Basisfragen zu Riester

  • Hallo liebe Community,


    es gibt endlich mal gute Nachrichten in diesen verrückten Zeiten, wir erwarten im September unser erstes Kind! :thumbup:
    Jetzt beschäftigen wir uns in diesem Zusammenhang mit dem Thema Riestern.


    Dies ist die Ausgangssituation:
    Ich möchte den maximalen Förderbetrag von 2100 p.a. besparen, hier bekomme ich dann 475 € (Grundzulage 175 + Kinderzulage 300) bezuschusst.
    Jetzt könnte meine Frau ebenfalls eine Riesterrente abschließen und diese mit dem Mindestbeitrag i.H.v. 60 € p.a. besparen.


    Die daraus resultierenden Fragen:
    Bekommt meine Frau dann automatisch die Grundzulage von 175 €, sodass sie im Grunde 235 € p.a. einzahlt?
    Kann man dann sagen, dass wir bei 2160 € p.a. also nicht 475 € sondern 650 € p.a. Bezuschussung erhalten?


    Vielen Dank für eure Hilfe.

  • Hallo @Kant


    du hast es richtig erfasst. Jeder der riestern darf (zB Arbeitnehmer) bekommt 175 Euro Zulage. Der Mindestbeitrag ist "4% vom Letztjahresbrutto minus Zulage" um die volle Zulage zu bekommen. Wenn man kein Einkommen hat, zahlt man mindestens 5 Euro pro Monat d.h. 60 pro Jahr. Ein Kind bringt einen Kinderzuschlag von 300 Euro für ein Elternteil. Es kann nur ein Elternteil eine Kinderzulage bekommen.


    Standardmäßig wird von klassischer Rollenverteilung ausgegangen. Da die Rentenlücke der Frau größer ist, bekommt sie standardmäßig die Kinderzulage. Man kann aber gemeinsam einen Antrag stellen, dass der Mann die Kinderzulage bekommt.


    Unsere Überlegung war eben diese klassische Rollenverteilung, meine Frau bekommt die Kinderzulage(n), da sie für die Kindererziehung stärker zurücksteckt. Im Scheidungsfall würde ich auch keinen Zugewinnausgleich auf ihren Riester verlangen. Ich war immer Vollzeit arbeiten, sie ist Jahrzehnte in Teilzeit, da ist das bisschen Riester und Riesterzulage auf ihrem Konto völlig in Ordnung.

  • Hi @chris2702,


    danke! Jetzt habe ich es verstanden, die "4% vom Letztjahresbrutto minus Zulage" sind entscheidend.
    Meine Frau müsste laut Rechner auf www.bvi.de 1.745 € zahlen um die 175 € zu erhalten.
    So kämen wir dann auf eine Summe von 3.845 € (1.745 + 2.100), wovon 650 € p.a. Zuschuss sind.


    Es gibt ja noch den Steuervorteil, dieser ist zwar vom Einkommenssteuersatz abhängig aber wenn man einfach das Beispiel auf Finanztip nimmt und das auf meinen Fall anwendet:
    Bruttoeinkommen: 70.000 € p.a.
    Einzahlung: 2.100 € p.a.
    errechneter Steuervorteil: 921 € p.a.
    tatsächliche Steuererstattung: 746 € p.a.


    Zur einfacheren Rechnung, nehmen wir meine Frau mal kurz aus der Riester-Modell raus.
    Könnte man dann sagen, dass ich für die 2.100 € lediglich einen effektiven Aufwand von 879 € habe, da ich 746 € Steuererstattung erhalte, sowie 475 € (Grundlage + Kinderzulage)?

  • Dein Beitrag sind 2100 Euro. Davon subtrahierst du die eigene Zulage und die Kinderzulage =475 Euro. Mit der Steuererstattung komme ich nicht mit. Ich hätte 40% Erstattung von 1625 Euro angenommen. Das sind 650 Euro Steuererstattung, die ebenfalls zu subtrahieren sind.


    Somit sind es 2100 - 475 - 650 = 975 Euro Eigenbeitrag.

  • Hallo.


    Das mit dem 2. Vertrag und den 60 Euro Sockelbeitrag funktioniert erst ab dem 2. Kalenderjahr nach der Geburt des Kindes (es sei denn, man hat kein rentenversicherungspflichtiges Einkommen), ansonsten ist man bei den 4% des Vorjahresbruttos minus Zulage(n).


    Je nachdem, ob nur ein Partner oder beide zum förderberechtigten Personenkreis gehören, muss man genau hinschauen,es gibt da ein paar Kniffe und Stolpersteine.

