Trade Republik oder Smartbroker - Empfehlung für MSCI World zur Steuersparung

  • Guten Morgen, ich möchte mich erst einmal für meine "Grün-hinter-den-Ohren"-Fragen entschuldigen beziehungsweise, wenn manche dieser Fragen bereits irgendwo sonst beantwortet wurden.


    Ich habe mir in den letzten Wochen viel über ETFs angelesen, bei manchen Fragen aber noch keine Antwort gefunden. Eventuell sind diese Fragen auch so naiv, dass niemand sie bisher beantwortet hatte... :-)


    Ich habe noch nie irgendetwas an der Börse gemacht. Bisher liegt mein ganzes Geld auf einem Tagesgeldkonto. Nun möchte ich aufgrund verschiedener Gründe (sicherer Job, Inflation...) mein Geld vernünftiger anlegen und bin auf ETFs, genauer gesagt auf verschiedene ETFs des MSCI World gekommen. Ich möchte gar nicht viel handeln, sondern mein Geld solide und langfristig anlegen und habe auch gar nichts dagegen, nur einen ETF im Portfolio zu haben - gerne auch über die kommenden Jahre. Ich habe als Einstieg gedacht, zumindest die Hälfte meines Vermögens als ETF zu besparen, die andere Hälfte auf einem Tagesgeldkonto zu belassen. Das würde bedeuten, etwa 30.000€ zu Beginn in einen ETF zu stecken. Außerdem plane ich einen Sparplan von zirka 600€ monatlich. Soweit zu den Grundlagen.


    Nun habe ich an verschiedenen Stellen Fragen, allein aufgrund des Respekts davor, doch so viel Geld anzulegen, ohne jemals wirklich Erfahrungen darin gesammelt zu haben.


    Frage 1:
    Ich habe mir zwei Broker genauer angeguckt -> Smartbroker und Trade Republik. Für meine Bedürfnisse - wirklich nur den einen schlichten ETF - sollte Trade Republik ja "billiger" und passender sein als Smartbroker, allerdings "nur" iShares anbieten?


    Bei Smartbroker kosten die Ausführungen ja 4€, bei Trade Republik 1€. Sparpläne kosten bei Smartbroker 0,2%, sind bei Trade Republik kostenlos. (Abgesehen von manchen temporären Angeboten).



    Frage 2:
    Allerdings habe ich noch nicht richtig gecheckt, was es bedeutet, statt über "Tradegate" beispielsweise über "Lang&Schwarz" zu handeln - sowohl gebührenmäßig als auch strategisch. Smartbroker bietet ja bsw. auch Tradegate an. Trade Republik lässt alles über Lang&Schwarz laufen. Ist es prinzipiell und von den Gebühren egal, über welche Börse das läuft oder gibt es echt Vorteile bei Tradegate?



    Frage 3:
    Wie ist es beispielsweise beim Volumen bei Lang&Schwarz? Kann ich ohne Probleme für 30.000€ dort beispielsweise den Core MSCI World (IE00B4L5Y983) kaufen oder muss ich solch eine Summer besser über Tradegate abwickeln? Ich weiß natürlich, dass für viele 30TEU nicht viel sind und vermutlich ist das eine der naiven Fragen...wenn ich in manchen Apps (bsw. Finanzen100) gucke, wie viel "Stück" zum Verkauf stehen, sehe ich bsw. bei Tradegate "1.000 Stück" (aktuell gehandelt: 82.693 Stück), bei Lang&Schwarz nur "132 Stück" (aktuell gehandelt: "31 Stück"). Könnte dies zu einem Problem werden? Wenn tatsächlich nur so wenig ETFs zur Verfügung stehen, funktionieren ja auch keine Sparpläne über höhere Summen? Oder wie ist das?



    Frage 4:
    In einem anderen Forum hat jemand geschrieben, dass ich besser auf einen ausschüttenden ETF gehen soll statt einem thesaurierenden, weil ich dadurch besser meinen Freibetrag von 801€ ausnutze.


    Könnte ihr mir hinsichtlich dessen einen ausschüttenden ETF empfehlen?


    Wenn ich tatsächlich bei Trade Republik mein Depot haben sollte - die momentan ja "nur" iShares anbieten, müsste ich wohl oder über auf den MSCI World (IE00B0M62Q58) gehen; dieser hat allerdings eine TER von 0,5 (statt bsw. der thesaurierende ETF Core MSCI World (IE00B4L5Y983) von 0,2).


