Steuerklasse schon vor der Geburt wechseln?

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    • Steuerklasse schon vor der Geburt wechseln?

      Guten Tag,
      Ich habe eine Frage zum Steuerklassenwechsel während des Mutterschutzes vor dem Geburtstermin.
      In allen Ratgebern und Foren zum Thema Steuerklassenwechsel in der Schwangerschaft steht, dass ein Zurückwechseln der Steuerklassen in die "bessere" Steuerklassenkombination erst im Monat nach der Geburt des Kindes möglich bzw. ratsam ist. Allerdings verstehe ich nicht genau warum dies der Fall sein sollte.

      Warum verstehe ich diese Aussage nicht:
      1. Der Bemessungszeitraum des Elterngeldes endet in dem Monat vor dem Mutterschutz in dem man noch komplett gearbeitet hat.
      2. Der Bemessungszeitraum für das Mutterschaftsgeld sind die 3 vollen Monate vor Beginn der Schutzfrist und da das Mutterschaftsgeld "Netto" also ohne steuerliche Abzüge gezahlt wird hat die Steuerklasse der Mutter im Mutterschutz keine Auswirkung auf die Zahlungen von Arbeitgeber und Krankenkasse.

      Diesen beiden Aussagen zufolge sollte es möglich sein den Steuerklassenwechsel schon im letzten Monat vor dem Mutterschutz zu beantragen (werdende Mutter ist im Mutterschutz vor der Geburt also schon wieder in der für sie ungünstigen Steuerklasse) ohne das es nachteilige Effekte auf das Mutterschaftsgeld oder das Elterngeld gibt. Der einzige "nachteilige" Effekt wäre also, dass der Anteil des Bruttogehaltes der werdenden Mutter in dem Monat in dem der Mutterschutz beginnt mit höheren steuerlichen Abzügen belastet wird.

      Ist mir bei meinen Annahmen eventuell ein Fehler unterlaufen?
      Natürlich ist eine solche Vorgehensweise erst seit Beginn 2020 möglich, da man die Steuerklasse seitdem mehrfach pro Jahr wechseln kann.

      Hintergrund der Frage ist natürlich die Corona-Krise:
      Der Betrieb in dem ich beschäftigt bin hat jetzt schon bis Ende des Jahres Kurzarbeit angemeldet. Der Geburtstermin ist im Oktober und wir wollen natürlich so schnell wie möglich in die Steuerklassenkombination wechseln, in der das Kurzarbeitergeld am höhsten ausfällt ohne dabei die Höhe des Elterngeldes oder des Mutterschaftsgeldes negativ zu beeinflussen.

      Ich würde mich freuen wenn Ihr mir eure Sicht der Dinge zum oben beschriebenen Sachverhalt mitteilen könntet. :)

      Mit freundlichem Gruß,
      Klaus
    • Verstehe ich richtig, dass ihr durch die Kombination Sie 3 : Er 5 das Elterngeld optimiert habt, du nun Kurzarbeit erleidest und daher so bald wie möglich die Steuerklassen tauschen willst, um das Kurzarbeitergeld zu optimieren?

      Das ist prinzipiell möglich. Die Frau muss von den 12 Monaten vor Geburt 7 in Kl3 gewesen sein. Ich vermute (weiß es aber nicht!) dass es egal ist, wann die 7 von 12 Monaten erbracht wurden. Das Problem ist hier, dass viele Paare die Steuerklasse erst wechseln, wenn der Test positiv war, also in SWS 5-8. Dann wird es knapp mit den 7 Monaten.

      Hast du mal den Vorteil Elterngeld gegen den Nachteil Kurzarbeitergeld gerechnet? Vielleicht wäre es klug, das Elterngeld auf Basis Stkl 5 und das Kurzarbeitergeld sofort auf Basis Stkl 3 zu erhalten. Das Optimum "alles maximiert" wird es in eurer Situation leider nicht geben.
    • @chris2702
      Danke für deine Antwort.

      Deine Annahme zu unsere aktuellen Steuerklassenkombination ist richtig. Ich bin jetzt in der SK V, meine Frau in der SK III.
      Wir haben die Steuerklasse rechtzeitig gewechselt, sodass meine Frau im Bemessungszeitraum 6 Monate in SK3 ist. Es müssen übrigens keine 7 Monate sein, bei "Gleichstand" mehrerer Steuerklassen im Bemessungszeitraum ist gemäß §2 BEEG die Steuerklasse maßgeblich die im letzten Monat des Bemessungszeitraums gültig war. Dazu gibt es auch Gerichtsurteile, z.B. das Urteil des Sozialgerichtes Darmstadt vom 25.11.2014 (S 20 EG 11/14).

      Du hast ebenfalls Recht, dass ich aktuell von Kurzarbeit betroffen bin. Habe auch schon eine "Optimierungsrechnung" durchgeführt. Für unseren Fall ist es besser wenn meine Frau nach der Geburt mehr Elterngeld bezieht, als das ich jetzt mehr Kurzarbeitergeld bekomme.

      Allerdings würde sich der "Verlust" durch die Kombination SK V und Kurzarbeit abmildern lassen wenn ich früher in die SK III zurückkehren könnte als die Dauer die sich durch den Zeitraum ergibt wenn man die Steuerklasse erst im ersten Monat nach Geburt des Kindes wechselt.

      Daher die Frage, ob ein Steuerklassenwechsel im Monat in dem der Mutterschutz beginnt (also schon zwei Monate vor der Geburt) wie von mir angenommen keinen nachteiligen Effekt auf die Höhe des Elterngeldes und Mutterschaftsgeldes der Mutter hat.

      Und ja du hast Recht, in der aktuellen Situation können natürlich keine Werte erreicht werden wie es Prä-Corona der Fall gewesen wäre. Ich dachte jedoch das es mit der von mir angestellten Überlegung möglich ist die Situation ein wenig zu optimieren, um die offensichtliche systematische Benachteiligung des deutschen Sozialsystems von (werdenden) Eltern ein wenig abzudämpfen.
    • Hallo @KlausP

      ich bin kein Experte und kenne mich auch nur mit der Nicht_Kurzarbeit_Situation aus, daher kann ich dir keine echte Hilfestellung geben. Die für dich zuständige Elterngeldstelle bietet garantiert Sprechzeiten an. Bei mir haben sie früher auf Fragen per Email, Telefon und persönlich reagiert. Da würde ich es an deiner Stelle mal probieren. Vielleicht berichtest du anschließend mal hier.

      Viel Erfolg
    • Hallo @chris2702,

      danke für den Hinweis.
      Ob die Elterngeldstelle bei einer solchen Fragestellung, mit aus Behördensicht vermutlich intern bezeichnetem "Steuerklassenhopping", besonders kooperativ oder hilfreich sein wird, wage ich mal noch zu bezweifeln, da die Elterngeldstelle in allen Gerichtsprozessen zu diesem Thema immer den Standpunkt zu vertreten scheint so wenig Elterngeld wie möglich zu zahlen. Aber die Bestätigung dieser Vermutung steht ja noch aus.
      Ich werde mein Glück aber auf jeden Fall mal probieren. :)
    • Ich würde vielleicht nicht den kompletten Sachverhalt schildern, sondern sagen, "meine Frau ist schon immer in Kl 3, macht es einen Unterschied ob wir die Klassen im Monat vor oder nach der Geburt wechseln". Darauf würde ich eine wahrheitsgemäße Antwort erwarten.

      Hier noch ein Satz zur Rechtsprechung durch das Bundessozialgericht: test.de/Steuerklasse-wechseln-…eim-Elterngeld-4577976-0/