  • Ich habe jetzt mal in die Tiefe recherchiert und führe mal meine Gedanken aus, in der Hoffnung dass es nachvollziehbar ist:


    Allerdings wird dann später bei der monatlichen Rente die Steuer fällig:
    "Gegenstück der Steuerfreiheit in der Sparphase ist eine volle Besteuerung in der Rentenphase. Bei den später gezahlten Riester-Renten werden also nicht nur die Gewinne besteuert, sondern die Renten in voller Höhe mit dem persönlichen Steuersatz. Ein echter Steuervorteil entsteht deshalb nur, wenn der Steuersatz im Alter deutlich niedriger ist als während der Einzahlungen." (wiwo.de)


    Wiwo geht von bei Renteneintritt von einer Einkommenssteuersatz von 10 Prozentpunkten weniger aus als zur Berufszeit, also bei 42% wären es dann nur noch 32 %. Finanztip hat in seinem Beispiel 28 % angenommen.
    Wenn ich also annehme dass ich später eine monatliche Rente von 280 € bekomme und der Einfachheit halber 30% an Steuern abgehen, also 84 €, dann bekomme ich 196 € monatliche Rente.


    Der Steuervorteil von 650 € (54 € pro Monat) oder 746 € (62 € pro Monat) in der Sparphase stünde somit einer monatlichen Abgabe von 84 € im Rentenalter gegenüber.


    Die Rechnung, dass ich in der Sparphase wegen Grund- & Kinderzulage sowie Steuervorteilen lediglich 975 oder 879 € zahle ist fehlleitend, da ich die Steuern zu einem späteren Zeitpunkt noch zahlen werde.
    Ich komme zur Erkenntnis, dass der Steuervorteil von 650 € oder 746 € einer Besteuerung im Rentenalter von 1.008 € gegenübersteht.
    Die ursprüngliche Rechnung (2100 - 475 - 650 = 975 oder 2100 - 475 - 746 = 879) müsste also korrigiert werden zu:
    2.100 - 475 - 650 + 1.008 = 1.983 € oder
    2.100 - 475 - 746 + 1.008 = 1.887 €


    Mein Versuch das Riester-Sparen schön zu rechnen ist daher nicht wirklich gelungen, den Steuervorteil darf man sich nicht schön rechnen, da die Steuern später merklich die monatliche Rente reduzieren.

  • Deine Rechnung beinhaltet gewisse Annahmen. Grundsätzlich finde ich die ok.


    Wenn du einen provisionsgetriebenen Versicherungsvermittler fragen würdest, würde der dir sagen "heute zahlen sie 42%, in 40 Jahren zahlen sie 20%, das heißt Sie haben 22% Steuern gespart". Ich kann für meine Rechnung nur sagen, dass ich von einem geringeren Steuervorteil ausgehe. Meine Frau und ich verdienen deutlich über 100.000 Euro. Durch Splittingvorteil, Kinderfreibeträge und einige steuerrelevante Themen ist aber unser Grenzsteuersatz nicht mehr annähernd 42%. Gleichzeitig rechne ich mit einigen Einnahmen im Rentenalter, die den Grenzsteuersatz steigen lassen werden. Was auch immer mein Steuervorteil ist, am Ende wird er unter 10% liegen. Hinzu weiß man nicht, wie die Steuergesetzgebung in 30 Jahren aussehen wird. Rechnet hier jemand mit geringeren Steuersätzen als heute? Ich nicht.


    Wer Rentenversicherungen kauft, um Steuervorteile zu generieren, wird höchstwahrscheinlich damit leben müssen, dass die geschürten Erwartungen nicht annähernd erfüllt werden.

  • @chris2702 verstehe ich es richtig, dass ihr, also deine Frau, trotz der geringen Steuerentlastung riestert und die Zulagen mitnehmt?


    Deine Ausführungen haben mich über eine Alternative zum Riestern nachdenken lassen.
    In meinem Rechenbeispiel sieht der Riestersparplan eine Sparrate von 135 € pro Monat vor. Wenn ich das monatlich in einen ETF stecke und eher pessimistisch von nur 3% Rendite ausgehe komme ich bei Quartalsausschüttung im gleichen Ansparzeitraum von 35 Jahren auf 100.000 Euro.


    In meinem vorigen Beitrag kam ich ja auf eine monatliche Riesterente von ca. 200 € nach Steuern.
    Wenn ich also im Jahr das gleiche aus meinem ETF-Ersparten bekommen möchte, müsste ich ca 3.000 p.a. entnehmen.
    801 € (steuerfrei) + 1.650 (25% Abgeltungssteuer i.H.v. 550€) = 2.451 €


    Mit dieser Rechnung würde ich also 33 Jahre mit einer vergleichbaren Rente auskommen, wäre allerdings bei der Höhe der Summe die ich entnehme flexibler und hätte eine fortlaufenden Zinseszinseffekt aufgrund der Summe die nach wie vor in den ETFs liegt.


    Der einzige Einwand den es hier noch geben kann ist das Thema Risiko. Ein ETF würde vermutlich immer riskanter bewertet also ein Riestervertrag, oder?

  • Hast du mit null Zins wärend der Rentenentnahme gerechnet? Wenn du mit 3% rechnest, kannst du 33 Jahre lang 394 Euro entnehmen.


    Warum sollte ein ETF auf den MSCI World 3% Rendite erzielen, wenn er in vergangenen Jahrzehnten viel höher war?


    Das Risiko liegt in erster Linie im Langlebigkeitsrisiko. Wenn du 120 Jahre alt wirst, ist Riester natürlich besser. Die Frage welchen Anteil an deiner Gesamtrente der Riester ausmacht, wenn <10% fände ich 400 Euro für 30 Jahre besser als 200 Euro lebenslänglich.