    Wenn ich bei Smartbrokers mein Depot führe und hier einen ausschüttenden alternativen ETF kaufe (bsw. den ComStage MSCI (LU0392494562), ist der TER zwar ebenfalls 0,2, ich muss allerdings eine höhere Provison an Smartbroker zahlen.


    Alternative Idee, die in einem Video von Finanztip erklärt wird: Ich könnte auch ganz schlicht meinen thesaurierenden ETF Core MSCI World (IE00B4L5Y983) besparen und kurz vor dem Jahresende genau so viele ETFs kurzfristig ver- und gleich wieder ankaufen, dass der Broker automatisch den Freibetrag ausreizt.
    Wäre das eine Idee?
    Oder strategisch dümmer, weil dadurch ja wiederum Gebühren und ein schlechterer Kurs entstehen kann?
    Müsste ich in diesem Fall spätestens am letzten Handelstag des Jahres 2020 verkaufen?
    Würde der Broker dann der Freibetrag automatisch verrechnen oder muss ich in meiner Steuererklärung nochmals darauf hinweisen oder überprüfen, ob das Finanzamt dies korrekt ausgeführt hat?



    Frage 5:
    Schlicht die einfache Frage, was ihr genau in meiner Situation machen würdet? Ich weiß ja, dass ich wirklich noch keine Ahnung habe und eine Antwort auf diese Frage auch ganz leicht "Wenn du keine Ahnung hast, lass es auf dem Tagesgeldkonto" sein könnte; allerdings hoffe ich, ihr nehmt mir meine dummen Fragen nicht übel. :-)



    Danke euch!

  • Hallo @rexlouis, willkommen in der Community.


    Ich habe selbst beide Depotanbieter und habe Deine Fragen schon mehrfach beantwortet ...


    Frage 1
    Da sehe ich keine Frage. Im Grundsatz reicht TR aus, es sei denn man will andere ETF oder andere Handelsplätze.


    Frage 2
    TR handelt über L&S Exchange, Das ist nicht L&S sondern ein Börsensegment der Börse Hamburg. Grundsätzlich fallen bei den traditionelle Börsen Zusatzentgelte an, das hängt vom Depotanbieter ab. Bei SB dazu das PLV von SB und zusätzlich das PLV von DAB lesen, da für diese Zusatzentgelte von ersterem auf das zweite verwiesen werden.


    Um es nicht so kompliziert zu machen ist das bei den beiden von Dir gefragten Börsen bei beiden Depotanbietern egal.


    Frage 3
    Einzelkäufe immer mit Limit einstellen, dann gibt es keine Überraschungen.
    Soweit ich das beurteilen kann ist der von Dir genannte ETF liquide genug, dass die Ausführung fair erfolgt.Wir hatten mal eine Frage, bei der die Ausführung eines Sparplans schief gelaufen ist, das wurde aber nach Reklamation korrigiert. Du kannst das selbst checken, indem Du die Time&Sale-Listen von L&S XC bzw. Tradegate mit Xetra bzw. Stuttgart vergleichst.


    Frage 4
    Die TER ist allenfalls ein Indiz, relevant ist die TD bzw. die Rendite. Finanztip hat ein Video vom 12.11.19 auf YT mit Empfehlungen, Reihenfolge Lyxor, Comstage, HSBC, iShares.


    Das mit dem Verkauf vor Jahresende funktioniert. Ich würde das nicht am letzten Handelstag machen, sondern in der letzten vollen Handelswoche vor Weihnachten, da dort noch genug Volumen ist. Der Broker reizt nicht, sondern Du musst das selbst ausrechnen mit unterschiedlichen Kaufkursen, TFS und Vorabpauschale, wie viele Stücke Du verkaufen musst. Voraussetzung ist natürlich, dass ein Freistellungsauftrag vorliegt, da Du sonst die Steuer erst neun Monate später über die Steuererklärung bekommst. Dann musst Du mit dem Finanzamt nichts machen.


    Frage 5
    Auch wenn ich ein wenig knapp und spitz geschrieben habe: Du machst gerade alles richtig und weiter so.


