nehmen, aber allein, dass du diese Frage stellst verrät, dass du dich noch nicht ausreichend mit diesem Produkt auseinandergesetzt hast.

  • Der Makler sollte auch mit einem guten Versicherungsberater vernetzt sein. wenn du mal BU wirst musst du den Leistungsantrag korrekt einreichen. Da kann dir kein Makler wirklich helfen, sondern ein sehr teurer Versicherungsberater. Eine BU Versicherung ist ein teurer Spaß und sollte man BU werden muss man starke Nerven haben für den vorprogrammierten Stress mit der Versicherung. Solltest man Deutschland verlassen, stellt sich auch die Frage wie man bspw. aus Australien/Neuseeland sein Recht durchsetzen soll....Naja, aber dafür fühlt man sich sicher während man die BU Beiträge brav zahlt. :)

    Die von @liki90 empfohlene Vernetzung mit einem guten Versicherungsberater halte ich ebenfalls für sehr sinnvoll. Von "vorprogrammiertem Stress mit der Versicherung" für den man "starke Nerven" braucht, würde ich allerdings nicht sprechen. Wenn bei Antragstellung alles richtig gemacht wurde und jemand dann auch wirklich zu 50% berufsunfähig ist, kommt es nur sehr selten zum Prozess. Der von uns empfohlene Versicherungsberater kommt auf eine Prozessquote von nur einem von 153 Fällen = 0,0065%!


    Fazit: Mit guter Beratung bei Abschluss und im Leistungsfall kann man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung im Ernstfall auch zahlt!

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  • Das sind zumindest Fragen, die ich mit einem kompetenten Makler besprechen würde und sie für mich persönlich kritisch hinterfragen würde. Für das BU-Thema braucht man wirklich einen kompetenten Fachmann, da führt aus meiner Sicht kein Weg dran vorbei. Und auf keinen Fall einen "Vergleichsportal"-Makler, der nebenbei auch noch private Altersvorsorge und Haftpflicht verkloppt.
    P.S. nicht persönlich nehmen, aber allein, dass du diese Frage stellst verrät, dass du dich noch nicht ausreichend mit diesem Produkt auseinandergesetzt hast.

    Ich hab mich schon mit Materie auseinander gesetzt, bin aber weit entfernt vom Experten-Status in diesem Gebiet. Deswegen bin ich für jeden Tipp und für jede Hilfestellung dankbar und deshalb wende ich mich auch an dieses Forum.


    Leider bekomme ich im persönlichen Umfeld und auch im Internet teilweise wiedersprüchliche Auskünfte. Und mit "Beratern" (=Verkäufern) habe ich nicht nur im Bereich der Versicherungen in der Vergangenheit bereits schlechte Erfahrungen gemacht.
    Ich weiß noch nicht so recht, wie ich einen "kompetenten Fachmann"/"guten Berater" finde und keinen "Vergleichsportal"-Makler erwische.



    @Dr. Schlemann:
    Können Sie mir die drei Fragen beantworten, damit ich mein Wissen ein bisschen erweitern kann :)
    Vielen Dank

  • @pelz, wieso fragen Sie das denn nicht den Versicherungsmakler, den Sie beauftragen? :)


    Hier in Kurzform:
    1) Jein - wie auf unserer Website ausführlich beschrieben gibt es sinnvolle Methoden, mit solchen Abrechnungsdiagnosen umzugehen. Einfach mal googeln nach Schlemann Abrechnungsdiagnosen - unten auf der Seite steht dazu mehr.
    2) Ja, je nach Anbieter/Tarif bis ca. 80%. Geben Sie sich aber bitte bei der Berechnung der nötigen BU Rente nicht der Illusion hin, dass Sie eine "Luxus-BU" haben, bei der Sie noch fröhlich nebenbei etwas dazu verdienen. Wenn Sie eine Depression erwischt, machen Sie eine ganze Zeit gar nichts mehr. In uns bekannten Fällen war selbst Spazierengehen mit dem Hund nicht mehr möglich.
    3) Der läuft weiter. Bei "guten" Tarifen bleiben Ihnen auch die zwischenzeitlichen Erhöhungen durch eine Leistungsdynamik erhalten.


    Und was machen Sie jetzt mit Ihrem "erweiterten Wissen" @pelz? :)

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  • Zunächst einmal vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen @Dr. Schlemann :)


    Ich werde als nächstes versuchen, einen dem ersten Eindruck nach vertrauenswürdigen Versicherungs-makler zu finden. Ich hoffe dies gelingt mir.


    LG und vielen Dank noch einmal an alle, die ihre Meinung und ihr Wissen mit mir geteilt haben.

  • Gern geschehen @pelz. Einen vertrauenswürdigen Versicherungsmakler zu finden, der auch noch etwas Ahnung hat, scheint nicht so einfach zu sein. Schauen Sie doch einfach mal, wen Finanztip so empfiehlt und wer davon zusätzlich viele gute Bewertungen hat. Es gibt Versicherungsmakler mit über 1.700 echten (!) sehr guten Kundenbewertungen. Das mag ja schon mal ein erster Anhaltspunkt sein :) . Schönen Sonntag!

    Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung GmbH & Co. KG - Spezialisten für Private Krankenversicherung, Berufsunfähigkeit, Altersvorsorge, Geldanlage. Angaben gem. § 15 VersVermV, § 12 FinVermV: schlemann.com/erstinformationen/. Beiträge in der Finanztip Community erstelle ich mit größtmöglicher Sorgfalt, jedoch ohne Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen, deren Nutzung auf eigene Gefahr erfolgt.