    Wir haben den Riester abgeschlossen als ich dachte, dass das "immer" sinnvoll ist und egal von welchem Anbieter. Durch die gezahlten Abschlusskosten wäre ein Wechsel nicht unter Garantie vorteilhaft, hab ich von einem Honorarberater prüfen lassen. Dieses Jahr bekommen wir das 3. Kind, meine Frau arbeitet Teilzeit. Unsere Zulagenrendite liegt bei 19%. Das rechnet sich. Am Ende wird das Vermögen aber nicht kriegsentscheidend sein. Es ist einfach ein kleiner Baustein, den wir mitnehmen.


    Die Frage wäre ob deine Frau eigenständig zulagenberechtigt ist. Wenn sie mit 60 Euro Einzahlung 475 Euro Zulage mitnimmt, ist das attraktiv. Oder sie ist als deine Ehefrau mittelbar berechtigt, dann wäre die Frage ob du wirklich 2100 Euro einzahlen willst oder weniger und der "eigentliche" Vertrag der deiner Frau ist, die dann auch die Zulagen bekommt.

  • Moin!


    Ich ging tatsächlich von keinem weiteren Zins aus während der Entnahme aus, wusste nicht dass man da mit weiteren Zinsen rechnen kann. Den ETF habe ich deshalb so pessimistisch gerechnet um zu sehen was quasi im Worst Case doch noch alles drin ist, die Historie zeigt natürlich das deutlich mehr drin sein müsste.


    Ich finde euren Ansatz sehr charmant, dass ein Ehepartner riestert, die Zulagen mitnimmt und fertig.
    Wie ist das denn wenn beide später in Rente gehen, können dann beide auf die monatliche Rente zugreifen oder ist das dann offiziell nur für die Person die geriestert hat?


    Schönen Sonntagabend noch!

  • Was Aktienanlage im Alter angeht kommt es sicher auf die Gesamtsituation an. Mein Vater kann seine Alltagsausgaben durch seine Rente abdecken. Er hat erst mit 70 mit ETF Käufen begonnen und kauft hin und wieder zu. Einen Totalcrash würde er sorgenfrei überstehen.


    Wenn man auf Kapital aus dem ETF Depot im Rentenalter kontinuierlich angewiesen ist, muss man irgendwann rechnen welche ETF Quote man sich leisten kann. Ich würde vermutlich Kapital für 10 Jahre Ausgaben krisensicher auf Festgeld und Tagesgeld verteilen und alles für 10+ Jahre im ETF lassen. Damit kann man dann beliebig spielen. Wenn du dich mit 5 Jahre Ausgaben sicher fühlst und auch bereit bist zu verzichten wenn ein Crash kommt und nicht aufgeholt wurde, mögen 5 Jahre reichen. "Alles Kapital" braucht man eher nicht zu Nullzins mit 65 Jahren.


    Üblicherweise ist Riester vererbbar. Ich weiß nicht was die gesetzliche Vorgabe ist, insbesondere zur Quote der Witwenrente. Aber gerade weil die Frau ja oft länger lebt macht ein verlässlicher Rentenbaustein für sie Sinn, von denen zu Lebzeiten der Mann auch profitiert. Und im Scheidungsfall fällt der Riester in den Zugewinnausgleich.

  • Die Rente steht dem jeweiligen Sparer zu, also quasi getrennte Renten. (Die wird man aber wohl im Haushaltseinkommen aufgehen lassen.) Je nach Vertrag gibt es Rentengarantiezeiten oder Ähnliches. Wenn einem während der Ansparphase etwas passiert, dann wäre das grundsätzlich eine "schädliche Verwendung", es sei denn das Guthaben im Vertrag wird auf den Vertrag drs Partners übertragen.

  • Moin,


    mir ist jetzt ein sehr wichtiger Aspekt aufgefallen, der m.E. sehr wenig im Kontext Riester-Rente diskutiert wird (auch bei Finanztip unerwähnt bleibt): Das Thema Inflation.
    Während die staatliche Rente über die Jahre inflationsbedingt angepasst wird, passiert das bei keiner Riesterversicherung oder? Es wird lediglich garantiert, dass man das eingezahlte herausbekommt.

  • Moin,


    mir ist jetzt ein sehr wichtiger Aspekt aufgefallen, der m.E. sehr wenig im Kontext Riester-Rente diskutiert wird (auch bei Finanztip unerwähnt bleibt): Das Thema Inflation.


    Bei den oben angenommenen 196 € und einer Inflation von 1,8% käme ein Wert von ca. 100€ am Ende raus.
    Und das bei einer monatlichen Sparrate von 135 €.


    Während die staatliche Rente über die Jahre inflationsbedingt angepasst wird, passiert das bei keiner Riesterversicherung oder? Es wird lediglich garantiert, dass man das eingezahlte herausbekommt.


    Ich glaube jetzt ist die Riester-Rente schlussendlich für mich raus...

  • garantiert sind die eingezahlten Beiträge. Einen Inflationsausgleich gibt es nicht.