    Die Entscheidung SB und TR hängt von Deiner Strategie ab. Wenn Du mit "nur" iShares und Smartphone-Oberfläche leben kannst reicht TR aus. Speziell letzteres finde ich hinsichtlich Dokumenten-Archivierung umständlich, könnte aber am fortgeschrittenen Lebensalter liegen.


    Wenn Du noch Fragen hast einfach weiter fragen.

  • Guten Morgen,


    wenn du 60k € auf einem Tagesgeldkonto hast und jetzt dein Vermögen längerfristig gewinnbringend anlegen möchtest, dann kann ich dir zu der Entscheidung nur gratulieren!
    Die ganz kurze Antwort auf deine Fragen. Egal bei welcher Bank und egal mit welchem ETF auf den MSCI World machst du mehr richtig als Falsch! Aber das heißt nicht das du nichts noch besser machen kannst!


    Bevor ich deine 5 Fragen beantworte, möchte ich allerdings noch 3 Punkte ansprechen.
    a. ist der MSCI World der der richtige Index für dich?
    b. welche Aktienquote möchtest du als Ziel haben? Anfangs sofort 50% und dann leicht steigend durch deinen Sparplan?
    c. Sind 50% sofort zu investieren das Beste für dich?


    zu a. Ich habe nichts gegen den MSCI World und seine Konzentration auf die USA haben ihm die letzten 10 Jahre recht gegeben. Allerdings würde ich (auch einem blutigen Anfänger) immer raten nicht auf die zusätzliche Streuung zu verzichten die ein Investment in Schwellenländer mit sich bringt. Das kann man, falls man die Marktkapitalisierung als Gewichtung nehmen möchte, auch gut in einem einzelnen ETF erreichen. Von MSCI heißen die Indices dann ACWI.
    Mein Favorit, ist allerdings der Index FTSE all-World (A2PKXG), der durch seine Methodik noch einen Tick breiter aufgestellt ist indem er nicht die 85% größten, sondern die 90% größten Firmen auswählt. Falls du definitiv keine Schwellenländer haben möchtest, dann würde ich trotzdem den FTSE developed world ins Auge fassen. (leider bisher nur die ältere ausschüttende Tranche von Vanguard bei SB per Plan besparbar: A12CX1 )


    zu b. Egal ob du alles sofort investierst oder längerfristig, step by step, musst du dir vorher, Gedanken machen was dein Ziel ist. Dafür gibt es Daumenregeln oder aber du entscheidest es aufgrund des Risikos. Und dann ist die Frage ob das Ziel sich Aufrund deines Sparplans ändern soll.


    zu c. Von 0 auf 50% finde ich bei Beträgen die signifikant sind, sagen wir 2 Monatsgehälter, psychologisch sehr gefährlich.
    Die Datenlage ist klar: Durchschnittlich ist es besser sofort zu investieren als den Zeitpunkt zu strecken. Allerdings gibt es dabei aber auch das größte Risiko. Könntest du damit leben, diese Entscheidung im Feb 2020 getroffen zu haben und dann den Coronacrash, mit deinen 30k voll mitgemacht zu haben. (Natürlich ohne zu wissen, das es sich so schön wieder erholt)
    Ich rate die, überlege doch ob auch für die 30k nicht ein Sparplan das beste wären. Ein Markteintritt über 6 bis 18 Monate, wäre dabei mein Favorit, gerne 1-2 mal pro Monat linear, die gleiche Summe investieren und danach den Sparplan löschen.


    Jetzt zu deinen Fragen: 1. Wenn du 30k oder auch nur 600€ investierst, sind dafür Kosten von 0,2% oder der eine Euro beim Handel über TR, aus meiner Sicht absolut vertretbar. Natürlich ist es immer besser möglicht wenig zu zahlen, aber mit deiner Investitionsentscheidung, kannst du 1000x mehr kaputt machen (falls du hinterher nicht damit leben kannst) als die zweistellige Zahl Euros für den Kauf.
    Ich habe Konten bei Beiden. Wenn du nicht sehr Smartphone affin bist würde ich dir dringend zu SB raten. Außerdem ist der sonstige Funktionsumfang sehr viel ausgeprägter (wer weiß wofür man das mal brauchen kann).
    Beides sind allerdings keine Anbieter mit klassischem Angebot: Zahlungskonto, EC-Karte, etc.


    2. Klar die Gebühren die die Broker verlangen, muss man vergleichen, und auch das bei machen Börsen(segmenten) zusätzliche Handelsplatzentgelde anfallen. Aber das kannst du ja selber nachrechen. Ich würde alleine schon um auswählen zu können, SB wählen. In machen Phasen, waren manche Handelsplätze in der jüngsten Vergangenheit nicht allzu stabil und haben Quotierungsgrößen gestellt, da kommst du mit deinen 30k schon dran. Natürlich ist die Frage ob du dann handeln möchtest oder solltest, wichtig wäre mit aber das ich überhaupt könnte. Deshalb meine klare Empfehlung: SB wählen, die Gebühren so wie sie sind akzeptieren und zur Not Zugang zu Xetra zu haben.


    3. Schau dir doch die Quotierungsvolumina doch an. Unter normalen Marktbedingungen und zu "normalen Zeiten" kannst du bei voluminösen, und liquiden ETF locker 50k € auch bei LSExchange plazieren ohne nachdenken zu müssen.
    Ich habe die letzten Monate Im Homeoffice, mehrfach täglich die Quotierungen für 6 ausewählte Wertpapiere bei LSExchange, Stuttgart und Xetra abgefragt. Mein Fazit: bis 50k € macht es keinen Sinn sich über die Quotierungsunterschiede Gedanken zu machen. Hier mal ein cent, da mal 2 cent Spread mehr oder weniger, machen dich weder arm noch reich. Ich verspreche dir, wenn du bei LSE (zu "normalen" Zeiten) nur 123Stücke siehst, aber 1000 Stücke möchtest, dann stürzen sich die "Geier" von Liquiditätsspendern so sehr darauf das du als Kunde, wohl kaum mehr als 0,01-0,05% schlechtere Kurse bekommst als am Referenzmarkt . Aber wie in der Ersten Antwort bereits geschrieben: Ein Limit schadet auch nicht! Limits kosten heutzutage im Vergleich zur Vergangenheit ja auch nichts mehr, also warum ohne?
    Aber falls du meinen Rat annehmen solltest und eh nicht die 30k auf einmal investierst, dann kann dir das alles auch vollkommen egal sein ;)


    4. Die Frage des ETF ist abhängig von dem Broker den du wählst, ist der dort sparplanfähig und ist er an dem Börsenplatz zu dem du Zugang hast, handelbar. Die LSE hat im letzten Jahr stark angezogen, was die Auswahl angeht. Aber wenn du SB wählst, kann dir das egal sein, weil du zur Not halt 4 € bezahlst und auf Xetra bist.


    Was die Frage der Thesaurierung angeht und der steuerlichen Gestaltung, habe ich andere Vorstellungen. Thesaurierend anlegen, Steurer am Jahresende vom Konto bezahlen und das was man durch den Freibetrag zurückbekommen kann, über die Steuererklärung hohlen. In deinem Fall aja auch vollkommen egal ob du 30k Euro auf dem Tagesgeld rumliegen hast oder ob du davon mal für 3-4 Monate ~200€ (801€x25%) dem Finanzamt "leihst".
    Seit der Reform von 2 Jahren, können dir alle anderen Fragen egal sein.


    5. OK jetzt also die Frage was ich an deiner Stelle machen würde. Das ist aber auch wirklich nur das was ICH machen würde, entscheiden musst am Ende des Tages DU!


    Ich bin in meinen 30ern, ich würde mehr als 50% anlegen wollen. Ich würde mir ein Ziel setzen: 75%
    Ich würde ein Konto bei SB eröffnen.
    Ich würde mir überlegen ob ich wirklich nur einen einzelnen ETF besparen möchte, nehmen wir mal an ich entscheide mich dazu...
    Dann würde ich die 600€ auf das Tagesgeld laufen lassen und vom Tagesgeld so lange 2.500 €/Monat (2x1250€) in A2PKXG stecken bis ich bei *75% Aktienquote angelangt wäre.
    (Falls du natürlich bei deinen 50% bleibst dann eben die zahlen von mir x2/3 rechen ;) )
    Ab dann würde ich überprüfen wie sich die Märkte entwickelt haben und ab dann die 600€ so aufteilen das ich ungefähr die Quote 75% halten kann. Also 3-6 Monate, kurz 2 Minuten Zeit nehmen und entscheiden ob von den 600€ nur 50 oder vielleicht sogar 600€ in den ETF kommen müssen. Solange das sich im unteren einstelligen Prozentbereich bewegt würde ich nur über die Sparplanrate steuern.
    Und mit der Steuer: Ja, wie unter 4. beschrieben.
    Ich würde zur Umsetzung des Plans, mir 2 Sparpläne bei SB einrichten und den einen am 1. und den anderen am 15. ausführen lassen. (Kein MUSS aber ein nice-to-have)
    Wenn du es manuell machen würdest, könntest du dir die 0,2% Gebühr auch sparen indem du die Orders über Gettex abwickelst, aber der Aufwand, wäre es mir nicht wert und ich würde die 60-90€ zahlen. Nach 1-2 Jahren hätte ich die 90 € bei den aktuellen TD sowieso wieder drin. (es kommt in meinen Augen halt kein anderer ETF an die Leistungen von A2PKXG)


    Ich hoffe ich habe jetzt alles und kann dir damit helfen!

  • Guten Morgen @Kater.Ka und Florian36.




    Erst einmal:


    VIELEN DANK für diese ausführlichen Antworten und Meinungen. Ich habe gar nicht erwartet, so tiefe Ansichten zu bekommen und – als mittlerweile doch Mitt-30er-Grünschnabel – so nett aufgenommen zu werden. Das spricht für euch und die Community.




    Ich habe mir alle Antworten durchgelesen – auch jene, die ich nur mühsam verstanden habe, weil – wie gesagt – ich völlig neu in der Thematik drin bin und manche für andere selbstverständliche Themen für mich komplettes Neuland sind.




    Mit ein paar Nachfragen muss ich euch doch noch belästigen, vor allem zu den steuerlichen Aspekten von entweder den einen oder den anderen ETF.




    Zuallererst:


    Wenn man die Psychologie mal beiseitelässt und die Meinung vertritt, besser jetzt ETFs zu kaufen als später – natürlich immer mit dem Hintergedanken einer Langfristigkeit – war ich bisher überzeugt, auf einen Schlag zirka 30.000€ zu ETFs zu machen. Diese doch für mich hohe Summe lässt mich vorsichtig sein beziehungsweise euch solche Grundlagen-Fragen stellen.


    Ich habe vernommen, dass neben dem thesaurierenden iShares Core (A0RPWH) auch der thesaurierende FTSE all-World (A2PKXG) spannend ist.


    Und, dass ich eher einen thesaurierenden statt einen ausschüttenden ETF nehmen soll und am Ende des Jahres den Freibetrag durch einen Gewinnverkauf ausreizen soll.




    Dazu nun noch ein paar Nachfragen:




    1.


    Der Spread interessiert mich, allerdings weiß ich nicht, weshalb dieser beim Kauf so entscheidend ist. Nehmen wir mal das Beispiel A2PKXG; hier ist der Spread wie folgt:


    Tradegate: Geld 72,21 à Brief 72,83


    L&S: Geld 72,19 à Brief 73,42


    Gettex: Geld 72,12 à Brief 72,50


    Muss mich der Spread bereits beim Kauf interessieren? Oder ist hier nicht viel wichtiger, wie hoch der Briefwert ist?


    Klar – wenn ich bei Gettex kaufe und gleich wieder verkaufe, mache ich es besser mit dem geringeren Spread als wenn meine bei Tradegate gekauften ETFs dann schlagartig alle im Verhältnis weniger wert sind. Oder?


    Aber ist dieser Spread fest? Also wenn ich meine ETFs 15 Jahre behalten wollen würde, ist dann in 15 Jahren der Spread immer noch proportional gleich hoch oder ist es in dem Fall egal?




    2.


    Warum ist ein thesaurierender ETF in steuerlicher Hinsicht besser als einer, der ausschüttet?


    Wenn ich das überschlage und (grob) annehme, dass ich am 01.07.2020 für 30.000€ schätzungsweise 400 thesaurierende ETFs kaufe und diese zum Jahresende eine Wertsteigerung von – sagen wir mal – 2,5% gemacht haben. Heißt also, dass meine ETFs im Dezember 30.750€ Wert sind, ich einen noch nicht ausgeschütteten Gewinn von 750€ gemacht habe. Möchte ich die kompletten 750€ mit meinem Freibetrag für 2020 verrechnen, müsste ich in diesem Fall in der letzten Dezemberwoche alle 400 ETFs wieder verkaufen, mir den Gewinn von 750€ ausschütten, darauf den bei SB definierten Freibetrag in Anspruch nehmen und schließlich für 30.750€ (, was dann bereits versteuertes Vermögen ist) wieder die ETFs zurückkaufen. Gibt das Sinn?


    Beispielsweise bei SB und Tradegate ist der Spread des A2PKXG gerade 62 Cent. Heißt doch mehr oder weniger, dass ich – wenn ich verkaufe und gleich wieder kaufe – einen „Verlust“ von 62 Cent pro ETF mache – was bei angenommenen 400 ETFs ja 248€ wäre…?


    Das lohnt sich dann doch nicht, wenn ich „nur“ den Freibetrag von 750€ x 25% erhalten möchte?
    Oder habe ich da was falsch verstanden?




    3.


    Dazu eine Alternative:


    Ich könnte doch auch den ausschüttenden ETF A1JX52 (also das ausschüttende Pendant zum A2PKXG) nehmen? Dann muss ich die 400 ETFs am Jahresende nicht mit Spreadverlust verkaufen, sondern kann einfach den ausgeschütteten Gewinn – dann durch Freibetrag bereits versteuert – wieder in ETFs anlegen?


    Wenn ich dies dann über SB und Gettex laufen lasse, bezahle ich sogar gar keine Gebühren?


    Zusätzlich dazu einen Sparplan auf den A1JX52 machen, so dass der Gewinn immer versteuert wird. Es ist ja schwer vorauszusehen, wie der jährliche Kursgewinn ausfallen wird, aber wenn ich irgendwann bemerken sollte, dass auch – sagen wir mal – 200 ETFs auf den A1JX52 ausreichen, zumindest den Freibetrag auszuschöpfen, kann man dann ja immer noch mit dem ganzen Rest in einen zweiten thesaurierenden ETF gehen, der ja insgesamt interessanter ist, weil der Gewinn erst bei Verkauf versteuert werden muss und somit den Zinsenszins-Effekt besser ausnutzt?


    Oder irre ich mich da?


    Vielleicht gibt es auch sonstige Gründe, die einen thesaurierenden ETF wesentlich besser als einen ausschüttenden machen?




    4.


    Es beschäftigt mich auch noch, über welche Börse ich handeln soll.


    Wenn ich mich auf den A2PKXG oder den A1JX52 konzentriere, kann ich ja nicht über TR gehen, sondern muss SB bemühen, weil es bei TR gar nicht beide ETFs zu kaufen gibt.


    Und bei SB wäre Gettex für 0€ natürlich am besten, obgleich ich mein Investment auch nicht auf den letzten Euro runterbrechen möchte (4€ statt 0€ bringen mich ja nicht um)…


    Aber generell ist es egal, ob Tradegate oder Gettex? Oder sind bei Gettex andere Nachteile?


    Bei Gettex sehe ich gerade, dass 300 Stück zur Verfügung stehen. Könnte ich dann überhaupt 400 Stück kaufen? (Eventuell wieder so eine dumme Frage, sorry dafür)…


    Wenn ich beispielsweise 300 Stück bei Gettex kaufe und die restlichen 100 Stück bei Tradegate, bezahle ich ja dennoch insgesamt 4€ für den Trade bei Tradegate. Dann habe ich auch zwei ETF-Portfolios, weil ich meine bei Tradegate gekauften ETFs ja nicht über Gettex verkaufen könnte? Sonst wäre ja auch ein Spread egal, sondern ich nehme einfach immer den niedrigsten oder höchsten Brief- oder Geldwert…




    5.


    „Ein Limit einstellen“


    Naiv wie ich bin war ich der Ansicht, wenn ich 400 ETFs unter den Handelszeiten zum Briefwert von 77,13€ kaufe, dann kaufe ich für 77,13€ pro ETF 400 ETFs…


    Warum ist ein Limit notwendig?






    Ich möchte nur noch einmal sagen, wie sehr ich es schätze und euch danke, dass ihr mir bei meinen Fragen so kompetent zur Seite steht!


    :-)

  • Ich habe vernommen, dass neben dem thesaurierenden iShares Core (A0RPWH) auch der thesaurierende FTSE all-World (A2PKXG) spannend ist.

    Letzerer enthält Schwellenländer. Wenn man das will ist der eben noch breiter gestreut, allerdings zumindest in letzter Zeit nicht so renditestarkt wie ersterer. Das kann sich aber ändern.

    Und, dass ich eher einen thesaurierenden statt einen ausschüttenden ETF nehmen soll und am Ende des Jahres den Freibetrag durch einen Gewinnverkauf ausreizen soll.

    Immer unter der Voraussetzung, dass man sich die Arbeit machen möchte. Bei Deinem Anlagevolumen kann man das auch mit einem Ausschütter schnell erreichen, z.B. die Erstanlage im Ausschütter und den Sparplan auf den Thesaurierer.

    Muss mich der Spread bereits beim Kauf interessieren? Oder ist hier nicht viel wichtiger, wie hoch der Briefwert ist?

    Jein. Du kaufst natürlich am besten zum niedrigsten Briefkurs. Allerdings muss man dabei immer beachten, ob es ein Kurs (da hat ein Handel stattgefunden) oder eine Taxe (da meint jemand dass zu diesem Preis ein Handel stattfinden könnte). Wenn man annimmt, dass der Spread den fairen Wert einschließt deutet ein hoher Spread einen (relativ) hohen Abschlag beim Verkauf und Aufschlag beim Kauf an.

    Warum ist ein thesaurierender ETF in steuerlicher Hinsicht besser als einer, der ausschüttet?

    Auf welche Aussage bezieht sich das? Er ist langfristig besser weil außer der Vorabpauschale Steuer erst beim Verkauf anfällt und bis dahin der Gewinn über Zinseszinseffekt mitverdient. Das mit dem Ausschütter / Verkauf von Thesaurierer bezieht sich auf den Pauschbetrag. Wenn der schon ausgeschöpft ist -> Thesaurierer.
    Frage 3 sollte damit auch beantwortet sein.

    Das lohnt sich dann doch nicht, wenn ich „nur“ den Freibetrag von 750€ x 25% erhalten möchte?

    Von wann sind die Spreads? Jetzt ist Handelszeit und ich sehe bei Tradegate 10 Cent Spread.
    Ansonsten ist Deine Überlegung richtig,


    Praxistip: Deutsche Aktien 0915-1715 und amerikanische von 1550-2145 Uhr handeln. Da in den ETF beides drin ist günstigerweise von 1550-1715 Uhr handeln, da sollten die Spread am geringsten sein, weil die meisten Referenzbörsen offen sind.

    „Ein Limit einstellen“

    Also: Du bekommst bei gettex auch die 400 Stück. Und es ist egal wo Du kaufst, das sieht man dem ETF nicht an. Du kannst den in Frankfurt kaufen und in Mailand verkaufen und das nächste mal in Düsseldorf.


    Das Problem mit dem Limit ist folgendes: Wenn Du eine Order ohne Limit aufgibst ( das heißt dann "bestens") wird sie zum nächsten Kurs ausgeführt. Wenn gerade kein Angebot da ist kann das zu einer Preisspitze führen. Mit dem Limit stellst Du sicher, dass Du keinen überhöhten Preis zahlst.


    Praxistip: Du schaust Dir bei einer "richtigen" Börse, die Realtimekurse zeigt, an, welche Kurse gerade realistisch sind, Hier bietet sich Stuttgart an. Daraus leitest Du ab, welchen Preis Du dann z.B. bei gettex zahlen möchtest und gibst den als Limit ein. Dann ein paar Minuten Geduld und Du hast den Preis erhalten. Funktioniert natürlich nicht wenn es gerade steil nach oben geht.

  • @ Kater.Ka


    https://community.finanztip.de/benutzer/2312?DANKE DIR! :-)


    Scheinbar habe ich wirklich nur die Spreads abseits der Handelszeiten gesehen.
    Mein ursprünglicher Favorit, der thesaurierende iShares ETF A0RPWH, hat tatsächlich gerade folgende Spreads bei den erwähnten Börsen:


    Gettex: Geld 53,27 --> Brief 53,27
    L&S: Geld 53,26 --> Brief 53,28
    Tradegate: Geld 53,25 --> Brief 53,26


    :-)


    Wobei es bei L&S "nur" ein paar hundert ETFs zu kaufen gibt, bei den anderen Börsen ein paar Tausend.


    Folglich wäre es doch total sinnvoll, bei einem solchen Spread thesaurierend zu investieren und in Dezemberwoche so zu verkaufen und wieder zu kaufen, dass die 801€ optimal verwertet werden...


    Wenn ich dich richtig verstehe, kann ich ETFs über Gettex kaufen und die selben über Tradegate verkaufen? Dann ist der Spread doch egal?


    In meinem Beispiel oben würde ich - wenn man mal die Brokergebühr beiseite lässt - bei Tradegate kaufen, weil hier der Briefkurs am billigsten ist. Und wenn ich anschließend und nach meinem Beispiel wieder verkaufe, verkaufe ich bei Gettex, weil hier der Geldkurs als höchsten ist?


    Wenn ich allerdings bedenke, dass ich bei Trade Republik "nur" iShares über L&S handeln kann, ist Smartbroker ja deutlich besser?
    Und wenn ich auch noch bei Smartbroker über Gettex handeln würde, kostet mich das ja auch keine zusätzlichen Gebühren? Gerade zumindest?


    Danke nochmals!


    P.S. Habe ich mich schon für meine naiven Fragen entschuldigt? ;-)

  • Wenn ich dich richtig verstehe, kann ich ETFs über Gettex kaufen und die selben über Tradegate verkaufen? Dann ist der Spread doch egal?

    1.Frage ja
    2.Frage nein, da ein hoher Spread i.d.R. zu schlechten Kursen führt.

    n meinem Beispiel oben würde ich - wenn man mal die Brokergebühr beiseite lässt - bei Tradegate kaufen, weil hier der Briefkurs am billigsten ist. Und wenn ich anschließend und nach meinem Beispiel wieder verkaufe, verkaufe ich bei Gettex, weil hier der Geldkurs als höchsten ist?

    Ich hatte oben schon mal angemerkt, dass die ausgewiesen Kurse vergangen sind und die Taxen nicht bindend sind. Deine Antwort ist theoretisch richtig, ob Du tatsächlich zu den Kursen ausgeführt wirst wird man sehen (oder erzwingt es über Limit)

    Wenn ich allerdings bedenke, dass ich bei Trade Republik "nur" iShares über L&S handeln kann, ist Smartbroker ja deutlich besser?
    Und wenn ich auch noch bei Smartbroker über Gettex handeln würde, kostet mich das ja auch keine zusätzlichen Gebühren? Gerade zumindest?

    1. Frage Wenn die Kurse bei LS XC gut sind und iShares reicht dann bietet SB nicht unbedingt einen Vorteil. Im Sinne von Flexibilität ja
    2. Frage Ja ab 500 €. Auch hier die Frage wo es die besseren Kurse in der Ausführung gibt. Ich handle Aktien mit gettex und habe den Eindruck, dass die Kurse anderswo besser sind. Macht mir unterm Strich aber nix wegen Limit.

  • @Kater.Ka


    Super, nochmals vielen Dank für die Antworten! :-)


    Zwei kurze Nachfragen noch:


    1.
    Wenn ich bei Smartbroker über Gettex kostenlos handeln kann, ist es ja sinnvoll, das zu tun, wenn der Kurs stimmt?
    Oder gibt es Gebühren, die dann zusätzlich dazukommen?


    2.
    Gibt es eigentlich einen Kosten-Nutzen durch einen Sparplan?
    Wenn ich jeden Monat nicht automatisch, sondern "analog" ETFs zukaufe - und das auch noch bestenfalls über Smartbroker/Gettex - bezahle ich ja keine Gebühren und bin flexibler, was und wie viel ich kaufe?
    Abgesehen von der Bequemlichkeit, dass der Zukauf automatisch für mich erledigt wird, habe ich doch nix von einen Sparplan? Oder?



    Danke!

  • Oder gibt es Gebühren, die dann zusätzlich dazukommen?

    Nach meinem Verständnis nein.

    Gibt es eigentlich einen Kosten-Nutzen durch einen Sparplan?

    Den Gratiskauf gibt es erst ab 500€-Summe, vorher ist ein Sparplan attraktiver.


    Der Gratishandel ist eine recht neue Entwicklung durch die neuen Anbieter TradeRepublic, JustTrade und Gratisbroker. Smartbroker ist auch recht neu und mMn der günstigste Vollsortimenter. Der Gratishandel bei gettex imitiert das Angebot bei GB. Klassisch waren Sparpläne eben günstiger auch bei hohen Raten.